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Demo-Tourismus: Zu wenig Bier für eine bessere Welt

Große Veränderungen beginnen mit langen Reisen: Moses durch den Sinai. Gandhi durch Indien. Attac-Sonderzug zum G8-Gipfel von Salzburg nach Rostock. Pünktlich zur Demonstration kam er heute Morgen an: Ein Protokoll aus der Höhle der Globalisierungskritiker.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...486282,00.html
  1. #1

    Ganz schön tendenziös...

    Globalisierungskritik als kunterbunte Freakshow, Klassenfahrt der Bierseligen, Sauftour der Solidarischen, Aufmarsch der ahnungslosen Antagonisten und Konferenz der komplett konzeptlosen Weltverbesserer: "Dagegen!" lautet anscheinend die leere Devise, glaubt man dem Bild, das hier gezeichnet wird.

    Komplementär dazu kann man sich das aufgeräumte, ordentliche, streng dem Protokoll folgende Szenario der vermeintlichen Kompetenz, ausgezeichnet durch stringenten Dress-Code und kollektive Abkehr vom Großteil archaischer, menschlicher Impulse -- wie z.B. tanzen, trommeln, singen und irgendwie anderweitig ausgelassen sein -- nur zu gut vorstellen.

    Es steht jedem frei, einer dieser Perspektiven den Vorzug vor der anderen zu geben, aber Fakt ist: Nur eine der zwei Seiten hielt es für notwendig, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu verschanzen, und Fakt bleibt: Echte Volksvertreter scheuen den Kontakt zum Volk nicht.

    Augenscheinlich gibt es eine nicht unbedeutende Teilmenge der Bevölkerung, die lieber singt, tanzt und dabei mit ein paar Bier und einem überfüllten Zugabteil zufrieden ist, anstatt auf elitären Konferenzen die egoistische Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen voranzutreiben. Ist denn daran etwas auszusetzen?

    Abgesehen von einigen wenigen Profiteuren der Globalisierung, vertreten durch die verängstigten Insassen des Fort Heiligendamm, lehnt die Bevölkerung die Globalisierung ebenso ab wie die jüngsten authoritären Versuche, jedwede Proteste aus ihrem Umfeld zu verbannen. Ganz gleich wie lange die zunehmende Ausbeutung auch von loyalen Erfüllungsgehilfen als fortschrittlich und notwendig verkauft werden -- solange die Tatsachen unverblümt eine andere Sprache sprechen, solange werden die leeren Slogans leere Slogans bleiben. Und das begreifen auch die Bürger, die keine unmittelbare Alternative in peto haben.

    Doch die Alternativen gibt es -- des Spiegels, als auch aller anderen "Leitmedien" Unwillen, sie zu thematisieren, wird daran nichts ändern. Der "Neoliberalismus" -- letztlich nichts als ein Euphemismus für globalen Neofeudalismus -- er wird in absehbarer Zeit ebenso Geschichte sein, wie es der historische Feudalismus schon lange ist. Feudalismus bedurfte des Glaubens an die göttliche Authorität, um zu funktionieren; Neofeudalismus bedarf des Glaubens an die kapitalistische Authorität, um zu funktionieren. Die nächste Renaissance frohlockt...
  2. #2

    Friedliche Demonstranten für eine bessere Welt...

    So starten Veränderungen in der Welt: Ein friedliches bei- und nebeneinander, den Kopf voll Ideen und Vorstellungen für eine bessere Welt.

    Wie schade, daß deren Engagement und arbeit durch gewaltbereite negiert wird.

    Es gibt so viel zu tun..
  3. #3

    Zitat von zen Beitrag anzeigen
    ...Augenscheinlich gibt es eine nicht unbedeutende Teilmenge der Bevölkerung, die lieber singt, tanzt und dabei mit ein paar Bier und einem überfüllten Zugabteil zufrieden ist, anstatt auf elitären Konferenzen die egoistische Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen voranzutreiben. Ist denn daran etwas auszusetzen?...
    Nein, solange die nur "mit ein paar Bier" singen und tanzen, statt Steine zu werfen.

    Ein Tip: Machen Sie sich mal über die verschiedenen G8-Treffen der letzten Jahre kundig. Es gab auch solche der G8-Außenminister, wo Deutschland von einem geläuterten ehemaligen Steinewerfer vertreten wurde. Da wurden z.B. 1999 Maßnahmen gegen den "illegalen Diamantenhandel" und die "die unkontrollierte Verbreitung von Kleinwaffen" beschlossen. Von der "Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen" sehe ich weit und breit nichts in den Protokollen der G8-Gipfel vergangener Jahre. Im Gegenteil:

    "11. Juni 2005
    Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen und Rußlands (G8) haben am Samstag in London einen hundertprozentigen Schuldenerlaß für einige der ärmsten Länder der Welt vereinbart. (...) Deutschlands Finanzminister Hans Eichel hat den Schuldenerlaß als einen historischen Beschluß bezeichnet. (...) Über zehn Jahre gesehen umfasse der Schuldenerlaß 15,6 Milliarden Dollar, für die nächsten drei Jahre 3,6 Milliarden Dollar. Auf Deutschland kämen damit in den nächsten drei Jahre Zusatzlasten von 130 bis 150 Millionen Euro zu beziehungsweise 700 bis 950 Millionen Euro für die nächsten zehn Jahre, fügte Eichel an."

