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Deutsch-Türkisch-Streit: "Das Gehirn lernt mehrere Sprachen gleichzeitig"

Türkisch oder Deutsch, was sollen Einwandererkinder zuerst lernen? Nicht so wichtig, sagt Sprachforscherin Petra Schulz. Im Interview plädiert sie für Zweisprachigkeit schon für die Kleinsten - und erklärt, warum auch jugendlicher Kauderwelsch nicht schadet.

http://www.spiegel.de/schulspiegel/w...748786,00.html
  1. #200

    Falsch!

    Zitat von c++ Beitrag anzeigen
    Außerdem lernen Kinder keine Sprach- und Grammatikregeln von den Eltern.
    Natürlich lernen Kinder Sprach- und Grammatikregeln von den Eltern, allerdings nicht wie beim späteren Fremdsprachenerwerb durch Tabellen und Vokabelkärtchen, sondern ganz einfach in der Anwendung, durch ständige Nachahmung. Das ist doch gerade das Besondere am menschlichen Spracherwerb - meine Tochter macht mir das ständig vor. Wenn sie sagt: "Ich habe geschreit", heißt das zunächst mal, dass sie schon weiß, wie bei regelmäßigen Verben die Perfektform gebildet wird, ohne dass sie das so benennen könnte. Wenn ich sie verbessere ("Du hast geschrien"), wiederholt sie das, und wenn sie das oft genug wiederholt hat, weiß sie, dass das Verb "schreien" anders konjugiert wird - ohne jemals eine Konjugationstabelle dazu gesehen zu haben.

    Das eigentliche Problem ist meiner Meinung nach vor allem, dass manche Eltern - völlig unabhängig von ihrer Muttersprache oder Herkunft - das Potenzial ihrer Kinder zum Spracherwerb gar nicht kennen, nicht hoch genug schätzen und daher ihre Kinder auch nicht nach Kräften fördern. Was helfen könnte, ist einzig und allein mehr und bessere Bildung.
  2. #201

    An der Realität vorbei

    "Das mag vielleicht ein Deutscher, der das in der U-Bahn hört, fürchterlich finden. Aber wir Sprachwissenschaftler betrachten das eher als eigenen Stil oder Code. Die Jugendlichen mischen ja nicht, weil ihnen die Wörter fehlen würden, um durchgängig in einer Sprache zu sprechen. Sie setzen das bewusst als Stilmittel ein."

    Ich lach mich schlapp. Die Wissenschaftlerin will uns erzählen, das die "WAS-GUCKEN? ISCH FICK DISCH!" Fraktion nur Stilmittel einsetzt, natürlich insgeheim fähig wäre, sich in lupenreinem Hochdeutsch auszudrücken. Na klar!

    Wieder ein Urteil aus den Elfenbeintürmen der Hochschulen. Frau Prof., Sie sollten öfter mal U-Bahn in Neukölln fahren.
  3. #202

    Mehrsprachigkeit als Regel

    Bin dreisprachig aufgewachsen, eine vierte kam nach der Hauptschule hinzu, im Technischen Lyzeum. Ich gehöre keiner elitären Minderheit an. Dort wo ich aufwachsen durfte ist dies nämlich die Regel. Für alle Schüler des Landes.

    Dieses Land liegt nicht auf einem anderen Kontinent. Es ist ein Anrainerstaat Deutschlands. Klar ist es klein und wird eventuell mal gerne übersehen. Aber eine solche haarsträubende Diskussion wie diese hier kennen wir nicht.

    Also einfach alle deutschen Bürger mit Migrantenhintergrund nach Luxemburg zur Schule schicken. Und am besten viele Deutsche gleich mit. In diesem Forum dürften doch etliche mitposten, die selber keine Fremdsprache beherrschen.

    Geht nicht? Richtig! Daher deutsches Schulsystem ändern und Mehrsprachigkeit von klein auf fördern.

    Ach ja: In Luxemburg liegt der Ausländeranteil bei 43,5% (in Deutschland bei 8,8%). Die portugiesischen Kinder sprechen zu Hause portugiesisch, die deutschen Kinder Deutsch und die italienischen Italienisch. Trotzdem beherrschen (fast) alle Menschen in Luxemburg (die dort die Schule besuch(t)en) vier Sprachen.

    Die Eltern der meisten ausländischen Kindern, die die Schulzeit in ihrer eigenen Heimat besuchten, sprechen tortzdem neben ihrer eigenen Muttersprache oft Französisch oder Englisch. Sprachbarrieren gibt es in diesem Land daher kaum.

