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Denken statt Rechnen: Die Wahrheit über Mathe

Viele Menschen verwechseln Mathematik mit Rechnen, doch das Hantieren mit Zahlen und Formeln*macht nur einen kleinen Teil des Fachs aus. Mathematik bedeutet vor allem kreatives Denken. Es ist ein großes Abenteuer für den Kopf - von dem wir in der Schule oft nur wenig mitbekommen.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...807016,00.html
  1. #1

    Analphabeten

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Menschen verwechseln Mathematik mit Rechnen, doch das Hantieren mit Zahlen und Formeln*macht nur einen kleinen Teil des Fachs aus. Mathematik bedeutet vor allem kreatives Denken. Es ist ein großes Abenteuer für den Kopf - von dem wir in der Schule oft nur wenig mitbekommen.

    Denken statt Rechnen: Die Wahrheit über Mathe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    Leider ist die Begabung für Mathematik und das Interesse für diese schöne Wissenschaft bei uns mit dem Stigma des Strebertums, des Eierkopfs und modern gesagt des Nerds belastet.
    Schlimmer noch, es ist sexy, sich nicht für Mathematik zu interessieren.
    Jeder Promi darf sich öffentlich äußern, dass er in der Schule eine Fünf in Mathe hatte und nichts begriffen hat, ohne dass postwendend gefragt würde, ob seine Kapazitäten denn wenigstens zum Erlernen von Lesen und Schreiben gereicht hätten.

    Wer nicht einmal die Grundrechenarten, die Bruchrechnung, den Dreisatz und die Grundzüge von Trigonometrie und Analysis beherrscht, steht auf einer Stufe mit funktionalen Analphabeten.

    Unsere Gesellschaft basiert ebenso auf Mathematik wie auf dem geschriebenen Wort!
  2. #2

    Schönes Beispiel ...

    ... aber Geometrie ist ja auch der anschaulichste Teil der Mathematik, und eine zeichnerische Lösung setzt kein Zahlen- oder Formelverständnis voraus.

    Dennoch muss ich dem Autor uneingeschränkt zustimmen: Mathematik ist kreativ, und sie hat ihre eigene Schönheit. Das habe ich mal genau so der Freundin eines Freundes gesagt, die ihr Abi an der Abendschule nachmachte und in Mathe 5 stand. Sie hat mich ausgelacht. Nachdem ich ihr ein paar Monate lang (unter dieses Grundannahme) Nachhilfe gegeben hatte, stand sie auf 2. Und als sie ihre erste 1 schrieb, gab sie mir recht.

    Ein großes Problem dürfte hier die vernachlässigte didaktische Ausbildung unserer Lehrer sein. Aber die passt ins Bild der Zeit. Möglichst schnell das Abitur machen, möglichst schnell studieren, möglichst schnell für die Wirtschaft verfügbar sein: Unter diesen Prämissen verkommt der Mensch zu einem Trichterwesen, bei dem man oben etwas hineinschüttet und unten Ergebnisse erwartet. Die so genannten "Kreativen" findet man dann nur noch im Marketing.

    Ich schweife ab, aber auch hier geht ein Stück Menschlichkeit (Ganzheitlichkeit, Nachhaltigkeit) verloren.
  3. #3

    yep

    dem artikel kann ich nur zustimmen. wie mathematik in der schule vermittelt wird, hat mir die "lust" daran verdorben. das selbe gilt für physik: als es noch "anschaulich" war, machte mir das fach sehr viel spass. spätestens als der bezug zur realität aber mit formeln erschlagen wurde, war es dahin.
    das ging tatsächlich so weit, dass ich mich fragte, wozu ich dass alles lernen soll, es hat doch keinen nutzen für mein leben.

    wäre damals doch nur ein lehrer in der lage gewesen begeisterung für mathe zu wecken, wer weiss welchen beruf ich heute ausüben würde.
  4. #4

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Viele Menschen verwechseln Mathematik mit Rechnen, doch das Hantieren mit Zahlen und Formeln*macht nur einen kleinen Teil des Fachs aus. Mathematik bedeutet vor allem kreatives Denken. Es ist ein großes Abenteuer für den Kopf - von dem wir in der Schule oft nur wenig mitbekommen.

    Denken statt rechnen: Die Wahrheit über Mathe - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft
    So ist, für mich war das Mathestudium immer ein genialer Denksport. Der Mathe-Schulunterricht war tatsächlich vor lauter Formelei unnötig trocken, so dass die Ideen, die dahintersteckten völlig auf der Strecke blieben. Grosse Ausnahme: Physik-Vertretung in der Obertertia durch einen Prof von einer FH: Oberstes Prinzip: erst denken, zuletzt rechnen! Tatsächlich waren die Aufgaben geflutet mit Infos, die zur Lösung der Aufgabe nicht benötigt wurden, konnten aber in der Regel nur durch Überlegen gelöst werden.
  5. #5

    Asimo sagt:

    Zitat von lorn order Beitrag anzeigen
    Leider ist die Begabung für Mathematik und das Interesse für diese schöne Wissenschaft bei uns mit dem Stigma des Strebertums, des Eierkopfs und modern gesagt des Nerds belastet.
    Schlimmer noch, es ist sexy, sich .....
    So ist es. Allerdings trifft das nicht nur auf Mathe zu, sondern auf alle Naturwissenschaften. Die sind halt nicht sonderlich hip. Allerdings ist Mathe in der allgemeinen Wahrnehmung schon das unhipste ist, gefolgt von Physik, dann Chemie. Bio ist ja schon beinahe salonfähig.
  6. #6

    "scharf hinschauen!"

