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Diskriminierung im Bildungssystem: "Erkan war mindestens ebenbürtig"

DPADeutsche Schulen sind ungerecht, kritisiert die Soziologin Jutta Allmendinger. Sie musste mit ansehen, wie ihr gut situiertes Patenkind gefördert wurde, während Klassenkameraden der Aufstieg verwehrt blieb. Sie fordert im Interview: Wir dürfen Kinder nicht so früh aussortierten.

Ungerechtigkeit in der Schule: Allmendinger kritisiert Bildungssystem - SPIEGEL ONLINE
  1. #1

    optional

    Nichts wird sich je ändern. Zu viele Emotionen, zuwenig Fakten. Welche Eltern schauen schon über den Tellerrand dieser Republik auf Länder, in denen das funktioniert, ws hier als völlig unmöglich betrachtet wird. Dazu noch dieser beschissene Föderalismus, bei dem es doch im Endeffekt nur um Besitzstandwahrung geht und keiner je Macht abgeben wird zum Wohle der Allgemeinheit
  2. #2

    Es reicht!

    Bildung ist nämlich auch Eigentum. Es verpflichtet, muss erarbeitet und geschützt werden. Und das Bildungszertifikat (Zeugnis) ist wie ein Auto-Brief.

    In dem Moment, in man diese Zertifikate verschenkt, enteignet man eine große Menge von Menschen. Ich habe darüber schon oft mit Studenten geredet, und die sehen das genau so. Nahezu die Hälfte mancher Studiengänge hat kein Abitur und weiß nicht, wie ein Gymnasium von innen aussieht. Während andere ihre Eltern stärker finanziell belasteten, um Abi zu machen, haben manche in der Ausbildung schon das große Geld gemacht.

    Plötzlich kommen Bildungsinitiativen, die Hochschulreife auch für Menschen ohne Abi verlangen. Von denen hat man sich früher getrennt, indem sie verpflichtet waren, ein FH im Titel zu tragen. Auch dieser ist nun futsch. Gesamtschulen sind heute nichts anderes als Hauptschulen mehr.

    Und die Industrie verlangt in zwischen offen, ihre Bachelor und Master Titel verteilen zu dürfen. All das führt dazu, dass diese Titel nichts mehr Wert sind. Und diejenigen, die darin investiert haben, vom Staat direkt enteignet werden.

    Und wer jetzt was anderes sagt: Würdet ihr euch von einem Doktor, der in einem Dritten-Welt-Land studiert hat, operieren lassen?
  3. #3

    Das deutsche Schulsystem ist nicht so schlecht

    Aus meiner eigenen Erfahrung als "Arbeiterkind" kann ich nur sagen das jeder in Deutschland seine Chance hat jedoch das "Kind" es auch selber wollen muss.
    Ich hatte das Glück das meine Eltern mich unterstützen als ich nach der Grundschule nicht auf die Hauptschule wollte. Aber es war meine Entscheidung nicht die meiner Eltern.
    Auch wenn ich nach einen Umzug zurück auf die Realschule musste so habe ich den Wechsel auf Gymnasium (wenn auch mit Tricks) geschafft und später studiert.

    Vielleicht hatte ich nur Glück aber ich kann mich noch gut erinnern das es meine Beharrlichkeit war welche mir eine höhere Bildung ermöglicht hat.

    Was "Pisa" betrifft so sehe ich das etwas anders. Ich arbeite viel im asiatischen Ingenieure aus Ländern zusammen, welche besser als Deutschland im internationalen Vergleich abschneiden. Die können auch ihre Arbeit erledigen aber wehe ein Problem tritt auf welches nicht bekannt ist oder wenn mal Intuition gefragt ist dann geht nichts mehr.

