Welche Erkenntnis steckt denn hinter diesem Artikel?
1. Die gesellschaftliche Mitte, d.h. deren jüngerer Teil steckt in einem altbekannten Dilemma fest. Einerseits sind berufliche Aufstiegschancen gegeben, wenn auch in gewisser Weise begrenzt; andererseits lebt dieser Teil der Gesellschaft in dem Bewusstsein, niemals ganz oben, aber auch zugleich niemals ganz unten dazu zu gehören.
2. Es gibt, wie auch schon in der Mitte der 90er Jahre keine Garantie, dass der Lebensstandard der Eltern gehalten werden kann
3. Die gesellschaftliche Mitte lebt in der permanenten Angst, mit ihren persönlichen Lebenszielen Schiffbruch zu erleiden.
Was ist daran neu? Die im Vergleich zu höheren Bildungsabschlüssen geminderten Aufstiegschanchen? Nun ja, bis in die späten 80er Jahre hinein wurden einige Leitungspositionen noch ohne akademische Qualifikationen besetzt, dies geschieht heute sicherlich nicht- wobei man über die Gründe sicherlich trefflich streiten kann.
Ist jene Angst neu, die darin gründet nicht die soziale Stellung oder den Lebensstandard der Eltern zu erreichen? J zum Teil ist dies neu, denn während am Anfang und an Ende der 90er Jahre dieses Risiko bereits ins gesellschaftliche Bewusstsein gerückt war, ist es heute eine unverrückbare Realität: Nahez eine ganze Generation findet in den Berufsfeldern ihrer Eltern keine Beschäftigung mehr, muss sich in einer veränderten Zeit einer veränderten Wirtschaft und veränderten Gesellschaft anpassen. Das ist nicht ganz so neu, wenn man sich etwa die frühen 80er anschaut, aber in der Intensität no nicht dagewesen.
Am prekärsten ist sicherlich die Angst vor dem Scheitern, dem Scheitern an den eigenen Idealen und Zielvorstellunge; dem Abrutschen in moralisch desavouierte Gruppen, in ein ebenso kaputtes Leben wie jenes, das die abgelehnten Teile der Gesellschaft oberhalb und unterhalb führen. Der Verlust der Partnerschaft, das Ab- und Entgleiten der Kinder, der Verlust der Arbeit; alles Kernängste heut die in den Köpfen derer Spuken, die Morgen die Mitte der Gesellschaft bilden sollen. Die Antwort darauf sind gewissermaßen Neid, Missgunst und Ablehnung anderer Schichten. Muss die Politik oder die Gesellschaft antworten? Ja sie muss es, denn aus diesem Milieu können Denkensweisen entstehen, die dereinst zum Totalverfall der Gesellschaft führten. Wenn die Mitte gänzlich - zumindest gefühlt - ihre Perspektiven verliert, wird die Mitte der Gesellschaft zum Bollwerk gegen Fortschritt und gesellschaftliche Entwicklung; dann verbarikadiert sich ein entscheidender Teil unseres Landes hinter konservativen abgeschotteten Denstrukturen die nahezu alles zu Blockieren vermögen. Das ist der wichtigste Punkt für die gesellschaftliche Diskussion, es braucht Perspektiven - nicht notwendig ideologischer Natur- die diesen Menschen halt geben, sonst verliert die ganze Gesellschaft ihren Halt!!



