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Depression und Traumabewältigung: Die dunkle Seite der Psychotherapie

CorbisViele Menschen vertrauen auf die heilende Kraft einer Psychotherapie - etwa bei Depressionen, Angst und Traumabewältigung. Dass sie wirkt, zeigen Studien seit vielen Jahren. Doch erst langsam wird erforscht, dass die Methode auch erhebliche Risiken haben kann.

http://www.spiegel.de/gesundheit/psy...-a-869344.html
  1. #170

    Devise: Haltet den Dieb

    Zitat von Frieden ist alles Beitrag anzeigen
    der erste Link
    „Ist hier der Grund zu suchen, wieso sich die Psychoanalytiker so lange nicht in die Karten blicken lassen wollten und sich im Gegensatz zu Verhaltenstherapeuten strikt gegen eine wissenschaftliche Überprüfbarkeit der eigenen Therapie-Ergebnisse aussprachen?“

    Zitat von Frieden ist alles Beitrag anzeigen
    Der gute Gerald Hüther wird wie Freud an vielen Stellen recht haben, nämlich daß die meisten formenden Einflüsse auf den Menschen vor allem im ersten aber auch den beiden Folgejahren stattfinden. Da gibt es allerdings kein denkendes Bewußtsein, keine Begrifflichkeit. Und dann gibt es einen winzigen Haken. Man kommt nicht dran, übrigens selbst dann nicht, wenn man sich erinnern könnte.

    Mit seinen frühkindlichen Festlegungen wird man sein Leben lang konfrontiert. Etwa wenn man überlegt, warum man eine bestimmte Überzeugung hat, wozu allerdings ein Anlaß bestehen muß, also ein Widerspruch. Dann kann man sehr langsam diesen Widerspruch auflösen, was zuweilen Jahre dauert. Aber selbst in achtzig Jahren wird man nur kleine Teile dieses ungeheuren Wustes abarbeiten können.

    Ein simpler Erklärungsansatz. Die meisten Sinneswahrnehmungen sind unbewußt, sie dringen erst gar nicht ins Bewußtsein, allein schon wegen ihrer ungeheuren Fülle. Sie sind also auch nicht dingfest zu machen. Wenn ich eine oder mehrere Besprechungen an einem Tag habe, bin ich abends abgefüllt mit Eindrücken, die ich längst nicht sortiert habe, von Einzelfällen abgesehen, die man wegen ihrer Vordringlichkeit mit dem Verstand und der Sprache so abgehandelt hat, daß sie erledigt abgeheftet werden können. Es bleiben aber zahlreiche Nebenbemerkungen, auf die man nicht eingegangen ist, die man abgebügelt hat, oder merkwürdige Minen, die man erst gar nicht dechiffrieren konnte. All das verunsichert, bereitet Einem Unbehagen. Was wird da gespielt, was hat der vor, läuft da im Hintergrund ein Spiel, das Einem verborgen bleibt ? Die eine oder andere Unklarheit läßt sich mit Denken auflösen, wobei Erfahrung außerordentlich hilfreich ist. Aber der unermeßliche Rest wandert ins Fach des Vergessens, auch wenn der eine oder andere Einzelpunkt bei einer Wiederholung wieder ins Bewußtsein drängt. Ein Interesse erwacht.

    Das Experiment läßt sich aber dauernd und überall wiederholen. Bei einem Gang durch die Stadt braucht man sich nur zu erinnern, was von den abermillionen Eindrücken haften geblieben ist. Es ist eine hübsche Vase, originelle Ohrringe, ein lebendiges Gesicht, die stolze aufrechte Haltung eines Menschen.

    Ein Analytiker kann in einem ungemein langwierigen Verfahren lediglich einzelne Punkte herauszuarbeiten versuchen, aber er wird nie die Fülle der unbewußten ansatzweise ermessen können, vor allem wird er nie belegen können, daß seine Ergründungen oder Zuordnungen relevant sind. Er interpretiert sie so hin, daß sie mit seinem Gedankengebäude übereinstimmen. Sie werden passend gemacht.

