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Demjanjuk-Prozess: Der ewige*Streit über den Dienstausweis

Im*Prozess gegen den mutmaßlichen SS-Aufseher Demjanjuk sorgt ein alter FBI-Bericht für Wirbel. Weil US-Ermittler vor 25 Jahren Zweifel an der Echtheit seines Dienstausweises äußerten, fordert*sein Verteidiger eine Pause. Dabei ist wohl kein Schriftstück in der Justizgeschichte ähnlich oft untersucht worden.

http://www.spiegel.de/politik/auslan...756856,00.html
  1. #1

    Unterschlagen?

    Was ist mit der BKA-Untersuchung 1987 des Ausweises mit dem Ergebnis des starken Zweifel? Unterschlagen oder kennt der Autor das Gutachten nicht?
  2. #2

    Immer feste druff

    Zitat von SPON
    Zwar konnte Demjanjuk eine konkrete Einzelhandlung nicht nachgewiesen werden, doch war laut Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz "jeder Angehörige des Wachpersonals an dem routinemäßigen Tötungsvorgang beteiligt".
    Aha, ne ganz neue Rechtsauffassung - mitgehangen - mitgefangen; oder: Dabeisein ist alles.

    Zitat von SPON
    Der mittlerweile 90-Jährige war schon einmal aus den USA nach Israel ausgewiesen und dort vor Gericht gestellt worden wegen angeblicher Verbrechen im Todeslager Treblinka, was sich als falsch erwies. Demjanjuk kam zurück in die USA, doch die US-Sonderermittlungsbehörde gegen Nazi-Kriegsverbrecher ließ nicht locker.
    Warum wurde er nicht erneut nach Israel geschickt? Oder gleich nach Guantanamo, wenn die US-Sonderermittlungsbehörde so scharf darauf ist, den 90-Jährigen dingfest zu machen?

    Ach ja, wieviele alte Nazis haben in den USA direkt nach dem Krieg groß Karriere gemacht? Werner von Braun u.a.m. waren auch nicht besonders zimperlich bei der Behandlung seiner Zwangsarbeiter, die deswegen oft zu Tode kamen.

    Auch nicht schlecht:

    "Demjanjuk hatte in seinem Leben nicht viel Glück mit den Deutschen. Erst ließen sie ihn in Kriegsgefangenschaft fast verhungern, dann in Lagern wie Sobibór die schmutzigste Arbeit tun. Und nun ziehen sie ihn dafür zur Verantwortung. Doch mindert das den Vorwurf der Anklage, er habe in den Monaten April bis September 1943 Beihilfe geleistet bei der Ermordung von mindestens 27 900 Personen? Entschuldigt ihn, falls er schuldig sein sollte, dass andere Schuldige davonkamen?"

    siehe:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-68073967.html
  3. #3

    Wenn er da war wusste er Bescheid

    Das andere sich still und leise davongemacht haben und leider "davongekommen" sind macht ihre Taten nicht ungeschehen. Auch für Demjanjuk nicht wenn er schuldig sein sollte (was das Gericht beweisen muss). Wir können uns zwar empören oder Mitleid haben, aber letztendlich sind die meisten Leser total imkompetent wenn es um korrekte Rechtsauslegung geht. Ich zähle mich da mit.

    Was das "Dabeisein ist alles" angeht: Es existieren Zahlen die mein Vorkommentator aus dem verlinkten Artikel nicht mit rüberkopiert hat:

    Zitat: Immer freitags kam ein Zug aus den Niederlanden. 1000 bis 3000 Menschen waren rasch umzubringen und zu beseitigen. Ihre Zähne wurden herausgebrochen, Kleider und Wertsachen sortiert und weiterverschickt. In Sobibór gab es vor Ort meist nur 15 SS-Leute. Ohne Wachmänner hätte das reibungslose Morden wie am Fließband nicht funktioniert.

    Trotz aller "klinischen Effizienz" die das dritte Reich für die Massentötungen für sich beansprucht sprechen diese Zahlen eine deutliche Sprache: Das Morden lief nur mit den Wachmännern, nicht ohne sie. Jeder der Wachmänner wusste im Detail Bescheid und/oder war unmittelbar beteiligt.
  4. #4

    im Zweifel zugunsten

    ich verweise auf eine Sendung von Report Mainz, die auch auf ein Gutachten von 1987 des BKA verweist. Danach soll der Dienstausweis eine Fälschung sein.
    http://www.youtube.com/watch?feature...se74mWvI#at=31
  5. #5

    Lächerlich

    "Zwar konnte Demjanjuk eine konkrete Einzelhandlung nicht nachgewiesen werden, doch war laut Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz "jeder Angehörige des Wachpersonals an dem routinemäßigen Tötungsvorgang beteiligt".

