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Depressionen: Wie Schlafentzug gegen das Seelentief hilft

CorbisStromstöße ins Gehirn, Schrittmacher für Hirnnerven oder Schlafentzug - die Methoden muten grausam an, doch bei schweren Depressionen können sie helfen, wenn Psychotherapien und Medikamente versagen. Einige der Alternativen sind umstritten - versprechen aber großen Erfolg.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...812916,00.html
  1. #10

    Der Schlafentzug hilft auch weniger brutal

    Es kann schon reichen, schlicht nicht auszuschlafen, sprich, sich einen Wecker zu stellen auf weniger als acht Stunden. (Oder was immer die eigene "natürliche" Schlafenszeit ist.)

    Das Problem dabei ist, daß man sich mit Depressionen eben oft so fühlt, als würde nur einmal richtig ausschlafen diese beheben. Was nicht funktioniert (fragen Sie Michael Jackson), aber gegen diesen Instinkt anzukämpfen ist sehr schwierig.

    Auch muß ein Mittagsschläfchen den Effekt des Weckers nicht zwangsläufig zunichte machen; das muß man selber ausprobieren. Permanenter Schlafmangel ist ja auch nicht gerade gesund. Wenn man es verträgt, sollte man es in Betracht ziehen.
  2. #11

    Zitat von freiheitsglocke Beitrag anzeigen
    Nein, das sehe ich völlig anders. Sehen Sie sich mal um, was Menschen in anderen Gesellschaften alles ertragen müssen. Da sind unsere Wohlstandswehwehchen absolut lächerlich dagegen.
    .
    Diese (wertenden) Vergleiche sind typisch aber absolut unsinnig.
    Depressionen sind doch geradezu ein Merkmal westlicher industrieller Überfluss-Gesellschaft - das ist doch das Paradoxe daran dass materiell gesehen viel da ist, es aber wohl an Anderem mangelt.

    Und schwere Depressionen sind sicher alles andere als Wohlstandswehwehchen...

    Lichttherapie schlägt auch bei den Wenigsten an und wenn dann nur vorrübergehend.
  3. #12

    Zitat von freiheitsglocke Beitrag anzeigen
    sehe ich völlig anders. Sehen Sie sich mal um, was Menschen in anderen Gesellschaften alles ertragen müssen. Da sind unsere Wohlstandswehwehchen absolut lächerlich
    Aber gerade das halte ich für schon für einen logischen Fehlschluss. Sie können eben nicht mal eben auf diese (welche auch immr) anderen Gesellschaften verweisen und dann ein und dieselbe Messlatte anlegen, die Sie auch für relative/materielle Wohlstandsgesellschaften wie die unsere verwenden. Das funktioniert nicht; und es ist unehrlich. Ich denke viel mehr, dass es gerade unser relativer Wohlstand ist, der uns - insbesondere wenn's um so was geht - verwundbar, der uns anfällig macht, vermutlich anfälliger als "wir" es mal waren und, ja, vermutlich auch anfälliger, als man es in manch anderen Breiten od. Gesellschaften noch heute ist. Von daher tendier' ich eher dazu, hier scharada beizupflichten - obwohl es im Grunde sowieso selbstverständlich ist, sein sollte, ich meine, dass Depressionen wie alles andere auch letztlich eine Ursache haben müssen. Ob sie deshalb auch auf eine wie auch immer gut bestimmte oder bestimmbare zurückführbar sind, ist natürlich eine andere Frage. Jedenfalls glaube ich nicht an Zufall, wenn's um diese Dinge geht und so gut wie kein Mensch hadert damit, in etwa Herz-Kreislauf- und erst recht Krebserkrankungen als typische (im westl. Sinne) "Zivilisationskrankheiten" zu bezeichnen, warum bitte sollte es mit Depressionen anders sein? Ich denke, die Prävalenz spricht eine deutliche Sprache und man kann eben nicht erwarten, dass sich alles in einen so (aus heutiger Sicht!) vergleichsweise simplen kausalen Zusammenhang bringen lässt, wie meinetwegen Cholesterin mit HKE, oder Tabakrauch u. ionisierende Strahlung mit Krebs.

    Was Sie hier milde "Wohlstandswehwechen" nennen, ist doch nur relativ und letztenendes Ihre subjektive Bewertung. Die zudem wenig aussagekräftig ist, da Sie mutmaßlich eben nur diese Wohlstandswehwechen kennen. Womit sich die Frage stellt, wie Sie dann überhaupt beurteilen wollten, ob es denn in der Tat "bloß" Wehwehchen sind, oder ob sich nicht doch irgend was auf dem Weg befindet, der mal an der Wand enden wird.

