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Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
  1. #170

    xxx

    Zitat von findetnemo Beitrag anzeigen
    Wow, Herr Fleischauer!
    schreiben Sie in letzter Zeit sachlicher
    Ich weiß nicht, wo Sie an Fleischhauers Sophismus Sachlichkeit entdecken können. Nur weil er zur Zeit nicht schäumt und geifert
    Fleischhauer behauptet, die 3 Millionen Arbeitslosen (in Wirklichkeit sind es übrigens weitaus mehr, was man recht einfach statistisch nachweisen kann, man brauch nur mal im Arbeitsmarktbericht in die Spalte "Unterbeschäftigung" zu schauen) seien weitgehend freiwillig arbeitslos. Was natürlich ein populärer Stammtischmythos ist, der ignoriert, daß es in allen, ausnahmslos allen hochentwickelten Industrieländern eine relativ konstante Massenarbeitslosigkeit gibt, und zwar strukturell bedingt. Es gibt zu wenig Arbeit.

    Dann behauptet Fleischhauer unter anderem, die Forderung nach Gerechtigkeitsei kitschige Sozialromantik geboren aus Langeweile. Man kann das ntürlich so lange behaupten, bis einem die Realität um die Ohren fliegt.

    Und das geht dann immer so weiter. Typisches, realitätsflüchtiges, zynisches Gesülze eines halbgebildeten Konservativen halt. In bester Tradition.
  2. #171

    Nur die halbe Wahrheit

    Im Artikel gibt es sicher einige unangenehme Wahrheiten. Allerdings wird auch eine Reihe von Aspekten vernachlässigt, die in einer solchen Diskussion aber berücksichtigt werden sollten. Nur ein zwei Beispiele:

    - Zuwanderung: Na klar ist der deutsche Hartz-IV-Satz für einen Rumänen u.U. viel Geld. Ähnliche Unterschiede gelten aber auch bei der Bezahlung in regulären Arbeitsverhältnissen. Auch dabei existieren erhebliche Unterschiede zwischen beispielsweise Deutschland/Frankreich/Niederlande auf der einen und Portugal/Griechenland/Rumänien auf der anderen Seite. Dies spiegelt sich auch in den Kosten wider. Die angesprochenen 1800 Euro für eine vierköpfige Familie sind eben in Deutschland auch nötig, in anderen Ländern käme man mit weniger aus. Die Angleichung der Lebensverhältnisse ist also ein umfassendes Problem. Das ist, denke ich, jedem klar, ebenso wie die Zeiträume, in denen sich eine solche Angleichung vollziehen läßt - wenn man denn will. Die Einengung auf das Thema Sozialleistungen ist daher falsch.

    - Höhe der Leistungen: Sicher kann man über eine konkrete Summe immer streiten. Aber man sollte dabei bedenken, daß menschliche Existenz mehr ist als Essen und Schlafen. Und wenn man sich die zur Verfügung stehenden Mittel für manche Einzelposten ansieht, kommen schon Fragen nach der Sinnfälligkeit dieser Regelungen auf. Ein anderer wichtiger Punkt ist das Lohnabstandsgebot (das führt ja gerade die FDP gern im Munde), welches für den Anreiz zu eigener Erwerbstätigkeit wichtig ist. Dieses mit immer weiter reduzierten Sozialleistungen herstellen zu wollen ist schlichter Unsinn, denn dann ziehen zwangsläufig die Löhne nach und der Tanz beginnt von vorn. Hier hilft nur, einen Mindestlohn festzulegen, an dem sich dann die Sozialleistungen mit einem entsprechenden Abstand orientieren können. Immerhin zeichnet sich in der Politik ein Umdenken in diese Richtung ab, nur bei der FDP ist dieser einfache Gedankengang noch nicht angekommen. Und leider fehlt auch im Artikel der kleinste Hinweis auf dieses Problem, es wird nur der mangelnde Anreiz zu eigener Arbeit beklagt.

