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Deutsche Sozialpolitik: Der Hartz-IV-Irrtum

Nirgendwo wird so beständig Mitgefühl mit Sentimentalität verwechselt wie in der Sozialpolitik. Bislang ging das gut. Weil Deutschland ein reiches Land ist.

Jan Fleischhauer: Der Hartz-IV-Irrtum - SPIEGEL ONLINE
  1. #1280

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Danke für ihren Link, aber ich habe keine Lust 32 Dollar für die eintägige Nutzung zu bezahlen.
    Ich hätte mir denken können, dass Sie bereits mit einer so einfachen Aufgabe wie der Suche nach einer kostenlosen Version überfordert sind.
    Deshalb nochmal für Sie: http://eprints.lse.ac.uk/19742/1/Why...Employment.pdf
  2. #1281

    Der das schrieb ist politisch tot

    Zitat von Europa! Beitrag anzeigen
    Die Lohnnebenkosten müssen gesenkt werden, damit Arbeit sich wieder lohnt.
    noch nicht gemerkt. Das war der Bierdeckelpapst.
  3. #1282

    ...

    Zitat von RALF ALG III Beitrag anzeigen
    Ihre Behauptung ist zwar nicht völlig neu, aber dafür total falsch. Das Niveau, mit dem Hartz-IV-Empfänger leben müssen, ist unterirdisch. Ich komme gerade so über die Runden, das aber auch nur, weil ich nebenher leere Flaschen aufsammle, diese zum Pfandautomaten bringe und den Gutschein gegen frisches Gemüse eintausche. Als ich letztens Schmieröl für meine Fahrradkette brauchte, mußte ich das Monatsende abwarten, bis endlich wieder eine Überweisung auf meinem Girokonto einlief.
    Das ist jetzt wirklich nicht Ihr ernst? Wissen Sie, es sind Beiträge wie dieser, der mich wirklich überzeugt, das es einen großteil Schmarotzer gibt, denen kein Argument zu abartig ist, um ihren Wunsch nach mehr argumentativ zu unterstützen.

    Wenn Sie Öl für Ihre Fahradkette brauchen, dann fahren Sie zu einer Werkstatt oder einer Tankstelle mit Werkstatt und fragen, ob Sie sich ein kleines Fläschchen Altöl abfüllen können. Der ist froh, das Zeux loszuwerden und Sie können für die nächsten 450 Jahre Ihre Fahradkette damit ölen...
  4. #1283

    Zitat von Bob Andrews Beitrag anzeigen
    Das Alg2 ist ein Mindesteinkommen und kein Mindestlohn.
    Lohn ist nur das, was Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern für deren geleistete Arbeit bezahlen. Wussten Sie das nicht?
    Der Beitragsschreiber ging - von der grundsätzlich richtigen - Annahme aus, dass wenn ein Sozialsystem vorliegt, dies ein praktischer Mindestlohn ist, da - grundsätzlich - niemand unter dem Sozialhilfesatz arbeitet. Wenn also ein Arbeitsloser, sagen wir mal beispielsweise, alles in allem (also mit inkl Miete usw.) auf 700 Euro ALG II kommt als Alleinstehender, wäre das ein praktischer Mindestlohn, weil er keinen Job annimmt, der nicht mindestens auch 700 Euro netto in die Taschen spült.

    Dieses Argument ist allerdings durch das Hartz System außer Kraft gesetzt, denn, wie ich oben geschrieben hab, gibt es Aufstocker und auch die Pflicht, eine Arbeit anzunehmen, die unter Sozialhilfesatz liegt und dann aufgestockt wird. Ein AG kann also problemlos einen Lohn unter dem Sozialhilfe Satz zahlen und sich drauf verlassen, dass der Arbeitslose ihn annehmen muss.
  5. #1284

    ...

    Zitat von drehrumbum Beitrag anzeigen
    Also, ich bleibe dabei:
    Es hat etwas mit Menschenwürde zu tun, daß man nach 45 Jahren Vollzeitarbeit nicht zum Sozialamt laufen muß (Rente > Existenzminimum) und im Falle einer Entlassung das ALG1 > ALG2 ist. Beides ist nur bei einem Mindestlohn gegeben. Ein Staat, der das nicht auf die Reihe bekommt, hat selbst keine Würde (muß mit Mitteln der Propaganda kompensiert werden), oder es ist bedauerlicherweise ein Entwicklungsland, das gleichnamige Hilfen benötigt.
    Nimmt man Ihre Aussage ernst, dann ist Menschenwürde ja etwas, was bisher in in Deutschland gar nicht existierte....
  6. #1285

    Angepaßt

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Man arbeitet schließlich nicht für die Kollegen und wird auch nicht von denen bezahlt.
    In meinem Betrieb haben diese angepaßten Kollegen im Verbund mit der Geschäftsführung immerhin dafür gesorgt, dass (betriebs)wirtschaftliche Schäden in Millionenhöhe entstanden sind, und dass viele, vorher sehr engagierte Mitarbeiter ihre sogenannte innere Kündigung ausgesprochen haben und mittlerweile nur noch Dienst nach Vorschrift machen.
    MFG
    jolip
  7. #1286

    deutsche Exportüberschüsse

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Deutschland hat durch eine autistisch-parasitäre „Beggar-thy-Neighbour-Politik“ einen Gutteil zu den Verwerfungen im Euroraum beigetragen.

