"Deutschlandstipendium": Teure Verpackung, wenig Inhalt

Stolperstart für ein Prestige-Projekt: Beim "Deutschlandstipendium" von Bildungsministerin Schavan hat der Bund bislang mehr Geld für Werbung und Schulungen ausgegeben als für die Förderung begabter Studenten. Beim Ministerium heißt es: alles nur normale Anlaufkosten.

http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...785083,00.html
  1. #1

    Wer sich als Studierender bereits im Vorfeld informiert hatte, oder zumindest noch aktuell studierende Familienangehörige hat kann dem Artikel nur zustimmen, der Moloch ist billigste Scharade um einen Teil der CDU-Basis billig ruhigzuhalten. Für den Studenten, geschweige denn für die Hochschulen ist das Programm ein bürokratischer Sysiphus und Blendwerk feinster Machart. Hier wird sich als Eliten-, als Macherförderer generiert ohne dass wirklich ernsthaft auch bei guten Studenten, bei Machern, was ankäme.
  2. #2

    Kopfschüttel

    Eine tolle Sache, diese Stipendien. Bürokratie ohne Ende, um gute Studis noch zusätzlich zu fördern.

    Ein Regel-Student hingegen kann sich seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren, was insbesondere die Noten wohl nicht besser werden lässt.

    Mich würde mal interessieren, ob es nicht fast genauso billig käme, einfach allen Studis BaFöG zu zahlen, die in vernünftiger Zeit durchs Studium kommen. Unabhängig von der finanziellen Situation des jeweiligen. Millionäre sind doch unter Studis wohl eher selten, groß gespart wird in diesem Alter auch nicht, also ist es doch de facto nebenbei ein hervorragendes Mittel den Konsum auf Trab zu halten. Und davon bekommt der Staat ja ohnehin mind. 19% direkt zurück...
  3. #3

    überrascht das jemanden?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Stolperstart für ein Prestige-Projekt: Beim "Deutschlandstipendium" von Bildungsministerin Schavan hat der Bund bislang mehr Geld für Werbung und Schulungen ausgegeben als für die Förderung begabter Studenten. Beim Ministerium heißt es: alles nur normale Anlaufkosten.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...785083,00.html
    Das sollte doch nun wirklich nichts neues sein, dass das System zuallererst und erstmal sich selbst erhält. Als ich 1995 für ein Auslandsstipendium vom DAAD in Bonn interviewt wurde, sass ich vor einer Kommission von 20 Professor(inn)en, von denen nur einer nicht komplett fachfremd war, und wo allein die Fahrtkosten, um die ganze Sippschaft zusammenzukarren, mehr als genug gewesen wäre, mich erster Klasse irgendwohin zu verfrachten und dort ein Jahr lang in Saus und Braus leben zu lassen. Klar, es wurden auch noch andere interviewt an den 2 Tagen, aber trotzdem, alles komplett unverhältnismässig, besonders wenn man davon ausgeht, dass nur einer von 20 überhaupt einen blassen Schimmer hatte, worüber mein Forschungsvorhaben überhaupt war und der Rest sich die kollektiven Fingernägel gefeilt hat. Natürlich bekam ich das Stipendium nicht.
    Noch bitterer war es bei einem zweiten Stipendium, das vom japanischen Kultusministerium ausgeschrieben war: es gab 30 Plätze, 28 Bewerber, drei waren nicht erschienen. Also, zum ersten die Frage: warum dann noch interviewen? Dann hörte ich aber zwei der Komissionsmitglieder im Gespräch miteinander sagen, dass man so entscheiden werde, dass 70% abgelehnt würden. Tolle Wurst! Wir sind deutsch, nur die stärksten/schleimigsten/angepasstesten dürfen überleben, sogar wenn das Geld nicht mal unseres ist!
    Auch hier war ich natürlich nicht bei denen, die das Geld bekamen.

    Und schliesslich, auch so Institutionen wie das Finanzamt oder Arbeitsagentur (oder wie die heute heisst), um nur einige zu nennen, sammeln das Geld in erster Linie für sich selbst ein, haben also überhaupt keine Interesse daran, die Arbeit effizienter zu gestalten. Ein konstanter Einkommensteuersatz ohne Ausnahmen kann schon daher nicht im Sinne der Finanzangestellten sein, da keiner mehr die ellenlangen Ausnahmen, Berechtigungen und Zusatzregelungen prüfen muss.
  4. #4

    Ziel von Bildungsbürokratie ist

    das gleiche Ziel jeder Bürokratie. Aufbau einer Struktur auch ohne Inhalt. Die grossen Meister der Bürokratie schaffen es, eine Struktur zu bauen, die sich nur gegenseitig voll beschäftigt, ohne dass ein Arbeitszweck erkennbar wäre.

