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Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum
Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.
Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
- #700 03.05.2012 21:28 von
Und von der Steuer absetzen.
Wie kommen Sie auf diesen Unsinn? Ausflugskosten sind bereits in den Regelsätzen enthalten. Nur für mehrtägige klassenfahrten gibt es Beihilfen, und das eben auch nicht nur für Hartz4 Empfänger, sondern auch für Menschen, die zuviel für Hartz4 verdienen aber sich die Klassenfahrt sonst nicht leisten können. § 23 SGB II - Sozialgesetzbuch Zweites Buch - Grundsicherung für ArbeitsuchendeWas macht die Hartz IV Familie?
Sie beantragt die Kostenübernahme bei Ihrem JC und dieses bezahlt dann den Ausflug.
Da haben Sie in gewisser Weise sogar recht. Aber warum tut niemand etwas dafür, diese Anreize zu setzen? Am einfachsten regelt das der Markt: Wenn die Sozialleistungsbezieher nicht bis zu 100% ihres Erwerbseinkommens mit den Sozialleistungen verrechnet bekämen, sondern pauschal 50% davon anrechnungsfrei blieben, dann lohnt es sich auch wieder, mehr zu arbeiten und man fällt nicht in ein soziales Loch, sobald man keinen Anspruch mehr auf Hartz4 hat.Warum wohl hat eigentlich Deutschland die meisten Langzeitarbeitslosen?
Weil es kaum Anreize gibt,die soziale Hängematte zu verlassen. - #701 03.05.2012 21:29 von
- #702 03.05.2012 21:30 von
Auf geht's!
Das ist schon eine Weile her. Werden Sie erwachsen! Es wird keine Revolution geben. Dazu müssten die revolutionären Hartz-Garden erstmal stolperfrei ihre Messie-Bude verlassen. Das Selbstschnitzen eines Baseballschlägers fällt mangels feinmotorischer Fähigkeiten schwer. Und irgendwer wird schon so clever sein und fragen, wer denn das Geld für Hartz-IV zur Verfügung stellt, wenn die entsprechenden Einzahler meuchlings ermordert wurden.
Quaken Sie also nicht rum, bekommen Sie Ihren Hintern aus der Furzkiste und suchen Sie sich eine Arbeit! Dann brauchen Sie hier auch nicht mehr rumdiskutieren. - #703 03.05.2012 21:31 von
- #704 03.05.2012 21:32 von
Richtig, die Zeiten, dass das Kapital weiter durch Zinsen, Spekulationen, Gewinnmaximierung und überhöhte Stundenlöhne immer weiter
hin zu ein paar Wenigen transferiert wird, so dass immer mehr arm
werden in einem Land und würdelos ihr Leben als Bettler fristen müssen
ist bald vorbei. - #705 03.05.2012 21:32 von
(...) Es liegt eben doch noch etwas anderes vor als eine „soziale Problemlage“; und jeder weiß auch was: Daß so viele Leute keine Arbeit finden, liegt an einem ökonomischen Problem. Arbeit unterbleibt, wenn sie nicht rentabel ist, d.h. wenn sie dem Unternehmen, in dem und für das sie stattfindet, nicht genügend einbringt; nicht
genug Ertrag nämlich, um in der Konkurrenz, der „globalen“, zu bestehen. Wenn das aber so ist; wenn Arbeit nur stattfindet, wenn und solange sie rentabel ist; dann findet sie auch nur deswegen statt, weil sie einem Unternehmen Gelderträge verschafft:
Rentabilität ist der ökonomische Zweck, für den sie stattfindet. Es soll gearbeitet werden; aus keinem anderen Grund, als weil Arbeit sich rentiert; mit keinem anderen Ziel als dem nie abschließend zu erledigenden Auftrag, rentabel zu sein und Geld einzubringen; deswegen auch je mehr, um so besser – am liebsten möchte man die ganze Welt versorgen, den Chinesen U-Bahnen bauen und die Ölscheichtümer mit Klimaanlagen ausstatten, um mit der geleisteten Arbeit die Kaufkraft der Menschheit zu monopolisieren. Arbeit, weil sie Geld bringt: dieser kategorische Imperativ beherrscht die herrschenden Verhältnisse so total, daß alle Zeitgenossen ihm folgen müssen, um leben zu können, und – egal welche: – Arbeit brauchen. Und aus keinem anderen Grund unterbleibt sie dann eben auch, wenn sie nämlich nicht genügend Geld bringt; was offenbar gerade mit den Rentabilitätsfortschritten bei der
Anwendung von Arbeit immer häufiger der Fall ist. Die ökonomische Zielsetzung, die in der sogenannten Marktwirtschaft total und exklusiv bestimmend ist, ist offenkundig von der Art, daß sie mit sich selbst in Widerspruch gerät: Da ist die Menschheit dem Zwang unterworfen zu arbeiten, weil Arbeit Wert schafft und Unternehmen bereichert; und kaum kommt dieser Zirkus in Schwung, kollidiert er mit seinem eigenen Kriterium: dem Zwang, immer mehr Wert zu schaffen.
