Mehr Selbstverachtung und Realitätsverlust war selten: In deutschen Feuilletons tobt eine neue Debatte über den richtigen Dialog mit dem Islam. Kurioserweise werden dabei ausgerechnet jene Publizisten als "Hassprediger" bezeichnet, die auf westliche Werte wie Aufklärung und Menschenrechte pochen.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...672117,00.html
Dem stimme ich zu.
Aber unsere Toleranz, das Wegsehen oder Nichtwahr-Habenwollen von Mißständen in den islamischen Parallelgesellschaften und von fundamentalen Werteunterschieden, dieser unsägliche Hang, nach einer nie erreichbaren idealen Multi-Kulti-Gesellschaft zu streben und dabei an der Realität vorbei zu sehen:
hat dies alles nicht auch das Gedeihen der 9/11-Gewalttäter befördert - Gewalt-Export nach aussen?
Bin mit Ihnen einig, dass man die Moslems wegen der Islamisten (meines Wissens nicht 0,1 sondern 1-2 %) eine ganze Religion in die Pfanne hauen sollte. Doch wenn sie auf Islam.de gehen, immerhin der Dachorganisation von 19 Dachorganisationen und dort die Suchbegriffe "Westergaard" und "Minarettverbot" eingeben, fragt man sich schon, warum die Moslems sich nur auf der einen Seite (berechtigterweise) empören, auf der anderen aber nicht distanzieren können, bzw. manche Ereignisse, die deutschlandweit die Schlagzeilen beherrscht haben, einfach ungeschehen machen. Das beschäftigt mich sehr, wenn ich ehrlich sein soll.
Um es vorweg zu sagen: ich zähle mich auch eher zu den Islamkritikern.
Hier wird versucht, den Kritiker des Kritikers zu widerlegen, indem pauschal Kritik als unstatthaft hingestellt wird. Das deutet schon tendenziell darauf hin, dass hier auch auf westlicher Seite ein Anflug von Dogmatismus am Werk ist, womit man also dem Kritikerkritiker indirekt recht gäbe.
Dabei sagt der Begriff Islamophobie nicht von vorneherein, dass der radikale fundamentalistische Islam "recht" in seinen Argumenten und Methoden hat, nur weil er seine Gegner in ihren Motiven kritisiert. Das mögen zwar viele so interpretieren. Ich würde es dagegen mit Alltagslogik eher so sehen, dass man sich nicht besinnungslos in eine Situation bringen sollte, in der man die Rolle eines von zwei Streithähnen einnimmt, da dann u.U. der eine nicht besser ist, als der andere. Das kann man, finde ich, in dieser Allgemeinheit so unterschreiben.
Auf der anderen Seite ist es bekannt, dass einseitige Aggression den Angegriffenen nicht nur durch physische Aggression vergewaltigt, sondern ihn auch dadurch demütigt, dass sie ihn im gewissen Maße zur Gegenaggression zwingt, was besonders dann tragisch ist, wenn der Angegriffene eher friedliebend ist. Darin liegt sicher zuweilen auch die Intention des Angreifers.
Eigentlich ist es ein uraltes Thema, und die Geschichte dürfte es hinlänglich bewiesen haben, dass das Rezept "rechte Backe - linke Backe" genauso wenig alltagstauglich ist, wie blinde Gegenaggression. Wie andere hier bereits schrieben: die Wahrheit liegt in der Mitte. Es gibt Methoden, Aggressionen ins Leere laufen zu lassen, ohne sich alles gefallen zu lassen. Eine dieser Methoden (ob im Fall des radikalen Islamismus anwendbar oder nicht, sei dahingestellt) ist, dafür zu sorgen, dass dem Angreifer die Aufmerksamkeit entzogen wird. Seit dem 11.9.2001, hat der Islamismus im Westen eine geradezu pathologisch übersteigerte Aufmerksamkeit erfahren, und genau das war sicher die Absicht der Täter.
Wenn wir nicht bereit sind, unsere gemeinsame, freiheitliche Werte mit Nachdruck gegen Intoleranz (egal ob in religiöse, rassistische oder faschistische Mäntelchen) zu verteidigen, was sollen wir überhaupt verteidigen? Einzige Schutz der Demokratie ist die Bereitschaft der Demokraten diese (fehlerhafte?) System zu verteidigen. Wir sollten an jene politische Akteure denken, die kurz vor 1933 behauptet haben, es wird ja alles nicht so schlimm.
Wir können nur durch unsere entschiedene Auftreten hier Vorort gegen Intoleranz, die demokratische Kräfte in islamistisch geprägten Länder unterstützen. Islam in heutige, unreformierte Fassung (nicht nur Islamismus)und Demokratie vertragen sie sich nicht. Ich stamme aus der Türkei und denke, weiß -aus eigene Erfahrung- etwas mehr über Demokratieverständnis in Islam.
Nein, soziologisch korrekt, wenn gerade das zugrundeliegende Prinzip des Rassismus vom "Rassismusverdächtigen" angewandt wird. Und genau das passiert ja sehr häufig in der Debatte, wo die Muslime eben als homogene Gruppe oder/und zum Beispiel unter dem Aspekt vermehrter Fortpflanzung betrachtet werden oder/und politisch kritisierenswertes von den "Heimatstaaten" auf die hier lebenden Menschen projiziert wird.
Also erst informieren.
So, wie Sie hier Ihren Gegnern die Dämlichkeit unterstellen, wie sie in Ihrem Beitrag vorkommt, kann man sich die Welt natürlich auch schön zurechtschreiben, daß sie in das eigene Raster hineinpaßt. Nun verhält es sich aber so, daß weder die realen Schweizer noch die Islamkritiker so tumb, xenophob und irgendwie grundschlecht sind, wie sie bei Ihnen dargestellt werden, sondern sehr gute Gründe für ihre Meinungen haben. Der Zeichner der Mohammed-Karikaturen bei Jyllands-Posten Kurt Westergaard bekommt nun die all diese frei erfundene Aggressivität und Gewalt von Muslimen am eigenen Leib zu spüren, und er ist einer in einer ganzen Reihe von Leuten, die in den letzten Jahren beängstigend gewachsen ist.
Aber natürlich war Westergaard selbst schuld, denn was verhält er sich nicht etwas respektvoller gegenüber der Religion des Friedens? Denn das ist sie, wie überall zu erkennen ist, und wer das nicht sofort glaubt, bekommt augenblicklich den Schädel eingeschlagen.