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Demografie: Das Leiden der jungen Mitte

Familie, Haus und Garten – das ist laut einer neuen Studie die Lebensplanung junger Frauen und Männer aus der deutschen Mitte. Der Weg ist akkurat vorgezeichnet, die spielerische Experimentierlust verschwunden. Die Aussicht, dass alles scheitern könnte, ist bereits 20-Jährigen ein Horror.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...486316,00.html
  1. #1

    In der Mitte nichts Neues, oder doch?

    Welche Erkenntnis steckt denn hinter diesem Artikel?

    1. Die gesellschaftliche Mitte, d.h. deren jüngerer Teil steckt in einem altbekannten Dilemma fest. Einerseits sind berufliche Aufstiegschancen gegeben, wenn auch in gewisser Weise begrenzt; andererseits lebt dieser Teil der Gesellschaft in dem Bewusstsein, niemals ganz oben, aber auch zugleich niemals ganz unten dazu zu gehören.

    2. Es gibt, wie auch schon in der Mitte der 90er Jahre keine Garantie, dass der Lebensstandard der Eltern gehalten werden kann

    3. Die gesellschaftliche Mitte lebt in der permanenten Angst, mit ihren persönlichen Lebenszielen Schiffbruch zu erleiden.

    Was ist daran neu? Die im Vergleich zu höheren Bildungsabschlüssen geminderten Aufstiegschanchen? Nun ja, bis in die späten 80er Jahre hinein wurden einige Leitungspositionen noch ohne akademische Qualifikationen besetzt, dies geschieht heute sicherlich nicht- wobei man über die Gründe sicherlich trefflich streiten kann.

    Ist jene Angst neu, die darin gründet nicht die soziale Stellung oder den Lebensstandard der Eltern zu erreichen? J zum Teil ist dies neu, denn während am Anfang und an Ende der 90er Jahre dieses Risiko bereits ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt war, ist es heute eine unverrückbare Realität: Nahez eine ganze Generation findet in den Berufsfeldern ihrer Eltern keine Beschäftigung mehr, muss sich in einer veränderten Zeit einer veränderten Wirtschaft und veränderten Gesellschaft anpassen. Das ist nicht ganz so neu, wenn man sich etwa die frühen 80er anschaut, aber in der Intensität no nicht dagewesen.

    Am prekärsten ist sicherlich die Angst vor dem Scheitern, dem Scheitern an den eigenen Idealen und Zielvorstellunge; dem Abrutschen in moralisch desavouierte Gruppen, in ein ebenso kaputtes Leben wie jenes, das die abgelehnten Teile der Gesellschaft oberhalb und unterhalb führen. Der Verlust der Partnerschaft, das Ab- und Entgleiten der Kinder, der Verlust der Arbeit; alles Kernängste heut die in den Köpfen derer Spuken, die Morgen die Mitte der Gesellschaft bilden sollen. Die Antwort darauf sind gewissermaßen Neid, Missgunst und Ablehnung anderer Schichten. Muss die Politik oder die Gesellschaft antworten? Ja sie muss es, denn aus diesem Milieu können Denkensweisen entstehen, die dereinst zum Totalverfall der Gesellschaft führten. Wenn die Mitte gänzlich - zumindest gefühlt - ihre Perspektiven verliert, wird die Mitte der Gesellschaft zum Bollwerk gegen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung; dann verbarikadiert sich ein entscheidender Teil unseres Landes hinter konservativen abgeschotteten Denstrukturen die nahezu alles zu Blockieren vermögen. Das ist der wichtigste Punkt für die gesellschaftliche Diskussion, es braucht Perspektiven - nicht notwendig ideologischer Natur- die diesen Menschen halt geben, sonst verliert die ganze Gesellschaft ihren Halt!!
  2. #2

    Ironie ?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Familie, Haus und Garten – das ist laut einer neuen Studie die Lebensplanung junger Frauen und Männer aus der deutschen Mitte.
    Das war doch das Familienbild der "guten, alten Zeit". Wo möglich noch fleißig arbeiten, die Kinder richtig erziehen, keine Lebensabschnitts-Partnerschaften mehr, Idylle ?
    Und das soll nun die Lebensplanung der deutschen Jugend sein ?

