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Debatte über Bildungs-Card: Experiment mit Flopgarantie

  1. #1

    Hartz-IV ist wie ein kaputtes Auto...

    ...mit einem defekten Motor und abgefahrenen Reifen. Der Motor bei Hartz-IV sind die Eltern, die mangels fachlicher Kenntniss keine Arbeit finden. Die abgefahrenen Räder sind die eigenen Kinder, deren Bildungsprofil geschärft werden muss. Will man das Auto im Ganzen, als die Familie, wie komplett "fit" bekommen, sollte man nicht mit den Reifen anfangen, sondern erstmal den Motorschaden reparieren.

    Um am kulturellen Leben teilzuhaben, ist eine Chipcard sehr nützlich, wie es Stuttgart beweist. Um den Bildungsanschluss zu bekommen taugt sie rein gar nichts. Im Zoo, oder im Musikunterricht wird nicht die Bildung vermittelt, damit nach Schulabgang fähige Auszubildende heraus kommen. Für Nachhilfe sind 200 Euro viel zu wenig. Und müssen sich Eltern, wie auch Kinder, entscheiden, ob sie entweder am kulturellen Leben teilhaben, oder Bildungsnachhilfe nehmen, fallen sie wenigstens auf einer Seite runter. Entweder sie nehmen am kulturellen Leben nicht teil, da Bildungsnachhilfe wichtiger ist. Oder ihnen entgeht Bildung, da die kulturelle Teilhabe auch ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Lebens ist.

    So oder so bleiben Kinder, wie auch Eltern, die Verlierer einer solchen Chipcard. Da kann man gleich Kinogutscheine oder Eintrittskarten für Museen verteilen.
  2. #2

    ...

    Ich frage mich immer, wie frühere Generationen es geschafft haben, aus der überwiegenden Mehrheit eines Jahrgangs gut ausgebildete Menschen zu machen, die am gesellschaftlichen Leben teilhaben konnten? Ich teile unbedingt die Meinung des Kommentators, daß man das mit den Chipkarten einfach lassen sollte, um das Geld direkt in die Bildungseinrichtungen zu investieren. Nur leider ist das weniger "cool". Außerdem stellt die Chipkarte ein ideales Mittel zur staatlichen Bevormundung dar (etwas, was immer mehr in Mode kommt), evtl. kann man auch noch die durch die mißratene Föderalismus"reform" verschobenen Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern umgehen, denn Bildungsausgaben sind auf jeden Fall den Ländern vorbehalten, wohingegen Chipkarten möglicherweise Bundessache sind (das sollte man evtl. mal journalistisch prüfen)?
  3. #3

    <->

    Wie wäre es mit mehr Lehrern und kleineren Klassen? Es wird ihnen jeder bestätigen können, der das Glück hatte mit unter 15 Schülern in einer Klasse zu sitzen, daß die Leistungen selbst der vorher dämlichsten plötzlich in ungeahnte Höhen stiegen.
    Im familiären Umfeld oft genug erlebt die letzten Jahre, da fallen selbst in den 12. Klassen an Gymnasien fast 30% der Unterrichtsstunden in Prüfungsfächern aus weil der einzige Lehrer der dafür zuständig ist krank wurde und Vertretung gibt es nicht weil anderweitig alles verplant. Sozusagen Maximalbetrieb mit absoluter Minimalbesetzung. Aber man doktort wie immer lieber an den Symptomen herum als an den "Ursulachen von dem Leyden"(™).

    Zitat von www.spiegel.de
    Natürlich ist auch jede Initiative gut, die dazu beiträgt, dass sich Hartz-IV-Kinder mehr bewegen oder die Tierwelt kennenlernen.
    Bei uns gab es damals zwei Unterrichtsfächer die ich heute absolut vermisse: Heimatkunde (incl. innerstädtischer Ausflüge), zum Kennenlernen der heimatlichen Region, und das Fach Schulgarten. Da lernte man so manches über die Natur, und das in den Klassen 1 - 4.


    Zitat von www.spiegel.de
    Er sollte dafür sorgen, dass die Schulen auch am Nachmittag hochwertige Förder- und Sportangebote machen können.
    Lustig, das war das allererste, was 1990 im Osten der Republik abgeschafft wurde. Der Schulsport/Fussballplatz wurde eingezäunt + abgesperrt und die Sport/Leichtathletik AG nachmittags wurde abgeschafft, das ging Ruckzuck, so schnell konnte man gar nicht schauen. Da standen wir dann dumm da, mit dem Ball in der Hand ohne Platz zum bolzen. Dann wurde eben Unfug gemacht, da Scheiben kaputt, dort Spiegel verdreht von Autos, und anderswo auf Wäscheplätzen Fussball gespielt, immer schön den dreckigen Ball in die frisch gewaschene Wäsche. Man wollte es ja nicht anders.
  4. #4

    Das es Schwierigkeiten geben wird, liegt auf der Hand. Jedoch sehe ich persönlich die sich aus diesem Modell ergebenen Chancen weit aus höher. Vor allen Dingen kommt das Geld bei denen and, die tatsächlich "Vorteile" genießen können. So ist das Geld wenigstens zu kleinen Teilen in Bildung und Bewegung für die Kinder als in Alkohol, Kippen und Sky-TV angelegt.

