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Deutscher Verkehrswahn: Meine Stadt, das Schlachtfeld

dapdKaum kommt der Frühling, dröhnt es in deutschen Städten wie im Krieg: Männer fahren Maschinen, die entfernt an Motorräder erinnern, in Wahrheit aber Geschosse sind. Warum dulden die Behörden den Gefechtslärm - und warum gibt es jetzt sogar Tempo-10-Zonen? Die Antwort: Ideologie.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...823285,00.html
  1. #50

    Zitat von mg2404 Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen, ich gehöre zu der Sorte von Leuten, die in der Lage sind, ein 180 PS starkes, jedoch bloß 200 kg leichtes "Geschoss" sicher zu bewegen. Und jetzt kommt das Beste: Ich habe sogar einen akademischen Grad, spreche Fremdsprachen, kann lesen und schreiben und bin Leitungskraft in einer beratenden, sozialen Einrichtung.
    Und also spreche ich zu Euch unwissenden Intellektuellen in Euren Volvos, Toyota Priussen und Audis mit Zylinderabschaltung oder Eco-Modus: Kauft Euch ein noch so kleines motorisiertes Zweirad und wisset danach, was Leben heißt, was Spaß macht, was Gefahr ist.
    Ob sich Ihr zukünftiger Unfallgegner genauso freiwillig dafür entschieden hat zu erfahren "was Gefahr ist"?
    Vllt. wäre ihrem Unfallgegner ganz andere Sachen im Leben wichtig, aber sie haben für Ihn mitentschieden. Ich hoffe Sie kommen niemals in die Situation den Tod eines anderen Menschen zu verursachen, diesen Text hier zu lesen, und sich vor sich selbst unglaublich zu schämen.

    Ab 1.4. ist wieder Saison auf der unfallchirurgischen Intensivstation, dann kommt wieder die helmtragende Kundschaft in Massen (oder in Teilen manchmal auch)..
    Bis zu 8mal höheres Sterberisiko als andere Verkehrsmittel, und das gilt für den Durchschnitt der KRAD-Fahrer. Da können sie abschätzen, dass ihr Sterberisiko auf so einer Sportmaschine noch wesentlich höher ist.

    Was sagt ihr Familie dazu? Wenn ich ohne Sicherungsseil klettern gehen würde, würden die mir die Hölle heiss machen. Ich meine, wie gehen die damit um, dass sie sich selbst so einem großen Sterberisiko aussetzen?

    Warum haben sie nur Sinn und Freude im Leben, wenn sie sich einem großen Sterberisiko aussetzen?
  2. #51

    Nachdenken?

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Das Argument lautet, Zweiradfahrer könnten ihr Zweirad bei 10km/h nicht mehr sicher führen (schlingern), was auch den Tatsachen entspricht.
    Von daher ist es eine Frage der Zeit bis ein findiger Bürger erfolgreich gegen die 10km/h-Zonen klagt.

    Also vielleicht doch erstmal nachdenken, bevor man antwortet?
    Wer sollte denn nachdenken? Nicht geradeaus Fahrrad fahren können, aber urteilen, was Motorradfahren heißt?
    Schrittgeschwindigkeit ist kein Problem und sogar Grundfahraufgabe in der Führerscheinprüfung. So schauen wir in die Fahrerlaubnisverordnung (FeV) Anlage 7 Nr. 2.1.4.1 FeV
    (FeV - Einzelnorm)

    Da stehts geschrieben. Und auch Radfahrer können langsamer als 10km/h!

    Und ihr Verweis auf das Urteild es AG Leipzig (Az.: 215 OWi 500 Js 83213/04) ist schön, aber sinnlos. Das hier angewandte Richterrecht müsste sich allerdings erst durch die inhaltlichen Überzeugungskraft und der daraus resultierenden folgsamen Anwendung der Gerichte bundesweit durchsetzen. Daher ist keine normative, sondern nur faktische Wirkung in diesem Einzelfall gegeben. Selbst höchstrichterliche Urteile sind kein Gesetzesrecht und erzeugen keine Rechtsbindung. Und schon keine Urteile eines Amtsgerichts. Dann schon lieber das OLG Brandenburg (Az.: 1 Ss (OWi) 86 B/05) welches sagt: Netto-Geschwindigkeit 7km/h!