    Man darf gespannt sein, wie sich diese Diskussion weiterentwickelt. Eine der größten Herausforderungen, vor denen unsere Gesellschaft steht, besteht jedenfalls in der zunehmenden Differenzierung in arm und reich. Wenn wir es nicht schaffen, endlich zu begreifen, daß wir e i n e Gesellschaft sind, werden wir daran noch zu knabbern haben.
  3. #172

    aber wie stellen Sie sich die Lösung vor? Soll unsere reiche Gesellschaft alle, die nicht mithalten können, ihrem Schicksal überlassen? Sollen die doch sehen wo sie bleiben, was kann ich dafür, wenn einer arbeitslos ist, weil schon seine Alten lieber gesoffen haben als seine Hausaufgaben zu beaufsichtigen, oder wie stellen Sie sich Sozialpolitik vor?
    Haben Sie eigentlich schon mal daran gedacht, welches Potential an Kriminalität sich auftut, wenn man diese Menschen einfach ihrem Schicksal überlässt?
    Vielleicht möchten Sie ja in einem Land leben, in dem der, der im Wohlstand lebt, sein Haus und den Schulweg seiner Kinder mit Mauern umgeben oder polizeilich sichern muss, um sich vor dem was in Ihren Augen der 'Bodensatz der Gesellschaft' ist, zu schützen.
    Ich möchte so nicht leben, und das hat mit Sentimentalität oder Gutmenschentum (wobei ich mir übrigens die gleiche Frage stelle wie Sie zum Thema Stammtisch: was ist so schlecht daran ein guter Mensch zu sein?) überhaupt gar nichts zu tun, noch nicht mal mit Mitgefühl.
  4. #173

    optional

    Wie der Autor schon sagt: "Die Autoren entstammen zumeist der postmateriell orientierten Mittelschicht und damit einem Milieu, dessen Lebenszuschnitt nicht nur räumlich von dem ihrer Beobachtungsobjekte himmelweit entfernt ist." - Man darf Herrn Fleischhauer sicherlich zutrauen, dass er dies auch für sich selbst erkennt. Brennendes Thema - lauer Beitrag.
  5. #174

    Mein lieber Herr Fleischhauer, Sie sind annaehernd entschuldigt, weil Sie ein relativ junges Lebensalter haben. Da hat man die Historie der Republik West, spaeter "Vereinter-Republik" nicht so mitgekriegt.

    Erstens mal gibt es ein Gesetz in der BRD, gegen Diskriminierung, jedoch bei einzelnen Personen kann sich eine Straftat ergeben, nicht bei Personengruppen. Ueble Nachrede bleibts trotzdem.

    Wir rekapitulieren die Entwicklung der merkwuerdigen BRD mit ihren noch merkwuerdigeren Politikern:

    Bis Ende Schmidt Aera, soweit einigermassen o.k.

    Ab Kohl: Katastrophe

    Warum: Nachkriegsboom ging zu Ende. Keynesianische, teilweise abmildernde Konjunkturmassnahmen gingen alle schief, weil in Deutschland niemand die Parameter eines richtig initiierten Konjunkturprogrammes je verstand, sogar die Amis nur bis zur Konjunkturbelebung, die Deutschen noch nicht einmal das, beide jedoch haben immer viel Schulden angehaeuft, weil sie ausserdem auch nichts von antizyklischer Geldpolitik verstanden, in beiden Kontinenten. Diese Chance, die endende Nachkriegskonjunktur (Binnenwirtschaft) bei wenigstens 60 bis 70 % des früheren Levels zu halten, wurde also vertan, weil Politiker nichts davon verstanden. Deshalb war dann auch immer Keyne schuld, so die hartnaeckige These, der Buerger glaubts, weil er noch weniger davon versteht.

    Arbeitslosenzahlen:

    1967 - 1970 ca. 300.000 AL
    dann sukzessive ansteigend bis Kohl - Aera auf ca. 5 Millionen, dass Kohls Spargeschwafel und zusätzliche Binnenkonjunkturbremse gemaess Oggersheimer Landereierpolitik eines Privathaushaltfuehrers zum Missbrauch von Staatshaushaltsfuehrung einen Grossteil zu der Entwicklung beschleunigend beitrug, steht ausser Zweifel. Gleichzeitig hat Kohl selbst ca. 4 Billionen Euro verschwendet durch gravierende politische Fehler. Auch nach seiner Amtszeit wirkend. Siehe Euroschrott und Kosten.

    Dann kam der Herr Schroeder:

    Der machte mit seinem Herrn Hartz den Bock fett und schnitt Arbeitslose von ihrer Lebensleistung ab und legte sie mit Sozialhilfeempfaengern zusammen, hier trifft Herr Fleischhauer dann vielleicht einen Teil der Klientel, die er urspruenglich meinte. Obwohl auch da nicht jeder so ist, wie es dargestellt wird.

