Debattenbeitrag zu Günter Grass: Es musste gesagt werden

Mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" liegt Günter Grass richtig: Er holt Deutschland aus dem Schatten der Worte von Kanzlerin Merkel, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen "Staatsräson". Und der Schriftsteller kritisiert zurecht, dass Israel der Welt eine Logik des Ultimatums aufdrängt.

S.P.O.N. - Im Zweifel links: Es musste gesagt werden - SPIEGEL ONLINE
  1. #620

    Die unterdrückte Mehrheit

    Zitat von andresa Beitrag anzeigen
    Glückwunsch! Einer der wenigen Artikel in den größeren Blättern bei denen der Autor selbst gedacht hat. Und auch einer der wenigen Artikel der überhaupt auf den Inhalt des Gedichtes eingeht - was schon einiges aussagt.
    Hier gibt´s noch zwei Artikel, die Günter Grass nicht pauschal verdammen:
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  2. #621

    Mut?

    Zitat von heusterberg Beitrag anzeigen
    Danke für diesen Beitrag und die offene Diskussion. Und vor allem für den Mut. Zu diesem Gedicht und zum Kommentar.
    Frieden und das Weiterbestehen der Welt sind leider nicht so selbstverständlich, wie immer angenommen wird.
    So lange derartig viele Waffen, vor allem auch Atomwaffen auf der Welt existieren, ist nicht ausgeschlossen, dass die Menschheit sich vernichtet.
    Nur, weil es bisher nicht passiert ist, heißt doch nicht, dass es nie passieren wird. Die Gefahr ist da, die Größe der Gefahr für uns nicht abschätzbar.
    Also sollten wir uns zu den wichtigen Fragen dieser Zeit verständigen. Und jeder Beitrag dazu geht in die richtige Richtung....
    Heusterberg
    Wozu bitte gehört Mut? Dieses Geschreibsel von Augstein soll mutig sein? In Deutschland kann jeder rumbrüllen was er will, selbst Sachen die gegen Menschenrechte und unser GG verstossen sollen ja wohl möglich sein, sonst dürften ja rechte und linke Idioten nicht ihre wahnsinnigen Parolen skandieren dürfen.
    Wie wärs denn mal mit einem öffentlichen Protest gegen die Welle der Gewalt, die Banden von Migranten in unseren Grossstädten verbreiten. Oder mal was gegen die ach so lieben linken Terroristen sagen, die jedes Jahr an ihren Spieltagen ganze Strassenzüge in Berlin, Hamburg, Frankfurt in Schutt und Asche legen.
    Der Möglichkeiten sind da viele, da wäre mal etwas Mut angebracht.
    Aber Augstein ist wie Grass nur ein Schwätzer.
  3. #622

    Sogar noch mehr

    Zitat von bankraubglobal Beitrag anzeigen
    Hier sind noch mehr, darunter Moshe Zuckemann, Noam Chomsky u.a.. Juden, denen die Ideologie nicht die Sicht verbiegt.

    Was auch noch gesagt werden muss! | Zeitfragen
  4. #623

    Nein, Jacob Augstein. Das hätte nicht gesagt werden müssen.

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" liegt Günter Grass richtig: Er holt Deutschland aus dem Schatten der Worte von Kanzlerin Merkel, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen "Staatsräson". Und der Schriftsteller kritisiert zurecht, dass Israel der Welt eine Logik des Ultimatums aufdrängt.

