Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
  1. #860

    Zitat von MütterchenMüh Beitrag anzeigen
    Mit dem BGE würden Sie die Lohnspirale derart anheizen, dass durchgängig alle Löhne drastisch steigen würden.
    Der Nachtwächter bräuchte dann wirklich erst ab 15 Euro die Stunde aufstehen und den Hof bewachen.
    Was dann aber natürlich alle Produkte und Dienstleistungen entsprechend verteuern würde, so das BGE dann nicht mehr ausreicht und wir das gleiche haben wie vor BGE, nur das die Zahlen höher sind.
  2. #861

    Über welche Kompetenz verfügt der Autor jetzt eigentlich?

    Er spricht von der Verklärung durch diejenigen, die zumindest Stichproben im Armenmilieu gemacht haben – im hier vorliegenden Fall meines Wissens über mehrere Monate hinweg.

    Woher bezieht nun aber der Blogautor eigentlich sein Wissen, abgesehen von dem Beispiel der Zähne mancher Zweitklässler?

    Es gibt übrigens auch eine "Wohlstandsverwahrlosung" – Kinder, die ihr Opfer sind, sind manchmal auch nicht besser aufgezogen, haben aber den Vorteil reicher Eltern, die's mit ein paartausend Euro extra und ein paar Kontakten schon richten.
  3. #862

    Deutschland schafft sich langsam ab

    Zitat von Finnländer Beitrag anzeigen
    Da möchte man Ihnen einfach zurufen: wandern Sie doch aus, wenn es Ihnen in der BRD zu wenig Obdachlose, Junkies und Kriminelle gibt.
    Wenn Deutschland so weitermacht, werde ich vor lauter Obdachlosen, Junkies und Kriminellen in Deutschland so oder so auswandern müssen.
  4. #863

    Jaja, die bösen Hartzer...

    Zitat von heinz4444 Beitrag anzeigen
    Es gab übrigens vor ein paar Jahren eine NDR Reportage von Frau Knobel-Ulrich.Die befragte in einem Thüringer JC Arbeitslose,weshalb sie nicht im 60-70 KM entfernten Bayern arbeiten,wo händerringend Personal gesucht wurde.
    Die schönste Antwort:
    Warum sollte.....
    Nun, wäre es natürlich interessant zu wissen, um was für eine Art Job es sich handelt und wieviel Geld sich damit verdienen lässt.
    Schonmal daran gedacht, dass man für so einen Job, der 60 - 70 Kiloemter entfernt ist, eventuell umziehen muss? Wer soll das denn bezahlen und mal eben Schulden im voraus machen (naja, welche Bank gibt Kredit?) für einen Job, von dem man noch gar nicht weiss, ob man auch langfristig wirklich dort arbeiten kann, halte ich dann doch schon für sehr riskant.

    Als Hartz4-Empfänger hat man in der Regel auch kein Auto und die Fahrtkosten per Bahn oder Bus zur Arbeitsstelle muss man sich auch erstmal leisten können. Geld gibt es ja schließlich erst am Ende des Monats.
    Naja und ich weiss ja nicht in welchen Arbeitslosenforen sie sich herumtreiben, aber ich habe in den 3 Foren in denen ich häufig unterwegs bin noch nie gelesen, dass jemand nicht arbeiten will.

    Es sei denn es handelt sich um 1-Euro-Jobs oder unbezahlte Praktika, klar, die will keiner machen, warum auch, ist doch nur Ausbeutung. Die Leuten wollen eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung, das ist alles.
  5. #864

    _

    Zitat von Bokurano Beitrag anzeigen
    Achja die 1800€ sind garantiert incl. Miete, wie man also die Miet und Heizkosten abzieht bleibt nicht mehr viel übrig.
    Eben genau wie bei Nettogehältern von ANs
  6. #865

    Lachhaft

    Zitat von bombus67 Beitrag anzeigen
    Man wird sich in 20 Jahren noch umgucken in Deutschland, denn wenn es so weitergeht wie schon im hervorragenden Artikel angedeutet, wird sich das Gutmenschentum von alleine abschaffen, da es sich keiner mehr leisten kann!
    Ja, da steckt Manches drin mit ganz ganz langer Tradition. Diese Unfähigkeit des Mittelstandes, der sich bedroht fühlt, sich zu solidarisieren. Die Ellbogenmentalität, ein Sich-Einordnen, eine Subalternität, ein Treten nach Unten, Aufstiegsorientiertheit... Verhinderte, erstickte...
    In zwanzig Jahren, da werden die, die heute Strümpfe stricken für die Armen, die Lebensmittelreste spenden für den Harz 4- Markt - in der guten Tradition protestantischer Mitleidsethik - zu Weihnachten und nach dem Kirchgang - damit beschäftigt sein, sich selbst zu bemitleiden.
    Ach - und das Wort Gutmenschentum stammt aus derselben Schmiede subalterner Mini-Sozialdarwinisten.
  7. #866

    Zitat von moistvonlipwik Beitrag anzeigen
    Der ganze Artikel bringt nur wieder billige Polemik.
    Das Bundesverfassungsgericht hat sich zur Frage geäußert; die Einzelheiten kann jeder (auch Jan Fleischauer) nachlesen. Da das Gericht sich auf .....
    Das meinen Sie nicht wirklich, was Sie im letzten Satz sagen: Sie wollen damit zum Ausdruck bringen, dass die Leute nicht arbeiten wollen, weil Ihnen der Lohn zu gering ist und sich damit lieber von der Allgemeinheit aushalten lassen? Vielleicht erst mal denken, dann posten.
  8. #867

    Eine studierte Medizinerin..

