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Digitale Medien und Erziehung: Ist doch ein Kinderspiel

DPAIhre Kids verbringen Stunden mit der Spielkonsole, sind vom Smartphone nicht mehr weg zu kriegen - viele Mütter und Väter stehen der digitalen Besessenheit ihres Nachwuchses hilflos gegenüber. Mit raffinierten Tricks versuchen Eltern, den Konsum ihrer Kinder in den Griff zu kriegen.

http://www.spiegel.de/netzwelt/web/k...-a-875640.html
  1. #20

    Fahrlässig

    Zitat von Spr. Beitrag anzeigen
    Wer schon in der frühen Kindheit gelernt hat, die neuen Medien als etwas Selbstverständliches zu sehen, was man nutzt, wenn es Sinn macht, hat auch in höherem Alter keine Probleme damit. Natürlich werden auch diese Kinder in der Pubertät so oft wie möglich im Fratzenbuch sein oder dem, was dann dessen Stelle eingenommen hat.
    Diese Relativierung eines Problems halte ich für fahrlässig. Ich kann ihnen einige gegenteilige Beispiele nennen. Wobei man sich vor den Einzelbeispielen hüten sollte. Das ist wie zu sagen "Alkohol ist ungefährlich" mit der Begründung "ich kenne da ein paar Leute, die seit Jahren gemäßigt und kontrolliert trinken". es kommt halt auf die Umstände, das Maß und die individuelle Disposition an.

    Das Problem ist in der Tat die Pubertät. Ich habe in der Familie das Problem selbst jahrelang verdrängt mit der Begründung " ist halt die Pubertät" und später "ist halt das Erwachsenwerden". Pustekuchen.

    Im Gegensatz zu vielen Vätern kenne ich mich mit den digitalen Medien bestens aus, nutze sie und habe bis vor kurzen auch mal gerne ein Game gespielt. Da ich beruflich mit digitalen Medien zu tun habe, kenne ich aber auch die Untersuchungen, Studien, Nutzungsgewohnheiten etc.

    Das ist nicht mit Fernsehen vergleichbar. Es ist nämlich INTERAKTIV. Und außerdem habe ich früher nie Menschen gesehen, die Ihren Fernseher permanent mit sich herum trugen ;-)

    Nochmal: das permanente Reagieren auf die Reize erzeugt eine Abhängigkeit von denselben. Es führt zu einem Flow-Zustand, das ist was anderes als Medienkonsum!
  2. #21

    Zitat von matthias.jansing Beitrag anzeigen
    Vielen Dank für diese sachlichen und kompetente Tips. Als Vater eines 10- jährigen Digital Natives werde ich Ihre Erfahrung nutzen.
    Ich finde die Ratschläge auch gut, blos zum Punkt C) habe ich noch eine leicht andere Meinung.


    Zitat von xyks Beitrag anzeigen
    C) Der größte Fehler meines Vaters war es wohl mir meinen PC und Konsole ins eigene Zimmer zu stellen. So konnte ich mich einfach verkrümeln und unbeaufsichtigt in meinem Zimmer datteln. Achtet darauf dass diese Medien im Wohnzimmer sind wo ihr selber mitbekommt was geschieht. Das ist sicherlich nur bis zum einem gewissen Alter möglich (beispielsweise dem Ende der Pubertät). Bis dahin sollte das Kind jedoch genug geprägt sein um einen gesunden Umgang kennengelernt zu haben.
    Ich würde sagen, das kommt auf das Kind an und was es mit dem Rechner (und ev. mit der Konsole) macht. Für manche Spiele, oder auch gestalterische Tätigkeiten wie Malen, Schreiben, Programmieren, Videos bearbeiten o.ä. braucht man Ruhe.
    Die Konsole im Wohnzimmer ist OK, vielleicht möchte man selbst ja auch mal spielen, aber den Rechner würde ich an einem Ort einrichten, der
    a) wenig frequentiert/ eher ruhig, aber
    b) trotzdem "öffentlicher Raum" ist.

    Ins Kinderzimmer gehört er jedenfalls in heutiger Zeit nicht mehr.