    Dass mit der Wachtherapie kann ich im übrigen am Allerwenigsten nachvollziehen. Bei mir z. B. ist das 100% kontraproduktiv, ich wollte präzisieren, total destruktiv. Denn sobald ich (auch nur minimal) im Rückstand bin, was Schlaf angeht, wird es nur umso schlimmer. Hab das Gefühl, ich werde nur anfälliger, instabiler, labiler. Als würde ein gewisser "Schild" fehlen, der - mal mehr mal weniger - aber da ist, solange ich ausreichend ausgeschlafen bin. Ich finde das außerdem naheliegend, denn ja selbst Menschen, die eigtl. keine Depressionen haben, neigen bei Schlafentzug nicht selten zu Stimmungstiefs. Die Konzentration geht flöten, die Nerven gehen flöten - und - das ist das Schlimmste, man wird (über)empfindlich. Gerade, wenn es um Geräusche geht und _das_ ist ja nun eben gerade pures Gift f. Menschen mit Depressionen. Mich selbst macht in diesen Situationen jedes beknackte Auto, jedes Flugzeug, jedes schreiende Kind und jeder kläffende Hund nicht nur mürbe, sondern inner fertig. Also wirklich fertig, psychisch. Ist wie Folter - und Wachtherapie wird mir'n Rätsel bleiben. Das beste "Hausmittel" ist m. E. wirklich immer noch das heiße Bad! Zur Not geht auch die Dusche, aber ein (richtiges) Bad ist definitiv besser. Das hiflt (mir) eher.
  4. #13

    Sonne oder Solarium

    Zitat von freiheitsglocke Beitrag anzeigen
    In einer Klinik habe ich dann die Lichttherapie kennengelernt. Jeden Tag eine halbe Stunde vor 's Gerät und und meine Depressionen waren Geschichte.
    Noch schnellere Erfolge kann man in vielen Fällen mit UV-Licht erreichen.
  5. #14

    Zitat von Reg Schuh Beitrag anzeigen
    Und der Hilferuf der Seele schlägt sich biochemisch nieder.
    Die Medikamente können (!) da erstmal eingreifen. JEDE Therapie in diesem Bereich fährt mehrgleisig.
    Das ist nicht ganz korrekt. Bei mir wurde auf eine Psychotherapie gänzlich verzichtet. Es kommt aber immer drauf an. Wenn traumatische Auslöser mit der Depression zusammen hängen, ist es sicher sinnvoll, einiges aufzuarbeiten. Oft sind Depressive dazu aber erst in der Lage, wenn die schlimmsten Symptome sich gebessert haben. Mein Leben ist eigentlich ganz klasse. Es war nur meine Biochemie, die es mich nicht hat wahrnehmen lassen. Eine Psychotherapie hätte in meinem Fall nur bewirkt, dass man mir Probleme eingeredet hätte, die ich nicht habe. Ich bin daher auch heilfroh, keine gemacht zu haben!
  6. #15

    Es geht um Schlafentzug,nicht um Übermüdung

    Zitat von Zero Thrust Beitrag anzeigen
    Dass mit der Wachtherapie kann ich im übrigen am Allerwenigsten nachvollziehen. Bei mir z. B. ist das 100% kontraproduktiv, ich wollte präzisiere...Das hiflt (mir) eher.
    Ansonsten geht es auch beim Schlafentzug um das Bekämpfen von Depressionen, also das Bekämpfen von Niedergeschlagenheit und Antriebsschwäche.

    "100% kontraproduktiv": Sind sie wirklich runter und kriegen trotz ausreichend Schlaf nichts auf die Reihe?
  7. #16

    Manche Urasache ist auch nicht zu bekämpfen

    Zitat von scharada Beitrag anzeigen
    Nur wenige Depressionen haben als einziger Grund eine chemische Störung im Körper, die meistene sind ein Hilferuf der Seele. Die Ursache muss man behandeln, nicht die Symptome, aber da sind die meistene Ärzte überfragt. Welche Medikamente können wirklich Liebesmangel, Missbrauch oder die Leere des postmodernen Lebens mit seinen falschen Werten heilen?
    Beispielsweise der Verlust von Angehörigen oder der eigenen Gesundheit.
  8. #17