Es mag ja sein, daß sich alle Welt an diese Verrücktheit gewöhnt hat und sie normal findet – immerhin, auch die kundigsten Experten und mächtigsten Verwalter dieses Systems kommen leicht ins Schleudern, wenn sie Auskunft geben sollen, ob nun eigentlich zuwenig gearbeitet wird, wenn 4 Millionen Arbeitslose in der Nation, 30 Millionen in der EU und zahllose Millionen auf dem Globus herumlungern, oder ob nicht doch noch zuviel gearbeitet wird, wenn die reine „wirtschaftliche Vernunft“ die Schließung der letzten Werften an der Nordsee und am Mittelmeer gebietet und solange die Zechen im Ruhrgebiet nur mit Milliardensubventionen weiterarbeiten.
Tatsächlich scheint eben beides zugleich vorzuliegen: zuwenig, weil es beim Arbeiten doch um immer mehr Geld geht und dafür nie genug geschehen kann; zuviel, weil es beim Arbeiten doch um immer mehr Geldvermehrung geht und vor dieser Zwecksetzung viel Arbeit, die es gerade noch gebracht hat, versagt. Es hilft ja nichts, daß es „nun einmal“ so ist – es ist, höflich gesprochen, ein wenig widersprüchlich, dieses „System“ der rentablen Arbeit.
Keine Frage: Staat und Unternehmen können damit prächtig leben – sie organisieren die Arbeit ja so und profitieren von ihrer Rentabilität. Den systemeigenen
Widerspruch, daß erstens unbedingt gearbeitet werden muß und deswegen zweitens nur sehr bedingt, für Gelderträge nämlich in der einen wie in der anderen Hinsicht, das machen sie zu einem Problem derer, die als ausübendes Personal erstens unbedingt Arbeit brauchen und zweitens ganz oft keine finden; und dann definieren sie die materiellen Probleme, die die Leute haben, als soziale Problemlage, die sie mit den bedürftigen Leuten haben.
Man sollte diese praktisch wirksame Übersetzungsleistung nicht auch noch theoretisch billigend nachvollziehen und, vom Elend gerührt, die Lüge vom sozialen Problem für die Sache nehmen – und dann womöglich noch darüber jammern und nach Schuldigen dafür suchen, daß diesem „Problem“ durch all die eifrig diskutierten, probierten und wieder aufgegebenen „Bündnisse für Arbeit“ ohnehin nie beizukommen ist. Genausowenig empfiehlt es sich, das Kriterium der Rentabilität als Inbegriff wirtschaftlicher Vernunft zu quittieren und mit den Bedenklichkeiten erst anzufangen, wenn die öffentliche Meinung sich entschließt, seine „Schattenseiten“ zur Kenntnis zu nehmen. Die Absurdität des „Systems“, der Grund seiner Schädlichkeit für die Masse seiner Insassen, liegt nicht darin, daß Arbeit nicht stattfindet, wenn sie nicht rentabel ist, sondern daß sie stattfindet, weil es um Rentabilität geht.
Seine soziale Gemeinheit beginnt nicht damit, daß die Leute, die Arbeit brauchen, oft keine finden, sondern besteht schon darin, daß sie Arbeit brauchen; daß sie dann noch nicht einmal sicher sein können, eine zu finden, folgt daraus von ganz allein. Die Bedingungen, denen die Marktwirtschaft die Arbeit unterwirft, enthalten die wesentlichen Bestimmungen dieses Produktionsverhältnisses. Sie sich klarzumachen, schafft garantiert keine Arbeitsplätze. Deswegen hier ein paar Ermunterungen dazu:
http://www.gegenstandpunkt.com/gs/96/4/arb&reic.pdf - #706 03.05.2012 21:34 von
Gesundheit
Die ganzen Hartz4-Basher hier im Forum glauben anscheinend wirklich, das sie bis 67 gesund und arbeitsfähig bleiben, nie Sozialleistungen benötigen und ihr AG sie bis zur Rente weiterbeschäftigen wird.
