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Debattenbeitrag zu Günter Grass: Es musste gesagt werden
Mit seinem Gedicht "Was gesagt werden muss" liegt Günter Grass richtig: Er holt Deutschland aus dem Schatten der Worte von Kanzlerin Merkel, die Sicherheit Israels gehöre zur deutschen "Staatsräson". Und der Schriftsteller kritisiert zurecht, dass Israel der Welt eine Logik des Ultimatums aufdrängt.
S.P.O.N. - Im Zweifel links: Es musste gesagt werden - SPIEGEL ONLINE
- #50 06.04.2012 14:47 von
Zweimal gut, Herr Augstein
Ich bin aus zwei Gründen froh über den Beitrag von Augstein. Erstens zeigt er, dass Grass zu Unrecht von der tendentiellen "Gleichschaltung" der deutschen Presse spricht. Unterschiedliche Reaktionen sind da und der Vergleich mit der Goebbels-Presse ist eine Entgleisung des Nobelpreisträgers. Grass hat selber durch seine unklaren Verknüpfungen zur "Vergangenheitsbewältigung", die eben auch bei ihm selbst nicht funktioniert hat, dazu beigetragen, dass er mit Recht viel Kritik bekommen hat. Zweitens weist Augstein die Bedeutung der Initiative von Grass nach, die trotz der Schwäche des Gedichts stehenbleibt und der deutschen Israel-Politik fundamental widerspricht. In der Tat gefährdet Israel, unterstützt durch die USA und Deutschland, nicht allein den Weltfrieden, sondern auch sich selbst. Das wird von vielen Israelis ganz genau so gesehen. Ich wundere mich, warum wir heute immer noch dieses Problem haben, eine fatale Politik der gegenwärtig herrschenden Politiker Israels fatal zu nennen.
- #51 06.04.2012 14:48 von
Logisch?
Logisch wäre zu sagen: Wenn Israel Atomwaffen haben darf, dann sollte es dem Iran doch auch zugestanden werden.
Aber ich möchte auch nicht unter Drohung eines iranischen Nuklearschlags leben! Eine französische, polnische, bengalische oder von den Inuit betriebene wäre mir ebenso unwillkommen..
(Ich glaube nicht, daß die Perser so dumm oder religiös verdeppert sind, daß sie ihren eigenen Untergang in Kauf nähmen, Sie etwa?
Und wenn doch, wann fängt man denn in Deutschland mal an, bestimmten Moscheebesuchern und Predigern auf die Finger zu klopfen?)
Interessanter, auch für Sie persönlich, dürfte sein, daß lange bevor iranische Atombomben in Nürnberg oder Garmisch einschlagen, so mancher seine Lebens/Todes - Planung etwas abändern muß, weil Deutschland sich an der Seite seines Freundes Israel plötzlich und unerklärbar im Verteidigungsfalle befindet!
Dieses Szenario muß man nicht noch befeuern?!
Wenn der böse Iwan vor der Tür steht oder die Toskana von Zimbabwe überfallen wird, erinnere ich mich an große Gelübde. Aber für manchen werde ich nicht ins Gefecht ziehen. Mich muß man dann auch irgendwo ins Lager fahren. - #52 06.04.2012 14:48 von
Als eine der vielen Minderheiten und religiösen Gruppierungen sind die Juden in den USA (wie alle anderen auch) in Lobbygruppen organisiert und bringen in der Politik ihren Wünsche vor. Damit üben sie auch Einfluss aus, aber dazu sind sie ja da. Der Unterschied zu sogenannten Antisemiten ist, die propagieren, dass ein "internationales Finanzjudentum" Staaten kontrolliere. Augstein hat nichts dergleichen behauptet.
- #53 06.04.2012 14:49 von
bingo.....
wir haben immer wieder erlebt dass sich atommächte nicht gegenseitig angreifen. der irak war leichte beute für die usa-mit nordkorea tun sie sich nicht so leicht. israel erpresst den nahen osten damit dass alle wissen-di8e haben die bombe. damit kann sich israel dort aufführen wie es will. das wird erst wieder normales mass erreichen wenn auch ein anderes land dort die bombe hat. dann kann es frieden geben mit den palästinensern!!!!
- #54 06.04.2012 14:53 von
U-Boote für Israel
Dass U-Boote ursprünglich v.a. als Basen für einen nuklearen Zweitschlag entwickelt wurden (USA, UdSSR), hat nichts damit zu tun, wie Israel solche Waffen jetzt einsetzen könnte. Militärisch und technisch sprricht jedenfalls nichts dagegen, ballistische Raketen mit Atomsprengkopf für einen Erstschlag zu nutzen.
- #55 06.04.2012 14:53 von
...
Ein echter Augstein, Herr Augstein. Dieser Debattenbeitrag hätte auch von Ihrem Herrn Vater sein können. Das ganze "Nie wieder" hat doch ganz offensichtlich einen ganz praktischen Nutzen: Die ehemaligen Täter haben sich im Laufe der Zeit zu Bewährungshelfern entwickelt, die den ehemaligen Opfern nunmehr auf die Finger schauen. Und dabei von den Nachgeborenen sekundiert werden.
Mit einem hat Herr Augstein wohl dennoch leider recht: Nämlich das Günter Grass wohl für "uns" spricht, wenn man denn mit uns die Mehrheit der Deutschen meint. Das war es dann wohl aber auch.