    Debattenbeitrag zu Günter Grass: Es musste gesagt werden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    Zu Ostern gibt der allseits geschätzte Günter Grass schlicht einer der ältesten Verschwörungstheorien der Menschheit neue Nahrung. Wie ich unterdessen gelesen habe, "würde er sein Gedicht heute anders schreiben", und er meint unmißverständlich genau das. Natürlich darf man von einem literarisch-politischen Profi erwarten, dass ihm ein solcher Fehler nicht unterläuft, aber seis drum. Nehmen wir das positiv zur Kenntnis. Die älteste und folgenschwerste Verschwörungstheorie ist diejenige, die davon handelt, an allem und jedem sei der „ewige, satanische Jude schuld“. Seit wenigstens 2.000 Jahren begegnet uns diese Verschwörungstheorie in Jahrhundert für Jahrhundert „modernisierter“ Variante. Beispielhaft seien einige Stationen benannt, als da wären: „Die Juden haben unsern Herrn Jesu ans Kreuz genagelt“, Jahrhundertelang kam es immer wieder zu religiös motivierten Pogromen gegen die jüdischen Religionsgemeinschaften. Im 19. Jahrhundert amalgamisierte religiöse Motivation mit völkisch-rassistischen Motiven. Der zaristische Geheimdienst bediente sich der Geschichte von den „Weisen von Zion“, und baute diese selbst mit frei erfundenen „Ermittlungsergebnissen“ aus, die den Juden gar eine „Weltverschwörung“ andichtete und das nationalsozialistische Deutschland setzte die Verschwörungstheorie gegen die Juden in ein systematisches Mordprogramm um, das in der Geschichte der Menschheit unübertroffen ist.

    Die modernste Variante im Übergang des 20./21. Jahrhundert ist die des islamischen Antisemitismus, wie er seinen ausgeprägtesten Ausdruck in den Thesen des Ahmadinedschad findet. Hier verbinden sich religiös motivierte Angriffe mit übernommenen NS-Antisemitismen und „antiimperialistischer“ Sozial- und Gesellschaftskritik. Bei westlichen Intellektuellen, wie etwa Günter Grass, scheint gerade der letztgenannte Baustein zu verfangen (immerhin und wie Eingangs erwähnt, hat er sich von genau diesem Punkt nun distanziert). Moderner Antisemitismus spricht freilich nicht mehr von „den Juden“ von denen alles „Übel“ ausgeht, sondern verwendet gleich den Namen des definierten Staates „Israel“ Synonym, um Gefahr gar für den „Weltfrieden“ handfest bildhaft und regional sicher kenntlich zu machen.

    Es wäre wünschenswert, wenn dieser Aspekt nicht im allgemeinen Geraune um Günter Grass "unter ginge".
  5. #624

    unerträgliche undifferenziertheit

    die tendenz von jakob augsteins beitrag ist richtig, trotzdem hätten für grass' teilweise dumme formulierungen und sinnbefreiten befürchtungen(auslöschung des iranischen volkes durch israel) deutlichere worte gefunden werden müssen.

    richtig ist: wie bei jedem anderen land der erde muss sich auch mit der israelischen politik kritisch auseinandergesetzt werden können.

    die problematiken im nahen osten sind das resultat rechter (ergo chauvinistischer) politik.
    nationalkrelikale im iran, radikale nationalisten in israel und die rechtsnationale islamistische hamas im gaza-streifen... etc.
    und sie sind der beste beweis, das rechte politik keine probleme löst, sondern immer nur neue probleme produziert. der ursprüngliche zionismus stand dem sozialismus nahe und hatte nichts mit dem religösverblendeten "postzionismus" von likud und co zu tun

    es muss also immer ganz klar differenziert werden: gegen die politik netanjahus und seiner nationalreligiösen regierung zu sein, bedeutet nicht das man antisemit ist.
    und diejenigen die diese regierung - zu recht - kritisieren, sollten genauer auf ihre worte achten und statt "israel" oder "die israelis" zu sagen, lieber auf formulierungen wie "die aktuelle israelische regierung" zurückgreifen. dann fällt es reaktionären möchtegern-zionisten (wie bspw. henryk m. broder) auch weniger leicht die antisemitismus-keule zu schwingen.

    das günther grass diese debatte angestoßen hat, ist gut und richtig.
    leider hat er sich aber selbst als teilnehmer dieser diskussion, durch teilweise argumentative nähe zu sinnbefreiten antisemitischen verschwörungstheorien, selbst disqualifiziert.


    wer interesse an fundierter und differenzierter(!!) "israelkritik" hat, dem wäre folgendes buch empfohlen: Die Angst vor dem Frieden
  6. #625

    Die Medien, insb. ARD und ZDF durchschauen die Manipulation nicht

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" liegt Günter Grass richtig: Er holt Deutschland aus dem Schatten der Worte von Kanzlerin Merkel, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen "Staatsräson". Und der Schriftsteller kritisiert zurecht, dass Israel der Welt eine Logik des Ultimatums aufdrängt.

