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Debatte um Wachstumspakt: Leider kurzfristig tot

Was helfen langfristige Strukturreformen, wenn der Patient kurzfristig im Sterben liegt? Angela Merkel denkt über mehr Geld für grüne Energie nach, während Spaniens Finanzsektor vor dem Kollaps steht. Das Land braucht schnelle Hilfe statt ausufernder Debatten.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soz...830887,00.html
  1. #60

    Die Lösung - Schuldenschnitt

    Spanien kann kurzfristig geholfen werden, auch allen anderen EU-Staaten: Durch einen kräftigen Schuldenschnitt, sagen wir 100%. Dann ist auch wieder Zeit für Strukturreformen und für langfristig wirkende Wachstumsprogramme.
    Das Mantra der Finanzoligarchie, dass ein Zusammenbruch vieler Banken die Realwirtschaft zum erliegen bringt, ist schlicht gelogen.
  2. #61

    Ergänzung

    Zitat von Myrlin Beitrag anzeigen
    Es geht nicht und wird nemals gehen, Kapital als Schuld entstehen zu lassen und die 'Unkosten' (Horrende Gewinne einer wenigen) vom geliehenem Geld selbst zu erwarten. Der Realmarkt steht dem Papirmarkt 1:10 gegenüber. Wenn Banken also ca. 2% Gewinn von ihren Papiren erwarten, .....
    Sie haben recht...
    Ich frage mich nur, wie das durchzusetzen ist ohne vorher alles zusammenzuschlagen. Dies war nämlich bis jetzt immer die Lösung dieses Problemes. Ich befürchte ebenfalls, dass "wir" nicht intelligenter geworden sind und das Problem genau so "lösen" werden.

    Desshalb frage ich mich, welche Alternative gibt es. Wie wäre es damit:
    Wie sie schreiben, gibt es viel zu viel Geld. Die Finanzwirtschaft (sie sagen Papiermarkt) ist viel zu hoch. Geld kann nur vernichtet werden, wenn die Kredite zurückgezahlt werden. Also muss man die Kredite zurückzahlen. Das Geld dafür ist im Finanzmarkt (bei den berühmten 1%).

    Eigentlich wäre es einfach: Besteuert den Finanzmarkt, die Kapitalgewinne und die grossen Vermögen. Dieses Geld muss gebraucht werden um Schulden zurückzuzahlen. Dadurch wird der Papiermarkt (Finanzmarkt) kleiner und die Zinslast welche aus der Realwirtschaft (die restlichen 99%) herausgepresst wird kleiner.
    Die andere Variante ist, Wachstum zu erzeugen. Es wird hier viel geschrieben, dass die Welt voll ist, Wachstum nicht mehr geht usw.
    Das stimmt mE. nicht ganz. Die Welt hat genug Probleme. Das sind vorallem Ökologische (Klimawandel usw.) Hier kann man noch wachsen. Man nennt es Nachhaltigkeit.

    Also entweder das überschüssige Geld für Rückzahlung der Schulden verwenden und somit zu vernichten und/oder in Nachhaltige Projekte investieren. Das Resultat: Der Geldberg wird kleiner und die Realwirtschaft wächst für unsere Zukunft und der unserer Kinder.

    Dies würde ohne Katastrophe das Problem lösen.

    Welche Partei setzt dies durch?
  3. #62

    Wenn der klarsichtige Herr Münchau ...

    hier schriebe , was er denkt , nämlich : Es gibt keine Lösung , weder eine kurzfristige noch eine langfristige , - dann könnte bzw. müßte er ja aufhören , seine Kolumnenbeiträge hier abzusetzen . Das kann man nicht verlangen .
  4. #63

    Sehr kluger Beitrag

    Zitat von mimas101 Beitrag anzeigen

    Spanien ist mit GR nicht zu vergleichen, wenn auch die lausigen Ergebnisse letztendlich die gleichen sind.
    Spanien hatte eine Geldwert-Kultur die durchaus, von Ausnahmen abgesehen, mit denen der Dt. Bundesbank zu DM-Zeiten gleich zu setzen war.
    Zum einen braucht Spanien kein extra Geld, die Banken werfen, s. SPON, erhebliche Gewinne auch trotz der Krise ab (und solange voll bankrotte span. Fußball-Vereine durch Banken und den Staat mit 100ten von Mio gestützt werden sowieso nicht).
    Ich halte das Problem Spaniens in erster Linie für ein Spekulationsproblem. Gerade weil Spanien einigermaßen solide funktioniert und lange Zeit unterbewertet war, konnte erst die Immobilienblase entstehen, unter deren Platzen heute nicht nur die leiden, die mit schuld sind daran. Aber die Blase jetzt wieder mit frischem Geld aufzupumpen, bringt gar nichts. Die Grundstückspreise würden wieder steigen, und die Leute würden wieder den gleichen Fehler machen, bis die Blase ein zweites Mal platzt.

