Forum


 

Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
  1. #1330

    Deutsche Asozialpolitik: Der Steuerirrtum

    Zitat von Mathesar Beitrag anzeigen
    Nö...Sie müssen ja kein Geld verlangen, dann müssen Sie auch sich zu nichts "zwingen" lassen.
    Es wird nichts verlangt!
    Es wird ein gesetzlicher Anspruch der im Grundgesetz, dem Sozialgesetzbuch, sowie den Menschenrechten garantiert ist geltend gemacht.
    Existenzminimum genannt.
    Diese muss in Deutschland auch gesellschaftliche Teilhabe sicherstellen.
    Einmal im Monat ins Schwimmad gehen oder ins Kino, mal eine Freundin zum Essen oder zu einer Tasse Kaffe auswärts einladen können.

    Für diesen Anspruch ist auch niemand in irgendwelcher Form in einer
    Bringschuld. Es geht schlicht um eine menschenwürdige Existenz in einem Land indem Leute gut und sicher leben können ohne Steuern zu zahlen wenn Sie nur genug Geld verdienen und den ersten Wohnsitz und die Firmengewinne im steuergünstigen Ausland verbuchen.
    Also das Gegenteil von dem was die meisten hier einem Armen gönnen.
  2. #1331

    Staat

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Das war doch keine Schwächung der Gewerkschaften. Ganz im Gegenteil ist es eine Stärkung der Tarifautonomie wenn der Staat weniger regulierend in den Arbeitsmarkt eingreift.
    Wenn der Staat insofern regulierend in die Tarifautonomie eingreift, indem er das gesamtgesellschaftliche Gleichgewicht noch mehr zu Gunsten der Vermögenden verschiebt, ist das also eine Stärkung der Gewerkschaften?
    MFG
    jolip
  3. #1332

    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    Dies sagt sich so leicht, denn ein Schulabgänger weiss nicht wie sich ein Beruf in den nächten 40 Jahren entwickelt.
    Völlig richtig. Aber wer einen Beruf wählt, der zu dem Zeitpunkt dieser Berufswahl bereits überlaufen ist, muss entweder sehr viel besser sein als die anderen, oder darf sich nicht wundern, wenn er im Wettbewerb mit anderen Bewerbern hinten herunter fällt. Ein Beruf dient vor allem dem Erwirtschaften des eigenen Lebensunterhalts und erst in zweiter Linie der Selbstverwirklichung.

    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    Ich vermute Sie sind relativ jung, und haben die Illusion man könne das eigene Leben voll durchplanen.
    Weder, noch. Ich werde diesen Monat 41 Jahre alt und habe mehrere Berufe ausgeübt: gelernter Werkzeugmechaniker, dann mehrere Jahre erst als Techniker und später als Softwareentwickler bei einem großen UNIX-Hersteller, und seit ein paar Jahren konstruiere und baue ich elektronische Steuerungen für Gebäude und Yachten.

    Das Leben ist schlicht und ergreifend nicht planbar, die Zeiten unserer Väter, die im selben Unternehmen in Rente gegangen sind, in dem sie ihre Ausbildung gemacht hatten, ist längst vorbei. Also kann man den jungen Leuten nur dazu raten, sich eine breit angelegte Grundbildung zuzulegen und auf dieser Basis flexibel zu reagieren. Es ist bescheuert, in einer sich schnell wandelnden Arbeitswelt darauf zu bestehen, immer nur ein und dieselbe Arbeit machen zu wollen.

    Ein massgebliches Problem dieser Diskussion ist eben dieser Mangel an Flexibilität. Da hat einer den Beruf X erlernt und sträubt sich mit Händen und Füssen dagegen, in einen anderen als nur genau diesen einen Beruf zu wechseln. Das geht aber heute einfach nicht mehr, wenn man nicht auf dem Abstellgleis landen will. Die Politik predigt diese Flexibilität schon seit Jahren, nur zuhören will keiner. Und dann klagen die Besserwisser darüber, dass sie in ihrem Beruf keiner mehr haben will und die Politik bitteschön Abhilfe zu schaffen, aber pronto, oder die Mitbürger für das eigene Versagen zu bezahlen haben, aber viel.

    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    Die Welt sieht in wenigen Jahrzehnten anderst aus als wie wir es uns vorstellen können.
    Ich weiss, wie man ein Wählscheibentelefon bedient, habe die neue Welt (Computer, Internet, Mobilfunk) aber einfach angenommen, verdiene seit langer Zeit mein Geld damit und frage mich deswegen, warum das nicht auch anderen zugemutet werden kann.

    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    Sie werden ggf. schwere Schichksalschläge hinnehmen müssen, die sie vielleicht überraschend gut meistern - und dann ggf. an Kleinigkeiten scheitern.
    Danke, alles schon gehabt. Und?
  4. #1333

    Nicht so bescheiden sein...