    Meine Eltern ließen mir damals (1991) freie Hand mit meinem Computer, so war die Entscheidung, wo ich ihn aufstelle weitgehend mir überlassen. Am Anfang war er im Keller.

    So mit 16 tat ich ihn dann in mein Zimmer, allerdings ohne irgendwelche Netzanbindung, das war damals erst im Kommen und ziemlich teuer.

    Internetpornographie war zu dieser Zeit noch kein so großes Thema, weil die Auflösung der Bilder mit der in Zeitschriften noch nicht mithalten konnte und die Übertragungsgeschwindigkeit niedrig war. Speicherplatz war auch erheblich teurer als heute. (1996: 250 MB Festplatte kostete 369 DM, also verglichen mit heute ca. 369 EUR)
    => Man hat mehr selektiert, was man speichert.

    Heutzutage würde ich einen PC mit Internetanschluß im eigenen Zimmer tendenziell nur einem Volljährigen gestatten. Aber wie ich oben schon schrieb, es kommt auf das Kind/ den Heranwachsenden an.
  3. #22

    optional

    Zitat von Rattenpudel Beitrag anzeigen
    Nur eine Stunde Medienkonsum am Tag? Das reicht ja gerade mal, um gemeinsam ein Bilderbuch vor dem Schlafen anzuschauen. Oder sind Bücher, Radio, Hörspiele für Sie keine Medien? Vielleicht ist Verblödung ja ansteckend. Haben Sie auch etwas dagegen, wenn man auf einem digitalen Gerät, einen Roman liest? Vielleicht sind auch Ihre Aufgaben einfach nur völlig uninspiriert und dröge.
    Naja, also bei uns ist es 1h für Spiele und Videos (in der Schulzeit). Hausaufgaben, email-checken, Essen bestellen, Musik hören usw. gehört nciht dazu. Aber ansonsten beobachte ich bei meinem Sohn (13) tatsächlich das auch so, und das macht mir Sorge. Wenn er wie jetzt über die Feiertage etwas mehr spielen kann, kann er in den Pausen teilweise ncihts mehr mit sich anfangen und ist schlecht gelaunt und giert nach der nächsten "Spieleinheit". Meine Beobachtung ist, es macht die Kreativität kaputt. Am entspanntesten war es immer noch dann, wenn er es sich richtig versemmelt hatte, und 3 Wochen Spielpause hatte. Dann war nach ein paar Tagen Ruhe. Analogien zur Sucht sind durchaus vorhanden. Und das macht mir noch mehr Sorge. Ausserdem fehlt die Zeit, um was anderes zu machen. Dabei wäre mir fast egal, was er sonst machen würde (Fussball (Sport), Instrument, Skateboard, Sprache Fotographie, Modelleisenbahn, Basteln, Pferd ....). Ein Hobby könnten wir ihm sicher ermöglichen. Aber nur nach daddeln gieren macht mir Angst.

    k.
  4. #23

    optional

    Unsere Kinder sind mit freiem Zugang zu PCs aufgewachsen bzw. wachsen noch damit auf. Diese standen immer im Kinderzimmer, ebenso wie ein TV Gerät (ich hatte noch nie Lust, mir Kinderprogramme anzusehen).
    Seltsamerweise haben meine Kinder trotzdem einen großen realen Freundeskreis, machen trotzdem Musik und Sport, haben trotzdem ihr Abi bestanden oder werden es bestehen, studieren trotzdem......oder vielleicht gerade darum? Übrigens hat keins von ihnen den Wunsch nach einem Smartphone, denen genügt ein Handy, mit dem man einfach nur telefonieren kann und ein Laptop/Netbook für die Uni.
  5. #24

    Bestätigung

    Zitat von kopfrechner Beitrag anzeigen
    Aber ansonsten beobachte ich bei meinem Sohn (13) tatsächlich das auch so, und das macht mir Sorge. Wenn er wie jetzt über die Feiertage etwas mehr spielen kann, kann er in den Pausen teilweise ncihts mehr mit sich anfangen und ist schlecht gelaunt und giert nach der nächsten "Spieleinheit". Meine Beobachtung ist, es macht die Kreativität kaputt. Am entspanntesten war es immer noch dann, wenn er es sich richtig versemmelt hatte, und 3 Wochen Spielpause hatte. Dann war nach ein paar Tagen Ruhe. Analogien zur Sucht sind durchaus vorhanden.
    k.
    Kann ich voll bestätigen. Ich hatte das auch mit Sorge gesehen und dann mit Pubertät erklärt. Kenne das auch gut mit dem Spielverbot. So sympathisch kenne ich meinen Sohn sonst gar nicht.