    Ein Problem was ich in der deutschen Bildung sehe ist, dass das Niveau immer mehr abrutscht. Bei Freunden welche Kinder im schulpflichtigen Alter haben sehe ich das Rechnen und Schreiben ohne Hilfsmittel fast unmögliche Aufgaben sind. Ich war mal auf einen Elternabend mit einer Bekannten in der Grundschule und wenn mehr als 50% der Klasse kein oder sehr schlechtes Deutsch reden wundert es mich nicht das auch die Tochter meiner Bekannten Probleme damit hat. Die Probleme kommen nicht aus dem deutschen Schulsystem sondern aus der Tatsache dass ein Großteil der Klasse eine "normales" Niveau nicht halten kann. Hier sollten sich die Kultusmister mal Gedanken machen und diese Kindern notfalls mit 3fachen Anzahl von Deutschstunden in die Lage versetzen einen Unterricht auch folgen zu können.

    Was die Tochter meiner Bekannten betrifft: Meine Bekannte hat eine Stelle in Ausland angenommen und seitdem ihre Tochter auf eine internationale Privatschule geht sind ihre Leistungen viel besser geworden.
  4. #4

    Sozialromantik

    Erkans Eltern wussten nicht einmal, dass es soetwas wie ein Gymnasium gibt. Wer ist daran schuld? Die Eltern bestimmt nicht - das zu behaupten, wäre "vermessen" ...
  5. #5

    Widerspruch

    Liebe Frau Allmendinger,

    Sie widersprechen sich selbst: Einerseits, sagen Sie, soll nicht sortiert werden - einige wenige nicht besser gefördert, lieber sollen die Schwächeren von den Besseren mitgezogen werden -> als dies aber endlich einmal gut funktioniert, nämlich bei Ihrem Beispiel Erkan, wäre Ihnen am liebsten gewesen, er würde getrennt von seinen schwächeren Mitschülern aufs Gymnasium "aufsteigen"...
    Das verstehe ich nicht, denn es ist ja GENAU die Denkweise, die Sie offenbar zu revidieren versuchen!
  6. #6

    Inklusion

    Die psychologische Forschung weiß schon seit längerem, daß Kinder in Gruppen mit einem heterogenen Leistungsniveau am besten lernen. Die intelligenzschwächeren Kinder profitieren in solchen Gruppen bezüglich ihrer kognitiven Fähigkeiten, während die intelligenzstärkeren Kinder bezüglich ihrer sozialen Kompetenzen profitieren. Im Prinzip führt Inklusion also zu einer Win-win-Situation. Leider werden solche gut belegten Zusammenhänge in der deutschen Bildungsdebatte meistens ignoriert, entweder aus Unkenntnis oder aus ideologischer Voreingenommenheit heraus. Oder (böser Verdacht): In gewissen Kreisen wird bewußt auf soziale Kompetenz kein Wert gelegt, sondern vielmehr lediglich auf ökonomischen und Statuserfolg fokussiert.
  7. #7

    Viele sortieren sich selber aus

    Meine Frau arbeitet als Erzieherin. Sie wird ständig mit türkischen Kindern konfrontiert, die mit 4 Jahren in die Kita kommen und wirklich, außer Ja und Nein, kein einziges deutsches Wort sprechen können, obwohl ihre Familien in der dritten und manchmal sogar vierten Generation hier leben!!!!
    Im Gegensatz dazu lernen Kinder mit afrikanischer Herkunft schnell Deutsch. Sie werden von ihren Eltern dazu angehalten und sprechen in kürzester Zeit akzentfrei.
  8. #8

    Ergänzung

    Als kleine Ergänzung zum Thema Chancen auf der Realschule (auch für Erkan): Ich selbst war trotz Gymnasialempfehlung auf einer Realschule und habe danach das Abitur gemacht, ordentlich und erfolgreich studiert und einen Job bekommen... Erkan hatte also alle Chancen die er brauchte...
  9. #9

    Beste der Welt

    Eine Gesellschaft, die glaubt das best System der Welt zu haben - in diesem Fall Schulsystem, hat keine Chance sich zu verbessern. Deutschland verzichtet willentlich und wissentlich darauf ihr Potenzial aufzubauen. Warum eigentlich? Warum werden 10-jaehrige Kinder von Amts wegen stigmatisiert?








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