    Zitat von RALF ALG III Beitrag anzeigen
    Wenn die Bundesregierung das Geld nur zum Teil nach Griechenland schickt, damit die da Sonnenkollektoren aus China kaufen, dann könnten ein paar Brosamen für uns abfallen. Warum eigentlich nicht?
    ...denn wer Brosamen verlangt, der bekommt nur Kehrricht.
    1.000 €uro an Regelleistung zum Leben dürften Real auskömmlich sein.
    Fulltimearbeit unter 1.500€uro/mon. ist unakzeptabel.
    Das sind reale Eckwerte zum Leben.
  5. #1334

    Chefs

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Der Erfolg vieler Unternehmen bestätigt das Gegenteil.
    Sind diese Erfolge vieler Unternehmen nicht im wesentlichen Sparmaßnahmen (Leiharbeit, Druck auf Zulieferer, Outsourcing, 400 Euro Jobs, etc.) geschuldet, welche wiederum einen großen gesamtgesellschaftlichen Schaden anrichten, den der gemeine Steuerbürger, zu denen, wir wir hier ja wissen, Sie selbst nicht gehören, dann bezahlen muß?

    Ist das nicht ein bißchen zu einfach, Erfolg zu haben, indem man seine Mitbürger unnötig belastet?
    MFG
    jolip
  6. #1335

    Wieviel Leiden?

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Es ist ein großer Unterschied ob man jemandem Leiden zufügt oder ob man weniger hilft als es der Leidende sich wünschen würde.

    Bei den von ihnen aufgeführten Fällen wurden den Menschen ja keine Leiden zugefügt. Sie haben jedoch die Voraussetzungen für Hilfe nicht erfüllt.
    Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

    Das ist keine Antwort auf die Frage, deshalb der letzte Absatz als Hinweis, erst das Denken dann posten´.
    Also, wieviel Tote dürfens für Sie sein für Geld?
  7. #1336

    Und ??

    Zitat von Mononatriumglutamat Beitrag anzeigen

    Weder, noch. Ich werde diesen Monat 41 Jahre alt und habe mehrere Berufe ausgeübt: gelernter Werkzeugmechaniker, dann mehrere Jahre erst als Techniker und später als Softwareentwickler bei einem großen UNIX-Hersteller, und seit ein paar Jahren konstruiere und baue ich elektronische Steuerungen für Gebäude und Yachten.Danke, alles schon gehabt. Und?
    ...was wäre, wenn Sie nun 15 Jahre älter wären, und warum auch immer mal arbeitslos würden ? Z.b einer der zukünftig arbeitslosen Lupansa-Mitarbeiter, Sie Held ?
  8. #1337

    Zitat von klaus meucht Beitrag anzeigen
    Investiert ein Hartz IV Empfänger nur 5 Euro pro Woche für Bildung - so ist sind die 5 Euro des Hartz IV Empfängers kein Ausdruck von geringer Wertschätzung sondern ein Ausdruck geringer Möglichkeiten.
    Also gerade für Empfänger von Sozialtransfers gibt es überall preiswerte oder sogar kostenlose Bildungsangebote. Viel mehr als die investierte Summe würde daher die investierte Zeit aussagen, aber darüber sind (jedenfalls mir) keine Statistiken bekannt.
  9. #1338

    Eigenverantwortung

    Zitat von RALF ALG III Beitrag anzeigen
    Nein, nein, lieber Herr Holmes, das ist abwegig. Ich habe einen Rechtsanspruch auf staatliche Fürsorge, der sogar in der Verfassung steht. Und ich denke ja gar nicht daran, diesen Anspruch afzugeben, nur weil ein paar neoliberale Phantasten nicht aufhören können, das hohe Lied der "Eigenverantwortung" zu singen.

    Eigenverantwortung ist eine Schimäre, eine Phantasmagorie, ein Wahngebilde. Gesellschaftliche Verantwortung, in der wir alle solidarisch stehen, ob wir wollen oder nicht, ist beides in einem: christlicher Auftrag und Gebot der Stunde.
    Man muss wissen, immer wenn DIE von "Eigenverantwortung" reden, meinen sie in Wirklichkeit das Ablehnen jedweder sozialen Verantwortung. Sie wollen alles nur für sich haben, nichts abgeben, schon gar nicht in anoymer Form an eine Gemeinschaft. Als ob sie alleine auf der Welt wären.
  10. #1339

    Zitat von RALF ALG III Beitrag anzeigen
    Hartz IV basiert auf dem sozialdarwinistischen Irrglauben, der Mensch sei an seinem Elend selbst schuld. In Wahrheit ist der Mensch nichts anderes als das Produkt sozioökonomischer Verhältnisse, (...)
    Ach Du liebe Güte. Dann dürfte es die vielen Fleißigen, die sich erfolgreich aus der Armut heraus gearbeitet haben, also gar nicht geben. Was ist das für ein Menschenbild, dass den Menschen nicht als Individuum, sondern nur als Teil eines Kollektivs sieht, dessen Produkt er angeblich sei? Dieses Weltbild verachtet die Menschenwürde.


TOP



TOP