    Tja, jetzt muss ich zur letzten Maßnahme greifen. Diese Wohnung ist GAMEFREIE ZONE! Sorry, es geht nicht anders. Aber was nützt das? Er hat ein Tablet und eine eigene Internetflat. Es ist die Pest!
  6. #25

    Digitales Zeitalter

    Unsere Kinder werden ins digitale Zeitalter geboren und wachsen darin auf. In ihrem Leben werden Computer, Smartphones und Pads eine ganz wichtige Rolle spielen und einen normalen Platz im Alltäglichen einnehmen. Digitale Kompetenz ist fuer unsere Kinder immens wichtig und nur weil es in unserer Kindheit keine Rolle gespielt hat, oder weil wir es "nervig" finden, dürfen wir unseren Kindern den Zugang zu Ihrem 21. Jahrhundert nicht verwehren und sollte ihn auch nicht einschränken.
  7. #26

    Zitat von blowup Beitrag anzeigen
    Klar, haben sich Zeiten und Menschen schon immer verändert. Aber wirklich radikale Veränderungen, wie z.B. die industrielle Revolution oder jetzt die digitale sind doch eher die Ausnahme.
    Der Vergleich ist maßlos übertrieben. Wenn man unbedingt will, kann man das Internet vielleicht eine Revolution nennen, aber nicht das mobile Internet. Dies ist lediglich ein neues Medium, das keineswegs zu derartigen gesellschaftlichen Veränderungen führen wird wie die industrielle Revolution. Und wie bei jedem Medium, dass einer verkrusteten Lehrerschaft ungeheuer ist, heißt es auch hier, dass die Schüler deshalb verdummen. Zu meiner Schulzeit war es das Comic (im frankophonen Europa schon damals eine anerkannte Kunstform), als meine erste Tochter in der achten Klasse war, lag es an der SMS (zu längeren Texten würde es nicht reichen; dabei hatte sie immer Note 1 in Deutsch). Statt das Interesse von Kindern an neuen Dingen als Zugangsweg zu begreifen, über den man als Lehrer seine Inhalte vermitteln kann, werden die Türen zugestoßen. Man kann eben nicht jahrzehntelang nach dem immer gleichen Schema einen Interesse weckenden Unterricht gestalten. Neue Medien haben durchaus einen Einfluss auf die Rezeption der „alten“ Medien. Aber darin liegen auch Chancen. Statt über SMS als Instrument der Verdummung zu schimpfen, könnte man es benutzen um Verdichtungstechniken von Texten zu erarbeiten. Kreatives Texten in kurzen Sätzen. Ausprobieren bis zu welcher Inhaltstiefe Stoff in derartiger Kürze vermittelt werden kann. Und wann es eben nicht mehr reicht. Zu der Erkenntnis hinarbeiten, dass viele Sachverhalte mehr Tiefe erfordern. Dass es aber durchaus bereichernd sein kann, in Kürze pointiert zu artikulieren. Und just zu der Zeit, als SMS bei vielen Lehrern als Beweis für die verkrüppelten Deutschkenntnisse einer ganzen Generation galt, machte sich genau diese Generation deutscher Jugendlicher daran, die deutsche Sprache auf ein ganz neues Niveau zu heben. Der deutschsprachige Hiphop wurde geboren. Während vorher nur Schlagerheinis und Lindenberg auf deutsch sangen, wurde plötzlich mit einer Kreativität auf deutsch getextet, wie es die gesamten Generation zuvor, aus denen diese Kritiker, diese Lehrer entstammten, nicht einmal annähernd geschafft hatte (die wippten nur mit dem Kopf zu englischen Texten, die sie nicht mal verstanden). Wenn es heißt, das Schüler wegen eines neuen Mediums verdummen, ist das einzig ein Armutszeugnis für den Lehrer, der so etwas behauptet. Es zeigt, dass er fehl am Platz ist, jungen Menschen Wissen zu vermitteln. Dass neue Medien immer auch eine Herausforderung an Lehrer und Erzieher sind, ist völlig klar. Dass das Suchtpotenzial bei interaktiven elektronischen Spielen hoch ist, ist auch klar. Bieten Sie Ihren Kindern Alternativen. Das Suchtpotenzial von Skateboard, Paintball, und vielen anderen Dingen ist auch hoch. Bringen Sie ihren Kindern bei, mit Suchtpotenzial umzugehen. Und fixen Sie sie mit dem wahren Leben an, aber mit einem echten wahren Leben voller Spannung und Faszination, nicht mit Konfirmantenunterricht.
  8. #27