    Ein letztes Wort zu den Grammatikverfechtern hier im Forum: Grammatik wird zur Kommunikation nicht benötigt. Außerdem scheinen auch viele Poster nicht eben geringe Probleme mit der Grammatik zu haben, wenn man sich einige der Beiträge zu Gemüte führt.
  4. #203

    ... ach sooo

    Zitat von Mathe-Freak Beitrag anzeigen
    Können Sie nicht lesen oder verstehen Sie nicht was er mit Kostenfaktoren meint?

    Vielleicht meint er die 40 000 Irak Asylanten nach denen der Innenminister vor 2 Monaten geschrien hat? So eine Art Ausländer die kein Deutsch können, keiner gelernte Arbeit nachgehen können und ganz zu schweigen von den sozial kulturellen Faktoren die man halt so im Krieg lernt.

    Demografisch ist auch so eine schön leere Aussage, mal nachgesehen welche Bevölkerungsgruppe bei Hartz4 ganz oben stehen, besonders bei der Jugendarbeitslosigkeit? Ganz sicher nicht die Vietnamesen, eher die "was guckst du" Fraktion ;)

    Eher werden die Rentner wieder für ihre Renten arbeiten gehen als einer von denen den Finger krumm macht. Der schwindende Wohlstand in den letzten Jahrzehnten kommt nicht von irgendwo, also können wir uns auf die Zukunft freuen.
    Nun lesen kann ich doch ein wenig, vor allem zwischen den Zeilen;-)

    Was die Renten und den schwindenden Wohlstand bei den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft haben das mit Sicherheit nicht die "Ausländer" verursacht, sondern die real sinkenden Löhne und Gehälter aufgrund einer neoliberalen Politik in den letzten Jahrzehnten und die verdanken wir dem deutschen Wähler und den schwachen Gewerkschaften. Dies den Einwanderen in diesem Lande in die Schuhe schieben zu wollen grenzt an Verkennung der Tatsachen oder Ignoranz unter traurigerweise auch einer grossen Portion von Zynismus.

    Bitte weniger Populismus und mehr Fairniss gegenüber den sozial Schwächeren in dieser Gesellschaft, unabhängig davon ob sie Deutsche oder Ausländer sind.

    Wenn auch sie unzufrieden mit der generellen Wohlstandssituation in unserem Land sind, sollten Sie die wahren Schuldigen anprangern, wie zum Beispiel die wohlhabenden Mitbürger, die in unserem Land wenig oder gar keine Steuern mehr zahlen wollen bzw. diese illegal ausser Landes schaffen.

    Aber zurück zum Thema, ich habe auch Kinder und erziehe diese sprachlich in meiner Muttersprache und ob Sie es glauben oder nicht sie verstehen und sprechen ohne Probleme beide Sprachen ohne Probleme und werden ganz sicher gut intergrierte Mitbürger in unserem grossartigen Land DEUTSCHLAND.


    Beste Grüsse

    Antípodas
  5. #204

    Das Umfeld entscheidet alles!

    Zitat von corleon61 Beitrag anzeigen
    Da bin ich ganz bei Ihnen, kein Widerspruch! Aber woran liegt es, dass diese Menschen nicht richtig deutsch sprechen können? Daran, dass sie zweisprachig aufwachsen oder daran, dass sie in einem gewissen Umfeld leben, wo viele die deutsche Sprache nicht beherrschen? Das Umfeld ist das ausschlaggebende, aber den meisten Foristen geht es nicht darum...
    Es liegt eindeutig am Umfeld, das offenbar keinen Anreiz schafft, die deutsche Sprache zu lernen. Nachdem ich viele Jahre in einem Arabisch sprechenden Land lebe und miterlebe, wieviele einheimische Kinder an den Deutschen Schulen die deutsche Sprache lernen, ist mir klar geworden, dass es die Einstellung der Eltern ist, die den Unterschied macht. Wenn die Eltern eine positive Einstellung zu der deutschen Sprache haben, dann werden ihre Kinder diese Sprache lernen, selbst wenn die Eltern kein Wort Deutsch sprechen und in einem Umfeld, in dem sonst KEINER Deutsch spricht. Bei den Abiturreden ist man immer wieder ueberrascht, wie diese Jugendlichen fehlerfrei Deutsch beherrschen, selbstverstaendlich neben ihrer eigenen Muttersprache plus weitere Fremdsprachen.
    Zweifellos koennen alle Kinder mehrere Sprachen lernen, wenn das Umfeld entsprechend ist, wenn es auch haeufig nicht ganz so problemlos geschieht, wie es hier manche gerne haetten!
    Es ist unschwer zu erkennen, dass es da Sprachprobleme gibt, wo man die eigene Sprache und Kultur als hoeherwertig ansieht als diejenige des Gastlandes. Deshalb sehe ich diesen deutsch-tuerkischen Streit auch eher als Kulturproblem und nicht ein Sprachproblem.
    Die vielen Absolventen der Deutschen Auslandsschulen im Nahen Osten und der Tuerkei haben wenig gemeinsam mit den Orientalen, die in Deutschland Sprachschwierigkeiten haben. Gerne weise ich darauf hin, dass selbstverstaendlich die meisten Absolventen Muslime sind. Es ist keinesfalls die Religion, sondern zum grossen Teil die Erwartungshaltung der Eltern, die das Gelingen der Zweisprachigkeit ermoeglichen.
  6. #205

