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Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
  1. #900

    Zitat von wutentbrannt Beitrag anzeigen
    ... wofür der H4ler alles Zuschüsse bekommt, die der Student nicht erhält. Dann merken Sie ganz schnell, dass Ihr "Argument" zum Boomerang wird.
    Semesterticket
    Studentenausweis
    GEZ Befreiung
    Mensaessen subventioniert
    also zu meiner Zeit gab´s das noch.
    Allerdings war damals (90 er) noch keine Rede von Semestergebühren.
  2. #901

    Zitat von moev Beitrag anzeigen
    Letztlich ist diese Argumentation einfach Asozial. Sozialleistungen sind für Leute die nicht ohne können und nicht für Leute die das Gleiche auch selbst erwirtschaften könnten, es aber nicht einsehen wenn sie für das Gleiche auch einfach der Gesellschaft auf der Tasche liegen können.

    Auch wenn man Ende das gleiche unterm Strich steht, der Fakt das man es dann selbst verdient hat und nicht einfach von der Allgemeinheit einfordert sollte Grund genug sein.
    Natürlich ist das asozial aber durchaus attraktiv wenn man ohne Leistung das gleiche erhalten kann wie andere mit Mühsal und Anstrengung. Daher muss man Sozialsysteme so ausgestallten, dass es verhindert wird dadurch ein unbeschwertes Leben führen zu können.
  3. #902

    Wer heute als Vorstand einer vierköpfigen Familie an der Ladenkasse steht oder Umzugskisten schleppt, könnte morgen den Job quittieren, ohne dass er schlechter da stände. Auf 1800 Euro belaufen sich derzeit die Zuwendungen für einen Hartz-IV-Haushalt mit zwei Kindern
    Das ist Blödsinn. Derjenige, der in diesem Rahmen arbeitet, hat alleine schon aufgrund der SGB II Freibeträge md. 330 Euro mehr als der, der nicht arbeitet.

    Also ist die Aussage schlicht und ergreifend falsch.
    Oder sind 330 Euro etwa Peanuts, die nicht der Rede wert sind?
  4. #903

    Interessant, dass Sie diese Überschrift wählen. Bei der Lektüre des Fleischhauerschen Buches "Unter Linken" sind mir einige Parallelen zu besagtem Buch aufgefallen. Obwohl beide Bücher fast zur gleichen Zeit auf den Markt kamen und teilweise zu ähnlichen Schlussfolgerungen kommen, hat man Herrn Fleischhauer nicht gekreuzigt. Es besteht als noch ein Fünkchen Hoffnung ...
    Man gestatte mir noch ein paar Beispiel zum Thema "Deutschland schafft sich ab": der Ausstieg aus den paritätischen Sozialabgaben wurde ohne Aufschrei der Massen geschafft, unsere Straßen sehen teilweise aus wie in ärmlichen Gegenden Südamerikas, die Polizei kann in einigen Städten den Sprit für die Streifenwagen nicht mehr zahlen, es gibt praktsich keinen pünktlichen Zug mehr, unsere Schulen und Universitäten werden immer schlechter (zum Glück habe ich noch ein "richtiges" Abitur und ein "echtes" Diplom machen dürfen), und, und, und ....
  5. #904

    [QUOTE=Crocofrog;10126384]Das meinen Sie nicht wirklich, was Sie im letzten Satz sagen: Sie wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Leute nicht arbeiten wollen, weil Ihnen der Lohn zu gering ist und sich damit lieber von der Allgemeinheit aushalten lassen?...

    Sie meinen, dass stimmt nicht?
  6. #905

    ...

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

    Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
    ...ich bin kein Freund der Kolumnen von Jan Fleischhauer und diesmal bin ich über die Sachlichkeit erstaunt. Wie auch immer - ich würde aber Herrn Fleischhauer gerne auffordern, eine sachliche Reportage zum Thema HartzIV zu erstellen. Vielleicht mal 3 oder 4 Familien aufsuchen und für ein paar Tage miterleben, wie es sich so lebt. Und noch einmal: Skandal ist nicht die Alimentierung von Armen (von denen es mit Sicherheit auch einige gibt, die sich auf H4 ausruhen), der Skandal liegt in dem geringen Abstand zur Entlohnung von Jobs, so dass der Anreiz mittlerweile zu klein ist, eine sozialversicherte Tätigkeit aufzunehmen. So gesehen handeln H4-Bezieher durchaus unternehmerisch, wenn Sie Ihre Arbeitskraft nicht zur Verfügung stellen, weil es sich einfach nicht lohnt.
  7. #906

    Zitat von Mathesar Beitrag anzeigen
    Oh, da denke ich mir sogar noch mehr! Nur die soziologische Definition einer gesellschaft habe ja nicht ich aufgestellt...;)
    Dann nennen Sie doch mal eine Quelle für Ihre soziologische Definition.
  8. #907

    Zitat von HansOch Beitrag anzeigen
    Ja, da steckt Manches drin mit ganz ganz langer Tradition. Diese Unfähigkeit des Mittelstandes, der sich bedroht fühlt, sich zu solidarisieren. Die Ellbogenmentalität, ein Sich-Einordnen, eine Subalternität, ein Treten nach Unten, Aufstiegsorientiertheit... Verhinderte, erstickte...
    In zwanzig Jahren, da werden die, die heute Strümpfe stricken für die Armen, die Lebensmittelreste spenden für den Harz 4- Markt - in der guten Tradition protestantischer Mitleidsethik - zu Weihnachten und nach dem Kirchgang - damit beschäftigt sein, sich selbst zu bemitleiden.
    Ach - und das Wort Gutmenschentum stammt aus derselben Schmiede subalterner Mini-Sozialdarwinisten.
    In 20 Jahren?
    Nö, das fängt direkt nach der nächsten Bundestagswahl an.
    Große Koalition, sag ich nur.
    Dann gibts richtig saures für die Banken und Eurorettung muss Geld angeschafft werden damit die Vorstände und Diäten, Nebeneinkünfte, Parteispenden, Nummernkonten gedeihen und blühen.
  9. #908

    So wie Herr F. es sieht sehen es viele. Mir klingt darin zuviel Häme und Neid durch auf die, die Morgens liegen bleiben dürfen. Arbeit ist ungerecht verteilt: Die einen wollen Arbeit und haben keine, die anderen würden gern mehr Freizeit haben, dürfen aber nicht. Wenn Vollbeschäftigung in der Zukunft nicht mehr möglich ist, weil stupide Arbeiten (gottseidank) durch Maschinen oder im ärmeren Ausland erledigt werden können, dann solten wir uns vom bestehenden System verabschieden. Bedingungsloses Grundeinkommen. Geht nicht? Früher konnte man sich auch nicht vorstellen, wie es ohne König funktionieren soll. (und nun wissen Sie auch, wen ich demnächst wählen werde).
  10. #909

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Natürlich ist das asozial aber durchaus attraktiv wenn man ohne Leistung das gleiche erhalten kann wie andere mit Mühsal und Anstrengung.
    Man erhält eben nicht "das gleiche". Wer arbeitet, hat aufgrund der Freibeträge immer mehr als jemand, der nicht arbeitet.


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