    Zitat von freiheitsglocke Beitrag anzeigen
    Es muss jeder seinen eigenen Weg finden; aber seine Lebensumstände zu ändern oder eine einfache Psychotherapie zu machen, hilft wohl eher in Ausnahmefällen. Die menschliche Natur ist sehr robust und kann mit allerhand gut umgehen. Dafür muss seine Biochemie aber auch ausreichend gut funktionieren. Verselbstständigt sich da was in Richtung Depression, kann man mit Bach Blüten, Homöopathie oder Rumgelaber nichts mehr erreichen.
    Haben sie sich schon einmal gefragt, was die Biochemie im Körper negativ beeinflusst?
    Depressiv macht sich der Mensch selbst, entweder durch falsche Gedankengänge, negative Erfahrungen, oder er ist Opfer seiner Umweltbedingungen (z.B. Arbeitsbedingungen, Streß, Mängel im Sozialleben, fehlendem Ausgleich).
    Wenn sie einen Seretoninmangel aufgrund von Lichtmangel haben, liegt der mit Sicherheit daran, dass unsere Lebens- und Arbeitsbedinungen jenseits der Natur sind.

    Wenn sie allerdings Depressionen entwickeln, weil sie falsche Gedankengänge haben, schlechte Erfahrungen, gar traumatische Erlebnisse, im Leben gemacht haben, hilft ihnen kein Sonnenlicht, keine Schokolade, keine Mittelmeerkost. Selbst Antidepressiva würden nur die Symptome großteils verschwinden lassen, nicht am Kern ansetzen. Was man dann braucht ist das, was sie als "Gelaber" bezeichnen. Hinter moderner Psychotherapie, in Form der Verhaltenstherapie, steckt nichts anderes wie Bildung für den Betroffenen, damit dieser richtiger denkt und künftig anders, positiver für seine Psyche, in seinem Leben handelt. Die Depression bekämpft der Betroffene dadurch selbst aktiv, ohne Mittelchen und Hokuspokus. Außerdem lernt er sich dabei auch noch selber besser kennen, was eigentlich auch vielen Nicht-Depressiven einmal gut täte.

    Ich schreibe das als Betroffener, der sich noch immer wundert, wie wenig wirklich über Psychotherapie allgemein bekannt ist, welches schräge Bild auch über die Medien geschaffen wird. In Zeiten wo an jeder Ecke über Burn-Out gesprochen wird, sollte es doch wenigstens bekannt sein, wie diese Therapieform funktioniert, wenn man es schon nicht auf die Reihe bekommt das Thema, inkl. simpelsten Techniken, an unseren Schulen zu lehren.
  9. #18

    Zitat von Blastermaster Beitrag anzeigen
    Diese (wertenden) Vergleiche sind typisch aber absolut unsinnig.
    Depressionen sind doch geradezu ein Merkmal westlicher industrieller Überfluss-Gesellschaft - das ist doch das Paradoxe daran dass materiell gesehen viel da ist, es aber wohl an Anderem mangelt.
    Das ist ein Mythos. In anderen Ländern wird es nur nicht so freudig diagnostiziert wie hier. In vielen Gegenden gibt es ja nicht mal ausreichend Fachärzte.

    Zitat von Blastermaster Beitrag anzeigen
    Und schwere Depressionen sind sicher alles andere als Wohlstandswehwehchen...
    Eben. Nur leider verwechseln das viele Leute gern.

    Zitat von Blastermaster Beitrag anzeigen
    Lichttherapie schlägt auch bei den Wenigsten an und wenn dann nur vorrübergehend.
    Das stimmt nicht. Ich bin z. B. seit zwei Jahren geheilt und die dauerhafte Wirksamkeit ist auch bei non-saisonalen Depressionen erwiesen:

    http://www.cet.org/documents/pdf/ter...0Spectrums.pdf
  10. #19

    Zitat von Zero Thrust Beitrag anzeigen
    Was Sie hier milde "Wohlstandswehwechen" nennen, ist doch nur relativ und letztenendes Ihre subjektive Bewertung. Die zudem wenig aussagekräftig ist, da Sie mutmaßlich eben nur diese Wohlstandswehwechen kennen. Womit sich die Frage stellt, wie Sie dann überhaupt beurteilen wollten, ob es denn in der Tat "bloß" Wehwehchen sind, oder ob sich nicht doch irgend was auf dem Weg befindet, der mal an der Wand enden wird.
    Sie haben mich nicht verstanden: Natürlich gibt es existenzielle Probleme bei uns, so wie in anderen Gesellschaften auch. Nur müssen hier nicht größere Menschenmassen jeden Tag um ihr Leben fürchten, wie in manch anderem Land. Der imo entscheidende Unterschied ist imo der, dass dort auch keine Ärzte sind, die eine Depression diagnostizieren, geschweige denn behandeln. Eine Gesellschaft, die sich Depressionen überhaupt widmen kann, muss bereits über einen gewissen Wohlstand verfügen. Daraus abzuleiten, dass Wohlstand zu Depressionen führt, halte ich für absurd.








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