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Deutsche Unterschicht: Philosophie mit Dosenbier, Fastfood, Körperkult

Stolz, aufstiegswillig, bildungsbeflissen: Das war früher die Unterschicht, die Klientel der SPD. Nichts davon findet die Beck-Müntefering-Partei heute wieder, zeigt eine Studie: Die neue Unterschicht will Freizeit, Spaß, Unterhaltung, Ablenkung, Body-Kult - ein Leben in Traumwelten.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...478725,00.html
  1. #1

    Eigene Kultur?

    Die Beobachtung der Symptome ist treffend. Ich frage mich allerdings, ob dieser "Hedonismus" auf die beschriebenen Schichten beschränkt ist - dann wäre er ja eine eigene Art Kultur. Ist es nicht wahrscheinlicher, daß dort - als Farce - nachgelebt wird, was man sich unter "Gutes Leben in der Oberschicht" vorstellt? Man beachte nur die leider auch vom Spiegel obsessiv beobachtete Paris Hilton und andere Medienhelden. Vielleicht gehören die kurzlebigen Trends, der Hang zur Hysterie, die Körperbetontheit, der Hang zur Künstlichkeit, die modernen Gladiatorenkämpfe usw. zur allgemeinen Charaktersitik der Gesellschaft? Ich würde sagen - Rom, späte Kaiserzeit. Fragt sich nur, wo die Barbaren bleiben.
  2. #2

    Erst kommt das Fressen....

    dann kommt die Moral, diese Erkenntniss des alten Brecht ist so richtig, wie Sie zeitlos ist. Ein russisches Sprichwort hingegen besagt, das der Fisch vom Kopf her stinkt.

    Professor Walter ( erstaunlich für was Banalitäten man heute als Professor geadelt wird )hingegen, erkennt das die Unterschicht selbst Schuld sei, weshalb Sie Unterschicht heißt, und wohl auch bleiben soll. Sie haben es sich verdient. Die gute alte Zeit, wo ist Sie geblieben, oder gab es Sie nie. Man lese Brechts Dreigroschenoper, oder die Romane eines Charles Dickens, über das frühkapitalistisch erzeugte Massenelend. Früher war es auch nicht anders,Reichtum setzt Armut voraus , letztere ist nun einmal nicht geeignet den menschlichen Charakter zu veredeln. Ethos und Moral werden zum Luxus in einer lebensfeindlichen Umwelt,den sich die Ärmsten der Armen nun einmal nicht leisten können.Mit den Finger auf die von der Gesellschaft als überflüssig Außgestoßenen zu zeigen, deren Schweiß Niemand mehr kaufen möchte, heißt die Tatsachen zu verdrehen, und den Bock zum Gärtner zu machen. Was bleibt ist bigotte Heuchelei.

    Die das Fleisch wegnehmen vom Tisch,
    lehren Zufriedenheit.
    Die, für die die Gaben bestimmt sind,
    verlangen Opfermut.
    Die Sattgefressenen sprechen zu den Hungrigen
    von großen Zeiten, die kommen werden.

    Die das Land in den Abgrund stürzen,
    nennen das Regieren zu schwer
    für den einfachen Mann.

    Bertolt Brecht
  3. #3

    Unter der Sonne nichts Neues

    Das predige ich auch ohne Titel, dafür wurde mir auf den Spiegelforen Hartherzigkeit vorgeworfen. Ohne Not ändert sich nichts. In Deutschland werden idiotische Lebensweisen staatlich subventioniert, so daß keine Not besteht, diese zu ändern. Kein Bock auf Fleiß und Schule? Macht nichts, es gibt ja Hartz IV und Förderung (in Berlin wurden Schüler dafür *bezahlt*, daß sie Unterrichtsstunden besuchten!), Teenagerschwangerschaft? Wird auch gefördert. Kein Bock, die Sprache zu erlernen? Macht auch ncihts, Leitkultur ist ja scheisse. Statt daß Individuen die Dummheit ihres Tuns erkennen, werden sie vor den Konsquenzen ihrer Handlungen bewahrt - auf Kosten der Gemeinschaft.

    Das ist, als würde man einen jungen Hund, der in die Wohnung pisst, mit einem Leckerli belohnen und sich später wundern, warum er nicht damit aufhören will.
  4. #4

    ...

    Ich kann Herrn Walter in seiner Analyse eigentlich nur zustimmen. Allerdings stört mich, dass er andauernd versucht sich selbst Glaubwürdigkeit und Autorität zu verschaffen indem er besonders ausgefallene, nur leider wenig hilfreiche, Wörter benutzt. Damit tut er sich keinen Gefallen, da es eher Verwirrung als Verstehen fördert.
  5. #5

    Ist doch schön

    Eigentlich ist es doch ein Grund zur Freude, dass die Unterschicht langsam radikalisiert. Denn das deutet auf einen durchaus vorhandenen Realitätssinn hin.

