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Digitale Lebenswelt: Am Tag nach der Arbeit
Was bedeutet die digitale Vernetzung für die Arbeitswelt? Das Angestelltendasein gilt in Deutschland noch immer als einzig wahre Form des Broterwerbs. Doch die Zeiten der lebenslangen Gleichförmigkeit sind vorbei. Jetzt heißt es: Aufwachen.
http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...830734,00.html
- #40 01.05.2012 14:35 von
Bitte ein paar Semester Geschichte der Informatik nachholen!
"Mit dem Buzzword "Cloud" wird bezeichnet, dass sich entscheidende Arbeitsprozesse vom Einzelrechner auf vernetzte Server verlagern. Damit bekommt kollektive Arbeit völlig neue Dimensionen..."
Hier habe ich aufgehört zu lesen.
Während ihr vor dem C64 eure Spiele gespielt habt, haben eure Eltern sich mit der Vernetzung von Computern beschäftigt (denen ihr noch immer nachsagt, sie hätten das Internet nicht verstanden). Bitte solche Begriffe wie Datex-P und -L, Modem, Multiplexer, Edifact nochmal nachrecherchieren. Der Vernetzung der Arbeitsprozesse über Datenleitungen (Bestellungen, Lieferscheine, Rechnungen, ...) ist seit dem Ende der 70er Jahre weit verbreitete Realität; das haben sogar die DDR-Kombinate über wackeligen Telefonleitungen zustandegebracht. Oder was glaubt ihr denn, wie "früher" eine Bank oder Versicherung funktioniert hat? - #41 01.05.2012 14:43 von
Sie dürfen, versprochen. Wenn auf irgendwas Verlass ist, dann auf Veränderung. Irgendwie bin ich neidisch auf Ihre Begeisterung.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, daß solche Begeisterung, also das Gefühl in großen Zeiten zu leben und an einem epochalen Wandel mitzuwirken, dazu führt, daß man auch reichlich Späne beim Hobeln akzeptiert.
Ich will Ihnen Ihre Begeisterung nicht vermiesen, aber ich habe das Gefühl das alles schon mal erlebt zu haben. Sicher mit anderen Heilsideen, aber eben ähnlich großen. - #42 01.05.2012 14:51 von
- #43 01.05.2012 15:00 von
?! Nein !
Nur nochmal zum Verständnis:
Es geht nicht darum einen unveränderbaren Zettel/Brief per Herold/Reiter/Postkutsche/Brieftaube/Postauto/Faxgerät/E-Mail hin und her zu verschicken. Es geht darum, dass (potentiell) alle Menschen (eines festgelegten Organisationsraums) zeitgleich dieselben Dokumente (Bilder, Graphiken, Tabellen, Software, Text, Videos, etc.) bearbeiten, ändern, koordinieren, sichten oder systematisieren, weil sie gemeinsam auf dasselbe zugreifen (können).
Das ist die allumfassende Kontrolle Ihrer Arbeit. Es ist immer ein Kollege/Chef da, egal wo sie sind. Sie können nicht mal eben was vergesen oder liegenlassen oder nicht losschicken, denn es ist bereits durch Ihre Datex-L-Leitung, noch bevor Sie überhaupt mit der Arbeit daran begonnen haben.
Natürlich basiert das auf herkömlicher Informatik und Technik (Ach!) Letztenends ist ein Tesla Roadster auch auf das Rad zurückzuführen. Deswegen ist das nicht dasselbe bzw. schon immer dagewesen. - #44 01.05.2012 15:25 von
- #45 01.05.2012 16:09 von
Ja. Das ist genau was ich meine. Wenn selbst die IT-Leute, die hier posten, den Wald vor Bäumen nicht sehen (gab es schon immer my ass, liebe Kollegen)... dann ist das temporäre Ignorieren einer technologischen Revolution vielleicht die beste Option.
Die wirkliche Bedeutung von cloud-computing, sei es Synchronisation, permanent backup, Intelligenz der Vielen, oder das (au weia) Verzweigen in gesellschaftlich relevante Bereiche... das muss man vielleicht erstmal sacken lassen. Weil es so simpel aussieht von außen. - #46 01.05.2012 16:33 von
Ich frag mich nur...
...es werden immernoch Dachdecker oder Elektriker gebraucht. Sowas wo man halt körperlich vor Ort sein muss. Bei der allgemeinen Wertschöpfung. Aber dann frag ich mich: Alle Notare, Telefondesinfizierer und sonstiges Gesockse können immernoch sesselpupsen, warum? OK ich bau mir jetzt einen VPN-Tunnel zu meinem virtuellen Brötchengeber. Natürlich mit IPsec. Brauche dann meinen A*sch morgens nicht mehr aus dem Bett zu heben. Ach, aber jetzt fällt mir ein, dass Ethernet doch noch Kabelleger braucht.
Jammern auf hohem Niveau ist prima und eine einzige Reise nach Asien, sagen wir Indien, bringt uns alle wieder auf den Boden der Tatsachen. Indien ist geil, absolutes Hi-Tec Land
* kopfschüttel * - #47 01.05.2012 16:47 von
Feudalismus modern
Es wachen sicher nicht so viele in Deutschland auf. Das Angestelltendasein hat sich in Deutschland während der fetten Jahre der Vollbeschäftigung entwickelt. Somit haben sich unternehmerisches Denken und Risikobereitschaft nicht vererben bzw. weitergeben lassen. Heute gehen die meisten Menschen für einen Hungerlohn zur Arbeit, ohne darüber nachzudenken. Selbstverständlich sind sie unzufrieden, die Schuld haben aber natürlich andere. So wird es dann für den Großteil der Bevölkerung und deren Nachfahren auch bleiben. Sie bleiben die Fronarbeiter, die Leibeigenen, die ihr jährlich sinkendes Realeinkommen zwar beklagen, aber nicht wagen, sich aufzulehnen oder etwas zu ändern.