    So wie es immer schon war.
  3. #52

    Drehmoment

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Lärm macht nicht schneller und in der Regel bringt (entgegen der landläufigen Meinung) Lärm auch keinen Leistungszuwachs sondern meist eher das Gegenteil, gepaart mit höherem Verbrauch.
    Kampf dem Unwissen, Teil siebenundzwanzig.

    Motorräder entfalten ihr maximales Drehmoment oft erst in sehr hohen Drehzahlen (8k-12k U/min). Gepaart mit einer doch sehr viel geringeren Dämmung als bei einem Auto möglich erhöht das objektiv sowohl die verfügbare Leistung auf der Straße ... als auch den Lärmpegel.
  4. #53

    Zitat von mg2404 Beitrag anzeigen
    Und also spreche ich zu Euch unwissenden Intellektuellen in Euren Volvos, Toyota Priussen und Audis mit Zylinderabschaltung oder Eco-Modus
    Gut geschriebener Beitrag ^^ In Deutschland sind eben nur hässliche Autos gesellschaftlich akzeptiert. Weil die werden dann ja wohl nötig sein, sonst würde man sich so einen kasten ja nicht kaufen.

    Porsches oder Motorräder passen nicht in Michels Schublade.

    Ich wohne selbst auch in der Innenstadt, habe auch speziell Motorrad Lärm zu ertragen, aber ich kann ja wegziehen. Das verbietet mir ja keiner. Und da die Vorteile in der Innenstadt zu wohnen überwiegen, bleibe ich dennoch hier
  5. #54

    Ja denn

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Kaum kommt der Frühling, dröhnt es in deutschen Städten wie im Krieg: Männer fahren Maschinen, die entfernt an Motorräder erinnern, in Wahrheit aber Geschosse sind. Warum dulden die Behörden den Gefechtslärm - und warum gibt es jetzt sogar Tempo-10-Zonen? Die Antwort: Ideologie.

    Deutscher Verkehrswahn: Meine Stadt, das Schlachtfeld - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Kultur
    Aus diesem Grunde fahre ich eine sehr gut erhaltene GSX-R 1100, Baujahr 1990 (auch eine Sportmaschine), mit Auspufftöpfen von 1990 und der freiwilligen PS-Beschränkung von 1990 (100PS)
    Das Mopped ist schnell genug und so leise, dass ich den Wind durch den Helm hören kann. Das ist für mich Motorradfahren pur.

    Ja damals gab es noch Polizeikontrollen und da standen die "Dörfler" mit Ihren Krachtüten und bedrückten Gesichtern, als der nette Beamte auf der Stelle die Betriebs- und Fahrerlaubnis entzog. Was haben wir gelacht und gewunken als wir vorbeifuhren :)

    Heute im Rahmen der EU interessiert das keinen mehr. PS die sogar für mich als Fahrer mit 29 Jahren Sportmaschinenerfahrung der Wahnsinn ist und Krachtüten, wo man nur den Kopf schütteln kann. Diese Fahrer sind aber meistens zwischen 18-25 Jahren und leben auf einem Kuhdorf. Die Älteren fahren leiser, gemütlicher und geniessen das Motorradfahren.
    Bekannte Motorradstrecken fahre ich am WE nicht mehr, da zu viele Selbstmörder unterwegs sind und ich befürchte, dass mal einer in mich reinfährt.

    Wir haben auch so einen Doofi im Nachbardorf. Ich gebe Ihm noch diese Saison, dann hat's den auch erwischt. Dann wirds wieder ruhiger in der Nachbarschaft.