Solche Kurzsichtigkeit und Lebensfremdheit zeugt nicht gerade von Intelligenz. - #707 03.05.2012 21:34 von
Ok,
nun ich bin soweit. Ich habs verstanden. An alle Kritiker: Ja, ich bin ein dummer asozialer Schmarotzer. Ich suche nur Ausreden und ich lebe im Sozialparadies. Ob ich Aufstocker bin, ist hier bei als weiterer Tatvorwurf zu werten. Denn ich sehe ein, dass ich mitschuldig an den Niedriglöhnen bin und obendrein gesteh ich ein, dass an mir Steuern verschwendet werden. Ich hab lange versucht, mich gegen die Vorwürfe zu wehren, aber inzwischen bin ich nur noch müde. Jeglicher Sinn ist mir abhanden gekommen und damit auch der Sinn, mich ständig wehren zu müssen. Ich bin endlich bereit, euch alles zu glauben, denn ist die Wahrheit. Ihr habt Recht.
Wer jetzt meint, dass ich das nicht ernst meine, der liegt falsch. Was ich damit bezwecken will, weiss ich ehrlichgesagt nicht. Aber ich denke, die Kritiker brauchen anscheinend unbedingt ein Beispiel. Bitte, da ist eins. Also ich warte aufs Feedback. Und bitte, es soll sich niemand genötigt fühlen, vor meinem vermeintlichen Selbstwert/Selbstvertrauen usw. Respekt zu nehmen. Wo nichts ist, kann auch nichts mehr geschädigt werden. Zudem möchte ich auch kein Mitgefühl und auch kein Verständnis, denn wie gesagt, ich gestehe, dass ich mitschuldig bin.
Also liebe Kritiker, wo finden wir die Lösungen?
Allgemeine Arbeitspflicht wie in Holland? Abschaffung von H4? Massive verstärkte Kontrollen? Massive Ausweitung von Sanktionen? Soll das Strafmaß erhöht werden? Wo verstärkte Kritik an H4 Empfängern ist, müssen ja auch praktikable, umsetzbare Lösungen vorhanden sein. - #708 03.05.2012 21:35 von
- #709 03.05.2012 21:36 von
Liebe Foristen
kommt mal wieder runter auf den Boden der Realität. Herr Fleischhauer lacht sich doch ins Fäustchen, dass er hier bald alle Traffic-Rekorde brechen kann. Er hat mit seiner Kolumne offensichtlich einen ganz wunden Punkt unserer Gesellschaft getroffen, der nicht nur Arbeitslose, sondern zumindest auch alle Arbeitnehmer trifft. Der Knüppel Hartz4 ist für alle gedacht, ausser den Profiteuren.
Wenn hier in vielen Beiträgen über kleine Euro-Beträge erbittert gestritten wird, dann sagt das sehr viel über den Zustand unserer Gesellschaft aus. Die gesamten Hartz4-Kosten von ca. 50 Milliarden Euro sind doch Peanuts für diese eigentlich reiche Gesellschaft. Zur "Bankenrettung" wurden und werden viele hundert Milliarden quasi von heute auf morgen lockergemacht und dabei werden nicht mittellose Menschen vor dem Untergang gerettet, sondern schwereichen Profiteuren unseres kapitalistischen Ausbeutersystems der Hintern gepudert. Alle sog. "Rettungsmassnahmen" in der Finanzkrise dienen der Aufrechterhaltung des satten Zinsflusses für die internationale Grossfinanz - auf Kosten unserer Bürger und Steuerzahler.
Wir stehen vor dem grössten Ausverkauf der Bürgerinteressen in der Geschichte und hier wird über Kleinigkeiten gestritten. Nicht die meist unverschuldet Arbeitslosen sind unser Problem, sondern die in spätrömischer Dekadenz lebenden grossen Kapitaleigner, die anstrengungsfrei die Völker via Zinsdiktatur enteignen und vor die Hunde gehen lassen.
Darauf muss sich unsere Wut richten, nicht auf die armen Loser in diesem Raubtiersystem. Der unersättlichen Finanzmafia muss unser Kampf gelten, niemand sonst!
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