    60 % der Bürokratie kann man abbauen, ohne das das die Bürger merken würden. In Offenbach hat das mal ein Bürgermeister gemacht. Es zog so die Unternehmen an. Weil jede Genehmigung ohne unnötige Bürokratie auf einmal blitzschnell ging und nicht auf dem Amtswege nur in grosser Runde kursierte, bis die Akte zu Staub zerfiel.
  5. #5

    ...

    "Zwar sei es ein guter Gedanke, Bachelor- und Masterstudenten durch Stipendien zu unterstützen, sagt die HU-Frau. Doch sei es aufwendig, Kontakte zu Firmen und Stiftungen herzustellen und sie davon zu überzeugen, ein Stipendienprogramm zu unterstützen."

    Was für ein Jammer. Warum wohl überlässt man diese Aufgabe z.B. in Amerika eigens dafür eingestellten und ausgebildeten Experten an den Unis? Warum wohl kümmern sich die amerikanischen Unis so intensiv um ihre Absolventen, die Alumnis? In Deutschland bekommt man sein Abschlußzeugnis nicht selten zwischen Tür und Angel mit einem belanglosen und angegilbten Glückwunschausdruck des Dekans. Wenn man Glück hat, kann man sich noch auf einen Smalltalk mit einer netten Sekretärin freuen, ansonsten war es das nach mehreren Jahren, die man an einer Uni zugebracht hat, mit der man sich am Ende vielleicht sogar verbunden fühlt, nur die Uni umgekehrt nicht mit ihrem Absolventen. Tja, und wenn dann derselbe Absolvent in einer Führungsposition in einem Unternehmen sitzt und die Möglichkeit und die Mittel hätte, seiner ehemaligen Uni etwas zu spenden, warum in aller Welt sollte er dies denn tun? Die Wahrheit ist...Deutschland ist ein zutiefst wissenschaftsfeindliches Land, Wissenschaft, auf die man sich beruft, ist vielleicht die romantisierte Geisteswissenschaft des 18. und 19. Jahrhunderts, für alles wirklich Neue gibt es eher Ethikkommissionen, die jeden Fortschritt verhindern. Die Wahrheit ist auch...deutsche Unis scheren sich einen feuchten Kehricht um ihre Absolventen. Und eigentlich auch nicht um die, die gerade studieren. Das sind alles lästige Personen mit Ansprüchen. Deutsche Unis zirkulieren vor allem in einer scheinbaren Selbstverwaltung, die inzwischen weniger demokratisch ist, als das Ordinariensystem zuvor. Verwaltung, um der Verwaltung willen. Dazu passen auch gut die anderen Randnotizen, die man in letzter Zeit wahrnimmt...Unis, die zu blöd sind, eine Rektorenstelle zu besetzen z.B. Bevor es in Deutschland zu einem echten Wandel kommen kann, muß man aufhören, sich selbst zu beweihräuchern, sich Wunschträumen und Illusionen hinzugeben, vermoderte Standbilder anzuhimmeln und einfach mal klare Bilanz zu ziehen. Dann sieht man wie lächerlich vieles ist, inklusive Exzellenzinitiative und wie langweilig die Editorials von wichtigen Leuten zur Bildungspolitik. Diese Leute sollen die heutige Jugend begeistern und haben selbst doch jede Begeisterung verloren.
  6. #6

    Mehr Schein als Sein - Propaganda Ministerin Schavan

    Nach Schavan angeblich auch "Systemrelevant und Alternativlos" - die Bologna Reformen

    Das gemeine Volk soll dumm bleiben, das will die Frau Schavan. Die Europäisierung bot die Gelegenheit für einen massiven Umbau des Wissenschaftssytems. Der Trend von der Bildung zur Ausbildung mit berufsqualifizierender Zielsetzung scheint zwingend zu sein. Die Universitäten entwickeln sich zu Fachhochschulen und Außenstellen beruflicher Bildung. Von Elite- und Profilbildung ist zwar die Rede, tatsächlich wird große Bildung durch große Einbildung ersetzt. Das Philosophicum und das Studium generale wird es nicht mehr geben. Das zeigt sich an den jämmerlichen sprachlichen Kompetenzen der Abgänger der neuen Halbbildungs-Hochschulen. Die Frau Schavan soll sich schämen!


