Zitat von
Hermann Löns
Erstaunlich, was Hildegard von Bingen schon im 12. Jahrhundert an weitsichtigen Erkenntnissen formuliert hat. Man könnte sie durchaus zusammen mit Galilei als geistigen Vorläufer des von Kant formulierten Imperativ ansehen:
"Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. "Selbstverschuldet" ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Sapere aude! Habt Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen! Ist also der Wahlspruch der Aufklärung. Faulheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen, nachdem sie die Natur längst von fremder Leitung freigesprochen, dennoch gerne zeitlebens unmündig bleiben; und warum es anderen so leicht wird, sich zu deren Vormündern aufzuwerfen. Es ist so bequem Unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt..., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen. Ich habe nicht nötig zu denken, wann ich nur bezahlen kann; andere werden das verdrießliche Geschäft schon für mich übernehmen..."
Aber wir können zweitausend Jahre zurückgehen, um von den alten Griechen Emanzipation zu lernen. Z. B. die Gottesfalsifikation durch Epikur, allein auf schlichte Logik aufgebaut:
Epikur:
Ist Gott willens Böses zu verhindern, aber nicht fähig, -dann ist er nicht omnipotent.
Ist Gott fähig Böses zu verhindern, aber nicht willens, - dann ist er bösartig.
Ist Gott fähig und willens Böses zu verhindern,
-woher kommt dann das Böse?
Ist Gott weder fähig noch willens Böses zu verhindern, -warum sollten wir ihn dann überhaupt Gott nennen?