Forum


 

Debatte um Urheberrecht: Legt euch doch mit Apple an!

Die Piraten sind die erste Formation links der Mitte, die es geschafft hat, viele Intellektuelle gegen sich aufzubringen - mit ihrer Forderung, digitale Inhalte freizugeben. Bei den Nerds haben geistige Güter keinen besonderen Wert.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...827077,00.html
  1. #150

    Wunderlich...

    Und wieder einmal bin ich überrascht, wie sehr der gute Mann es schaft so ausgesprochen nah an den Kern der Problematik zu kommen, und sich gleichzeitig dann mit Absicht vollkommen doof zu stellen, wenn es daran geht den Sachverhalt auf die öffentliche Gesellschaft und Politik zu übertragen.
    Und das muss Absicht sein. Man kann gar nicht so viel über das Thema wissen und gleichzeitig vollkommen fehlinformiert bei anderen Sachverhalten sind.

    Ja, es ist durchaus richtig, dass sehr lange Zeit neben dem Produzenten auch noch ein Distributor nötig war, der das Produkt an den Kunden bringt. Der hatte für die Dienstleistung, die er dem Produzenten erbracht hat, natürlich auch Anspruch auf Bezahlung. Aber das war vor 20 Jahren. Heute muss ich als Kulturschaffender gar nicht mehr den Umweg über einen Dienstleister machen, der für mich das Drucken meines Buches übernimmt, meine Bilder in Ausstellungen bringt, oder meine Musik in die Plattenläden. So bitter es für die Angestelten ist, diese Branche wird zunehmend obsolet. Auch kleinere Produzenten können heute direkt bei Druckereien kleine Auflagen ihres Werkes drucken lassen, wenn sie denn eine gedruckte Version überhaupt für nötig halten. Und bei Musik ist es heutzutage ohnehin viel praktischer, wenn man gleich mit MP3s beliefert wird und nicht die CD erst selber konvertieren muss.

    Und das dem Kulturgut kein Wert beigemessen wird ist ja nun das genaue Gegenteil von dem, worum es geht. Wenn es keinen Wert hätte, dann wäre es ja alles wurscht, weil niemand es haben will. Aber man will es ja eben doch haben!
    Der Kern des Problems ist, dass viele Leute es sich wünschen den Produzenten für das zu bezahlen, was er an Leistung liefert. Was bei herkämlichen Verbreitungswegen einfach nicht der Fall ist, da viel zu viel Geld bei dem dazwischen liegenden Dienestleister hängen bleibt. Ob der dabei Gewinn macht oder die Produktion so kostspielig ist, ist dabei egal. Wenn der komplette Schritt weg gestrichen werden kann, dann sollte er das auch.

    Auch ich bin "Kulturschaffender" und habe keinerlei Interesse daran mit meiner Arbeit Geld zu verdienen. Meine Kosten zu decken ist sicher legitim, aber da man als Schreiberling praktisch keine Kosten hat, kostet es für mein Publikum auch nichts. So einfach ist das.
  2. #151

    9 - 12%...

    Das ist doch das, was wahrlich wichtig ist.

    Seien wir ehrlich, die meisten dieser derzeit in Umfragen kolportierten Prozentwerte werden von Protestwählern stammen, die sich freuen, dass es endlich eine wählbare "Protestpartei" gibt - braun und dunkelrot mag man ja nun wirklich nicht ankreuzen.

    Ebenso schnell werden aber ebendiese Protestwähler merken, dass die sog "Piraten" einfach zu weltfremd und zu sehr mit sich selbst beschäftigt sind, um wirklich eine politische Rolle zu spielen. Das wird dann der Zeitpunkt sein, wo die Piraten und ihre kruden Thesen zum Urheber- oder auch Verwertungsrecht wieder in der Versenkung verschwinden. Zudem werden sie, da nicht regierungsfähig, bis dahin kaum Möglichkeiten haben, irgendeine ihrer Forderungen durchzusetzen - und somit bleibt das Aneignen des geistigen Eigentums anderer das, was es auch jetzt schon ist: kriminell und somit strafverfolgungswürdig.

    Ach ja, sollte ich damit falsch liegen (was ich nicht glaube), werden die sog. "Piraten" sich wundern, wie wenig "Content" auf einmal noch zur Verfügung steht...
  3. #152

    Organisierte Konsumgesellschaft!

    Zitat von MashMashMusic Beitrag anzeigen
    Leute wie Sie verstehen nie den Unterschied zwischen etwas Materiellem wie einem Brötchen und geistiger Arbeit wie der Inhalt (!) einer CD.
    Das Brötchen esse ich, und dann ist es weg. So ziemlich alles, was ich kaufe, geht irgendwann kaputt und muss ersetzt werden.
    Ein Brötchen hat auch eine Form, Aussehen und Geschmack! Entstammt das nicht geistiger Arbeit? Sollte jetzt jeder Bäcker an den Erfinder des Brötchens Patentgebühren bezahlen? Soll ein Friseur die Kurzhaarfrisur patentieren können? Wo kommen wir dahin?


