Debatte über Betreuungsgeld: Subvention einer Sehnsucht

Das Betreuungsgeld zementiere die traditionelle Rollenverteilung, heißt es. Aber wo steht denn, dass nur Frauen in den Genuss dieser Wohltat kommen können? Tatsächlich steckt hinter der Kritik ein anderes Problem: das heimliche Verlangen nach einem ruhigen Leben zu Hause.

http://www.spiegel.de/politik/deutsc...828718,00.html
  1. #90

    "Auch im Fall des Betreuungsgeldes kann niemand ernsthaft annehmen, dass sich in nennenswerter Zahl Frauen für den Haushalt entscheiden, weil das Familienministerium 150 Euro im Monat für die heimische Kinderbetreuung auslobt."
    Damit hat Herr Fleischhauer doch selbst gesagt, um was es eigentlich geht. Das Betreuungsgeld kommt nur Menschen zugute, die ohnehin zu Hause geblieben wären. Und ist damit eine komplett unsinnige, lediglich teure Maßnahme. Denn ganz ehrlich, das Betreuungsgeld soll doch eigentlich lediglich davon ablenken, dass man jahrelang den Ausbau der Krippenbetreuung schleifen ließ und es jetzt bis 2013 nicht gebacken bekommt. Man hofft halt, dass sich die ein oder andere Dame entscheiden wird, den ihrem Kind zustehenden Krippenplatz doch nicht einzuklagen, sondern stattdessen das Betreuungsgeld in Anspruch zu nehmen. Der eindeutige Beweis für diese Intention ist doch, dass mitnichten die betreuende Großmutter das BG bekommt, sondern die Mutter. Sprich, man will gar nicht "Erziehungsleistung" honorieren, wie vollmundig verkündet wird, sondern lediglich belohnen, dass kein Krippenplatz in Anspruch benommen hat, weil man den Ausbau nicht hinbekommt.

    Übrigens ist die Aussage, dass das Betreuungsgeld ja auch Vätern zugute käme, geradezu zum Piepen. Klar, bei 3% Hausmännern in D. wird das natürlich eine nennenswerte Zahl sein.
  2. #91

    "Den Kritikern geht es um die Delegitimierung eines Lebensentwurfs, der in Konkurrenz zu dem favorisierten Modell der durchgängigen Berufstätigkeit steht."

    Gz Herr Fleischhauer - Sie haben es mal wieder geschafft die Welt in ihrem Sinne zu deuten - der Rest hat sowieso und immer und sowieso niedere Beweggründe ..

    Ich fände es gut wenn Sie nicht immer von sich auf andere schließen würden ..


    Mit freundlichen Grüßen
  3. #92

    "Den Kritikern geht es um die Delegitimierung eines Lebensentwurfs, der in Konkurrenz zu dem favorisierten Modell der durchgängigen Berufstätigkeit steht."

    Gz Herr Fleischhauer - Sie haben es mal wieder geschafft die Welt in ihrem Sinne zu deuten - der Rest hat sowieso und immer und sowieso niedere Beweggründe ..

    Ich fände es gut wenn Sie nicht immer von sich auf andere schließen würden ..


    Mit freundlichen Grüßen
  4. #93

    Subventionierung

    Zitat von MutzurLücke Beitrag anzeigen
    Es ist ja nicht so, als wären Krippenplätze nicht heute schon in einem Maße subventioniert, dass das Betreuungsgeld daneben wie ein Almosen wirkt.
    Das ist doch Unsinn. Oder, anders gefragt, wissen Sie, was eine Hausfrau den Staat im Vergleich kostet? Die Dame zahlt weder Steuern (ganz im Gegenteil, ihr arbeitender Gatte profitiert sogar noch vom Splitting) noch Krankenkassenbeiträge und kassiert fortan zusätzlich dann noch die 150 €. Hausfrauen sind teuer, nicht arbeitende Mütter, deren Kindern vielleicht ein Krippenplatz mitfinanziert wird. Meiner Ansicht nach sollte das Ehegattensplitting durch ein Familiensplitting ersetzt und die Möglichkeit der kostenlosen Mitversicherung abgeschafft werden. Wer sich dann dennoch für das Model Hausfrau entscheidet, bitteschön. Das ist aber dann ihr/sein Privatvergnügen. Ich sehe keinerlei Veranlassung dafür, das nun noch stärker zu subventionieren, als es bereits ohnehin der Fall ist.
  5. #94

    Was ich partout nicht nachvollziehen kann. ist, dass der Staat versucht, die Kleinkinder massiv in Krippen zu drängen. Krippen sind für den Staat mindestens dreimal so teuer wie die 100 oder 150 Euro Betreuungsgeld. Ich denke, hier spielen offensichtlich die Kosten keine Rolle, sondern die Ideologie.
  6. #95

    Zitat von cemi Beitrag anzeigen
    ...
    Die Frage, die sich mir stellt: Ist es nicht genau dieser Effekt, der von CDU/CSU angestrebt ist?
    Ich glaube nicht, daß die Politik einen Plan hat, also im Sinne für das Volk und so. Wohl eher geht es nur um die Beobachtung des Zeigers auf der Beliebtheitsskala. Um diesen nach oben zu pushen läßt man ab und zu ein paar "Luftballons" los und guckt ob und wo er landet.

    Anderenfalls müßte man sich fragen, warum intelligente Menschen/Politiker auf so manch abstruse Idee kommen.
  7. #96

    Flucht in die Mutterschaft ist ein Massenphänomen...