    Die Anklage ist lächerlich, wenn Demjanjuk kein direktes Vergehen nachgewiesen kann. Fast schon zynisch: Die Enkel der KZ-Kommandanten urteilen jetzt über den niedrigsten Handlanger.
  6. #6

    Gleichheit im Unrecht

    Wenn man betrachtet, wieviele deutsche (Ex-)Nazis und Kriegsverbrecher in Deutschland nicht nur ungeschoren blieben, sondern besonders auch in der Justiz zu Amt und Würden kamen, bleibt beim dem Satz der Juristen, es gäbe keine Gleichheit im Unrecht, ein fast würgender Beigeschmack. (http://www.sueddeutsche.de/muenchen/...or-1.1074120-8)

    Ich vermag nicht zu beurteilen, welche Schuld der junge Demjanjuk, der zuerst in das Getriebe des von Hitler und den Deutschen angezettelnte Krieges und dann in die Hände der SS gefallen ist, er sich aufgeladen hat. Aber fast erscheint mir, daß er nun für all die Versäumnisse der deutschen Justiz - sagte nicht bereits Adenauer, daß es mit der Verfolgung von Nazis genug sei? - geradestehen muß und erneut in ein Räderwerk gerät, das von Deutschen betrieben wird.
  7. #7

    Ja, die Verbrechen an den Menschen waren grausam

    Zitat von Freifrau von Hase Beitrag anzeigen
    "Zwar konnte Demjanjuk eine konkrete Einzelhandlung nicht nachgewiesen werden, doch war laut Staatsanwalt Hans-Joachim Lutz "jeder Angehörige des Wachpersonals an dem routinemäßigen Tötungsvorgang beteiligt".

    Die Anklage ist lächerlich, wenn Demjanjuk kein direktes Vergehen nachgewiesen kann. Fast schon zynisch: Die Enkel der KZ-Kommandanten urteilen jetzt über den niedrigsten Handlanger.
    aber trotzdem gilt doch bei uns: "Im Zweifel für den Angeklagten"
    Der Mann ist jetzt 90 Jahre alt. Und wo bitte, wollt Ihr ihn einsperren. Kommt er in ein "gewöhnliches" Gefängnis könnte ihm dort Schlimmes passieren. Weil kein geringer TEil der Gefangenen Ausländer sind, die dann vielleicht "Rache" nehmen wollen.
    Selbst wenn er schuldig gesprochen wird, sollte er nicht seine letzten Tage nicht in einem Gefängnis verbringen. Etwas anderes wäre es auf jeden Fall, wenn man ihm Taten nachweisen kann. Scheint aber nach all den vergangenen Verfahren nicht der Fall zu sein. Wissen eigentlich heutige Menschen wie schwer es war, in solch einem verbrecherischen System ein "Held" zu sein und sich jeder Mithilfe zu verweigern?
  8. #8

    Beihilfe

    Zitat von Bärchen09 Beitrag anzeigen
    aber trotzdem gilt doch bei uns: "Im Zweifel für den Angeklagten"
    Glauben Sie an Märchen? Nein, ich will Sie nicht beleidigen.

    Herrn Demjanjuk wird vorgeworfen, daß er sich als Wachmann der Beihilfe schuldig gemacht hat. Da er selbst keine Angaben macht, muß man ihm beweisen, daß er auch Wachmann in Sobibor war. Da niemand sich an ihn erinnert, bleibt nur ein Indiz, der Ausweis. Zur weiteren Entlastung kann er nur noch Befehlsnotstand vortragen. Dieser wird sich weder bestätigen noch widerlegen lassen. Dazu müßte es Zeitreisen geben. Also wird man Historiker und andere Gutachter bemühen, die darlegen werden, daß eine Flucht möglich gewesen wäre. Das wird dann wohl denen genügen, die Herrn Demjanjuk im Gefängnis sehen wollen.

    Ich halte es für schwierig, die Schuld zu beurteilen. Sie hängt nicht nur von den äußeren Gegebenheiten wie Fluchtmöglichkeiten, Druck und Vergünstigungen für die Wachleute, sondern auch vom inneren Charakter und der persönlichen Reife ab. Nicht jeder ist ein Maximilian Kolbe.

    Und es stellt sich auch die Frage für jeden Menschen: Und wie hätte ich mich verhalten? Die Antwort ist einfach. Sie steht in der deutschen Geschichte von 1930 - 1945.
  9. #9

    öäjkhn

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Im*Prozess gegen den mutmaßlichen SS-Aufseher Demjanjuk sorgt ein alter FBI-Bericht für Wirbel. Weil US-Ermittler vor 25 Jahren Zweifel an der Echtheit seines Dienstausweises äußerten, fordert*sein Verteidiger eine Pause. Dabei ist wohl kein Schriftstück in der Justizgeschichte ähnlich oft untersucht worden.

    http://www.spiegel.de/politik/auslan...756856,00.html
    Ich frage mich, wie dieser Ausweis in ein sowjetisches Archiv gekommen sein soll. Der Ausweis dient doch wohl dazu, dass der Inhaber sich ausweisen kann und müsste doch in Demjanjuks Besitz gewesen sein, wenn er in dem Vernichtungslager Dienst tat ? Wäre dann nicht davon auszugehen, dass D ihn nach Kriegsende vernichtet hätte, um nicht von den Alliierten wegen Kriegsverbrechen zur Rechenschaft gezogen zu werden ?
    Irgendwie scheint mir da vieles unklar zu sein.


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