In dieser Hinsicht hat sich in den vergangenen Jahrhunderten auch nicht viel verändert. Außer den natürlichen Entwicklungen in Arbeitssicherheit, sozialen Leistungen und vermeintlichen Freiheiten. Die Glocke mit der Aufschrift Demokratie täuscht jedoch darüber hinweg, dass wir noch immer in einem feudalistischen System leben; in dem Standesbezeichnungen wie Graf, Baron usw. durch Vorstandsvorsitzender, Abteilungsleiter abgelöst wurden. Daher müssen wir auch heute noch eine Heirat beantragen, wie unsere Vorfahren früher ihren Herren darum bitten mussten, heiraten zu dürfen.
Die digitale Welt wird für die Mehrheit nichts tun können, außer, wie es das Fernsehen, dann Video, dann Konsolen, durch Unterhaltung und einfließende Propaganda ruhig zu stellen. Die digitale Welt hat von Anfang an ein enormes Potenzial geboten, tut es auch heute noch, aber sie wird von der Mehrheit eben nicht als solches wahrgenommen. Für diese ist das Internet ein Medium, ein Zeitvertreib. Das Aufrufen einer Seite im Browser ist für sie so als wenn sie eine Videokassette oder eine CD oder eine Spielmodul in ihr Gerät einstecken. Die Inhalte werden als gegeben empfunden und die wenigsten kommen auf die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen. Und das Internet macht dies so einfach und günstig wie niemals zuvor. Aber ohne Eigeninitiative und unternehmerischem Denken werden die Möglichkeiten verpasst. - #48 01.05.2012 17:13 von
Die humanere und gerechtere Gesellschaft ist machbar
Wer verändert denn diese Welt? Genau, es sind immer Menschen, die Geschichte machen, natürlich auf sehr komplexe Art und Weise. Der wissenschaftlich-technische Fortschritt der Menschheit verändert ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen. Zum Problem wird das immer dann, wenn entweder die Technik gefährlich oder unkontrollierbar ist (Bsp. Atomenergie), oder der soziale Wandel von den jeweils Herrschenden blockiert oder massiv behindert wird.
Letzteres entspricht unserer heutigen Situation in Deutschland. Der Begriff Arbeit müsste öffentlich neu definiert werden in einer Gesellschaft, die sich durch Rationalisierungsprozesse grundlegend verändert. Effizienz- und Produktivitätssteirtungen führen dazu, dass mit immer weniger Aufwand an menschlicher Arbeitskraft immer grössere Erträge erwirtschaftet werden (das gilt nur eingeschränkt für bestimmte handwerkliche Tätigkeiten und Dienstleistungen).
Das grosse Drama besteht nun darin, dass der grosse Mehrwert der verbliebenen, hocheffizienten Arbeit, die von abhängig Beschäftigten ausgeführt wird, zum überwiegenden Teil nicht an die Arbeitnehmer weitergegeben, sondern von den Unternehmern, Managern und Aktionären angeeignet wird. Genau dieser Umstand hat unsere Gesellschaft inzwischen in eine gefähliche soziale Schieflage gebracht: Eine reiche Minotität rafft immer mehr an sich, während eine wachsende Majorität verarmt oder von Armut bedroht ist. Verschärft wird diese Enteigung durch die Kapitallogik: Wegen des Zinseffekts scheisst der Teufel immer auf den gleichen Haufen der Kapitaleigner.
So kann und darf es nicht weitergehen. Die faktische Herrschaft des Kapitals muss gebrochen und der gesellschaftliche Reichtum neu verteilt werden - und zwar möglichst gerecht. Erst dann wird es auch ein BEG geben und die Möglichkeiten der Beschäftigung im Dienstleistungsbereich können adäquat ausgebaut werden. Die Zukunft der Arbeit in unserer überalternden Gesellschaft liegt ganz wesentlich auch in den sozialen Tätigkeitsbereichen, die vom Staat finanziert oder subventioniert werden. Die notwendige Umverteilung des gesellschaftlichen Reichtums zum Wohle aller Bürger ist eine ganz wichtige Aufgabe des Staates.
Gelingt der gesellschaftliche Umbruch, so sehen wir einer humaneren und gerechteren Zukunft entgegen! Alle fortschrittlichen Kräfte müssen an dieser gewaltigen Aufgabe arbeiten. - #49 01.05.2012 17:18 von
Na toll...
Alle arbeiten ein Leben lang ab und zu und erhalten dafür immer von wem auch immer ein Grundeinkommen. Toll! Und wer zahlt? Die kleinen gelben oder grünen Marsmenschen? Kaum zu gleuben, aber es wird anders kommen: Die die lebenslang ab und zu arbeiten werden zumeist hungern. Schlechter Scherz? Nun, schaut ihr Leute nach Spanien, wo über 50% der Jugendlichen keine Dauerarbeitsplätze haben und die Hoffnung auf den Staat, falls jemand sie noch hat, auch bei dem sicherlich abhanden kommt...
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