    Der Glaube versetzt Berge.
  2. #171

    Zitat von albert schulz Beitrag anzeigen
    „Ist hier der Grund zu suchen, wieso sich die Psychoanalytiker so lange nicht in die Karten blicken lassen ....
    Es ist sicher richtig das die Psychoanalyse nicht in der Lage ist alles aufzudecken.Zum Teil geht sie dabei aus meiner Sicht von falschen Vorraussetzungen aus.Insofern sie sich immer noch auf Freuds Vorstellungen der Libidotheorie oder des Todestriebes bezieht,geht sie von aus meiner Sicht völlig falschen Annahmen aus.Der Mensch ist viel mehr als ein triebgesteuertes Wesen und seine Motivation bezieht sich auch auf Geborgenheit,Nähe und Hilfsbereitschaft.Genausowenig ist die von Freud gewollte Sublimierung ein Zeichen psychischer Gesundheit,sondern ein Zeichen von Abwehrverhalten.
    Leider gibt es immer noch viele Analytiker die sich an Freud orientieren und ihre Patienten so davon abhalten ihren eigenen Gefühlen zu folgen,inmdem sie die Dinge in einer Weise interpretieren die nichts anderes zulässt als die freudsche Sichtweise.
    Dazu kommt,das eine Analyse die sich ausschliesslich auf Gespräche bezieht auf einer eher oberflächlichen Ebene bleibt.
    Erst wenn der emotionale Ausdruck unter Einbeziehung des Körpers hinzukommt,kann eine Therapie ganzheitlich und somit auch heilend wirken.Dabei werden alle Hirnregionen angesprochen,nicht nur der Neocortex auf den sich die weitverbreiteten,aus meiner Sicht eher an oberflächlichen Symptomen orientierten Therapien beziehen.
    Dabei kommt es zu einem emotionalen Erleben und einer damit verbundenen Klärung,bei der der Betroffene selbst die Wurzeln seiner Symptome findet und begreifen lernt.
    Arthur Janov hat dabei sehr präzise und mit vielen wissenschaftlichen Fakten untermauert,in seinem neuesten Buch "Vorgeburtliches Bewusstsein" aufgezeigt wie Erinnerungen bis in die pränatale Phase zurückverfolgt und wiedererlebt werden können.Dabei geht es nicht um ein Erkennen allein auf der kognitiven Ebene,das ohnehin wenig Veränderungskraft besitzt.Erst die Verbindung der Erinnerung auf allen Ebenen des Bewustseins kann letztlich Heilung bewirken.
    Dies nachzuvollziehen zu können dürfte allerdings auch davon abhängen,inwieweit ein Mensch noch Kontakt zu seinen eigenen Gefühlen hat.Menschen die sich sehr an einer scheinbar rationalen Ebene orientieren,sind dafür häufig schwer zugänglich.Gerade diese aber sind meist auch am weitesten von ihren ursprünglichen Gefühlen und Bedürfnissen entfernt und am schwersten therapierbar.
    Gerade dieses scheinbar rationale Verhalten hat traurigerweise in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert,verbunden mit dem Glauben das der Verstand den Menschen starker beinflusst und bestimmt als das Gefühl.Dabei beruht aus meiner Sicht diese Annahme bereits auf starker Selbstentfremdung und stellt ein Abwehrverhalten gegen als beängstigend erlebte Gefühle dar.Genausowenig ist ein Mensch in der Lage tatsächlich so verstandesorientiert zu leben und darauf angewiesen eine solch selbstentfremdete Einstellung zu kompensieren.Dazu gibt es allerhand Möglichkeiten,von Verdrängung durch Aktivität,Arbeit,Medien,Drogen bis Psychopharmaka.
  3. #172

    Warnung und persönliches Fazit

    Nachdem ich mir die Mühe gemacht hatte, alle Beiträge in diesem Thread sorgfältig zu lesen, bin ich zu einem persönlichen Fazit (einmal mehr!) gelangt: Sowohl Therapeuten als auch Psychologen und Psychoanalytiker jeglicher Schule kochen auch nur mit Wasser. Allerdings neigen sie sehr dazu, ihr Wasser als Weihwasser anzubieten. Das ist insbesonders an den letzten ca. 50 Beiträgen deutlich zu erkennen.

    Dazu empfehle ich dringend, den Beitrag des Foristen Micael54 (# 114) zu lesen.

