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Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
  1. #60

    Geht doch selbst einmal aufs Arbeitsamt

    Für mich einer der schlimmsten Orte überhaupt.

    Zieht eine Nummer, lasst euch von einer Sachbearbeiterin bearbeiten, die selbst keine Ahnung hat, und euch eigentlich nur ankeift.
    Füllt unzählige sinnlose Formulare aus. Legt das ganze Leben offen. Lasst euch in völlig nutzlosen "Umschulungen" umschulen (H4-Industrie).

    Und sagt dann nochmal, dass dies das Paradies ist. Ganz ehrlich, ein einfacher Besuch bei einem Arbeitsamt wäre doch nicht zuviel verlangt, wenn man solche Ansichten vertritt ? Das ganze Ambiente wirft einen nämlich schon rückwärts wieder die Tür hinaus, und ist absolut entwürdigend.
    Für mich jedenfalls gilt, einmal im Leben Arbeitsamt und nie wieder.
  2. #61

    Zitat von berns Beitrag anzeigen
    Sie können gerne mal kommen, dann zeige ich ihnen, wie "gut" man als Alleinstehender vom Hartz 4 Satz leben kann.
    Nämlich miserabel. Verwechseln Sie nicht die Lebenshaltungskosten in Bulgarien mit denen in Deutschland.

    Wer in Deutschland auf dem Land wohnt, wo es kaum öffentliche Verkehrsverbindungen gibt, keinen Arzt, keine Post, keine Apotheke und keine billigen Discounter und auch keine "Tafel", der lebt in bitterer Armut.
    Die Krankenkasse verlangt noch Zuzahlungen zu lebensnotwendigen Medikamenten, eine neue Brille kann man sich nicht leisten, obwohl sie dringend notwendig wäre. Zahnersatz ist ebenso unerschwinglich, weil man ihn selber zahlen müsste. Kleider, Strümpfe, Schuhe, da geht nur das allerbilligste vom KIK z.B., wer Kunststoff im Stoff nicht verträgt, hat Pech.

    Kino, Theater, Internet, Telefon - alles nicht möglich. Essen, da darf man auch nur das allerbilligste kaufen. Billig? Von wegen. Für Einzelpersonen sind billige Großpackungen nicht geeignet. Das Zeug wird schlecht in wenigen Tagen.

    Bücher? Zeitschriften? Utopie.

    Nicht nur Arbeitslose müssen unter diesen menschenverachtenden Bedingungen leben, sondern auch Rentner, die aus welchen Gründen auch immer, auf Grundsicherung angewiesen sind, die dem Hartz 4 Satz angeglichen ist.
    Ist schon komisch. Sie kaufen ihre Kleidung bei KiK aber es gibt keinen Discounter... wer soll das glauben?

    SIe finden es also Menschenverachtend das Ihnen der Staat ein warme Wohnung finanziert und Ihnen 360€ zum leben schenkt?

    Aber nee is schon klar, Sie müssten ja min. 5000€/Mon bekommen damit Sie täglich mit dem Taxi zum Gourmetrestaurand fahren können.
    Danach dann noch schnell in die Oper und zum Abschluss in die Champangerbar.
  3. #62

    Zitat von kurt-aus-kienitz Beitrag anzeigen
    ... herausbekommen, wenn man will.
    Der Regelsatz liegt (nach Hartz IV 4 Rechner Arbeitslosengeld II Rechner 2012) pro Erwachsner in Bedarfsgemeinschaft bei 337,00 Euro, pro Kind (10 Jahre) bei 251,00 Euro. Das sind 1.176,00 Euro für eine Familie mit 2 Kinden.
    Und Miete und Heizung fallen vom Himmel?
  4. #63

    @findetnemo: komisch, ging mir auch so. Allerdings reisst er das Problem nur auf, und bietet keine Loesung an. An dem Problem der Arbeitsentwoehnten haben sich schon viele die Zaehne ausgebissen. Hier in irland haben wir LTUs (long term unenployed) in der 5ten Generation. Ich habe keine Ahnung wo man da auch nur anfaengt, weil mit Einstellung der Zahlungen kriminialisert man die wohl eher, als sie zur Arbeit zu bringen, Da muss man tiefgreifender vorgehen.
  5. #64

    volkswirtschaftlich nicht substantiert!

