Aber gerade jetzt ist es doch falsch?!? Ich denke vorher war es richtig. Aber inhaltlich tut es sowieso nichts zur Sache.
Stimmt, da hab ich mich vertan.
Ich denke viele Meinungsverschiedenheiten hier liegen in einer absoluten Haltung begründet. Kinder, die in Tragetüchern nah bei der Mutter getragen werden, sind seltener Schreikinder, aber natürlich gibt es auch welche, die trotz Tragetuch nicht zu beruhigen sind. Wer also das Tragetuch als Allheilmittel anpreist, bzw. die Ferne zur Mutter als alleinige Ursache aufführt, schlägt denjenigen Müttern ins Gesicht, die ALLES probiert haben, ihr Kind zu beruhigen, stempeln sie als unfähig ab. Das erhöht den Druck auf genau diese Mütter, die oft sowieso schon durch Schlafmangel und vielleicht noch weiterer psychischer Faktoren beeinträchtigt sind. Nicht von der Hand zu weisen sind solche Faktoren wie Nähe zur Mutter und fester Körperkontakt, bzw. eine einfassende Umgebung, die dem Kind einen geschützen Rahmen geben. Aber das ist eben wie so oft nur ein Mosaikstein, wenn auch ein großer.
Das sehen Sie leider etwas vereinfacht. Aus beruflichen Gründen habe ich mich ausführlich mit Stillen und Milcheresatzprodukte beschäftigt (ja, ich habe viele Packungsbeilagen und Texte im Internet gelesen!). So einfältig ist kein Hersteller mehr zu behaupten, Muttermilch sei gegenüber Industrieprodukten minderwertiger. Nein, die Angaben sind viel viel subtiler. Da steht meist sinngemäß: "Muttermilch ist das Beste für das Baby. Aber wenn Ihr Baby nachts schreit, weil es tagsüber nicht genug bekam, geben sie ihm Abends eine Flasche..." Oder "Wenn Sie nicht genug Milch haben...". Natürlich schreit jedes Baby nachts. Das liegt in der Natur begründet. Also gibt eine verunsicherte Mutter ihrem Baby dann die Flasche, weil ihr das Gefühl vermittelt wird, sie alleine kann es nicht schaffen, ihr Baby zu ernähren (und weil sie auch mal das Bedürfnis hat, durchzuschlafen). Der Teufelskreis ist dann, dass der Körper tatsächlich nicht mehr genug Milch produziert, weil die Milchproduktion nach Nachfrage funktioniert (je mehr Milch "abgefragt" wird, desto mehr wird produziert) und damit ist der Verdacht der unfähigen Mutter bestätigt. Druck wird also indirekt auf die Mütter ausgeübt.

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