    Der Forist hatte aus sehr persönlicher Sicht auf sein Problem hingewiesen. Er machte ein fatales Grundproblem der Psychoanalyse oder -therapie recht deutlich. Aber nicht ein einziger Beitrag nahm Bezug darauf! Es entspann sich dagegen ein mitunter äußerst eloquenter Diskurs von mir vermuteter Fachleute, der die Selbstverliebtheit eben dieser Menschengruppe sehr treffend dokumentiert. Es erscheint mir nicht zum ersten Mal, daß das Studium in diesem Bereich explizit dazu geeignet ist, einer Gruppe von Menschen zu ermöglichen, deren Selbstbewußtsein zu stärken. Es ist zudem verständlich, wenn man daran denkt, was ein Studium generell erfordert.

    Das alles ist per se nicht verwerflich. Jedoch hilft das in der Realität den betroffenen Hilfesuchenden wenig. In meinen Augen kommt das einer intellektuellen Onanie nahe. Ich frage mich, wie diese "studierten Fachleute" anderen Menschen wirklich helfen können. Ich streite nicht ab, daß sie helfen wollen; ich stelle aber die Frage, ob sie nicht die Hilfesuchenden als Werkzeuge für ihre Selbstbestätigung benutzen.

    Wer jedoch dringend Hilfe braucht, kann nicht einfach darauf vertrauen, mittels eines Phantasietitels oder eines eleganten Vorgesprächs wirklich Hilfe zu erhalten. Der Betroffene hat weder die Energie noch die Zeit dafür. Und es ist besonders wichtig, jemanden zu finden, der sich nicht in endlosen Fachdiskussionen verliert, wie es sich hier im Thread hervorragend darstellte.

    Aus eigener Erfahrung kann ich nur jedem Betroffenen raten, äußerst vorsichtig zu sein, wenn es zur Auswahl eines Therapeuten oder eines Psychoanalytikers kommt. Meine beste Empfehlung (als Start und mit Vorbehalt) ist z.B. eine lokale Selbsthilfegruppe oder etwas Ähnliches. Und nicht zu vergessen ist, daß sehr viele kommerzielle Angebote meistens nur einem Zweck dienen: Profitmaximierung ohne Rücksicht auf den Hilfesuchenden.
  4. #173

    Also mir kann die ganze Branche gestohlen bleiben.

    Schon seit knapp 10 Jahren plage ich mich mit Depressionen herum. Zuerst war ich beim Psychologen des Studentenwerks, dann bei einer Psychiaterin, wo ich irgendwann mal nach der Diagnose (ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung, also bitte, das ist doch keine Krankheit, sondern nur Alibi) fragen musste, weil von selbst bekam ich da auch nach mehreren Besuchen keine. In der Zwischenzeit habe ich es auch mal mit einer Verhaltenstherapie versucht, aber was soll es bringen vor lauter Lebensangst und Lustlosigkeit. In einer Verhaltenstherapie benötigt man schon eine gewisse Grundlust, um voran zu kommen, um draußen in der Welt zu üben. Nicht einmal die hatte ich. Ich bin nur gut darin, mich zu etwas zu zwingen. Das hat zwar bisher ordentlich Ergebnisse gebracht, aber keine Zufriedenheit. Nach der Angst ist vor der Angst, nach der Anstrengung ist vor der Anstrengung. So spielt es sich nun mal im Kopf bei mir ab. Später habe ich es mal mit einer tiefenpsychologisch fundierten Gesprächstherapie versucht. Ich bin mit dem Therapeuten menschlich sehr gut zurechtgekommen. Dennoch war die Therapie kein Erfolg. Wo die Ursachen in meiner Kindheit liegen, wusste ich selbst schon. Das habe ich nur noch bestätigt bekommen. Das ich sehr leistungsabhängig bewerte und denke, wird man nicht aus mir herausbekommen. Sonst wäre ich heute mit 30 immer noch ohne Schulabschluss und immer noch unbeweibt. Jetzt gehe ich nur noch zum Psychiater, um ein neues Venlafaxinrezept zu erhalten. Das ist das einzige Medi, das wenigstens in hoher Dosis ein bisschen Wirkung zeitigt. Ich habe schon so viele Medis probiert und keins davor hat wirklich einigermaßen stimmungsaufhellend gewirkt. Ansonsten kann mir die gesamte Psychobranche einfach nur den Buckel runterrutschen. Ich habe keine Ahnung, wie ich auch nur annähernd gelassen werde. Und auf Zeugs wie Yoga und Meditation habe ich schlicht keinen Bock. Sport mache ich fast täglich. Daran kann's also nicht liegen.
  5. #174