Das es bei Günter Grass daheim allein für dessen Aussage, nämlich der iranische Präsident sei ein "Maulheld", eigentlich Frösche regnen müsste, sei dabei nur am Rande angemerkt. - #56 06.04.2012 14:53 von
Mythos und Realitaet
Niemand behauptet ernsthaft dass "die Juden" hinter den Kulissen die Faeden in der amerikanischen Aussenpolitik ziehen. Das wuerde auch nicht stimmen. Aber der Einfluss der rechtskonservativen zionistischen Lobbygruppen ist jedem offensichtlich, der sich mit der Arbeit von Gruppen wie AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) beschaeftigt. Es gibt auch linksliberale juedische Lobbygruppen (Americans for Peace Now, ein Ableger die israelischen Gruppe Peace Now), aber die sind weit vom politischen Einfluss von AIPAC entfernt, auch wenn die Mehrheit der amerikanischen Juden die aggressive Siedlungspolitik der Likut Partei nicht unterstuetzt.
- #57 06.04.2012 14:54 von
Sehe ich auch so.
Nur so kann auf Dauer der Frieden im Nahost gehalten werden, denn dann wird er Iran nicht mehr angreifbar.
Das ist natürlich schlecht, weil man dann nicht mehr an seine Ölreserven kommt, aber damit muss die westliche Welt leben.
Zu sagen, Israel will den Iran nur angreifen um sicher zu gehen ist verlogen und falsch.
Wäre es umgekehrt und der Iran würde mit Israel so verfahren, dann würde man erkennen wie viel Gespaltenheit in so einer Denk- und Handlungsweise steckt. - #58 06.04.2012 14:55 von
Grass hat Recht
Es ist wohl kein Zufall, dass erst vor wenigen Tagen viele bekannte und verdiente Persönlichkeiten aus Wissenschaft, Medizin, Literatur und Kunst in einem Aufruf, der auch in der SZ erschien, eindringlich vor einer gefährlichen Zuspitzung des Iran-Konflikts gewarnt haben, worin die USA und unsere Bundesrepublik aufgefordert werden, zu verhindern, dass „der bevorstehende Präsidenten-Wahlkampf die USA und Israel in einen Krieg mit unabsehbaren Folgen stürzt“.
Ist die Gefahr eines Krieges (am Persischen Golf) wirklich so unrealistisch?
Die meisten westlichen Reaktionen auf das Gedicht von Grass erinnern fatal an die noch nicht vergessene angebliche Giftgas - Kriegsgefahr durch den Irak, dessen Raketen gemäß abstrusen „Geheimdiensterkenntnissen“ sogar London hätten erreichen können! Die Argumente waren konstruiert und höchst fragwürdig, aber sie reichten aus, um einen Krieg mit weit über 100 000 Todesopfern vom Zaun zu brechen. Nichts von alledem war wahr. Nicht einmal Giftgas hat man gefunden. Was soll man solchen Politikern und ihren Geheimdiensten denn noch glauben? Hauptsache war doch, dass Irakisches Öl wieder preisgünstig in unsere Tanks sprudelte.
Vergessen wir also nicht die reichen Erdölreserven im Iran, die schon früher mache Begehrlichkeit weckten und noch immer wecken. Bereits vor 60 Jahren wurde der damalige legal gewählte Iranische Präsident Mohammad Mosaddegh wegen seiner Ölpolitik mit Hilfe der amerikanischen CIA und des britischen MI-6 durch ihre „Operation Ajax“ weggeputscht, was zur Wiedereinsetzung der verhassten westlichen Marionette des Schahs führte. Dies alles hat man im Iran nicht vergessen.
Bereits 2007 schrieb Erhard Eppler, damals noch unter Bezugnahme auf den geplanten Atom-Schutzschild wegen der angeblichen atomaren Bedrohung der USA durch Iran (!) in der „Außenansicht“ der SZ u.a: „….Eine gewaltige Überlegenheit an atomaren Waffen gibt heute wie vor 40 Jahren den USA (und damit Israel) Sicherheit, auch vor Iranischen Raketen. So lange den mehr als 50 Millionen Iranern ihr Leben lieb ist, mehr als 99 Prozent. Mehr gibt es auf der Erde ohnehin nicht. Dass ein großer, selbstbewusster Staat, der sich auf eine 3000-jährige Geschichte beruft, Selbstmord begeht, und zwar ohne ersichtlichen Grund, einfach so, aus Bosheit, weil der zur Achse des Bösen gehört, das kann nur glauben, wer selbst ideologisch verblendet ist.“
Etwas überspitzt ausgedrückt: Wenn man „seit fünf Uhr fünfundvierzig“ zurückschießen möchte, findet man immer Gründe. - #59 06.04.2012 14:55 von
Man
verliert schnell das Thema aus dem Blick, wenn die verständliche Entrüstung über den iranischen Präsidenten oder aber über Gruppierungen von Palästinensern die subtile und menschenverachtende Politik der israelischen Regierung überdeckt.
Man kann das auch Einseitigkeit nennen.
Grass hat etwas getan, was Herr Obama gern tun würde, aber nicht kann.
Genauso Frau Merkel und andere, die aber leider auf den Meinungsmainstream, den Wähler, wie man im Forum sieht, und vor allem auf den Modus operandi der Israel Diplomatie achten müssen, der da heißt: nur ein bißchen schimpfen ist OK, aber keinen Stubenarrest und schon gar keinen Klaps auf den Po.
Er hat die israelische Regierung kritisiert, weil sie eine falsche und aggressive Politik betreibt, die den Weltfrieden gefährdet, nicht nur, weil sie unkontrolliert Atomwaffen besitzt, sonder weil sie im Ignorieren von UN-Resolutionen nahezu weltmeisterlich agiert.
Und das mit einem Gedicht.
Ich finde auch, dass es nicht überragend ist, aber es reicht doch, wie man sieht.
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