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Doktorschwindel bei Juristen: Nassgekämmte Jungdynamiker auf Titeljagd

Auffällig viele windige Dissertationen schrieben Plagiatoren in und über Juristerei. SPIEGEL-Autor Dr. jur. Thomas Darnstädt nimmt darum sein eigenes Fach aufs Korn und sagt: In den Rechtswissenschaften herrscht eine Kultur der Kumpanei.

http://www.spiegel.de/unispiegel/hef...773856,00.html
  1. #30

    Vorteil

    Zitat von DJ Doena Beitrag anzeigen
    Mal die blöde Gegenfrage. Stört das jemand außerhalb dieses inzestuösen Kreises, ob sich die Juristen nun auch noch gegenseitig den Dr. jur. zuschieben? Ist das für irgendwen anderen von Belang?
    Aber natürlich interessiert dieses Erschleichen von geldwertem Vorteil. Glauben Sie denn es würde nicht stattfinden, wenn die Protagonisten nicht konkreten Nutzen davon hätten.
  2. #31

    Doktor-Bashing macht Spaß

    Zitat von zeitzeuge10 Beitrag anzeigen
    Ich kenne Juristen,die haben sich ihren Dr-Titel gegen cash und einer Dr-Arbeit-light in Bratislava abgeholt.
    Wie viele?

    Über den Junior-Chef meines Vaters wurde gespottet, er sei ein "Dr.-Graz", weil er in Österreich promoviert wurde. Da schloss sich die Promotion nahtlos an das Studium an und kostete die halbe Zeit wie hier. Die gesamte Führungsriege war dann überrascht über seine Kompetenz, als er das Ruder übernahm.

    Ich habe sehr viele Promovierte unterschiedlicher Fachrichtungen in meinem Freundes- und Bekannntenkreis. Darunter gibt es auch Ausnahmen, die günstige Umstände - welche auch immer - nutzen konnten. Weit überwiegend war das aber jahrelange harte wissenschaftliche Arbeit in der Hoffnung auf zukünftige Belohnung. Und bei meinen Mitschülern war es die konsequente Verfolgung ihrer bekannten Interessen. Sicher haben es Ärzte dabei leichter gehabt, die waren aber auch schon vorher gesiebt. Und als Apotheker konnte man in BS promovieren oder in B eine fachhistorische Arbeit schreiben - Welten Unterschied.

    Ich bin nicht promoviert; meine Berufsprüfungen wiegen das für das Renommee in meinem beruflichen Umfeld lässig auf. Ich sehe eine Dissertation aber grundsätzlich als anerkennenswerte engagierte Leistung. Und für die Praxis gilt für alle Formalqualifikationen, was ein Freund (Dr.-Ing.) dem Sohn (Studienanfänger) eines anderen Freundes auf die Frage nach dem Nutzen einer Promotion sagte:

    Ach weißt du, mit dem Doktor drehst du die Beweislast nur um, wenn du in einen Betrieb kommst. Als normaler Akademiker musst du den Leuten beweisen, dass du etwas kannst. Als Doktor müssen die dir beweisen, dass du nichts kannst. Nach einem halben Jahr hat sich das erledigt, da wissen sowieso alle Bescheid.

    Und nach ein paar Jahren haben Doktoren auch den Gehaltsverzicht während der Promotionszeit aufgeholt. Ab dann hat es sich gelohnt.

    Wie man einem Doktor begegnet, ist halt eine Sache des Naturells. Kratzfüßig, neidisch oder mit der Anerkennung, die ich genauso für - z.B. - einen guten Fliesenleger oder Möbeltischler habe.
  3. #32

    na jaaa...

    Der Kollege hat natürlich Recht, und kennt sich aus.

    Jetzt muss ich aber auch einmal sagen: Wer in der Juristerei Karriere machen will, braucht in 2 Staatsexamen 2x Vollbefriedigend.

    Ist das nicht erfüllt, reicht auch kein geschundener Doktortitel.
    Diese 2 Staatsexamen sind aber zu 100% anonym, und ich wüsste nicht, wie man da bescheißen sollte ? Vielleicht fehlt mir auch die Fantasie.

    Ich will damit sagen, der Dr. ist nur ein Plus obendrauf, wie der LLM. Ausschlaggebend für die Einstellung in der Wirtschaft sind aber die Staatsexamen.

    Guttenberg und andere Politiker sind vielleicht genau die Fälle, bei denen es anders ist, bei denen der Dr. wirklich nutzen kann; denn Politik ist nunmal ein Showgeschäft, bei dem die Staatsexamina völlig egal sind.
  4. #33

    Wer nimmt den Dr. jur. denn ernst?

    Mich erinnern Juristen in der Ausbildung an Taliban-Schüler. die heiligen Schriften willig auswendig lernen und im Beruf das falsch erlernte erbrechen.

    Man könnte auch ein Priesterseminar vergleichen. Juristerei hat als Bedingung, dass jemand bereits ist, jedes eigens Denken zu verlernen und den gesunden Menschenverstand zu verlieren.