    Einspruch

    Zitat von tweet4fun Beitrag anzeigen
    Sowohl Therapeuten als auch Psychologen und Psychoanalytiker jeglicher Schule kochen auch nur mit Wasser. Allerdings neigen sie sehr dazu, ihr Wasser als Weihwasser anzubieten.
    Tatsächlich wird umgekehrt ein Schuh draus. Zugespitzt formuliert:
    Psychologen und Psychoanalytiker jeglicher Schule kochen auch nur mit Weihwasser. Denn was in der Debatte um Risiken und Nebenwirkungen von Psychotherapie völlig außen vor bleibt, das sind die Placebo- oder gar Nocebo-Effekte therapeutischer Intervention: Gerade letztere sind keineswegs immer so harmlos oder als bloße, wenn auch erhebliche aber notwendige Nebenwirkung in Kauf zu nehmen, wie es die pharmakologische Metapher nahelegt: nämlich da, wo Psychotherapie in erster Linie Sache des persönlichen Glaubensbekenntnisses des Therapeuten ist -wo ist sie das nicht?-, und wenig mit dem Desiderat einer wissenschaftlichen Psychotherapeutik am Hut hat. Ich denke da v. a. an Suizide oder iatrogene (Re-) Traumatisierung im Rahmen einer "orthodoxen" Psychoanalyse, die mittlerweile gut beschrieben sind: Kassenfinanzierung als Tempelsteuer für Ödipus Tyrannos. (von den Nebenwirkungen von Neuroleptika etc. gar nicht zu reden: die Betonung sollte hier wie dort auf den Risiken liegen und am wenigsten Schaden dürfte die verhaltenstherapeutische Schule anrichten: Punkt für die Black Boxianer)

    Die Diskussion beruht ja zunächst auf dem Streit der kassenfinanzierten Therapieverfahren - d.h. v.a. Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologisch fundierte Schulen - um schulmedizinische Anerkennung und deren Konsequenzen ab: Stein des Anstoßes sind Studien der rivalisierenden Schulen, Lobbyarbeit um Wirksamkeit und Effizienz. Wenn der Zahnarzt sich seinen Porsche nicht mehr leisten kann, fängt er an Fragen zu stellen...Und wenn der Kassenpatient mit Praxisgebühren und Zusatzbeiträgen belastet wird, so kann er zu ähnlichen Überlegungen gelangen: Wer soll eine solch aufwendige und kostenintensive Angelegenheit wie eine Psychoanalyse überhaupt bezahlen? Werden da nicht große Mittel für ein äußerst fragwürdiges, wissenschaftlich eher umstrittenes Verfahren zur Verfügung gestellt, die dann anderswo (etwa bei der Kostenübernahme für Zahnersatz in einer immer älter werdenden Gesellschaft) schlichtweg fehlen? Die Etablierung solcher Therapieformen als Kassenleistung geschah in den Sechzigern (u. a. mit dem Hinweis auf Kostenersparnis, was stationäre Behandlungsformen betrifft) und ist wohl auch ein Ergebnis der späten Wirtschaftswunderjahre. Die Zeiten ändern sich...und die Risiken und Nebenwirkungen Debatte ist – leider, was therapeutischen Idealismus und Heilserwartung der Patienten angeht - zuallererst eine Kosten-Nutzen Debatte.
  6. #175

    pro Psychotherapie bei dem richtigen Therapeuten

    Will hier nicht meine Geschichte wiederholen(s.o.). Aber die tiefenpsychologisch orientierte Psychoanalyse hat mir sehr geholfen. Ohne diese Hilfe hätte ich vermutlich nicht studieren können (mangelndes Selbstwertgefühl) und wäre ein introvertierter, ängstlicher Mensch geblieben. Ich durfte während der Therapie keine Medikamente nehmen, um hiermit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Nur eines ist sicher richtig: es ist unglaublich schwer einen guten engagierten Psychotherapeuten zu finden.
  7. #176

    Traurig, aber wahr

    Jeder der schon mal eine Therapie beginnen wollte oder gemacht hat, weiß, dass das Hauptproblem in der Kompetenz der Therapeuten liegt. Lange Wartezeiten und dann ein Gespräch mit jemanden, dem völlige Professionalität fehlt. Jeder Idiot kann Therapeut werden, inwieweit er menschlich dafür gemacht ist, wird immer noch nicht hinterfragt. Solange es keine Möglichkeit gibt für Patienten schlechte Therapeuten zu melden und dem nachgegangen wird, wird sich an der Problematik auch nichts ändern.


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