    Faszit:

    Bevor Politiker und Journalisten mit geringer Ahnung die Gosche auftun, wäre den Herren mal zu empfehlen:

    Die Binnenmarktkonjunktur vernünftig anzuheben, um Arbeitsplaetze zu schaffen im Rahmen zu unterstuetzender Start ups und anderen Arbeitsplatzbietenden mit vernünftigen Lohnkonditionen und nicht die Neubeschaeftigung von Arbeitslosen in prekaeren Arbeitsverhaeltnissen zur Entlohnung in Trinkgeldbereichen. Dann wollen wir mal schauen, wenn die Angebotszahl der Arbeitsplaetze tatsächlich realiter ansteigt zu anstaendigen Konditionen und die uebertriebenen Forderungen bzgl. schulischer Qualifikation mal ein wenigstens ein kleines bisschen nachlassen wuerden, wieviele der Gescholtenen, sich angeblich in ihrer sozialen Haengematte wohlfuehlenden boesen ALG-II-Beziehern tatsaechlich lieber ohne Job blieben, anstatt Geld zu verdienen.

    Machen sie das mal, bevor sie an den Arbeitslosen rummaekeln. Davon verstehen aber weder Politiker noch Journalisten etwas, seit Jahrzehnten nicht. Aber die Stigmatisierung der Opfer dieser brutalen Politik der Diskriminierung, das beherrschen sie beide. Die Schuldigen weisen die Schuld ihren Opfern zu. Das ist kein schoener Zug.
  6. #175

    Stipendien

    Das Interesse an Stipendien in Deutschland ist im Ausland relativ gering - im Verhältnis zu den Angeboten. Auf einen Platz an einer deutschen Uni über DAAD gibt es nur 4-5 Bewerber. Manchmal 2-3. Es melden sich gerne Personen, die auch gleich die Familie (Frau und Kinder - oder man plant das in Deutschland) mitbringen, weil das auch unterstützt wird. Also nicht diejenigen, die an Forschung etc interesse haben oder besonders gut sind, sondern diejenigen die ins Land wo Milch und Honig fließt wollen.

    Wenn es sich um hochqualifizierte Menschen handeln würde O.K. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, dass sehr oft Menschen ein Stipendium bekommen, die durch geschönte Belobigungsschreiben (gerne durch befreundete Personen oder Bekannte) und ebenso geschönte Englischtests nach Deutschland kommen. In Deutschland wird das dann klar - aber da ist es eben zu spät und man versucht die Studenten mit allen Mitteln durchzubekommen. Da hat man das Gefühl, dass die Fördergelder etc. unbedingt vergeben werden müssen - egal was kommt.

    Wenn es dann um Flüchtlinge geht, die unsere Hilfe wirklich benötigen oder Stipendien z.B. für gleich gute deutsche StudentInnen fehlt das Geld.

    Wäre doch auch mal ein Thema.
  7. #176

    2. Arbeitsmarkt

    Im Artikel heißt es, dass insgesamt 50 Milliarden für H4 und Maßnahmen ausgegeben wird. Warum also nicht einen 2. Arbeitsmarkt einrichten, so dass die Menschen erst gar nicht aus dem Arbeitsprozess ausscheiden.

    Menschen in Würde ihren eigenen Unterhalt verdienen zu lassen, ist auf jeden Fall besser als Nichtstun oder entwürdigende/nutzlose Beschäftigung in der Arbeitslosigkeitsindustrie. Man sollte aber versuchen die Verweildauer im 2. Arbeitsmarkt zu begrenzen - das Ziel soll bleiben, die Menschen im 1. Arbeitsmarkt zu integrieren.

    Vor allem für Kinder und junge Menschen ist der deutsche Sozialstaat eine Katastrophe. Hier muss dringend gegengesteuert werden!
  8. #177

    Och Joh!