    Dieser Beitrag ist aus der Perspektive der sog. Leistungsträger durchaus als populistisch zu werten und hält einer sachlichen Überprüfung aus volkswirtschaftlicher Sicht nicht stand. Welcher "Schaden" pekuniär, familienpolitisch, oder sonstwie, entsteht denn im Falle von Transferleistungen generell? Welche Auswirkungen haben Transferleistungen auf gesamtwirtschaftliche Parameter wie Konsum, Sparen, Investitionen, Zinssatz? Ich erspare mir an dieser Stelle eine detaillierte Analyse schon deshalb, weil sie äußerst komplex und nicht jedermann sofort zugänglich wäre. Soviel aber sei festgestellt: Der gesellschaftliche Schaden, der durch den Transfer von unversteuertem Einkommen und Kapitalvermögen ins Ausland ensteht, das zumeist dort verbleibt und im Inland weder zu Konsum, Investition noch Sparen führt ist nachweislich um ein Vielfaches höher. Für diese Feststellung braucht man kein Linker oder Sozialträumer zu sein. Und hier habe ich den Vergleich mit "Subventionen" wie Rettungsschirme, Steuervorteile für Großkonzerne etc. noch gar nicht ins Feld geführt. Wer also im Bereich der Transferleistungen, die im Übrigen sofort wieder Konsum werden (multiplikativ), eine Gerechtigkeitsdebatte entfacht , sollte bittschöne alle Seiten der Medaille betrachten!
    Beste Grüße
  6. #65

    Eigene Zeitung lesen

    Studie zu Arbeitslosen: Nur wenige Hartz-IV-Empfänger faulenzen - SPIEGEL ONLINE

    Laut der Studie ist es mitnichten so dass sich Hartz-IV Empfänger nur auf die faule haut legen. Es gibt zwar die schwarzen Schafe (gerade mit hinsicht auf Sozialflüchtlinge) allerdings treffen allgemeine Sanktionen zu einem großen Teil die falschen und das finde ich fatal in einem so "reichen" Land wie Deutschland. Fördern bedeutet nicht nur Geld zu überweisen sondern auch lebenslange Bildung und Umschulungen und damit meine ich nicht diese Scheinförderungen des ALG-II.

    Hirnrissig finde ich wie sich die Arbeitnehmer mit ihrer Antiarbeitlosenhaltung in ihr eigenes Fleisch schneiden. Sie zahlen von Ihrem Brutto-Lohn monatliche Beiträge zur Arbeitslosenversicherung. Wer kommt da auf die Idee zu fordern diese Leistungen die teuer von unseren Abgaben gezahlt werden zu kürzen? Schließlich kann jeder mal in die Situation kommen arbeitslos zuwerden dann möchte man doch von seiner Versicherung auch eine anständige Leistung.
  7. #66

    immer das Gleiche...

    Zitat von kurt-aus-kienitz Beitrag anzeigen
    ... herausbekommen, wenn man will.
    Der Regelsatz liegt (nach Hartz IV 4 Rechner Arbeitslosengeld II Rechner 2012) pro Erwachsner in Bedarfsgemeinschaft bei 337,00 Euro, pro Kind (10 Jahre) bei 251,00 Euro. Das sind 1.176,00 Euro für eine Familie mit 2 Kinden.
    Und die Kosten für Wohnung/Heizung unterschlagen Sie einfach? Ist das etwa keine Leistung, die von irgendwoher bezahlt wird? Diese einseitige Betrachtung der HartzIV-Sätze und das Ignorieren der anderen Leistungen ist grausam!
  8. #67

    Leistung in € für 4 Personen Familie

    Zwei Ehepartner mit je 337 €
    Zwei Kinder mit je 219 bis 287 €, je nach Alter
    Warmmiete für 4 Personen über 600 €
    Sind ziemlich genau 1800 €
    Hoffe meine Zahlen sind aktuell.
  9. #68

    Zitat von misterbighh Beitrag anzeigen
    irgendwo Sachargumente aufzeigen würde, wäre ich sehr zu Dank verpflichtet. Ich kenne jedenfalls keine Familie mit 1800 Euro Hartz4. Außer krudes konservatives Stammtisch -gerede, offeriert er mir nur die ewige Litanei vom Harz4ler der .....
    Sie können es ja gerne mal nachprüfen.
    Hartz 4 Berechnung: ALG II Rechner / Arbeitslosengeld 2 berechnen

    Das je nach Standort die Kosten für Unterkunft variable sind, wissen Sie sicherlich.
  10. #69

    Zitat von OliverSch Beitrag anzeigen
    So und nun erzählen SIe mal bitte wie sich das "normale" Leute leisten wollen wenn er normaler Handwerker und sie Kassiererin bei Schlecker ähhm Rossmann ist. Also irgendetwas läuft da verdammt schief.
    Zumindest in dem Punkt "schief laufen" haben Sie recht, auch wenn Sie wohl in die falsche Richtung schauen:
    ein anständiger, gesetzlicher Mindestlohn ist die einzige wirkliche Sicherung des Lohnabstands.
    Wenn man dann die Sozialversicherungen endlich mal frei von Beitragsbemessungsgrenzen auf alle Einkommen (auch Zinsen, Kapitalerträge, Mieterträge, etc. ) erhebt, dann hört auch das Geschrei von der Unfinanzierbarkeit des Sozialstaats auf. Man müsst es halt mal ernst nehmen mit SOZIALstaat!
    Nebenbei könnte man durch Korrektur der gesetzlichen Sozialversicherungen den Beitragsprozentsatz senken und damit mittlere und untere Einkommen tatsächlich entlasten.


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