    Debattenbeitrag zu Günter Grass: Es musste gesagt werden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
    .... oder wollen sie einfach nicht durchschauen. Hamas (und auch Hisbollah) verfolgen eine Medientaktik, die mit der westlichen Werteordnung schlicht unvereinbar ist. In dem Wissen, dass die Israelis genau auf die Stellung zurückschießen, von der sie selbst beschossen worden sind, opfern sie die dort lebende Wohnunbevölkerung und feiern sie als Märtyer. Dabei entstehen dramatische und blutige Bilder, die das TV in allen Einzelheiten darstellt und damit Israel die Stellung des Bösewichts zuweist. Diesen Zynismus kann man eigentlich nur verachten, wenn man ihn durchschaut hat.

    Wenn Israel Glück kommt es dann noch zu der Aussage, dass auf israelischer Seite nur Sachschaden entstanden ist. Warum entsteht den dort nur Sachschaden? Weil die selbstgebauten hunderte Kassams scheinbar harmlose Knallkörper sind? Mitnichten. Israel schützt seine betroffene Bevölkerung durch rechtzeitige Alarme und Bunkeranlangen, in den die betroffene Bevölkerung Schutz suchen kann. Das gibt aber leider nicht so schöne blutige Bilder, mit denen man den TV Zuschauer nach und nach in einen Israel-Skeptiker verwandeln kann. Hier werden aber nur Ursache und Wirkung vertauscht.

    Würde stattdessen berichet, dass die Hamas mit dem Beginn des Abschusses ihrer Kassams der Agressor ist und die Opfer billigend in Kauf nimmt, sähe die Sache schon anders aus. Aber leider führt die fatale Kooperation aus billigendem Mordkalkül der Hamas und die unkritische Berichterstattung nicht zu einem ganzen, sondern zu einem falschen Bild der Situation im Nahen Osten.
  7. #626

    Zitat von madsens Beitrag anzeigen
    ...
    Gehen sie doch mal in den Iran und machen sie da eine Umfrage, angenommen die würde ihnen erlaubt, und fragen sie doch mal wer denn für die Vernichtung Israels ist und Juden für minderwertige, weil Ungläubige, Menschen hält. Sie wären überrascht über das recht einseitige Ergebnis! (Auch hier gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel)
    und das haben Sie sich einfach mal ausgedacht. Die Realität ist genau andersherum. Die Iraner leben seit Jahrhunderten friedlich mit Juden in ihrem Land zusammen, bis heute. Unter dem Schah gab es sogar weitreichende Kooperation. Selbst unter den fürchterlichen Mullahs ist die jüdische Religion anerkannt und darf von ihren Angehörigen praktiziert werden. Und der Mehrheit der überwiegend sehr jungen Iraner ist Religion nicht so wichtig oder völlig gleichgültig. Die sind selber ungläubig und glauben stattdessen an Nike, Coca Cola und Apple, wie westliche Jugendliche auch.

    Aber einen Angriff auf das eigene Land würden die Iraner - traditionell mit großem Nationalstolz ausgestattet - nicht tolerieren und den Angreifer bekämpfen und sich mit der eigenen Führung eher noch solidarisieren. Mit Religion hat das alles nix zu tun.

    Die gegenwärtige Strategie von Likud und einiger verbündeter Falken in den USA ist sehr gefährlich, und gefährdet den Weltfrieden tatsächlich.

    Und die Mullahs würden Israel nie angreifen, jeder rationale Analyst der Fakten von Propaganda trennen kann weiß das. Die Mullahs haben bisher immer rational im Sinne der eigenen Bereicherung und des eigenen Machterhalts agiert.
  8. #627

    In aller Interesse: Unbedingter Gewaltverzicht!