    Zitat von Xircusmaximus Beitrag anzeigen
    Versuchen Sie es doch erst einmal mit ehrlicher Arbeit statt mit demagogischer Lohnschreiberei im Intereresse Ihrer Arbeit gebenden aber selbst nicht arbeitenden Auftraggeber, einer Tätigkeit zu der es weder physischer noch intellektueller Anstrengung bedarf.
    .
    Und zum Zweiten testen Sie bitte das Luxusleben eines HATZ IV Empfängers sagen wir einmal vorerst für 12 Monate.
    .
    Bevor Sie das nicht selbst probiert halten sie sich doch bitte zurück, es gibt schließlich schon mehr an genug Müll den die feile Presse ( Karl Kraus ) so jeden Tag produziert.
    Ich kann Ihnen exakt das Luxusleben eines Hartz IV Pärchens, das dieses seit über 7 Jahren führt, aufzählen:

    1. Homosexuelle gibt es für die Arge anscheinend nicht. Daher wird die gleiche Wohnung/Strom für die zwei auch zweimal bezahlt. GEZ müssen die nicht zahlen, haben dafür zusätzlich sky gebucht, und den Frankfurt-Pass für allerlei massive Vergünstigungen gibt es obendrein.

    2. Arbeit haben beide, sogar bis über beide Ohren! Die Job's sind auf dem Papier selbstverständlich nur 400 Euro Job's, den Rest gibt es schwarz auf die Hand. Dieses wurde sogar von den Arbeitgebern offen so angeboten!

    3. Tafel? Tafel? Nö... das nutzen die nicht und kaufen ganz normal ein, die gehen sogar jeden zweiten Tag in ein Restaurant! Sie könnten natürlich bei dem markenrechtlich geschütztem Tafelkonzern kostenlos Lebensmittel erhalten, bei Bedarf auch mehrmals täglich in verschiedenen Filialen, da diese untereinander keine Kommunikation haben.

    3. Urlaub? Der letzte war 2-Wochen Dubai, im selben Jahr davor Sri Lanka, der nächste bereits gebuchte geht nach Brasilien! Reisen mindestens 2x pro Jahr!

    Ich kenne noch andere, die sich dank praktisch nicht stattfindender Kontrollen und allerdings auch nicht angebotener Stellen, es sich mit den Jahren äußerst kommod in der Hartz IV Hängematte bequem gemacht haben. Damit diese verlassen wird, müßten die alle mindestens einen Job finden, der faktisch nicht mehr gesucht wird, der mindestens 2.000 € netto bringen würde.

    Es sind gewiss nicht alle, aber es gibt sie, die Profiteure dieses Systems!
  9. #178

    Empathie sinkt mit steigendem Einkommen

    bei gleichzeitigem Realitätsverlust.
    So oder so ähnlich kann man viele Foristen inhaltlich zusammenfassen.
    Wie blind muß man eigentlich sein um immer noch behaupten zu können, Arbeit sei für alle da bzw. wenn jeder auch mal nicht erlernte oder niedere Tätigkeiten annehmen täte, hätten wir keine Arbeitslosen mehr?

    Was hier an pauschalen Beleidigungn von vermeintlich besser gestellten ausgeteilt wird steht im krassen Widerspruch zu deren eigenen Vita. Sollte es zumindest..

    Ehe hier Einsicht einkehrt und geschlossen bswp. der Mindestlohn eingeführt wird, wird DTL zerrütteter denn je sein und dr letzte Sargnagel längst versengt sein.
    Spätestens dann hat auch der letzte mit Geld das Weite gesucht oder aber alles in die Sicherung seines Eigenheims inkl. kleiner Privatarmee investiert.
    Nicht DTL ist em Ende, sondern Teile seiner Gesellschaft....
  10. #179

    Geplante Arbeitslosigkeit: Vom Netto ist häufig keine Haushaltshilfe finanzierbar!

    Das dt. Sozialsystem erschwert es, das beide Partner arbeiten:
    vom Netto-Lohn ist selten ein Brutto-lohn incl Sozialbeiträge finanzierbar. Deshalb lohnt es sich nur selten zu arbeiten - wenn Kinder oder kranke, alte Angehörige versorgt werden müssen.

    Statt dessen gibt es incentives wenn man nicht arbeitet:
    die Familienversicherung ("Herdversicherung"), die Herdprämie, die Steuerklassen etc. machen das Alleinverdienermodell attraktiv.
    Der andere ist dann eben arbeitslos.

    Über Alleinerziehende braucht man gar nciht erst zu reden. Für die lohnt sich das Arbeiten finanziell fast in gar keinem Fall.


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