    Nur ein Beispiel aus der "elitären" Geschichte dieser Konferenzen.

    Mit Verlaub, Sie haben, wie so viele hier im Forum und in den "überfüllten Zugabteilen" keine Ahnung, wovon Sie reden. Das polemische Geschwätz vieler ahnungsloser "Kritiker" bietet den noch hirnloseren Randalieren leider den willkommenen Grund für ihren unkontrollierten Einsatz von "Kleinwaffen" in Form von Steinen.
  4. #4

    Zitat von zen Beitrag anzeigen
    Doch die Alternativen gibt es -- des Spiegels, als auch aller anderen "Leitmedien" Unwillen, sie zu thematisieren, wird daran nichts ändern. Der "Neoliberalismus" -- letztlich nichts als ein Euphemismus für globalen Neofeudalismus -- er wird in absehbarer Zeit ebenso Geschichte sein, wie es der historische Feudalismus schon lange ist. Feudalismus bedurfte des Glaubens an die göttliche Authorität, um zu funktionieren; Neofeudalismus bedarf des Glaubens an die kapitalistische Authorität, um zu funktionieren. Die nächste Renaissance frohlockt...
    Wie objektiv argumentiert. Nach dem Feudalismus kam allerdings etwas viel Schlimmeres, der böse, böse Kapitalismus. Sehen wir mal in 30 Jahren wer noch da ist, die neuerlichen 68 oder die Wurzel allen Übels. Wenn die Geschichte eine ganz seltsame, sprich ungewöhnliche, Wendung nimmt dann sitzen die sog. Protstler von heute in den Aufsichräten von morgen oder wie wäre es mit dem Amt des Außenministers? Nun gut die Hoffnung stirbt zuletzt.

    Die genauen Pläne für die "andere Welt" die da möglich wäre liegen anscheinend irgendwo hinter schweren Tresortüren. Gezeigt werden die der unaufgeklärten Öffentlichkeit nun nicht allzuoft. Das liegt, natürlich, an der Pressemafia die von den in verrauchten Hinterzimmern agierenden Verschwörern der G8 gesteuert werden.

    Wäre allerdings sehr interessant zu sehen was Kirchenvertreter und linksradiakale AntiImps für eine gemeinsame Vision von einer "anderen" Welt entwickeln...
  5. #5

    Verschwörung ist laut Statistik eins der häufigsten Verbrechen

    Tobermory,

    ganz ohne Verlaub: Dass sie die angeführten Gesten der G8 nicht als die Augenwischerei erkennen, die sie waren, spricht nicht unbedingt für ihre Auffassungsgabe. Wenn sie tatsächlich nichts sehen von der systematischen Mehrung materieller Güter in den Händen einiger weniger, dann sollten sie anstatt der freundlichen Formulierungen der G8-Protokolle einmal der ungeschönten Sprache der Fakten lauschen. Die Schuldenerlässe, von denen sie sprechen, sind geringfügig gegenüber den Schuldenlasten, die danach weiter auf den Entwicklungsländern lasten, und das in direkter Konsequenz des Diktats globalistischer Institutionen wie des IWF und der Weltbank -- der Weltbank, dem nach Paul Wolfowitz nun bald R. Roellick, der nächste neokonservative Hardliner vorsitzen wird.

    Es wäre naiv, sich blenden zu lassen von dem notwendigerweise benevolenten Anstrich, den sich diese Strukturen geben.


    ssommerf,

    genau, sehen wir mal, was die Zukunft bringt. Leider kann ich Belege für die Existenz der verschworenen "Pressemafia" auf diesem Wege nicht vorbringen, da selbige nach meiner persönlichen Erfahrung die hiesige Moderation nicht passieren. Der Spiegel, er spiegelt eben leider nur wieder, was sie sehen sollen. XI/IX
  6. #6

    Linke Heuchelei

    Zitat von zen Beitrag anzeigen
    ..., aber Fakt ist: Nur eine der zwei Seiten hielt es für notwendig, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu verschanzen, und Fakt bleibt: Echte Volksvertreter scheuen den Kontakt zum Volk nicht.
    Aber Fakt ist: Augenscheinlich ist die linke Heuchelei nicht mit den Gefangenen-Unterstützungskommandos ("Isolationsfolter") untergegangen. Schade.








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