    Juristen wollen Akademiker sein, aber müssen im Beruf jede akademische Denkschulung verleugnen. Denn wenn sie versuchen würden über Vernunft und Logik zu einem gerechten Urteil zu kommen, würde der Rechtsanwalt müde abgewehrt werden, der Staatsanwalt würde einen Ruf als Querulant erringen und jedes Urteil eines Richters wäre nicht revisionssicher. Und nur darum geht es in der Rechtsprechung. Bei der oberen Instanz nicht mit eigenen Gedanken aufzufallen.
  5. #34

    Anmerkung

    noch eine Anmerkung,
    der Doktorvater bekommt seinen Doktoranden bei keiner Kanzlei unter, wenn der Doktorand keine guten Staatsexamina hatte.
    Das ist das, was in dem Artikel meiner Meinung nach fehlt.
  6. #35

    Ein Fall für VroniPlag: Karl Marx und Friedrich Engels

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Auffällig viele windige Dissertationen schrieben Plagiatoren in und über Juristerei. SPIEGEL-Autor Dr. jur. Thomas Darnstädt nimmt darum sein eigenes Fach aufs Korn und sagt: In den Rechtswissenschaften herrscht eine Kultur der Kumpanei.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/hef...773856,00.html
    Marx hat ja auch Jura studiert. Vielleicht hatte er es da her?

    Jedenfalls ist das Kommunistische Manifest in weiten Teilen abgeschrieben. Sogar viele der Phrasen mit denen Marx und Engels berühmt geworden sind, sind nicht von ihnen, wie z. B. das Proletarier aller Länder usw. Ähnlich die zahlreichen Plagiate von Engels in seinem Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Und ein Plagiaten sind so plump, daß sie fast von Guttenberg sein könnten.

    Das wurde von Ramus und Tscherkessoff schon 1906 aufgedeckt, vgl.

    "W. TSCHERKESOFF : Die Urheberschaft des Kommunistischen Manifests; E. LABRIOLA: Das demokratische Manifest. PIERRE RAMUS : Friedrich Engels als Plagiator."

    http://digital.a-bibliothek.org/Pier...20Manifest.pdf
  7. #36

    So kann ich das nicht stehen lassen

    Zitat von UHamm Beitrag anzeigen
    Beim US- Zoll guckt man schon mal in die Papiere und wenn da z.B. als Namesergänzung Prof.Dr. steht, fragt der Customs officer schon mal nach, ob man so wirklich in merry old Germany genannt wird.

    Da fällt einem nichts mehr ein...
    Interessanterweise wird der Titel in USA viel respektvoller behandelt als in Deutschland. So wird man auf Postaemtern, in Hotels oder Restaurants in der Regel mit Titel angesprochen, wenn es z.B. auf der Kreditkarte oder dem briefumschlag steht. In Deutschland ist das eher nicht der Fall. Dagegen spielt es im Arbeitsleben in der Tat keine Rolle. Uebrigens, wenn Sie schon aus SPON Artikeln zitieren, sollten Sie das auch kenntlich machen. (http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...770186,00.html)
  8. #37

    Na ja..

    Zitat von ASDFZUIOP Beitrag anzeigen
    Da tun Sie gut daran, denn das, was Mediziner für den Titel leisten müssen, entspricht ziemlich genau einer Magister/Diplom/Master-Arbeit anderer Fächer - und sagt über ihre Qualifikation als Arzt ungefähr genauso wenig aus wie Guttenbergs Titel über seine politischen Fähigkeiten.
    Wenn die Mediziner eine Untersuchung über das Paarungsverhalten von Meerschweinchen bei Vollmond abliefern, bin ich eigentlich ganz zufrieden mit der Kompetenz. Ich selbst habe leider als chronisch Kranker Diagnosen erlebt, welche sich alle 10min änderten. So what.. dank Internet pfeife ich inzwischen auf Ärzte.. und auf Anwälte ebenso.
  9. #38

    Manchmal schon

    Zitat von DJ Doena Beitrag anzeigen
    Mal die blöde Gegenfrage. Stört das jemand außerhalb dieses inzestuösen Kreises, ob sich die Juristen nun auch noch gegenseitig den Dr. jur. zuschieben? Ist das für irgendwen anderen von Belang?
    Wenn der Herr oder die Dame auf dem erschwindelten Namenszusatz besteht.
  10. #39

    ...

    Das eigentlich schlimme ist ja, dass es auch solche Doktorranden gibt, die sich wirklich noch mit der wissenschaftlichen Materie auseinandersetzen und das nicht für den Dr-Titel, sondern aufgrund der wissenschaftlichen Herausforderung tun. Diese Leute werden besonders durch eine derartige Dr-Entwertung geschädigt. Sie haben überragende intellektuelle Leistungen erbracht und sich ihre besondere Auszeichnung durch viele Jahre harter Forschung redlich verdient und sind nicht selten an ihre intellektuellen Leistungsgrenzen gestoßen.

    Insofern regt es mich besonders auf, wenn ich so einen Artikel lese. Vielleicht wäre eine wirklich unabhängige Promotionskommission sinnvoll, die wirklich jede Promotion durchsieht, auf Plagiate und Einhaltung wissenschaftlicher Standards prüft. Ich kann mir zudem gut vorstellen, dass es Dipl- und Masterarbeiten gibt, die erheblich gehaltvoller sind als so manche Dissertation... Auch hier wäre mal eine stichprobenartige Gegenprüfung sinnvoll. Findet sich dann eine Diplomarbeit, die gleichwertig oder "gehaltvoller", kann die Dissertation entsprechend nicht zu einem Dr-Titel führen.


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