Türkisch oder Deutsch, was sollen Einwandererkinder zuerst lernen? Nicht so wichtig, sagt Sprachforscherin Petra Schulz. Im Interview plädiert sie für Zweisprachigkeit schon für die Kleinsten - und erklärt, warum auch jugendlicher Kauderwelsch nicht schadet.
http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...748786,00.html
Mich würde interessieren, ob es zum Thema mehrsprachige Erziehung irgendwelche empfehlenswerten Informationen im Netz gibt, weil ich selbst in einer ähnlichen Situation bin: ich habe zwar selbst keine Kinder, aber wenn es irgendwann mal soweit ist, fände ich es schön, wenn sie neben der Landessprache (also in diesem Fall Farsi) auch noch französisch und deutsch lernen könnten, allerdings weiss ich nicht, ob das praktisch möglich ist, ich meine Französisch kann ich evtl. noch mit meinem Mann sprechen, Deutsch aber nicht und ich frage mich, lernen Kinder eine Sprache, die nur eine einzige Person mit ihnen spricht, die also in gewisser Hinsicht nicht zu ihrer "gewohnten" Umgebung gehört?
Ich frage mich das deshalb, weil ich in Deutschland und Frankreich aufgewachsen bin und meine Erfahrung in beiden Ländern die war, dass die ausländischen Kinder eher Deutsch, bzw. Französisch sprachen, in der eigentlichen Muttersprache aber nur Grundkenntnisse, bzw. wenn nur ein Elternteil fremdsprachig war, in der Regel gar keine Kenntnisse hatten (von daher wundert mich übrigens auch schon die Diskussion als solche, die teilweise vermuten lässt, es gäbe Kinder, die so ungefähr nur Türkisch, aber kein Deutsch sprächen, solche Leute habe ich nie kennengelernt, aber vielleicht hat sich ja da inzwischen auch was geändert).
Deutsch-türkische Völkerverständigung:
http://www.youtube.com/watch?v=iGvYeK7tsYE
;)
Das Problem könnte schon auch darin liegen, dass die Mutter in einfachstem Türkisch, leichte Befehle bellend, versucht, mit ihrem Kind zu kommunizieren. Sehen Sie: Muttersprache ist Kultur. Also Nobelpreisträger, usw. Das gibt es in der Türkei! Und nun versuchen Sie einmal, in Deutschland ein türkisches Buch zu kaufen...
Wissenschaftlich betrachten, ist die Reihenfolge des Spracherwerbs für Kinder (aus Migranten-Familien) nicht wichtig. Für ein Kind das einen Kindergarten besucht, das Erlernen -Zuhause- einer anderen Sprache, kann nicht den Erwerb der Deutschsprache im Kindergarten hindern. Im Gegenteil! Diese Kinder entwickeln, ein Sprachbewusstsein, das sie dazu befähigt, semantische Unterschiede in beiden Sprachen klarer zu machen und für jede Sprache die passenden Wörter auszuwählen.
Das Problem vor dem Diese Kinder stehen ist, dass sie in einer Gesellschaft leben wo sogar Erzieher/inen nicht wissen wie sie diese Kinder unterstützen können. Meistern haben nicht die entsprechende Ausbildung und werden überfordert. Demzufolge betrachten diese Kinder als "Schwerfälle".
Es ist für die Politik wichtig die Ausbildung der Lehrkräfte neu zu definieren. Es wäre vielleicht Zeit zu akzeptieren, dass alle Kinder nicht nur Deutsche sind; sonder immer mehr multikulturell. Dies impliziert, dass sie Deutsch irgendwie als Fremdsprache lernen. Und um Erfolg zu haben, brauchen sie auch eine zielorientierte Schulung die ihre Zweisprachigkeit berücksichtigt.
Ich gebe Ihnen recht, es ist unwichtig, welche Sprache ein Kind zuerst lernt oder ob es mehrere Sprachen gleichzeitig lernt, das ist Sache der Eltern, das ist kein öffentliches Interesse.
Kindergarten ist aber keine Sprachschule, sondern soll die Kinder fördern. Würden Sie Ihr Kind in einen Kindergarten schicken, in dem die meisten Kinder kein Wort der Landessprache beherrschen und die Erzieherinnen, statt alle Kinder zu fördern, damit beschäftigt sind, einem Teil der Kinder Sprachkenntnisse zu vermitteln? Ich nicht, und auch die Multikulti-Versteher nicht, die schicken ihre Kinder nämlich auch nicht in solche Kindergärten
Es ist die Pflicht aller Eltern, dafür zu sorgen, dass ihre Kinder einen Mindeststandard an Sprachkompetenz erwerben, und zwar in Landessprache. Was sie darüber hinaus an Förderung unternehmen, ist privates, nicht öffentliches Interesse.
Letztlich muss der Staat sich natürlich kümmern, aber das ist nicht Aufgabe des Kindergartens, da muss man Sonderprogramme starten, die schon weit vor dem Kita-Alter einsetzen. Wenn Eltern unfähig oder verantwortungslos sind, muss der Staat eingreifen, aber durch richtige Maßnahmen
Nur mal zur Anregung. In meiner Familie wurde ausschließlich türkisch gesprochen. Im Kindergarten war ich nie. Die ersten zwei Grundschuljahre war ich in türkischen Klassen, wo wir auch Türkischunterricht hatten. Ich hatte aber das Glück, eine gute Grundschule besuchen zu dürfen, die Wert darauf gelegt hat, in diesen 2 "Anpassungsjahren" den Migrantenkindern Deutsch beizubringen. In der dritten und vierte Klasse wurden dann Migrantenkinder und deutsche Kinder gemischt.