    Dazu wäre es nötig, den gesamten Zeitgeist zu wenden. Unmöglich, alle Inhalte der 68er zu kippen, entsprechende Gesetze zu ändern, den Männern wieder Selbstvertrauen zu geben, die Erziehung zu reformieren....

    Oder sollte etwa Ihre Frage pure Ironie gewesen sein ?
  3. #3

    Naja,....

    Sehr geehrter Hr. Prof. Dr. Walter,

    Ihre Artikel sind i.d.R. lesenswert, allerdings lässt die Qualität in letzter Zeit stark nach.

    "In den Jahren der Krise seit 2001 hat die Sekuritätsorientierung der Mitte.." - schreiben Sie doch einfach Sicherheitsdenken. Man muss fehlenden Inhalt nicht unbedingt mir verquasten nur in der Soziologie gebräuchlichen Latinismen überdecken.

    "Reputierliche Familie" Bei diesem Ausdruck des 19Jhrdts. höre ich eine gewisse Häme des Alt 68ers heraus. Oder täusche ich mich ?

    Wie dem auch sei, was wollen Sie dem geneigten Leser mit diesem Artikes mitteilen, dass die Welt der unteren Mittelklasse zerbricht ? Keine Frage, nur dass kann man mit eigenen Augen selbst jeden Tag in Augenschein nehmen.

    Die Gründe kommen allerdings etwas zu kurz. Liegt es vielleicht daran, dass gerade diese Schicht als überwiegend abhängig Beschäftigte von Steuern, Sozialabgaben und eines sich verändernden wirtschaftlichen Umfeldes stranguliert wird ? Wird mit den Steuergeldern dieser Leute nicht auch der "akademische Überbau" finanziert ?

    Grund zur Häme ist hier fehl am Platz. Man muss sich nicht mit den Idealen dieser Gesellschaftsschicht identifizieren, (das tue ich auch nicht) aber man sollte zumindest anerkennen dass das Kleinbürgertum in wesentlichen Teilen diesen Staat trägt- monetär und auch mental. Wenn die Unterschicht den Aufstand probt ist das alles eher harmlos. Wenn das Kleinbürgertum die Hoffnung auf bessere Zeiten verliert, kippt das System- und dann Gnade uns Gott.
  4. #4

    Zustimmung

    ...angeblich (weiss nicht mehr woher ich das habe)
    ist folgendes allgemeingueltig:
    Menschen reproduzieren sich vor allem dann,
    wenn die Chance besteht, dass der Nachwuchs es besser hat als man selbst.
    Da die "Mitte" der frueheren Zwiebelstruktur der Gesellschaft im heutigen Neoliberalismus nach unten bzw. oben wandert, waehrend die Zwiebel zur (bodenlastigen) Hantel mutiert, wundert mich die deutsche Kinderlosigkeit wenig.
    Habe selbst wenig Lust auf Kinder, solange der Partner arbeitet und beide jederzeit den Berufsort ueberall hin wechseln muessen. Und wenn das irgendwann nicht mehr der Fall sein wird, wirds zu spaet sein, fuer Nachwuchs.
  5. #5

    Zerfall der Traditionen!

    Eines ist sicher! Die angestrebte kleine, heile Welt, das Festhalten an bisherigen Lebensmodellen ist zum Untergang verurteilt. Die gobalen Probleme, die sich rasant weiter verschärfen, beeinflussen in so starkem Maße die eigene Lebensplanung, daß es utopisch ist zu erwarten, man könne abgetrennt vom Rest der Welt, das bisher Praktizierte weiterhin leben. Nur sehen das viele noch nicht und glauben, mit der jetzigen Krise, genauso umgehen zu können wie bisher: Einfach mal wegschauen und sich weiterhin um den eigenen Nabel drehen. Mir fällt auf, daß unsere Gesellschaften weltweit zerfallen und viele Bürger sich isoliert vorkommen. Unsere Solidarität als menschliche Spezies ist gefragt. Ein umfassenderes, globales Denken ist bitter notwendig, um das Geleise von Nationalismus zu verlassen. Ich befürchte, daß die Regierungen weltweit, zukünftig restriktiver gegen die eigene Bevölkerung vorgehen werden und ein Großteil der Bürger das begrüßen wird, im Irrglauben, es diene der Sicherheit. Wir leben auf jeden Fall in verdammt interessanten Zeiten. Leider habe ich keine realistische Antwort auf die Herausforderungen, sehe aber zumindest, daß das übliche "business as usual" eindeutig nicht zukunftsträchtig ist.
  6. #6