    Sie und der Mainstream glauben, dass wir „so gut“ dastehen, weil wir unsere „Hausaufgaben gemacht haben". Das übrige Europa soll sich gefälligst das deutsche Modell zum Vorbild nehmen: Dabei wird freilich übersehen oder verschwiegen, dass dieses Modell auf einer Asymmetrie beruht, also nur funktionieren kann, solange es nicht alle anderen genauso machen.

    Es ist ebenso banal wie offenbar schwer zu vermitteln, dass nicht alle Handelsbilanzen gleichermaßen positiv sein können, weil sie in der Summe notwendig Null ergeben. Der Überschuss des einen Landes ist also zwingend das Defizit eines anderen..
    Es ist zwar OT, aber ich will doch ein paar Worte dazu sagen, weil das ein wichtiger, aus der öffentlichen Diskussion vollkommen verdrängter Punkt ist.

    Sie haben völlig recht! Die Bejubler der Exportüberschüsse scheinen nicht die einfachsten VW-Prinzipien zu kennen. Dabei ist es sogar ganz simple, für jedermann ersichtliche Logik: Man betrachte sich ein System von Wassergefäßen, die durch Kanüle ständig Wasser austauschen. Was muss gelten, damit das System dauerhaft läuft? Antwort: Die Flüsse müssen für jedes Gefäß im Mittel ausgeglichen sein. Was passiert, wenn das für ein Gefäß nicht gilt? Antwort: Es läuft entweder leer oder voll, der Fluss kommt dort zum Stehen bzw. entartet.

    Exakt das passiert in der Euro-Zone!

    Es kann eben ein Land nicht permanent Aushandelsüberschüsse ggüb. den anderen in einer Wirtschaftsgemeinschaft erwirtschaften. Genauer gesagt nicht ohne finanzielle Ausgleichsmechanismen. Da wären wir bei den so verteufelten Transferzahlungen.

    Das ist logisch, aber neoliberale Marktgläubigkeit und logisches Denken passen wohl inhärent nicht zusammen ….
  8. #1287

    Zitat von Rosbaud Beitrag anzeigen
    Was passiert, wenn Gewerkschaften geschwächt sind und Bestimmungen gelockert werden, kann man im Bereich prekärer Beschäftigung, im Niedriglohnsektor und bei Zeit- und Leiharbeit sehen. Da ist Ausbeutung und Willkür nicht mehr so weit entfernt.
    Die Gewerkschaften haben sich selbst geschwächt. Sie sind für viele Arbeitnehmer nicht attraktiv. Entsprechend gering ist der Organisationsgrad in Deutschland.

    Das können nur die Arbeitnehmer und ihre Vertreter selber ändern.
  9. #1288

    Zitat von celsius234 Beitrag anzeigen
    Das hat uns H4 eingebracht, eine heillose und perverse Verunglimpfung von Arbeitenden, die in H4 fallen, weil Sie unter Midestlohn liegen.
    Mit Hartz IV wird auch manchen Menschen geholfen die über 8,5 € verdienen. Es hängt von den Familienverhältnissen und Lebensumständen ab.
  10. #1289

    Zitat von Steve Holmes Beitrag anzeigen
    Sie bekommen Geld zum Leben so wie eine Wohnung mit Heizung und fließend warmen und kaltem Wasser und haben sogar Computer und Internetanschluss wie man an ihrem Beitrag sehen kann.

    Um dieses Lebensniveau werden sie von hunderten Millionen Menschen auf der Welt beneidet. Wenn sie es besser haben wollen müssen sie selbst dafür sorgen.
    Nein, nein, lieber Herr Holmes, das ist abwegig. Ich habe einen Rechtsanspruch auf staatliche Fürsorge, der sogar in der Verfassung steht. Und ich denke ja gar nicht daran, diesen Anspruch afzugeben, nur weil ein paar neoliberale Phantasten nicht aufhören können, das hohe Lied der "Eigenverantwortung" zu singen.

    Eigenverantwortung ist eine Schimäre, eine Phantasmagorie, ein Wahngebilde. Gesellschaftliche Verantwortung, in der wir alle solidarisch stehen, ob wir wollen oder nicht, ist beides in einem: christlicher Auftrag und Gebot der Stunde.


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