    Zitat von ray4912 Beitrag anzeigen
    ......
    Eine Verständnisfrage noch: man geht ja, im "Friedenslager", offenbar von der Annahme aus, die Iraner hätten die Bombe nicht (oder noch nicht). Die Israeli würden dann die Unterstände, in denen Anreicherung betrieben wird, mit wirkungsvollen konventionellen Waffen ausschalten können. Worin besteht dann die Gefahr des 3. Weltkriegs? Wer würde ihn beginnen wollen und können?.......
    Nach akruellen Geheimdienstinformationen (auch israelischen und amerikanischen) hat der Iran bisher keine Atombombe und würde für deren Herstellung, falls daran gearbeitet wird, noch etliche Monate brauchen. Zudem stehen bisher keine geeigneten Trägersysteme zur Verfügung. Solche könnten in vielleicht 2 Jahren zur Verfügung stehen.
    Vieles deutet darauf hin, dass Iran 2003 die Entwicklung einer Atombombe eingestellt hat, sicher ist das jedoch nicht, solange für internationale Kontrollen kein Zugang zu allen Atonanlagen besteht.

    Ein israelischer Erstschlag mit konventionellen Waffen, insbesondere bunkerbrechenden Spezialbomben aus den USA, soll militärische Ziele möglichst präzise zerstören. Dass diese "chirurgischen" Angriffe auch gewaltig dabeben gehen und zivile Opfer fordern können, wurde vor allem im Krieg gegen den Irak.deutlich. Zu diesem Risiko kommt das der atomaren Verseuchung.

    Vor diesem Hintergrund ist durchaus möglich, dass die iranische Führung trotz atomarer Drohung nicht "rational" reagiert und zu einem massiven konventionellen Vergeltungsschlag ausholt, der bei entsprechender Verheerung in Israel sofort die atomare Option virulent macht. In diesem Stadium kann der Konflikt völlig unkontrollierbar eskalieren, die Weltmächte involvieren und bei deutscher Unterstützung Israels auch zu Vergeltungsschlägen in Europa führen.

    Ein solches - leider nicht unrealistisches - Szenario hätte das Potential, einen 3. Weltkrieg auszulösen. Ist die Eskalationsspirale von Angriff und Vergeltung erst einmal in Gang gesetzt, ist letztlich alles möglich. Daher muss unbedingt gelten:

    Wehret den Anfängen und verzichtet in aller Interesse auf Gewalt!
  9. #628

    rika_de besser kann man es nicht Sagen!

    Zitat von rika_de Beitrag anzeigen
    Danke Herr Augstein.
    Grass hat mit seinem "Gedicht" lediglich wiederholt, was tausende in der Friedensbewegung Engagierte bereits deutlich formuliert haben.
    Viele haben einen Appell unterzeichnet, der auch in Ihrem "Freitag" veröffentlicht worden ist. Und es sind wahrlich keine Antisemiten, sondern Menschen, die - auch jetzt auf Ostermärschen - in Erinnerung rufen, dass Friedenspolitik eine bessere Lösung ist als gewaltsamer Waffengang.
    Wir sind kriegsmüde!
    Nie hat es so viele Kriege auf der Welt gegeben wie in der Gegenwart, es muss endlich ein anderer Weg gefunden werden. Die Desaster in Afghanistan und im Irak sprechen eine deutliche Sprache, wann lernen Militaristen, dass Gewalt keinen Frieden erzwingen kann???
    Wir stehen zu den Völkern!
    Menschen in allen Ländern wollen, genau wie wir, in Frieden leben und nicht in Angst. Ihnen reichen wir die Hand, besonders jenen, die sich ihren Ländern für den friedlichen Dialog einsetzen, so auch in Israel und im Iran - durchaus in dem Bewusstsein, dass ihre Regierungen andere Ziele verfolgen mögen.
    Wir glauben nicht an begrenzten Krieg, auch das Bushregime hat diese Illusion im Irak gehabt und jeder weiß, was darauf folgte.
    Wir erwarten von westlichen Regierungen, endlich Lehren aus diesen (vor allem für die Betroffenen) bitteren Erfahrungen zu ziehen und alles zu tun, damit echte Friedenspolitik endlich eine Chance erhält.
    ---
    HUT ab Hr.J. Augstein - objektiver geht?`s nimmer. Und Hut ab rika_de
    Es ist ausserhalb jeder normalität was da über 60 Jahre gemacht wurde.Es ist ein Verbrechen an denen die da unten so leben mußten
  10. #629

    Zitat von TE87 Beitrag anzeigen
    ...................

    Nie wieder Opfer!!!

    Genau das sagen die Iraner sich auch. Der Krieg mit dem vom Westen unterstützten und aufgehetzten Irak hat mehr als 1 Million Tote gefordert.