    Bemerkenswert

    Wenn ich meine Erfahrungen mit Frauen mit Abitur und Studium zugrunde lege, bin ich bass erstaunt das es eine Welt gibt, die tatsächlich noch so konservativ tickt wie meine Eltern das getan haben. Grundsätzlich finde ich die Einstellung der Frauen mit mittlerem sozialem Niveau für Männer anziehend, da sie offensichtlich bereit sind in klassischer Weise in der Gesellschaft Verantwortung zu tragen und sich eben auch um eine eventuelle Brut selbst zu kümmern. Die Position der Männer ist mir denn doch zu reaktionär. Aber es scheint so zu sein, wenn man seine intellektuellen Ansprüche etwas herunterschreibt, kann man tatsächlich noch beziehungs- und bindungsfähige fertile Frauen finden.
    Meinen persönlichen Erfahrungen, die aber eher im Akademikersegment angelegt waren, widerspricht das absolut. Diese Mitte der Gesellschaft ist für mich nicht sichtbar.
    Leider irren in den Partnerschaftsanzeigen und Kontaktanzeigen sowie Single-Parties nur die Frauen ab Ende 30 herum, die weder attraktiv noch nützlich für einen Mann sind.
  7. #7

    Als

    geschiedener Akademiker kann ich über das alles nur mitleidig lächeln. Angst vor Scheitern der Lebensentwürfe? Wer als gut verdienender Mann hierzulande ein Kind zeugt, geschweige denn heiratet und ein Kind zeugt, ist ein Trottel. Mann sollte den Lebensentwurf an der Rechtsrealität abgleichen. Einfach nicht reproduzieren. Ach ja: ich liebe mein Kind über alles. Nein, das ist kein Widerspruch - ich würde nur nicht noch eines wollen. Danke, Rechtsstaat.
  8. #8

    Die Angst ist greifbar

    Die Angst der jungen Mitte ist greifbar. Es überrascht mich überhaupt nicht das die jungen Frauen und Männer Angst vor der Zukunft haben. Ich bin 39 und habe es schon als sehr schwierig empfunden Beruf und Beziehung zu vereinbaren. Es hat nicht funktioniert. Und in der heutigen Zeit ist es durch diverse Ablenkungstechnologien sowie Drogen bedeutend schwieriger. Die Entmenschlichung hat erst begonnen und wird sich noch weiter fortsetzen, sagt Tiziano Terzani . Jeder guckt auf sich selbst und ist unfähig Kompromisse mit dem Partner zu machen. Was herauskommt sieht man an der hohen Scheidungsrate, die in den Großstädten bei 50% liegt. Die Möglichkeit ein erfülltes, zufriedenes Leben zu führen ist verschwindend gering und wird durch unerreichbare psychische und physische Ziele von den bekannten Medien vorgegeben. Die jungen Menschen scheitern schon vor dem Ausprobieren der hoch gesteckten Ziele im gedanklichen Vorausvollzug. Ständige Angst ins soziale Abseits zu geraten reichen nicht aus, alles aus sich herauszuholen und andere aus dem Feld zu schlagen, da man ja schließlich als Mensch auch noch Mitgefühl hat und eine gar zu rabiate Vorgehensweise konterkariert die ursprünglichen Bemühungen.
    Bleibt nur zu hoffen, das es wie schon so häufig in der Geschichte eine Gegenbewegung gibt die die ganze Chose so einigermaßen wieder ins Lot bringt, allein mir fehlt der Glaube.
  9. #9

    Mein Gott, Walter ...

    ... das allwöchentliche Wort zum Sonntag.

    Immer wieder alter Wein in neuen Schläuchen. Was will der Prof. uns eigentlich sagen? Dass die jungen Männer heute Angst vorm Scheitern haben? Hatten die 1968er nie, leider. Die sind einfach nur gescheitert. Aber völlig angstfrei.


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