    Vorurteile

    Zitat von lazard Beitrag anzeigen
    Unser Sohn wächst dreisprachig auf - spanisch, katalanisch und deutsch. Kein Problem!Ich selbst bin des katalanischen nur leidlich mächtig, was aber auch nicht problemtisch ist und von der ersten Einwanderergeneration auch nicht erwartet werden kann. Von der zweiten Generation kann jedoch erwartet werden, dass sie die Sprache des Landes in dem sie lebt, in dem sie vielfach geboren wurde, hinreichend spricht. Deswegen bin ich immer wieder über die Tatsache erstaunt,wie erstaunlich gering die deutschen Sprachkenntnisse einer Minderheit der türkischstämmigen Deutschen sind. Weswegen sprechen bspw. Schweden, Spanier, Kroaten, Portugiesen, Serben ab der zweiten Generation bestens deutsch, demgegenüber ermangeln viele Türkischstämmige und Magrebis diese Kenntnisse. Liegt es am Islam? Wohl eher an der Rolle der Frau wie sie in den islamgeprägten Gesellschaften interpretiert wird. Die Mama spielt nun mal auch in der Spracherziehung die erste Geige. Werden Frauen jedoch zuhause eingesperrt, um sie von ihrem Umfeld zu isolieren, kann auch eine entsprechende Sprachvermittlung nicht stattfinden. Mütter können nicht vermitteln was sie selbst nicht beherrschen. Deutsch eben!
    ICH GLAUB, ES HACKT! Sorry, aber so ein Bullshit: Türkische Frauen würden eingesperrt werden. Von einer Minorität (vielleicht 0,001%?) wird auf alle Türken geschlossen. Ja, und Ihr Spanier tanzt wohl den ganzen Tag händeklatschend Flamenco mit Kastagnetten und essen Paella, trinken Sherry,... Menschen mit Vorurteilen sind dumpf und leben renitent in ihrer eigenen Welt. Ich habe das (subjektive) Gefühl, dass leider ZU VIELE Deutsche und Europäer voller Vorurteile sind...
  7. #206

    Kulturbereicherung

    Zitat von Krasiviy Beitrag anzeigen
    ICH GLAUB, ES HACKT! Sorry, aber so ein Bullshit: Türkische Frauen würden eingesperrt werden. Von einer Minorität (vielleicht 0,001%?) wird auf alle Türken geschlossen. Ja, und Ihr Spanier tanzt wohl den ganzen Tag händeklatschend Flamenco mit Kastagnetten und essen Paella, trinken Sherry,... Menschen mit Vorurteilen sind dumpf und leben renitent in ihrer eigenen Welt. Ich habe das (subjektive) Gefühl, dass leider ZU VIELE Deutsche und Europäer voller Vorurteile sind...
    OK, ich glaub zwar nich, dass diese Beispiele absolut repraesentativ sind, stammt auch von BILD, trotzdem sind die Aussagen erschreckend.
    http://www.bild.de/BILD/news/2011/03...nd-wollen.html
  8. #207

    gleiche Maßstäbe für alle, überall

    Ich lebe seit über 12 Jahren in der Ukraine und treffe hier viele Deutsche, die teils bereits einige Jahre in diesem Land arbeiten und leben. Und nicht wenige von denen können sich kaum in Russisch oder Ukrainisch verständigen, außer ein Bier bestellen und das eine oder andere zweideutige Wort Frauen entgegenzuschleudern. Und unter denen sind auch nicht wenige, die die Landessprache lernen wollen.