Ich habe eine Empfehlung für das Gymnasium bekommen, auch wenn meine Diktate zu dieser Zeit noch recht grauenhaft waren. Die Fehlerrate ging auf dem Gymnasium so ab der 7. Klasse schlagartig herunter, so dass ich auch Einsen und Zweien in Deutsch bekam, statt der Dreien zuvor, weil meine Fehlerrate die Qualität der Arbeit nicht mehr ins Bodenlose stürzen ließ. Später hat es für die Hochschule gereicht.
Die Regierung muss sich klar darüber werden, ob Sie diesem Problem gegensteuern oder mit den Folgen leben will. In einigen europäischen Staaten gibt es eine Vorschulsprachförderung. Wieso nicht auch hier? Die bisherige Praxis war:
a) Man lässt das Kind ein Jahr später einschulen und lässt es mit der Situation alleine
b) Kinder wurden auf Sonderschulen geschickt
c) Sie werden einfach eingeschult und verstehen erstmal nichts
Zu a) und b) bin ich selbst Zeuge in mehreren Fällen geworden. Einziger Ausweg aus b) war bespielsweise für betroffene Eltern, ihr Kind in ein türkisches Internat zu schicken. Zwei der Kinder aus Fall b), die ich persönlich kenne, haben übrigens jetzt ein deutsches Hochschuldiplom, einer davon ist promoviert. Nach dem Abitur in der Türkei kamen sie zurück nach Deutschland.
Wir können noch ein paar Jahre über das Problem diskutieren und die Eltern in die Pflicht nehmen und mit dem Finger zeigen. Wenn es weiterhin nicht klappt, können wir noch lauter schreien, doch dadurch werden die Probleme nicht weniger.
Meine Eltern haben meine Laufbahn stets unterstützt, so gut sie immer konnten. Doch was kann man von vielen Eltern verlangen, die selbst oft nicht einmal den Grundschulabschluss haben und deren Ziel es ursprünglich war, nach ein paar Jahren Arbeit wieder in die Heimat zurückzukehren? In Deutschland auf Dauer zu leben war nicht ihr Ziel und dementsprechend war es nicht ihre oberste Priorität, perfekt Deutsch zu lernen.
Fakt ist leider, es gibt Familien, die selbst mangelhaft Deutsch sprechen und auch wenn sie bemüht sind, es nicht schaffen, ihren Kindern die Sprache ordentlich beizubringen.
Eine Vorschulförderung ist deutlich günstiger als Hartz4!
Meine Eltern sind "Deutsche mit Migrationshintergrund" & ich habe während meiner Kindheit(bsi heute) fünf Sprachen gelernt.
Innerhalb der Familie sprachen wir Amharisch (Amtsprache von Äthiopien), Tigrinya(Minderheitensprache in Äthiopien & Amtsprache von Eritrea), Arabisch und etwas Deutsch.
Das kommt daher, da beide Elternteile aus Eritrea stammen aber in verschiedenen Staaten aufgewachsen sind.
Zudem besuchte ich einen internationalen Kindergarten, in dem Englisch gesprochen wurde.
Schulkenntnisse habe ich in Spanisch und Französisch.
Meiner Meinung nach ist es sogar besser wenn ein Kind mehrsprachig aufwächst; nach meiner eigenen Erfahrung entwickelt man ein "Händchen" für Sprachen und kann perfekt Deutsch sprechen, auch wenn die Eltern gebrochen deutsch oder mit Akzent sprechen.
Lustig finde ich es, dass sich zu diesem Thema meistens Menschen äußern, die weder einen Migrationshintergrund haben, noch, durch andere Gründe, wie zum Beispiel ihre Ausbildung, dazu legitimiert sind, sich hierzu zu äußern.
Kurz zu meiner Person:
Ich bin 20 Jahre alt, habe einen Migrationshintergrund und schreibe dieses Jahr Abitur..
.. klingt komisch ist aber so.
"Ooooh, da haben Ihre Eltern mit Ihnen aber mit Sicherheit schon immer Deutsch gesprochen!"
- Nein, das haben sie nicht und das ist auch gut so.
Ich habe bis ich in den Kindergarten gekommen bin kein Wort Deutsch gesprochen und bei aller Liebe, über mein Deutsch kann sich keiner beschweren. Na gut, ein leicht schwäbischer Einschlag ist rauszuhören, jedoch scheint das hier in Oberschwaben das Normalste der Welt zu sein.
Meine Eltern waren stets darum bemüht mich auch schon früh zu fördern, doch wie sollen sie dies bitte tun in einer Sprache derer sie selber nicht wirklich mächtig waren?!
Ist es dann nicht viel sinnvoller des Kindes Horizont duch vorlesen etc. in der Muttersprache der Eltern zu erweitern, als in gebrochenem Deutsch zu versuchen den Kindern irgendetwas zu erklären?
Zudem empfinde ich meine Bilingualität keinesfalls als Nachteil, sondern eher als Bereicherung.
Ich glaube nicht, dass die Einstellung meiner Eltern mir in irgend einer Hinsicht geschadet hat, also bitte wandern Sie doch aus und versuchen Sie Ihrem Kind auf biegen und brechen die neue Sprache beizubringen, derer sie selber nicht mächtig sind..
.. Viel Glück dabei, ich bin gespannt was bei rauskommt.
Ich geh mal wieder lernen, am Montag ist Geschichte Abitur.
Chapeau.