    "Der ganze Bologna-Prozess ist in seiner Folge eigentlich von Anfang an eine Propagandakampagne gewesen, die auf einer Basislüge aufbaut, nämlich der angeblichen Behauptung, wir seien nach der Bologna-Erklärung verpflichtet gewesen, diese Studiengänge einzuführen. Das war von Anfang an völkerrechtlich falsch und ist von Anfang an eigentlich mit einer großen Kampagne durchgesetzt worden"

    (Jochen Krauz, Kunstpädagoge an der Alanus-Hochschule)

    siehe "Studenten lernen das Denken nicht mehr!"
    http://www.dradio.de/dlf/sendungen/campus/1451891/
  7. #7

    An sich

    Zitat von jfreundo Beitrag anzeigen
    Eine tolle Sache, diese Stipendien. Bürokratie ohne Ende, um gute Studis noch zusätzlich zu fördern.

    Ein Regel-Student hingegen kann sich seinen Lebensunterhalt selbst finanzieren, was insbesondere die Noten wohl nicht besser werden lässt.

    Mich würde mal interessieren, ob es nicht fast genauso billig käme, einfach allen Studis BaFöG zu zahlen, die in vernünftiger Zeit durchs Studium kommen. Unabhängig von der finanziellen Situation des jeweiligen. Millionäre sind doch unter Studis wohl eher selten, groß gespart wird in diesem Alter auch nicht, also ist es doch de facto nebenbei ein hervorragendes Mittel den Konsum auf Trab zu halten. Und davon bekommt der Staat ja ohnehin mind. 19% direkt zurück...
    ein guter Ansatz. Bafög für jeden, der bestimmte Studienleistungen erbringt. Aber: Nach dem Studium auch zurückzahlen!
  8. #8

    Schavan gehoert entsorgt, sie schadet mehr als sie nutzt

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Stolperstart für ein Prestige-Projekt: Beim "Deutschlandstipendium" von Bildungsministerin Schavan hat der Bund bislang mehr Geld für Werbung und Schulungen ausgegeben als für die Förderung begabter Studenten. Beim Ministerium heißt es: alles nur normale Anlaufkosten.

    http://www.spiegel.de/unispiegel/stu...785083,00.html
    ihre Zeit ist abgelaufen, nicht mehr auf der Hoehe der Zeit.
    Nur merkt dies die Kanzlerin nicht - oder will es nicht wahrhaben, die ihre Vertraute und Kampfgefaehrtin um sich braucht, um wenigstens eine zu haben auf die sie noch zaehlen kann.

    Leider ist die Politikerkaste in D nicht mehr fuer die Beurger sondern in erster Linie fuer sich selbst da.
    Es fehlt an direkter Erfahrung und nachweisbare Erfolge im normalen Leben, zu viele Beamten d.h. angepasste Abnicker, die gravierende Fehler der D Politik, wie mit den Umgang mit Pleitestaaten, Milliardenhilfen/Fransfers/Garantien in 3 stelliger Hoehe, die wie im Falle Griechenland die finanzielle Misswirtschaft stuetzen, d.h. es wird Oel ins Feuer der chaotischen Geldverbrennung gegossen, ohne dass bis jetzt auch nur ein Deut an Erfolg eingetreten waere.'
    Die roten Gewerkschaften und Anarchisten sind die tatsaechlichen Regenten Griechenlands, die Regierung ist ihr auf Gedeih und Verdereb ausgeliefert, setzt deshalb die unterschriebenen Verpflichtungen von IWF und EU nicht um, Zeit kaufen um im Amt zu bleiben ist da nur ein Grund bei der hoffnungslosen Verfilzung, Inkompetenz und Misswirtschaft.

    Es gibt noch andere Bereiche in D, die totaler Aenderung des jetzigen Kurses beduerfen, die Liste wuerde zu lang, um alle aufzuzaaehlen.
    Nur weder die sog. Konservativen, die laengst angepasst sind, alles andere als Konservativ, Rot und Gruen waere keine Verbesserung, ganz im Gegenteil die wuerden noch grosszuegiger D Steuerzahler auf dem Alter der falschvrstandenen Solidaritaet opfern, d.h. Europa als Transferorganisation mit Eurobonds auf unsere Kosten eine gewisse Atempause vor dem Kollaps geben, mehr nicht.
  9. #9

    Peanuts

    verstehe ich das richtig,
    wir geben Milliardenbeträge für andere Dinge aus, für Hartz4, Stadtschlösser, Rente. Von den "Rettungsaktionen" für "notleidende Banken" will ich gar nicht erst anfangen.

    Und jetzt werden hier Mio-Beträge für Bildung vorgerechnet? Teure Verpackung? Das sind doch alles Peanuts.