Diese beiden polnischen Zeitungen haben die deutsche Heuchelei gnadenlos aufgedeckt. Dafür vielen Dank:
"Sie sorgen sich weniger um den Zustand Timoschenkos und der ukrainischen Demokratie als vielmehr darum, vor der Erneuerung des Bundestags Punkte zu sammeln. [...] Im Fall des SPD-Chefs kann man durchaus von Heuchelei sprechen. Er protestierte nicht, als sein Vorgänger und politischer Mentor Gerhard Schröder Wladimir Putin als "lupenreinen Demokraten" bezeichnete. Ebenso wenig kommentierte er den Fall des früheren Oligarchen Michail Chodorkowski, den Putin in den Gulag geschickt hatte. [...] Dabei war dies ein ebenso schockierender Fall wie die Inhaftierung Timoschenkos.
[Die deutschen Politiker] fürchten das mächtige Russland und werden sich nicht mit ihm auf eine Polemik einlassen. Doch die Ukraine ist ein Randstaat, ein schwarzes Loch mitten in Europa. Der Boykott der EM 2012 wird der Demokratie in der Ukraine nichts bringen, doch er wird den westlich gesinnten Teil der Gesellschaft davon überzeugen, dass Europa sie im Stich lässt."
"Gazeta Wyborcza", Warschau, 30. April
Man kann die deutsche Heuchelei manchmal einfach nicht aushalten. Danke der polnischen Presse:
"Warum aber kommt dieses Interesse so spät? Timoschenko ist nicht erst seit gestern in Haft. Vielleicht hätte Alarm geschlagen werden sollen, als Siemens oder andere deutsche Unternehmen Verträge für die Vorbereitung der Meisterschaft abräumten? Oder vor einigen Jahren, als Siemens half, Peking für die Olympischen Spiele im Land der politischen Häftlinge fit zu machen? Es mag zynisch klingen, aber die Welt hat schon schlimmere Gastgeber der Olympischen Spiele gesehen, und rar waren jene, die den Mut hatten, sie dafür anzugreifen. [...] Es ist sehr gut, dass wir alle die Welt retten wollen. Aber vielleicht sollten wir besser mit denen anfangen, die am meisten auf dem Gewissen haben, als mit denjenigen, die leicht zu treffen sind."
"Rzeczpospolita", Warschau, 2./3. Mai
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
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