    Das Geld ist zumindest "zweckgebunden", da es nur an den Terminals gegen "Ware" getauscht werden kann. Eine sehr gute Idee!
    Auch die sicherlich auf meinen Post folgenden Kommentare der ewig gestrigen Gutmenscen ändern nichts daran, dass Trash-TV, "Drogen""konsum eher in den "fernen" Bildungsschichten ein Problem ist als im bürgerlichen Lager!

    Also weiter so - der Wille zählt. Und den sehe ich bei der Super-Nanny der Politik weitaus eher als bei der Trash-TV Mom!
  5. #5

    Endlich

    Endlich wird mal die Sachlage klar identifiziert und angesprochen. Anstatt wieder ein Stück mehr Bürukratisierungswahn zu erstellen, bei dem es auch wieder die altbekannten Verlierer (Familien, die ca. 2 Euro mehr verdienen, als sie dürften, um von dem System zu partizipieren) geben wird, einfach mal das System so ausrichten, dass es allen Kindern (auch denen der "Reichen") nutzt.

    Und dann die Menschen einfach mal machen lassen. Wenn die Kinder Spass im Zoo oder Freibad haben, dann gehört das zu einer guten Kindheit. Diese ständige Bildungsgängelung kann einem ja nur das Lernen vergrätzen. Interesse wird durch Vielfalt geweckt und Vielfalt gibt es überall, auch im Zoo und Freibad, zu entdecken.
  6. #6

    meine Kritik an der Karte ginge noch weiter

    Ich stimme erst mal diesem Beitrag zu 100% zu. Im weiteren halte ich die Möglichkeit mit solchen Karten Verhaltensmuster einzelner Familien zu analysieren für höchst brisant. Karten haben immer irgendwelche Seriennummern und diese sind irgendwelchen Karteneigentümern zugeordnet. Wie gierig diverse Institutionen auf solche "Kundenprofile" sind sieht man schon an den vielen freiwilligen Kundenkarten der Wirtschaft, bei einer Karte mit der bezahlt werden muß gibt es ja nicht mal ein Fehlerqutote, weil es die eindeutige Zuordnung Leistung:Benutzer immer geben wird.
  7. #7

    Für einen titelfreies SpOn-Forum.

    Zitat von SpOn
    "Es geht um die Lebenschancen bedürftiger Kinder. Angesichts des Geburtenrückgangs und Fachkräftemangels müssen wir schon aus Eigeninteresse dafür sorgen, möglichst alle Talente und Fähigkeiten umfassend zu fördern - unabhängig von der Bevölkerungsschicht. Den Teufelskreis, dass Armut über einen Mangel an Bildung weitervererbt wird, gilt es zu durchbrechen."
    Man tut so, als wäre ansonsten alles in Butter. Leider sind wir weit davon entfernt, dass Bildung nur für Hartz 4 Kinder ein Problem wäre. Man hat seit Jahrzehnten Bildung und Schule vernachlässigt und da nicht nur die Software, sondern auch die Hardware. Schulen die zerfallen und Lehrinhalte ohne Inhalt.

    Schüler die Schule verweigern, kann man mit einer Bildungs-Card nicht für Bildung interessieren. Hier wird ein moderner Pophanz aufgestellt, der einer Sparte der Industrie Umsatz beschert und Kontrolle über das Portemonnaie der Armen ermöglicht, aber weder zu einer Verbesserung führe wird, noch die Ursachen behebt.

    v. d. Leyen hat mit klagender Stimme versucht zu punkten, aber nur in Richtung die Nachfolge von Mutti Job anzutreten. Es geht darum mit großem Getöse irgendetwas zu tun. Das Problem möglichst billig zu lösen.

    Ein Umschwenken in der Bildung ist nicht zu erkennen. Jungen Menschen den Sinn eines vernünftigen Schulabschlusses schmackhaft zu machen wird man damit nicht erreichen. Der Grundstein wäre, z.B. dass Schüler nach 9 Jahren Schule, ein Berufsbedarftes Wissen erreichen würden. Nicht Zusatzkurse, wie man eine Bewerbung schreibt. Ach ja, Ausbildungsplätze schaffen, die es ermöglichen nach dieser Ausbildung vom Lohn auch zu leben. Ein Struktur für Leistung zu schaffen.

    MfG. Rainer
  8. #8

    Die Lösung ist ganz einfach.

    Die Lösung ist doch ganz einfach:

    Nicht eine Chipkarte für Hartz-IV-Kinder, sondern die Kostenlose Bereitstellung der vorgesehenen Leistungen für alle. Aber es mag ja niemand einfache Lösungen.
  9. #9

    Vorbildfunktion

    Der Mensch lernt primär durch Imitation und noch immer wird die Vorbildfunktion der Eltern unterschätzt. Dieser Teufelskreis lässt sich nur durchbrechen, indem man an beiden Enden anpackt.

    Auch wenn ich Zoologische Gärten an sich für ethisch falsch halte, können Kinder auch dort eine Menge lernen. Ein Bauernhof (für Großstadtkinder) würde bereits einen ähnlichen Effekt erzielen. Als Logopäde erlebe ich täglich Vier- bis Sechsjährige, die keinen Unterschied zwischen Schaf, Kuh und Schwein kennen.

    Fazit: Karte allein ist besser als nichts, aber bei weitem nicht die Lösung des Problems.


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