    Sollte man diese Menschen aber deswegen des Landes verweisen? Na, dann müssten aber einige Ex-Pats die Heimreise gen Deutschland antreten. Und wir wollen mal gar nicht den gleichen Aspekt unter in Spanien lebenden Deutsche anreißen. Dann gäbs recht bald einige braungebrannte Deutsche in Deutschland.
    Die Oberschlauen unter den hartgesottenen Migranten-unter-Druck-Setzern à la Seehofer sollten mal die Konsequenzen bedenken, wenn deren Forderungen auf eigene Landsleute im Ausland angewendet werden würden.

    Mehrsprachigkeit ist auch keine Frage von Bildung. Mein Sohn spricht 5 Sprachen fließend, ohne universitäre Ausbildung. Es wäre schon viel geholfen, wenn man Kindern und Jugendlichen sehr früh den Spaß an Mehrsprachigkeit vermitteln könnte. Ist natürlich leichter, wenn man selber mindestens eine Zweitsprache beherrscht. Und wenn nicht, soltle man die Kinder wenigstens mit ausländischen Gleichaltrigen zusammen spielen lassen.

    In diesem Sinne: Es wäre für diejenigen, die „nur“ der deutschen Sprache mächtig sind, besser, bei solchen Themen einfach mal nur Leser von Forumsbeiträgen zu sein und sich unqualifizierte und herrische Kommentare zu verkneifen.
  9. #208

    Professorale Lebensferne

    Schulz: "Wir brauchen die Eltern unbedingt - als Mitspieler und Unterstützer, nicht als Sprachlehrer. Sie können ihren Kindern etwa dadurch Vorbild sein, dass sie selbst Deutschkurse belegen. Mit den Kindern sollen sie in der Sprache sprechen, in der sie zu Hause sind. Denn Sprache transportiert immer auch Identität und Emotion, da wären verunsicherte Eltern eher kontraproduktiv."

    WEnn die Eltern selbst Kurse belegen, orientieren sich die Kinder nicht nur an den Eltern, sondern auch am Fortschritt derselben beim Deutschlernen. Da relativiert sich die kindlich/jugendliche Halbfertigkeit sehr schnell, weil die Kinder immer besser sind. Das reicht aber nicht. Vergleichsmaßstab sind die eingeborenen (A 1-) "native speaker". Mit denen stehen die türkischen Jugendlichen später im Wettbewerb um Ausbildungs- und Arbeitsplätze.

    Wenn die Eltern etwas beitragen können, dann eines: kein türkisches Fernsehen glotzen. Insbesondere nicht vor dem Zubettgehen. Das Gehirn lernt nämlich auch im Schlaf - vor allem Deutsch, wenn man tagsüber viel davon gehört hat.

    Was ich als Meinung Vorschlag von Frau Professor vermisse: die deutsche Ganztagsschule. Es wäre der Ärt, wo man viel und dauernd deutsch hört und redet.
  10. #209

    Wieso bloß?

    Zitat von Antípodas_2 Beitrag anzeigen
    Zu Ihrer ersten Aussage keine Ausländer mehr ins Land zu lassen:

    Wieso keine Ausländer mehr in´s Land lassen und wie sehen Sie dies im Hinblick auf die Demografische Aussicht für Deutschland in, sagen wir mal 50 bis 100 Jahren? Kann es sein, dass Sie generell etwas gegen andersartige haben?
    Deutschland braucht mehr Nachwuchs, aber solchen Nachwuchs, der dafür sorgen kann, dass Deutschland eben die Funktion von Deutschland erfüllt und nicht die Funktion eines Nahoststaates.
    Was liegt nahe? Anstelle die Integration mit wohl bis zu 20 Mrd. € jährlich zu fördern und damit letztendlich nichts anderes als potentielle Hartz-IV-Empfänger hervorzubringen, muss eine höhere Geburtsrate bei deutschen Familien gefördert werden. Z.B. so, wie in Frankreich: Steuererleichterungen, kostenlose Kindergärten und Kindergartenpflicht zumindest im Jahr vor der Einschulung, bessere Kinderbetreuung.

    Aufschrei: alles viel zu teuer! Ja, dann sollte man mal ausrechnen, was man für die 20 Mrd. €, die man momentan vor zum Fenster hinaus wirft, alles für eine gute deutsche Familienpolitik tun kann. Dann wird sich ganz schnell herausstellen, dass die Integrationslast, die man sich selbst bzw. die aus bekannten Gründen uns andere aufgebürdet haben, viel zu teuer und sowieso bald nicht mehr zu tragen ist.


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