Und wieder einmal bin ich überrascht, wie sehr der gute Mann es schaft so ausgesprochen nah an den Kern der Problematik zu kommen, und sich gleichzeitig dann mit Absicht vollkommen doof zu stellen, wenn es daran geht den Sachverhalt auf die öffentliche Gesellschaft und Politik zu übertragen.
Und das muss Absicht sein. Man kann gar nicht so viel über das Thema wissen und gleichzeitig vollkommen fehlinformiert bei anderen Sachverhalten sind.
Ja, es ist durchaus richtig, dass sehr lange Zeit neben dem Produzenten auch noch ein Distributor nötig war, der das Produkt an den Kunden bringt. Der hatte für die Dienstleistung, die er dem Produzenten erbracht hat, natürlich auch Anspruch auf Bezahlung. Aber das war vor 20 Jahren. Heute muss ich als Kulturschaffender gar nicht mehr den Umweg über einen Dienstleister machen, der für mich das Drucken meines Buches übernimmt, meine Bilder in Ausstellungen bringt, oder meine Musik in die Plattenläden. So bitter es für die Angestelten ist, diese Branche wird zunehmend obsolet. Auch kleinere Produzenten können heute direkt bei Druckereien kleine Auflagen ihres Werkes drucken lassen, wenn sie denn eine gedruckte Version überhaupt für nötig halten. Und bei Musik ist es heutzutage ohnehin viel praktischer, wenn man gleich mit MP3s beliefert wird und nicht die CD erst selber konvertieren muss.
Und das dem Kulturgut kein Wert beigemessen wird ist ja nun das genaue Gegenteil von dem, worum es geht. Wenn es keinen Wert hätte, dann wäre es ja alles wurscht, weil niemand es haben will. Aber man will es ja eben doch haben!
Der Kern des Problems ist, dass viele Leute es sich wünschen den Produzenten für das zu bezahlen, was er an Leistung liefert. Was bei herkämlichen Verbreitungswegen einfach nicht der Fall ist, da viel zu viel Geld bei dem dazwischen liegenden Dienestleister hängen bleibt. Ob der dabei Gewinn macht oder die Produktion so kostspielig ist, ist dabei egal. Wenn der komplette Schritt weg gestrichen werden kann, dann sollte er das auch.
Auch ich bin "Kulturschaffender" und habe keinerlei Interesse daran mit meiner Arbeit Geld zu verdienen. Meine Kosten zu decken ist sicher legitim, aber da man als Schreiberling praktisch keine Kosten hat, kostet es für mein Publikum auch nichts. So einfach ist das.
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