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Debattenkritik: Zombies

Was taugt das Israel-Gedicht von Günter Grass?

http://www.spiegel.de/0,1518,825949,00.html
  1. #1

    Israel ist ihnen bloß Metapher

    Ein schöner Beitrag von Herrn Diez - der das Thema auf das fokussiert, was Grass mit seinem Gedicht eigentlich zelebrieren will, nämlich die Entlastung seiner selbst. Weiter ist nichts dahinter.

    Wenn Herr Diez sagt, Grass meine "Die Juden (...), ein Wort, das Günter Grass in seinem Gedicht verdruckst vermeidet", so wäre dem noch anzufügen:

    Wenn Antisemiten von "Israel" sprechen, dann meinen sie nicht "die" Juden. "Israel" dient ihnen als Metapher für "den" Juden.

    Israel ist in ihrem Weltbild ein Staat, den sie in der Gemeinschaft der "richtigen" Staaten nicht dulden, ist nach ihrer Ansicht also ohne Hierseinsberechtigung und deswegen ohne jede Chance auf ihre, der Antisemiten, Nachsicht oder gar ihr Verständnis. Deswegen die maßlosen Rufe nach "Kontrolle", und die Wahnphantasien, Israel stelle die Bedrohung des Weltfriedens dar.
  2. #2

    deutsche Eitelkeit

    Was ist passiert! Grass sagt, was gesagt werden muss. Ja es muß gesagt werden, dass Israel wider jeder UNO Beschlüsse, zu Atomwaffen diese nicht unterzeichnet; ja es muß gesagt werden, das ein Angriffskrieg nie etwas mit Selbstverteidigung zu tun haben kann.
    Es muss also gesagt werden dürfen, dass es nichts, aber auch ger nichts mit Antisemitismus zu tu8n hat, wenn diese Dinge gesagt werden, die das hervorholen betreiben Demagogie, nicht Grass. Die Region an sich auf Grund der vielfältigen "eigenen Vorstellungen vieler Völker", aber auch die Rolle der USA als "Beschaffer von Rohstoffen, insbesondere Erdöl und nicht zuletzt die Besatzermentalität oder Siedlungspolitik Israels verursachen ein Pulverfass, das, wenn es hochgeht , nicht nur die Region in einen unkontrollierbaren Krieg treibt.
    Deshalb sagte Grass das, was gesagt werden mußte.
  3. #3

    Konsequenz

    Nach Augsteins Kommentar mußte Dietzens Erwiderung kommen. Mehr mußte jetzt dazu nicht gesagt werden ...
  4. #4

    Korrektur

    Zitat von panzerknacker51 Beitrag anzeigen
    Nach Augsteins Kommentar mußte Dietzens Erwiderung kommen. Mehr mußte jetzt dazu nicht gesagt werden ...
    Ich bin untröstlich; er heißt natürlich DIEZ.
  5. #5

    Nichts.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was taugt das Israel-Gedicht von Günter Grass?

    http://www.spiegel.de/0,1518,825949,00.html
    Und um "nichts" lohnt es sich auch nicht, so ein Theater zu veranstalten.
  6. #6

    Labyrinth der Wörter

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was taugt das Israel-Gedicht von Günter Grass?

    http://www.spiegel.de/0,1518,825949,00.html
    (...) Das Problem bei diesem Gedicht ist damit nicht, ob es gut ist oder schlecht, das lässt sich leicht sagen. Das Problem ist auch nicht, ob Günter Grass Antisemit ist oder nicht, ich glaube das nicht. Das Problem ist, dass Grass eine Art von Vereinfachung vorführt, wie sie im deutschen Denken verwurzelt ist und auch von Teilen der Linken in den siebziger Jahren praktiziert wurde - was dann in der Konsequenz zu Antisemitismus führen kann.(...)

    HERR DIEZ,
    das Problem ist es, dass viele zu Problem machen, was kein Problem ist.
  7. #7

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was taugt das Israel-Gedicht von Günter Grass?

    http://www.spiegel.de/0,1518,825949,00.html
    Es ist naiv zu glauben, der Antisemitismus in den Köpfen dieser Generation sei mit dem Ende des 3. Reiches erloschen. Ob Grass ein Antisemit ist will ich nicht beurteilen, weil es mir nicht zusteht und weil das, was Antisemitismus ausmacht umstritten und nicht klar definiert ist.

    Sicher ist, daß diese Generation, wenn sie in der entsprechenden Umgebung aufgewachsen ist, den Antisemitismus mit der Muttermilch aufgesogen hat und so etwas wird man nicht mehr los. Ebenso, wie eine Jahrtausende alte, (überwiegend christliche) Tradition, die Juden an den Pranger zu stellen, zu verleumden, zu beschimpfen, zu verfolgen, zu entrechten und gar vernichten zu wollen - was unseren Eltern und Großeltern ja beinahe gelungen ist -, an niemandem spurlos vorbeigegangen sein kann, der in diesem unserem Kulturkreis aufgewachsen ist. An den Nichtjuden ebenso wenig wie an den Juden. Dieses Erbe kann man mit dem Verstand erkennen, es analysieren, ablehnen, aber wirklich los werden nicht so schnell. Der Bauch reagiert sehr, sehr viel langsamer als der Kopf.