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

    Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
    .. mit sechs Kindern?! Die möchte ich mal sehen. Die hat also ihre 6 Kinder permanent in Ganztages-Kitas schicken können, um sich 20 Jahre Berufserfahrung anzueignen. Das ist ein konstruierter Fall, allenfalls ein sehr seltener realer Einzelfall. Überhaupt nicht repräsentativ für H IV-
    Bezieher, wie das hier suggeriert werden soll.
  9. #868

    Bitte richtig informieren und nicht einfach polemisieren!

    Lieber Herr Fleischhauer!
    Bitte, bitte, bitte informieren Sie sich etwas besser, bevor Sie über dieses Thema schreiben und aus Unkenntnis Ressentiments bedienen, die von einigen der offenbar ebenso unwissenden Leser gerne aufgegriffen werden, weil sie eben immer und immer wieder in die Welt posaunt werden. Sie werden dadurch jedoch nicht wahrer,

    Es ist NICHT so, dass ein Arbeitnehmer einfach "mal eben so" seinen Job kündigen kann, weil er beschlossen hat, künftig von Hartz-IV leben zu wollen, weil das ja ausreicht und bequem ist. Wer das tut, wird von den entsprechenden Argen sanktioniert - sprich: Leistungskürzung.

    Dasselbe gilt auch für Menschen, denen eine Arbeit angeboten wird, die sie dann ablehnen.
    Und es gilt überhaupt für Menschen, die den Aufforderungen der Arge nicht nachkommen - zum Beispiel, jeden Monat eine bestimmte Anzahl von Bewerbungen zu verschicken.
    Die Kommunen haben kein Geld zu verschenken und die Argen sind daher sehr versiert darin geworden, solche Sanktionen zu verteilen.
    Das wird - aus schlichter Unkenntnis - meistens nicht gesagt. Und das führt dann zu Artikeln und Reaktionen, wie sie hier einmal mehr zu "bewundern" sind.

    Es ist mir durchaus klar, dass es Schwarze Schafe gibt. Motto: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber glaubt man denn allen ernstes, drei Millionen Menschen in diesem Land haben "keine Lust" und sind zufrieden damit, von ein paar hundert Euro zu Leben, ständig mit einer Behörde im Nacken, die minutiös jegliche "Finanzplanung" mitverfolgt, Kontoauszüge kontrolliert und dergleichen? Drei Millionen Menschen, die - einmal mehr wie in diesem Artikel - in Sippenhaft genommen werden und denen indirekt unterstellt wird, sie seien ja nur ein faules Pack, das sich auf Kosten anderer durchfuttert?

    Es gibt allein rund eine Million Hartz-IV-Bezieher, die regelmäßig arbeiten gehen, davon aber nicht leben können, sodass sie gezwungen sind, Hartz-IV zu beziehen. "Aufstocker" werden diese Menschen lapidar genannt.
    Eine Million Menschen, die eine Arbeit leisten für Unternehmen und Organisationen. Unternehmen, die offenkundig so schlecht aufgesteltl sind, dass sie keine anständigen Löhne zahlen können - oder dazu nicht bereit sind. Im Gegenteil: Unternehmen, die vom Steuerzahler gefördert werden. Sie bekommen eine billige Arbeitskraft, die dann von der Gemeinschaft bezahlt werden muss.
    Der eigentliche Gedanke, diese Menschen in eine geregelte, gut einträgliche Arbeit zu bringen, scheitert, weil es für viele Unternehmen leider recht einträglich ist, billige Arbeitskräfte zu "halten".
    Warum eine Reinigungskraft einstellen? Wir haben doch Hartz-IV-Leute! Warum die Grünanlagen von ausgebildeten Gärtnern zu einem ordentlichen Geld bepflanzen lassen? Es gibt doch genug arbeitslose Gärtner, die man mit Hartz-IV-zwangsrekrutieren kann! - lautet hier die Maxime.
    Ich bin froh und dankbar, selbst ein Gutverdiener zu sein. Und ich finde es beschämend, wie sehr Menschen, denen es dreckig geht, in generelle Sippenhaft genommen werden wegen schwarzer Schafe,
  10. #869

    amen

    Zitat von munkelt Beitrag anzeigen
    Und wenn das zum 100sten Mal geschrieben wird, manche Foristen nehmen das einfach nicht zur Kenntnis.
    ....genau dieser Gedanke kommmt mir täglich, wenn ich meine Zeit damit verbringe, mit bestimmten Individuen im SPON-Forum zu diskutieren.
    Gibt es eine Quelle für die 50.000 Aufstocker bzw. die angebliche "Beliebtheit" dieser Jobs?
    Ich habe folgenden Kenntnisstand (Zahlen aus dem Jahr 2010):

    "Im vergangenen Jahr lag die Gesamtzahl der so genannten Aufstocker im Schnitt bei 1,383 Millionen. Das geht aus Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit (BA) hervor. Das waren 4,4 Prozent mehr als 2009, 4,7 Prozent mehr als 2008 und 13,5 Prozent mehr als 2007."

    Arbeitsmarkt: Zahl der Aufstocker auf Rekordniveau | tagesschau.de

    Tendenz steigend. Da kann man auch gerne mal die "offiziellen" Arbeitslosenzahlen gegenrechnen.