    Smartphone Zombies

    Ich gehe gerne auf Rockkonzerte. Normalerweise schaue ich mir eher die etwas älteren Semester an. Deep Purple, Scorpions usw. In der Arena wird getanzt und geschwitzt. Headbanger schleudern ihre schweißnassen Haare durch die Gegend. Ok, jetzt sind die Haare vielleicht nicht mehr ganz so lang, aber egal. Auf jeden Fall ist Party angesagt.

    Letztens war ich mal auf einem Konzert einer aktuellen Rockband namens Evanescence. Wirklich klasse Musik. Ist aber wohl auch bei den Kiddies beliebt (Gothic?). Auf jeden Fall waren sehr viele sehr junge Leute im Puplikum. Als die Show losging war ich echt baff. Trotz geiler Rockmusik standen die Kiddies wie angewurzelt auf ihren Plätzen und reckten regungslos ihre Smartphones in die Luft. Jedes Lied wurde gefilmt um es anschließend sofort auf Facebook zu posten. Vor lauter Handys hat man kaum mehr was von der Band gesehen. Null Stimmung im Publikum.

    Was habe ich daraus gelernt. Ich geh nie wieder auf ein Konzert wo Teenies mit Handies rumstehen. Cheers.
  9. #28

    Theoretiker

    Zitat von Rattenpudel Beitrag anzeigen
    Dass neue Medien immer auch eine Herausforderung an Lehrer und Erzieher sind, ist völlig klar. Dass das Suchtpotenzial bei interaktiven elektronischen Spielen hoch ist, ist auch klar. Bieten Sie Ihren Kindern Alternativen. Das Suchtpotenzial von Skateboard, Paintball, und vielen anderen Dingen ist auch hoch. Bringen Sie ihren Kindern bei, mit Suchtpotenzial umzugehen. Und fixen Sie sie mit dem wahren Leben an, aber mit einem echten wahren Leben voller Spannung und Faszination, nicht mit Konfirmantenunterricht.
    Sie scheinen eher ein Theoretiker zu sein mit kaum Ahnung von der Praxis. Das Suchtpotential von elektronischen Medien ist wesentlich höher, allein schon, weil sie kaum mit physischer Ermüdung einher gehen, die zum Beispiel die "Sucht nach Skateboard" auf natürliche Art und Weise begrenzen!

    Und dass Sie das mobile Internet so unterschätzen, verrät auch wenig Kenntnis. Schon mal mit Korea beschäftigt, die uns ca. 2 bis 3 Jahre voraus sind? Schon mal was von kontext- und situtionsbezogenem Content gehört oder von augmented reality?
  10. #29

    Falscher

    Zitat von Rattenpudel Beitrag anzeigen
    Und just zu der Zeit, als SMS bei vielen Lehrern als Beweis für die verkrüppelten Deutschkenntnisse einer ganzen Generation galt, machte sich genau diese Generation deutscher Jugendlicher daran, die deutsche Sprache auf ein ganz neues Niveau zu heben.
    Da hat sich ein falsche Begriff eingeschlichen: Statt "heben" muss es "senken" heißen.

    non scholae, sed vitae...mit dem "neuen Niveau" wird man im Leben nicht viel weiterkommen. Vielleicht als Besetzung einer Nachmittags-Talkshow. Aber schon bei den ersten Seminararbeiten reicht das sprachliche Vermögen nicht mehr aus.








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