Hallo,
entgegen meiner Art was persönliches, denn auch ich war in den Mühlen der Arge aufgrund betriebsbedingter Kündigung und folgender Arbeitslosigkeit unter HarzIV. HartzIV habe ich freilich nicht bekommen, weil meine Frau 70 € (in Worten: siebzig Euro) zuviel verdiente (es gab danach eine Gesetzesänderung hinsichtlich Krankenkassenbeiträgen, so dass ich nun bei gleicher Lage Anrecht auf HartzIV hätte...damals war es noch anders). Dass wir Abtrag für eine winzige DHH zahlen, hat natürlich keinen interessiert. Lieber die Altersvorsorge (und damit Entlastung für das Alter von mir UND der Gesellschaft) verscheuern sollten wir. Absurd!
Ich hatte also weniger bekommen (0 Euro) als in der
Prä-HartzIV-Ära einer, der niemals auch nur einen Furz in irgendwas eingezahlt hat. HIER, und NUR da, liegt der Fehler von HartzIV, in der Gleichgewichtung der Erwerbsbiographien. 30 Jahre eingezahlt? Egal, Haus verkaufen (Eigentum zu Geld machen) und dann gibt es vielleicht HartzIV. Altersvorsorge bitte auch versemmeln...von daher bin ich immer gegen eine Gleichsetzung von Sozialhilfe und HartzIV gewesen, DAS ist unwürdig.
Was habe ich gemacht?
Tatsächlich eine ich-AG gegründet, habe mich damit über Wasser gehalten (das ist nicht in jedem Beruf so gut möglich wie in meinem, das ist richtig). Dabei wie ein Wilder Bewerbungen geschrieben im Umkreis von 80 KM und - oh wunder - nach 13 Monaten wieder eine Stelle gefunden. Das war Ende 2005. Ich bin allerdings immer noch kein Gutverdiener, und kenne beide Seiten der Medaille (meine Frau hat übrigens bei einer Arge gearbeitet, jaja, öffentlicher Dienst. Die arbeiten dort, entgegen vieler Vorurteile, sehr viel. Auch am nachmittag, wenn die Ämter für die Bürger geschlossen sind...).
Recht gebe ich Ihnen, dass es nicht genug Arbeit gibt, die jedem gefällt. In meiner Ecke voller Baumschulen sind sehr viele polnische Freunde auf den Feldern zu sehen, und zum Thema Spargelstechen gab es in den letzten Jahren auch viele Artikel. Arbeit als solche ist GENUG vorhanden. Ob sie würdevoll ist, mag dahingestellt sein.
Ich bin sicher, dass die meisten HartzIVler wie ich ohne eigenes Zutun in diese Situation gerutscht sind, und da ist Empathie und Hilfe gefragt. Aber es gibt sie eben auch, die, die nicht wollen, aber können. Denen muss anders begegnet werden.
Wir sollten daher weder die Arbeitnehmer in einen Topf schmeissen, noch die HartzIV-Bezieher. Denn wer was vorhat im Leben und was erreichen will, für den ist HartzIV eine Frechheit und ein Hemmnis, auch in der Biographie.
Gruß,
Eldegar