    Es gibt eine Webseite aus den USA, auf der die schlimmsten Motorradunfälle aus aller Welt gezeigt werden. Link möchte ich nicht posten, da die Fotos zu schrecklich sind. Z.B wenn einer mit den neuen Geschossen mit 250 km/h frontal gegen einen Baum geknallt ist (lecker) oder mit 300km/h ungebremst gegen einen LKW (ganz lecker!)
    Es war für mich doch sehr erstaunlich zu sehen, wie weit man die Teile eines menschlichen Körpers verstreuen kann. Knallen die Irren mit einem festen Kombi irgendwo drauf, dann hat es der Sanitäter einfacher, denn er hat "alles" praktisch in einem Sack und kann das Motorradkombipaket (dass dann nur noch recht klein ist, da kompakt) mit einer Hand auf die Ladefläche des Leichenwagens legen. Dieser muss nur aufpassen, dass nichts durch den zerrissenen Reissverschluss wieder rausläuft.
    Die Durchsicht dieser Seite von A-Z sollte zu jedem Motorradführerschein gehören. Mich jedenfalls haben die ungeschminkten Fotos noch sehr sehr lange verfolgt.

    Trotzdem ist mein Nachbar mit seinem Audi R8 immer noch lauter ;-)
  6. #55

    Falsch interpretiert?

    Zitat von mg2404 Beitrag anzeigen
    Hallo zusammen, ich gehöre zu der Sorte von Leuten, die in der Lage sind, ein 180 PS starkes, jedoch bloß 200 kg leichtes "Geschoss" sicher zu bewegen. Und jetzt kommt das Beste: Ich habe sogar einen akademischen Grad, spreche Fremdsprachen, kann lesen und schreiben und bin Leitungskraft in einer beratenden, sozialen Einrichtung.
    Und also spreche ich zu Euch unwissenden Intellektuellen in Euren Volvos, Toyota Priussen und Audis mit Zylinderabschaltung oder Eco-Modus: Kauft Euch ein noch so kleines motorisiertes Zweirad und wisset danach, was Leben heißt, was Spaß macht, was Gefahr ist. Macht Bekanntschaft mit Regen, Staub und Hitze. Freut Euch der Kurven im Gebirge und der Lust, fernab von Autobahnen Landschaft zu erleben und diese nicht nur in der klimatisierten Fahrgastzelle vorbeihuschen zu lassen. Erfahrt Leiden und Schmerzen im Kreuz und im verlängerten Rücken. Und seid Euch gewiss, dass Euer Leben dann wirklich LEBEN sein wird und keine griesgrämige Nörgelveranstaltung - mit der einzigen Freude, sich am Montag den SPIEGEL zu kaufen und sich danach so richtig schön scheiße zu fühlen!
    Es geht nicht um Motorradfahrer an sich. Was Sie beschreiben trifft völlig zu. Es geht um die Spinner mit den Hurratüten. Und die gibts bekanntlich auch z.B. an einem tiefergelegten Golf etc.
  7. #56

    Zitat von de-be Beitrag anzeigen
    So ungefähr ist ne Höchstgeschwindigkeit von 10 ja wohl auch zu verstehen ... ganz kurz vor der Sperrung für den motorisierten Individualverkehr, aber mit der Ausnahme, dass man mit äußerst geringer Geschwindigkeit doch noch durchdarf. Das wird seine Gründe haben. Und wer sich nicht dran halten kann oder will, sollte diese Straße meiden, was dann sicherlich genau im Sinne der dortigen Verkehrsplanung wäre.
    Na hurra, dann hätten die Guerilla-Ökos ja mal wieder gesiegt. Es wird sicher keiner durch eine solche Straße fahren bzw. schleichen, weil's ihm Spass macht, sondern weil er muß. Entweder ist er Anwohner oder die besagte Straße erspart lange Umwege.
  8. #57

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Nochmal zum mitmeisseln: Schrittgeschwindigkeit ist nicht fest definiert, wird aber in der allgemeinen Rechtsprechung mit 15km/h beziffert.
    Wie messen Sie Superfahrer denn Ihre 6km/h? Mit dem Tacho wohl kaum. Mit Verlaub: 6km/h sind ohne heftige Schlenker nicht machbar.
    Es ist schon wirklich erstaunlich, welche hanebüchenen Informationen im Netz verbreitet werden!!?