    Zitat von MashMashMusic Beitrag anzeigen
    Es ist traurig zu sehen, dass sich viele Musiker nur noch über Konzerte finanzieren können. Und das sieht man auch an den Eintrittspreisen. Ende der Achtziger, als ich viele Konzerte gesehen habe, kosteten Karten für einen "major act" 30, 40 Mark. Heute sind wir da bei 80 Euro und mehr. Warum sind die Karten so teuer?
    Weil die Plattenindustrie gerne weiter Milliarden machen will. Es bricht mir das Herz, dass die dicken Industriebosse dran glauben müssen.

    Zitat von MashMashMusic Beitrag anzeigen
    Die hiesige Kulturvielfalt verdanken wir einzig und allein dem Urheberrecht.
    Kulturvielfalt? Das ist zu 80% Kommerzieller Profit-Rammsch mit dem nicht selten auf Kosten der Unterschicht und der Kinder durch organisierte Verblödung Millionen gemacht wird. Das versucht sie mit aller Gewalt und mit der Kriminalisierung der eigenen Konsumenten zu bewahren und zu beschützen.
  4. #153

    Zitat von MashMashMusic Beitrag anzeigen
    Und Reinhard Mey hat Ende der Achtziger mal 15 Mark genommen. Das ist dann eine Verteuerung von deutlich über 500 Prozent. Also, Inflationsausgleich ist das nicht.

    Deutsche "major acts" kosten übrigens nicht weniger.
    Na dann war das sicherlich eine "subventionierte" Veranstalltung - ich habe anfang der 90er schon fat 40 DM gezahlt...

    UNd Deutsche "Major Acts" kosten nicht weniger?

    Gerade mal bei Eventim nachgeschaut:

    Pur - Aktuell ab 40 EUro
    Unheilig ab 40 Euro
    Peter Maffay ab 47 Euro
    Xaviar Naidoo ab 48 Euro...

    Das ist schon etwas anderes als wenn ich für a-ha min. 80 Euro in KÖln zahlen muss oder für Linkin Park ab 120 Euro auf den letzten Sitzen in der o2-Arena...
  5. #154

    Zitat von AndyDaWiz Beitrag anzeigen
    Es gibt viele Dinge, die ich gerne taete, von denen ich aber nicht leben kann.
    Sie muessen auch nicht SCHREIBEN, sondern verkaufen. Also ein sinnreiches Buch geschrieben ist besser als 2000mal Stuss. Und das passiert eben - auch wenn es Leute geben soll, die das "kulturelle Vielfalt" nennen... Wer brauchts ?
    Und warum schreiben Sie nicht dabei, dass - nehmen wir mal an das Buch wurde für 15 Euro verkauft - der Verlag dann mal eben 29000 Euro eingenommen hat? Klar muss davon noch Lektor und Material bezahlt werden - was aber auf ein Buch umgerechnet nicht viel ist. Bei eBooks fällt das ganze völlig weg...

    Das verstehen Sie als unter gerechter Entlohnung?

    Und genau DAS ist es worum es den Piraten geht. Nicht das jeder das eBook umsonst bekommt, sondern dass die großen Firmen nicht mehr den Reihbach machen und die Ersteller mit "Hungerlöhnen" abgespeist werden...

    Aber manche werden es eben nie verstehen - passt halt nicht in ihr Weltbild...
  6. #155

    Nicht kommerziell....

    Zitat von knuty Beitrag anzeigen
    Veröffentlichte Videos sind nicht privat. Privat ist quasi das Gegenteil von veröffentlichen. Was ist daran so schwer zu verstehen?
    ist nicht kommerziell, was bitteschön ist daran nicht zu verstehen !
    Und wem bitte schön entsteht ein Schaden wenn ich private Videos
    mit von mir bezahlter Musik unterlege und dann bei youtube veröffentliche? Nach Ihrer Interpretation dürfte ich wenn man diese
    Einstellung mal bis zum bitteren Ende durchspielt, auch keine Musik bei geöffnetem Fenster hören, müsste wenn ich Besuch bekomme meinen
    CD Player ausschalten...und und und...Und jetzt ?

    Ziemlich blöd oder ?
  7. #156

    Zitat von Petra Beitrag anzeigen
    Man faßt dieses Nichtwissen einfach nicht. Berühmter Fall: James Joyce, Ulysses. Das Werk war wg. Obszönität etc. in Amerika nicht Copyright-geschützt. Kaum war es in Frankreich erschienen, kam in Amerika eine schnellgedruckte Raubkopie heraus, von der Joyce, der finanziell am Hungertuch genagt hat mit soundsovielen Kindern und Augenkrankheit, niemals einen Cent gesehen hat.