    ... das ist Herr Fleischhauer in seiner Interpretation noch viel zu vorsichtig. Die wenigsten Frauen, die das tun, würden es natürlich auch unumwunden zugeben. Aber jeder kennt wohl im persönlichen Umfeld Fälle, die, anstatt sich dem immer blutigeren Existenzkampf zu stellen, sich lieber in die familiäre Häuslichkeit zurückziehen. Hand aufs Herz: Wer will es ihnen verdenken? Als Mann hat man diese Möglichkeit faktisch nicht so einfach , und da beginnt schon das Problem. Männer haben diese Sehnsucht natürlich auch, aber für sie ist es - trotz aller theoretischen Möglichkeiten - ungleich schwerer, sich diese Sehnsucht nach Rückzug zu erfüllen. Da kommt dann auch gleich ein ganze Menge Neid auf, zusätzlich zur allgemeinen Minderakzeptanz der "NurHausfrauundMutter" . Mit der Herdprämie hat das alles natürlich nichts zu tun, die allgemeine Sehnsucht, sich dem neoliberalen Allltags-Kannibalismus zu entziehen, ist mit 150 Euro nicht zu befriedigen; die hat wirklich mit gar nichts etwas zu tun ausser mit politischer Dummheit.
  8. #97

    Der Zeitgeist mit Ossi-Einsprengseln treibt bei uns inzwischen seltsame Blüten. Der Staat treibt die Kollektiv-Betreuung, man kann auch sagen, die Kollektiv-Aufbewahrung samt Fütterung und Windelwechseln für die Kleinsten voran. Mit viel Geld, denn die Krippen werden gigantisch subventioniert. Für die 100 läppischen Euro Betreuungsgeld für daheim betreute und erzogene Kinder hat man angeblich kein Geld. Dass diese 100 oder 150 Euro in diversen Prekariats-Kreisen zweckentfremdet werden könnten, räume ich ein.
  9. #98

    Zustimmung und Respekt

    Zitat von Luscinia007 Beitrag anzeigen
    Hier wird einem gekonnt unauffällig wieder mal ein Etikettenschwindel untergejubelt, der dem Betreuungsgeld-Gegner ein faules Ei als Ball zuspielt.
    Das Betreuungsgeld ist kein "Ausbau des Sozialstaates", sondern eine Maßnahme zum Abbau desselbigen.
    Der "Ausbau des Sozialstaates" ist die Ausweitung der Krippenplätze für Unter-Dreijährige, was den Bund als Anschubfinanzierung 10 Mrd., die Kommunen als laufende jährliche Kosten 5 Mrd. für nur ein Drittel aller Kleinkinder (unter 3) kosten soll.
    Der Ausbau der Krippenplätze ist die sogenannte Ausweitung des Sozialstaates, den eigenltich soll jedes Kleinkind einen Anpruch auf einen U3-Krippenplatz haben.

    Die Einführung des Betreuungsgeldes für die Eltern, die ihre U3-Kindern nicht in die Krippe schicken, soll dieser Ausweitung des Sozialstaates entgegenwirken.
    Da die Krippenplätze für ein Drittel der Kleinkinder jährlich 5 Mrd. kosten, kommen die 1,45 Mrd. für das Betreuungsgeld für diejenigen Kleinkinder, die ihren Anspruch auf einen Krippenplatz nicht nutzen, den Staat doch um einiges günstiger.

    Da ein Krippenplatz so oder so die Eltern ca. 250 Euro im Monat kostet, haben Eltern, bei denen ein Elternteil zu Hause bleibt, 250 für den U3-Krippenplatz und 150 Betreuungsgeld, summa summarum 400 Euro gespart.
    Viel mehr wird die Ehefrau mit einer Halbtagsstelle auf Lohnsteuerklasse 5 nicht verdienen, vor allem, wenn sie mit dem PKW zum Arbeitsplatz fahren mujss. Da sind ruckizucki mal 200 Euro gespart, wenn man isch die tägliche Fahrt sparen kann.

    Resumée: Man kann jeder Frau raten, wenn es sich die Familie leisten kann, auf die 300 Euro zu verzichten, die die Frau zum Familieneinkommen beisteuern kann, wenn sie halbtags arbeitet, Fahrtkosten hat und noch Kindergartengebühren fürs Kleinkind bezahlen muss.
    Es sei den ihr Gehalt bewegt sich auf der Gehaltsstufe einer Familienministerin mit Verheiratetenzuschlag.
    Respekt und Zustimmung. Sie gehören offensichtlich nicht zur Mainstream-Truppe, die auf jeden Zeitgeist-Zug aufspringt. Bei Licht betrachtet sind Krippen allenfalls für Kinder aus prekären Familienverhältnissen angebracht. Kinder unter drei brauchen in der Regel Zuwendung und Geborgenheit, die Erzieherinnen und Krippen nicht bieten können.
    Es wird ja auch immer wieder unterschlagen, dass Krippen für die Steuerzahler ein sehr teures Engagement sind. Sie haben dankenswerterweise auf diese Tatsache hingewiesen.
  10. #99

    ich bin weder für herdprämie noch für kostenlose kinderkrippe für alle.

    ich bin für sozial gestaffelte kindergartentarife und eine deutliche erhöhung von kinderharz und aufstockung für jedes kind bei minderverdienenden.

    warum sollte ein staat, der pleite ist, gutgestellten geld hinterherwerfen, dass für sie nur peanuts darstellt?