    Mit dem Büchlein bei Kerzenschein den sozialen Auftstieg zurecht schnitzen geht heute nämlich nicht mehr. Die Büchlein, die man dazu lesen muss sind nämlich für Unterschichten zu teuer und lesen und dann machen geht in Deutschland ja nun- so ehrlich muss man mal sein- auch nicht mehr. So ganz ohne Knete gehts nämlich nicht und ging es auch nie. Unterschichtenkredite werden von den Banken jedenfalls nicht beworben.

    Und Hartz4 lehrt nunmal die Gewalt. Für jeden falschen Furz gibts eine Leistungskürzung, gefördert wird allenfalls der Internetführerschein (welcher Arbeitgeber kriegt bei Vorlage eines solchen heutzutage denn noch leuchtende Augen?) und Bewerbungstrainings nach Clockwork Orange Art bis zum Brechreiz.

    Wenn nun ein junger Mensch Kraft seiner Geburt in einen Unterschichtenhaushalt geworfen wird und den Staat nur als Gewaltmonopolisten und Ekelpaket zu Gesicht bekommt, dann ist Gewalt die folgerichtige Reaktion.
    Der Politik indes fällt nur Spargel stechen als Universalantwort auf alle Fragen des Prekariats ein. Beim Spargel kann uns der Chinese und der Inder nämlich nix, die haben keinen Spargel. Spargel sticht Globalisierung mag es den Söders unserer Republik dünken.

    Problembär Beck kommt mit Stylingtipps und sieht selber aus wie der Moppel vor dem Herren. Wuchtbrumme oder Arschgeweih, was hätten sie lieber im Vorzimmer sitzen?
    Es werden tolle Jahre kommen, Klima ist jedenfalls das kleinste Problem, was es lösen gibt.
  6. #6

    Barbaren

    Zitat von sam clemens Beitrag anzeigen
    Fragt sich nur, wo die Barbaren bleiben.
    Denen wurde, ebenfalls analog zur römischen Geschichte, bereits gestattet, auf Grund und Boden des Staatsgebietes zu siedeln.
  7. #7

    Tja und was kommt nach der SPD ?

    Zitat von Walter "In der neuen Unterschicht - das zeigt die Sinus-Studie sehr präzise - flackert demgegenüber gleichsam ein Stück Insubordination, Unberechenbarkeit, Aufbegehren. Die neuen Unterschichten lehnen es in großen Teilen ab, sich "bei der Arbeit herumkommandieren" zu lassen. Sie zeichnen sich durch Tabulosigkeiten, Lebenshunger, spontane Direktheit aus. Und deutlich wird ebenfalls: Sie wollen in den nächsten Jahren bei einem weiteren Anstieg der ökonomischen Wachstumsraten einen Teil des Kuchens auch für sich. Gehen sie leer aus, dann droht Krawall." Zitat Ende

    also es bleibt ja zu hoffen, daß das neue Proletariat sich den neoliberalen Heilsbringern in der vorgestellten Form entgegenstellt. Glauben tue ich das aber nicht...ich halte die "Ravioli und auf der Couch abhängen" Alternative für wahrscheinlicher.

    Fatal ist das alles für die sog. SPD. Die wird bei dieser Gruppe kein Bein mehr hineinbekommen...warum auch. Wer mit Hartz 4 der Gruppe der Materiell Armen erklärt, daß diese der ehemaligen Sozial Demokratischen Partei scheißegal ist, der kann nicht ernsthaft auf die entsprechenden Wählerstimmen hoffen.

    Es fragt sich nur noch, wer diese ehemaligen SPD Wähler beerben wird:
    - Nichtwähler
    - Die Linke (wäre die beste Alternative)
    oder eben doch die
    - NPD und Konshorten ???
  8. #8

    Brot und Spiele-Mentalitaet

    Die BRD hat sich vom Sozialstaat zum Asozialstaat gewandelt.
    "Clever" ist heute,wer den "Staat" am besten und meisten "bescheisst".
  9. #9

    Walter bezieht keine Stellung!

    Zitat von Wurm_im_Sturm Beitrag anzeigen
    Ich kann Herrn Walter in seiner Analyse eigentlich nur zustimmen. Allerdings stört mich, dass er andauernd versucht sich selbst Glaubwürdigkeit und Autorität zu verschaffen indem er besonders ausgefallene, nur leider wenig hilfreiche, Wörter benutzt. Damit tut er sich keinen Gefallen, da es eher Verwirrung als Verstehen fördert.
    also wenn man weiss, dass der Walter ein Sozi ist und mit einer Zusammenarbeit mit der "Linken" liebäugelt, dann finde ich seine Beiträge zu beliebig...es hat auch einem Wissenschaftler noch nie geschadet, Stellung zu beziehen...letztlich kommt es auf die Begründung an.

    aber so sind halt die Zeiten - Beliebigkeit, die teilweise in Zynismus abgleitet (den ich Walter nicht unterstellen möchte) gepaart mit großen Lügen und das alles ungefiltert und unrecherchiert rein in die Medien.

    In der Folge wird nur noch spekuliert und der Wahrheitsgehalt vieler Meldungen hat nur noch eine Halbwertzeit von wenigen Stunden....Mit Aktualität hat das nichts mehr zu tun...








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