    Nur ein paar Titel der Spitze des kriminellen Eisbergs:

    "Von 1981 bis 1986 gab es in der Bundesrepublik Deutschland mindestens 160 publikumswirksame Buchtitel, die unrechtmäßig hergestellt wurden. Der Verlust für den Buchhandel und die Verlage wurde insgesamt auf etwa 35 Millionen DM (umgerechnet 17,9 Millionen Euro) geschätzt. In den 1980er Jahren wurden Raubdrucke von Bestsellern wie Das Geisterhaus, Der Name der Rose, Momo, Die unendliche Geschichte, Das Parfum, Ganz unten und Kassandra bekannt.[2]"
    Und wurden diese illegalen Kopien verschenkt? Wohl eher nicht, damit wurde Geld verdient. Der Nutzer hat die ganz normal gekauft, meist ohne Wissen, dass diese Bücher illegal hergestellt wurden. Auch ein reformiertes Urheberrecht wie es bei den Piraten diskutiert wird, würde hier den Urheber vor einem solcher solchen kommerziellen Verwertung durch nicht authorisierte Geschäftemacher schützen. Um die zu verfolgen braucht es übrigens auch keine Totalüberwachung des Internets und Vorratsdatenspeicherung und andere verfassungsrechtlich sehr bedenkliche Grundrechteingriffe. Denen kann man auch im digitalen Zeitalter anders auf dei Spur und beikommen.
  8. #157

    Zitat von lock_vogell Beitrag anzeigen
    achja... wenn also die generelle unschuldsvermutung durch eine vorratsdatenspeicherung aufgehoben wird, werden meine persönlichkeitsrechte nicht eingeschränkt?
    wenn all meine daten erstmal durch einenn paketfilter gehen, der den providern ja von der contenindustrie gerne aufgezwungen würde, oder wenn durch ein 3 oder besser noch ein 2 strikes system einfach mein internet anschluss gesperrt wird, werden meine persönlichkeitsrechte ganz sicher auch nicht eingeschränkt?
    soll ich noch weiter ausholen und was zur gewaltenteilung sagen, falls die provider durch das acta abkommen zu hilfspolizisten aufgaben gezwungen werden?
    Nur das ich es verstehe: Sie schränken das Persönlichkeitsrecht eines Urhebers ein, denn das passiert gerade, es wird sogar im Programm der Piraten erwähnt, dass man das Persönlichkeitsrecht des Urhebers anerkennt und möchten in Ihren eigenen Persönlichkeitsrechten nach Möglichkeit nicht beschnitten werden.
    Erklären Sie mir bitte die Logik dahinter.
    Wenn Ihnen Persönlichkeitsrechte viel wert sind, dann können Sie das sehr gut zeigen, in dem Sie die Werke bzw. die Nutzung daran redlich erwerben. Spricht etwas dagegen?
  9. #158

    Warum wird eigentlich grundsätzlich ignoriert, daß auch unter den Piraten und anderen Urheberrechtkritikern Inhalteersteller sind? Es ist doch eine absolute Lüge die Interessengruppen in die Lager der Konsumenten und Produzenten zu unterteilen, denn so ist es nunmal nicht. Viele kleine und junge Inhalteersteller würden gewaltige Vorteile von den geplanten Reformen erhalten. Ich nämlich auch. Aber mit Leuten wie mir hat sich Herr Fleischhauer wohl noch nicht auseinandergesetzt.

    Genauso ist es eine Lüge zu behaupten, daß die meisten geistigen Produkte eines hohen finanziellen Aufwands bedürfen. Das ist eben nicht so. Gerade mit der Computertechnologie ist es so einfach und günstig wie nie geworden Graphiken zu erstellen, Musik zu produzieren, kleine Filme zu machen, Programme zu schreiben, ohne das eine Verwertungsindustrie einem im Nacken sitzen muss. Finanziell aufwendige Produktionen sind die Ausnahme und nicht die Regel und die erreichen auch ein größeres Publikum.

    Aber gerade durch die einfache Verbreitung von geistigem Eigentum im Internet gibt es soviele berufliche Künstler wie nie zuvor. Ganz einfach weil ihnen auch das kleinere, einfach erreichbare Publikum reicht, um sich zu refinanzieren, ganz ohne der Industrie etwas dafür abdrücken zu müssen.
    Aber genau das will die Industrie ja verhindern, sind es eben diese kleinen Alternativen, die ihnen die Marktanteile wegnehmen. Das sich das Establichment der Kulturschaffenden dagegenstellt ist doch ebenso logisch, sind die ebenso wenig bereit sich an die neuen Verhältnisse anzupassen.

    Mit Apple sollten sich die Piraten aber wirklich mal anlegen, da stimme ich zu. Zwar waren die innovativ genug ein neues Bezahlsystem zu etablieren, allerdings vertritt Apple auch nicht gerade eine freie, kulturschaffende Philosophie.
    Ich finde es nur merkwürdig das von jemanden gesagt zu bekommen, der selber äußerlich versucht Steve Jobs zu imitieren.
  10. #159

    Zitat von Bondurant Beitrag anzeigen
    Sie wissen aber schon, dass die Durchsetzbarkeit von Rechten am "geistigen Eigentum" die Entwicklung der Zivilisation durchaus beschleunigt hat?
    Das ist mir neu, Deutschland z.B. war das Land der Dichter und Denker, als es sowas wie das heutige Urheberrecht nur im Angelsächsichen gab und eben nicht in Deutschland, was der künstlerischen Entfaltung in D offensichtlich sehr gut getan hat.
    Und was das Thema Patente angeht, ... sich mal wirklich mit beschäftigen.








TOP



TOP