Heute habe ich den Hans-Peter Uhl in der Parlaments-
debatte gehört. Das Ministerium plant zwar keine
Gesetze zu diesem Thema, aber es ist schon erstaunlich,
was er von sich gibt.
Nachdem er dann wieder mal Klarnamen gefordert hat, kam promt die Zwischenfrage -- ich glaube von Notz war es -- ob er denn auch das Vorzeigen des Personalausweises fordert, bevor man in ein Bierzelt geht und redet. Es gab leider weder eine peinliche noch eine konstruktive Antwort darauf.
Jetzt aber zum Thema:
Ich schreibe hier nur, weil mein echter Name nicht im Netz steht. Die Argumente, dass wir in einer offenen Gesellschaft leben, in der jeder sich frei äußern kann, sind schon richtig.
Nur ist es so, dass Suchmaschinen das Internet crawlen und alles zu Begriffen zusammentragen, was man so findet. Unter meinem "Real"-Namen (dieser Begriff ist schrecklich, denn ich habe den Namen, den ich mir gebe) würde ich nichts schreiben, weil das dann in 30, oder 50 Jahren immer noch zu finden ist (vermutlich unter weit besseren Bedingungen, weil dann Suchmaschinen meinen Stil analysieren und mich von anderen trennen, die den gleichen Namen haben). Der Gedanke daran, dass ich und alle anderen genau wissen, was ich mal geschrieben habe passt nicht zum menschlichen Dasein, dass von Vergessen und Neuanfang geprägt ist. Selbst die soziologische Forschung sagt, dass es verschiedene Persölichkeiten gibt, je nachdem in welcher Gesellschaft oder Gruppe man sich befindet.
Aber auch unsere Rechtsordnung sagt nicht aus, dass wir immer unter dem Namen auftreten mussen, der uns von Geburt an gegeben ist. Einen Vertrag kann ich unter jedem Namen abschließen, er ist immer rechtswirksam (von einigen Ausnahmen abgesehen).
Deswegen verwende ich im Internet sowohl meinen echten Namen, als auch eine Reihe von falschen (die mitunter echt wirken). Das Ergebnis ist, dass ich nicht eine einzige Spam-E-Mail bekomme, man über meine Namen in der Google-Suche kaum Sachen findet, ich noch nie von Daten-Klau o. ä. betroffen war (alles auf meinen Pass-Namen bezogen).
Die deutsche Kultur muss sich ändern. Wir sind zu sehr auf Namen fokussiert. Bei uns steht der Dr.-Titel im Pass, Ausländer müssen regelmäßig schmunzeln.
Wir können unseren Namen nur schwer ändern.
Im britische Namensrecht steht der Name "zur freien Disposition des Trägers" (http://de.wikipedia.org/wiki/Namensr...ch_und_Irland).
Für mich jedenfalls hat der Name kaum eine Bedeutung.
Deswegen rufe ich dazu auf, einfach andere Namen zu verwenden. Wer hindert mich daran, wenn ich Leute kennen lerne, dass ich der Detlef oder der Heinz-Hubert bin?
Google sagt auch nicht, dass wir den Pass-Namen verwenden müssen, sondern den, unter welchem wir mit Freunden bekannt sind (ist auch klar, Google will Geld verdienen, das tun sie, wenn man sich möglichst gut vernetzt und nicht mit echten Namen).
Also alle meine Freunde nennen mich Mo. Also heiße ich auch auf Google+ Mo.
Auf Amazon ist mein Vorname Maurus; Bis jetzt sind alle Pakete angekommen.
Ich verstehe die ganze Debatte einfach nicht. Wir leben in einer freien Welt, also haben wir auch die Freiheit, jeden Namen zu tragen, den wir wollen. Das schließt Phantasienamen und offensichtliche Nick-Namen ein.
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