    In der Schule war ich in Mathe laut meiner Noten ziemlich unbegabt. Erst später ist mir klargeworden, was mich damals so gestört hat, mein Lieblingsbeispiel ist daher das LGS, lineare Gleichungssystem.

    Ein LGS soll in der Regel von den Schülern "gelöst" werden. Der Lieblingssatz meiner Lehrerin: "Was kann man denn jetzt da machen?"
    Und genau hier weiß ich erst Jahre später, wie perfide dieser Satz ist, wie mehrdeutig er interpretierbar ist, denn:

    Für die Lösung von LGS gibt es einen simplen Algorithmus (Stichwort: Gaussverfahren). Das klappt immer, dauert aber manchmal zu lange. Daher war gemeint: Finde Abkürzungen, Vereinfachungen etc. Diese Tricks, die man aber erst mal büffeln und üben muss, sorgen dann in der Klausur für gute Noten, da man schneller fertig ist.

    Später in der Informatik war die Frage etwas anders gemeint: Gibt es überhaupt eine Lösung? Ist sie Berechenbar? Und vor allem: Mit welchem Aufwand ist zu rechnen(Aufwandsabschätzung, Komplexitätstheorie), O(n) oder doch eher O(n^2) ?

    Ich stand in der Schule also wie der Ochs vorm Berg vor diesen Dingern. Und daher meine ich, in der Schule sollten die Lehrer endlich bgreifen, dass sie durch jahrelange Beschäftigung mit den Themen in der Lage sind, einzuschätzen, wie Komplex eine Aufgabe ist, in welchem Zusammenhang sie steht.
    Man sollte den Schülern beibringen, mit Komplexität umzugehen, Aufwand einzuschätzen, Informationen zu suchen, die zur Lösung beitragen können.
    Vielleicht wäre es auch sinnvoll, mit einer Aufgabe zu beginnen bei er noch nichts darüber bekannt ist, welche Werkzeuge überhaupt hilfreich sein können.

    Heißt es nicht immer: Mathe ist Übungssache??!
  7. #7

    Jetzt variieren wir die Aufgabe

    Stellen wir uns vor, die Geschwindigkeit, mit der die beiden Teilstrecken durchlaufen werden ist unterschiedlich.
    Beispiel: Ein Hase läuft von einem Punkt zum anderen, wobei die erste Teilstrecke über einen gepflügten Acker und die zweite über ein Stoppelfeld geht. Wie würde er dann laufen, um am schnellsten den Weg zurückzulegen? Sicher nicht den kürzesten.

    Diese Aufgabe hatte ich in Mathematik zu lösen. Schöne Formel erstellt und durch differenzieren das Minimum der Zeit ermittelt.

    Aber es geht auch ganz einfach:
    Wie das Licht: der Brechungsindex resultiert z.B. zwischen Luft und Glas aus den unterschiedlichen Geschwindigkeiten des Lichts in Luft und Glas, so dass der Lichtstrahl die kürzeste Zeit braucht. Also in der Rubrik Optik die richtige Formel anwenden.
  8. #8

    Schließe mich an

    Zwar muss ich gestehen, dass auch ich abgehängt wurde, als die Mathematik zu abstrakt wurde. Allerdings hat sie für mich eine unglaubliche Faszination behalten und hat in meinen Augen auch eine besondere Ästhetik. Leider erschließt sich diese vielen Menschen nicht, aber im täglichen Leben findet man oft interessante Aspekte, wenn man einen mathematischen Hintergrund hat.

    Eine schöne Verknüpfung zwischen Literatur und Mathematik gibt es bei Stieg Larsson. Er lässt Lisbeth Salander in ihrer Freizeit komplexe mathematische Aufgaben lösen. Ich kann diese Art der Freizeitbeschäftigung nachvollziehen ...
  9. #9

    Ich habe manchmal das Gefühl, dass in der Schule sehr häufig die Didaktik zugunsten pädagogischer Experimente vernachlässigt wird. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn der Begriff "Pädagogik" ist, seit er sich im Zuge der antiautoritären Verkorksung in den Vordergrund gedrängt hat, in aller Munde, während weitaus weniger Leute den Begriff "Didaktik" kennen.

    Eines der schönsten Beispiele ist die Orthographie: Kinder in der ersten uns zweiten Klasse dürfen "schreiben, wie sie wollen", um nicht die Motivation zu verlieren. Später dauert es mitunter Jahre, um die Rechtschreibung nachträglich auf ein lesbares Niveau zu bringen. (Auch in meinem persönlichen Umfeld gibt es dafür einige Beispiele.) Aber das ist ja dann nicht mehr das Problem der Grundschulen.

    Ich nehme an, im Mathematikunterricht besteht ebenfalls dringender Bedarf, moderne didaktische Konzepte zu entwickeln, mit deren Hilfe man die Welt der Mathematik auch wieder mehr Schülern nahebringen kann.

    P.S.: Man beachte, dass die grafische Lösung im zweiten Teil des Artikels auch das Kriterium Einfallswinkel = Ausfallswinkel erfüllt. :)


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