Globalisierungskritik als kunterbunte Freakshow, Klassenfahrt der Bierseligen, Sauftour der Solidarischen, Aufmarsch der ahnungslosen Antagonisten und Konferenz der komplett konzeptlosen Weltverbesserer: "Dagegen!" lautet anscheinend die leere Devise, glaubt man dem Bild, das hier gezeichnet wird.
Komplementär dazu kann man sich das aufgeräumte, ordentliche, streng dem Protokoll folgende Szenario der vermeintlichen Kompetenz, ausgezeichnet durch stringenten Dress-Code und kollektive Abkehr vom Großteil archaischer, menschlicher Impulse -- wie z.B. tanzen, trommeln, singen und irgendwie anderweitig ausgelassen sein -- nur zu gut vorstellen.
Es steht jedem frei, einer dieser Perspektiven den Vorzug vor der anderen zu geben, aber Fakt ist: Nur eine der zwei Seiten hielt es für notwendig, sich in einem Hochsicherheitsgefängnis zu verschanzen, und Fakt bleibt: Echte Volksvertreter scheuen den Kontakt zum Volk nicht.
Augenscheinlich gibt es eine nicht unbedeutende Teilmenge der Bevölkerung, die lieber singt, tanzt und dabei mit ein paar Bier und einem überfüllten Zugabteil zufrieden ist, anstatt auf elitären Konferenzen die egoistische Mehrung irgendwelcher materiellen Güter durch abstrakte Reglementierungen voranzutreiben. Ist denn daran etwas auszusetzen?
Abgesehen von einigen wenigen Profiteuren der Globalisierung, vertreten durch die verängstigten Insassen des Fort Heiligendamm, lehnt die Bevölkerung die Globalisierung ebenso ab wie die jüngsten authoritären Versuche, jedwede Proteste aus ihrem Umfeld zu verbannen. Ganz gleich wie lange die zunehmende Ausbeutung auch von loyalen Erfüllungsgehilfen als fortschrittlich und notwendig verkauft werden -- solange die Tatsachen unverblümt eine andere Sprache sprechen, solange werden die leeren Slogans leere Slogans bleiben. Und das begreifen auch die Bürger, die keine unmittelbare Alternative in peto haben.
Doch die Alternativen gibt es -- des Spiegels, als auch aller anderen "Leitmedien" Unwillen, sie zu thematisieren, wird daran nichts ändern. Der "Neoliberalismus" -- letztlich nichts als ein Euphemismus für globalen Neofeudalismus -- er wird in absehbarer Zeit ebenso Geschichte sein, wie es der historische Feudalismus schon lange ist. Feudalismus bedurfte des Glaubens an die göttliche Authorität, um zu funktionieren; Neofeudalismus bedarf des Glaubens an die kapitalistische Authorität, um zu funktionieren. Die nächste Renaissance frohlockt...