    In den USA platzen Immobilienblasen alle paar Jahre. Es gibt immer noch genug Dumme, die überteuert einkaufen, aber ich glaube, das Gros der Bevölkerung hat sich daran gewöhnt. Und wer immer noch ein Appartement zu teuer einkauft, der muss es eben irgendwann unter Preis wieder verkaufen und kann daraus wenigstens etwas lernen. Das ist nicht anders, als wenn sie einen kaputten Gebrauchtwagen kaufen.

    Obwohl ich nicht ein Fan Merkels bin, halte ich die Idee, in langfristige Projekte zu investieren, für richtig. Hier haben auch die Spanier Gelegenheit, Liquidität solide unterzubringen, ohne sich auf das Risiko Immobilien einlassen zu müssen.

    Und man kann sich über einzelne Projekte der "grünen" Energiepolitik natürlich trefflich streiten, ich glaube nicht, dass die fossilen Energieträger auf Dauer billiger werden und ich glaube auch nicht, dass die Akzeptanz der Kernspaltung außer in den Entwicklungländern und Krisenstaaten auf lange Sicht steigt. Und Spanien hat für einige der neuen Lösungen sicher optimale Voraussetzungen.
  5. #64

    Warum eigentlich

    Kredite zurückzahlen?

    Zitat von AndreasC Beitrag anzeigen
    Desshalb frage ich mich, welche Alternative gibt es. Wie wäre es damit:
    Wie sie schreiben, gibt es viel zu viel Geld. Die Finanzwirtschaft (sie sagen Papiermarkt) ist viel zu hoch. Geld kann nur vernichtet werden, wenn die Kredite zurückgezahlt werden. Also muss man die Kredite zurückzahlen. Das Geld dafür ist im Finanzmarkt (bei den berühmten 1%).
    Innerhalb des kapitalistischen Systems gibt es einen relativ simplen Lösungsansatz: "Eigentum verpflichtet". Indem man diesen Grundsatz auch für Geld einführt, kommt man der Lösung einen Riesenschritt näher:

    Kein Staat käme auf die Idee, mir mein Eigentum an Sachen gegen Beschädigung zu garantieren. Wenn ich mir ein Haus baue und dieses einstürzt, haftet zunächst mal keiner. Obwohl der Wert weg ist.

    Wenn ich mir aber kein Haus baue, sondern die halbe Million statt dessen auf die Bank bringe, soll das "bombensicher" sein. Bank pleite? Egal, dann haftet eben der Bankensicherungsfonds und darüber hinaus ... der Staat.

    Diese Schieflage gilt es zu beseitigen, schnell und gründlich! Diejenigen, die über dermaßen viel Geld verfügen, dass sie es gar nicht ausgeben können, sondern hilflos zum Sparen verurteilt sind, müssen einfach in die Haftung genommen werden. Vielleicht fällt ihnen dann doch noch etwas ein, das sie brauchen können. Wenn sie das Geld ausgeben, erzeugt das Wachstum, Beschäftigung, Steuereinnahmen, Umverteilung, ..., ganz ohne staatliche Eingriffe.

    Mit der Kontengarantie und der Bankenrettung hat der Staat in unanständiger Weise Partei zu Gunsten der Geldeigentümer und zu Lasten der Eigentümer von Sachwerten, Humankapital usw. genommen. Es wäre einfach, das wieder zurückzudrehen, es fehlt nur der Wille!
  6. #65

    Länder können nicht sterben!

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Was helfen langfristige Strukturreformen, wenn der Patient kurzfristig im Sterben liegt? Angela Merkel denkt über mehr Geld für grüne Energie nach, während Spaniens Finanzsektor vor dem Kollaps steht. Das Land braucht schnelle Hilfe statt ausufernder Debatten.

    Wolfgang Münchau über den Unsinn eines Wachstumspakts - SPIEGEL ONLINE
    Wer für in Not geratene Länder das Bild des sterbenden Patienten bemüht, der kurzfristig Erste Hilfe benötigt, um vor dem Tod bewahrt zu werden, der vergisst, dass Länder nicht sterben können. Es wird hier also mit einer Schreckensvision gearbeitet, die gar nicht eintreten kann. Ohne das Bild zu verlassen, ließe sich auch anders herum argumentieren: Was nützt es denn, ständig nur an den Symptomen herum zu doktern ohne die Ursachen der Krankheit anzugehen? Vor allem, wenn der Patient in der Vergangenheit gezeigt hat, dass fremdfinanzierte Muntermacher nichts nutzen und wenn zu zu befürchten ist, dass der Patient unvernünftig weiter leben wird wie bisher.

    Die Krankheit heißt mangelnde Wettbewerbsfähigkeit. Diese lässt sich - wenn überhaupt - nur durch umfassende Arbeitsmarktreformen und eine Reform der Sozialsysteme sowie eine Senkung der Lohnstückkosten herstellen, also mit Strukturmaßnahmen und sinkenden Löhnen. Und diese Maßnahmen müssen zu einem guten Stück zuerst durchgesetzt werden, denn ist der Patient durch die Erste Hilfe von seinen Schmerzen erst befreit, will er meist von bitter schmeckender Medizin nichts mehr wissen. Daher muss der Spardruck aufrechterhalten werden. Und wie gesagt, die Muntermacher der Vergangenheit, die Milliarden aus den Strukturfonds, sind ja verpufft. Im Übrigen kann eine richtige Rosskur am heilsamsten sein. Nicht zu vergessen die Nebenwirkungen der Muntermacher: Höhere Staatsverschuldung.