    Schrittgeschwindigkeit ist Schrittgeschwindigkeit! Ein Urteil des BGH sagt, das es deutlich unter 20 sein muss, und die Rechtssprechung in der Gefahrenlehre sagt, dass die Geschwindigkeit so gewählt swerden muss, das ein vorausgehender Fußgänger NICHT BEDRÄNGT un NICHT ZUM AUSWEICHEN GEZWUNGEN werden darf.

    Und das mit dem Schlenker... Wie besoffen wollen sie denn sein, damit sie heftige Schlenker bei einem Zweispurfahrzeug herbeiführen, das mit 6 km/h ausrollt?? In den Kommentaren wird sich bei den "Schlenkern" immer auf !! Fahrräder!! bezogen. Und meiner persönlichen Erfahrung nach können damit auch nur die älteren Herrschaften gemeint sein, --die, die so gerne mit Steinen hinter Motorrädern herwerfen wollen --.
    Die Kinder, die ich kenne, können alle, ohne zu schlenkern, noch langsamer als 6 km/h fahren.

    Zur Zeit fangen diese grässlichen Rasenmäher wieder an... Ein Höllenlärm in den Gärten um mich zu.. Ich will meine Ruhe, ich hole meine Boxercup raus... :-)
  9. #58

    Schrittgeschwindigkeit

    Zitat von novoma Beitrag anzeigen
    Wer einen hubraum- und drehmomentstarken Wagen mit Automatikgetriebe fährt, für den dürften Geschwindigkeiten <10km/h kein Problem sein. Wer dagegen mit schwächerer Motorisierung und Schaltgetriebe auskommen muss, für den stellt sich das schon als ziemliche Quälerei dar. Und mit meiner Vespa falle ich bei solchen Geschwindigkeiten schlicht um.
    Ein Argument gegen den für Autofahrer geschenkten Roller-Führerschein und für die verpflichtende Fahrpraxis-Ausbildung auch für Roller-Fahrer.

    Jeder Motorradfahrer muss "Fahrkünste" wie die stabile Langsamfahrt nachweisen. Schauen Sie sich einmal die Pylonen-Slalomübung an, die jeder angehende Motorradfahrer bestehen muss.

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Mein Tacho zeigt 10km/h überhaupt nicht an. Technisch kann ich meine Geschwindigkeit also nicht kontrollieren.
    Falls Sie in Ihrem Fahrzeug sitzend die "Schrittgeschwindigkeit" ohne Tacho-Darstellung nicht schätzen, geschweige denn kontrollieren können sind Sie entweder körperlich oder geistig mit der Teilnahme am motorisierten Straßenverkehr überfordert. In jedem Fall sollten Sie auf Ihre Fahrerlaubnis freiwillig verzichten. Oder die Behörde beauftragen, Ihnen eine Beschränkung für ein speziell für Ihre Bedürfnisse angepassten Pkw zu erteilen (7 km/h-Tempomat auf Knopfdruck).

    Alternativ melden Sie sich bei einer Fahrschule zu einem fakultativen Auffrischungskurs an und lassen sich in die Thematik "Standgas" einweisen.

    Und was Motorradfahrer auf zwei Rädern schaffen (siehe oben), das bewältigen auch Sie in ihrem Auto. Mit viel Übung. Nur Mut, Ihr Auto kann nicht umkippen. Tschakka!

    Dieses Pseudoargument erlebe ich selten, und wenn, dann bei männlichen, lebensälteren Verkehrsteilnehmern. Junge Fahrer landen zwar auch am Baum, dennoch erzählte noch nie ein Fahranfänger oder eine Frau diesen Witz.
  10. #59

    Tempo 10 erlaubt stabile Fahrt

    Zitat von j.vantast Beitrag anzeigen
    Die Einhaltung der Geschwindigkeitsbeschränkung mache ich gern. Aber wie gesagt, 10km/h sind kaum machbar. Da wäre es einfacher die Strasse für den Verkehr zu sperren.
    In verkehrsberuhigten Zonen ("Spielstraßen") gilt Schrittgeschwindigkeit. Die wurde vom BGH eindeutig als das fußgängerübliche Tempo von 4 bis 7 km/h definiert. Das geht offensichtlich auch.


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