    Einige, nicht wenige der Tätergeneration und ihrer Kinder, haben sich selbst in eine Art Philosemitismus geflüchtet, um mit der Schuld, die sie, wenn nicht für sich, dann für ihre Eltern und Großeltern empfinden, fertig zu werden. Andere in die Haltung „Jetzt-erst-recht“ und haben nach Gründen gesucht, die eine antisemitische Denkweise rechtfertigen („etwas muß doch dran sein“). Aber ich behaupte, daß keiner von dieser und unserer Generation in Deutschland und Österreich (ich bin Jahrgang 47) in der Lage ist, das Wort Jude oder Israel auch nur zu denken, ohne daß in den Tiefen des Bewusstseins, auf der Gefühlsebene, sich ‚etwas’ meldet, das auf eine besondere, gesonderte, abgesonderte Bedeutung des Jude-Seins hinweist. Objektiv und unbelastet ist das, was sich da meldet und mitschwingt ganz bestimmt nicht.

    Hätte Grass sich mit seiner, unserer Vergangenheit rechtzeitig und ehrlich auseinander gesetzt, dann hätte er die Falle erkennen müssen, in der seine Generation steckt. Gerade als Schriftsteller, als Künstler hätte er nicht nur erkennen, sondern auch erfühlen müssen, was er sich mit den Worten, die er gewählt hat und so, wie er sie formuliert hat anrichtet. Er hätte eigentlich wissen müssen, daß ausgerechnet er besser geschwiegen hätte.

    Zur Meinungsfreiheit gehört auch die Freiheit zu entscheiden, etwas nicht zu sagen, nicht so wie er es getan hat. Und wenn jemand wie er schon nicht schweigen kann und es ihm, wie er sagt, um den Weltfrieden geht, warum hat er nicht mahnende Worte an alle an diesem Beteiligten Konflikt gerichtet? Ich fürchte, es ging und geht ihm wohl mehr um seinen eigenen Seelenfrieden. Ein entlarvendes Trauerspiel.
  8. #8

    Das ist falsch.

    Zitat von Minzblaettchen Beitrag anzeigen
    Ein schöner Beitrag von Herrn Diez - der das Thema auf das fokussiert, was Grass mit seinem Gedicht eigentlich zelebrieren will, nämlich die Entlastung seiner selbst. Weiter ist nichts dahinter.

    Wenn Herr Diez sagt, Grass meine "Die Juden (...), ein Wort, das Günter Grass in seinem Gedicht verdruckst vermeidet", so wäre dem noch anzufügen:

    Wenn Antisemiten von "Israel" sprechen, dann meinen sie nicht "die" Juden. "Israel" dient ihnen als Metapher für "den" Juden.

    Israel ist in ihrem Weltbild ein Staat, den sie in der Gemeinschaft der "richtigen" Staaten nicht dulden, ist nach ihrer Ansicht also ohne Hierseinsberechtigung und deswegen ohne jede Chance auf ihre, der Antisemiten, Nachsicht oder gar ihr Verständnis. Deswegen die maßlosen Rufe nach "Kontrolle", und die Wahnphantasien, Israel stelle die Bedrohung des Weltfriedens dar.
    Es sind die Judenfeinde, die stets Juden wegen ihrer nicht missionierbaren Religion als Angehörige eines fremden Volkes betrachtet haben.

    Denen, die davon völlig unbeleckt sind, stellt sich die Sache ganz anders dar.

    Es sind gerade nicht die Antisemiten, die sich hier, Grass unterstützend, zu Wort melden.
  9. #9

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Deshalb noch mal ganz einfach: Iran will, dass Israel von der Landkarte verschwindet, das hat der verrückte Führer dort oft genug gesagt.
    Auch mal ganz einfach: Achmadinedschad ist kein Führer, sondern ein Lautsprecher. Ohne die Erlaubnis des Ajatollahs darf der nicht mal aufs Klo gehen.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Das Problem ist, dass Grass eine Art von Vereinfachung vorführt, wie sie im deutschen Denken verwurzelt ist und auch von Teilen der Linken in den siebziger Jahren praktiziert wurde - was dann in der Konsequenz zu Antisemitismus führen kann.
    Vereinfachung könnte man es nennen, wenn sein Gedicht allein stehen würde. Aber nicht wenn man es im Kontext zu anderen politische Äußerungen dieser Zeit sieht, etwa Merkels Erklärung, dass Israels Sicherheit zur deutschen Staatsräson gehöre. Ebenfalls eine gefährliche Vereinfachung, aber in die andere Richtung.

    Die massiven Reaktionen, die Grass' Gedicht ausgelöst hat, rühren meiner Ansicht nach von sehr eindimensionalen Weltbildern auf beiden Seiten hin. Die meisten haben eine klare Meinung von Israel, entweder es ist ein brutaler Unterdrücker der im Namen der Selbstverteidigung schreckliche Verbrechen begeht, oder es ist ein armes Opfer in einer Welt die es völlig unverdient hasst.
    Deswegen wird auch diese Debatte so verbissen geführt, weil irgendwie kaum jemand fähig ist sich ohne diese Extreme auszudrücken bzw. Gehör zu verschaffen. Weil keiner sagen will: "Ja, Irans Verhalten ist aggressiv, aber die israelische Politik trägt auch einen Teil der Schuld daran.". Aber das hört man nicht. Man hört nur, dass entweder die eine Seite Recht hat oder die andere. Und man fragt sich dann, was das für erbärmlich simple Weltbilder sind. Wie viele Dinge sind im Leben schon einseitig, wie oft ist an einem Streit 100% eine einzige Person schuld, wie oft reicht bloß eine Seite um alles in den Dreck zu fahren?


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