    Und was ist mit der Feuerwehr, die zuerst das Feuer löscht und dann den Brandschutz diskutiert? Auch hier gilt: Ein Land kann nicht verbrennen, es wird nicht untergehen. Im Übrigen ist es manchmal auch klüger das Haus nach dem Brand neu aufzubauen und primär darauf zu achten, dass das Feuer nicht auf Nachbarhäuser oder gar die ganze Stadt überspringt.
  7. #66

    Leadership???

    Zitat von ak-73 Beitrag anzeigen
    Ich möchte hier mal Ludwig Erhard zitieren: "Wirtschaft is 50% Psychologie."

    Wir haben keine Leader in Europa. Niemand mit Führungsqualität der die Initiative ergreifen und Menschen begeistern und mitnehmen kann.

    Europa schlittert in eine Depressionsfalle und sieht sich nur noch als Opfer der Umstände. Die Menschen müssen auch den Wunsch haben die Krise zu ertragen und zu überstehen und am Ende sich da auch herauszukämpfen.

    Leadership? Fehlanzeige. Niemand in Sicht.

    Alex
    Also da möchte ich mal widerwillig unseren Nicht-Leadern zur Seite springen. Europa ist nun mal ein Staatenverbund souveräner Staaten. Und abgesehen von Frau Merkels persönlichen Führungsqualitäten oder dem Mangel daran, ist sie in erster Linie Bundeskanzlerin Deutschlands, wo sie sich zur (Wieder)wahl stellen muss und dessen Interessen sie zu vertreten hat. (Sie scheint das gelegentlich zu vergessen.)

    Gleichzeitig muss Sie ohne echte Weisungsbefugnisse mit eitlen Bürokratenfiguren wie Barroso, Juncker, Rehn usw. zusammenarbeiten, die sich selber oft und gern als Sonnenkönige darstellen (Juncker, Barroso)

    Eine Krise derartig existentiellen Ausmaßes hatte die EU seit ihrem Bestehen noch nicht. Ob unsere "großen Europäer" Adenauer, Kohl, Schmidt, Mitterrand ... wohl in dieser Krise ein besseres Bild abgegeben hätten, wage ich zu bezweifeln. Die Mini-Krisen in der EU wurden damals immer noch mit zusätzlichen Finanzmitteln kanalisiert und eingeebnet.

    Dies ist angesichts der Dimensionen jetzt nicht mehr möglich. Die von Anfang an angelegten Sollbruchstellen der EU treten unter dem Druck schonungslos und personenunabhängig zutage. Solange man sich dieser Ernüchterung nicht stellt und die Enttäuschungen akzeptiert, wird es keinen Charismatiker geben, der dem müden Wrack EU wieder Leben einhaucht.
  8. #67

    Das Problem bei Schirmen ist, wenn sie zu schwach konstruiert sind, dann halten sie dem Sturm nicht stand. Ein großer Schirm wird am Ende jedoch genauso von einem großen Sturm zerstört wie ein kleiner Schirm. Aber wer bezahlt für den großen Schirm? Es ist an der Zeit, dass man wieder zu den alten Währungen in Europa zurückehrt. Das Spiel mit immer größeren Rettungsschirmen gerät immer mehr außer Kontrolle. Das System EU-Europa ist gescheitert und sollte jetzt abgewickelt werden.
  9. #68

    klick

    Ich sehe das ganz anders als der Autor. Es wurde schon viel zu viel Geld "kurzfristig" aus dem Fenster geblasen. Bevor weitere Milliarden fließen, sollte erstmal der Langrifstige Nutzen abgeklärt werden. Sonst wird es immer wieder völlig überraschende, kurzfristige Probleme der Länder ohne solide Finanzwirtschaft geben, und wir werden immer wieder völlig überraschend zahlen müssen.

    Nach all dem Heckmeck in den letzten Jahren um Staatshilfen kann mir heutzutage kein Land mehr glaubhaft erzählen, es bräuchte völlig überraschend innerhalb der nächsten Wochen Gelder.
  10. #69

    wieso angelegt?

    Zitat von celino Beitrag anzeigen
    Die von Anfang an angelegten Sollbruchstellen der EU treten unter dem Druck schonungslos und personenunabhängig zutage.
    Von wem?
    Meiner Meinung nach wurden doch mögliche Bruchstellen durch die Maastricht-Kriterien konterkariert.
    Erst seit dem Bruch dieser, treten nun immer mehr Probleme auf.
    Hätte man sie strikt eingehalten, wäre dieses leidige Experiment vermutlich schon viel früher beendet gewesen.








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