Debatte: Soziale Kriege

Vom Unbehagen der bürgerlichen Mittelschicht.

http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,719944,00.html
  1. #640

    Kulturpessimismus

    Ist es “Egoismus”, “Kapitalismus” – was immer das sein soll -, wenn man so (weiter) leben möchte wie man lebt? Als glücklicher Nutznießer wovon? Frieden? Ich denke doch nein: entschieden nein. Und auch nur in Ansätzen Liberalität muss so offenbar überhaupt erst gelernt werden. Ganz dringend anscheinend. Sowie Geschichte!
    Musik, Erotik und Videospiele. Davon wird da nicht gesprochen. Sondern lieber mit anderen Worten um sich geworfen: was ist das? Was heißt es den konsensualen Ausdruck anderer Menschen dermaßen gering zu schätzen? So etwas nenne ich menschenvarchtende Gewalt. Und bedrohlich. Vor solchem Journalismus fürchte ich mich. Von ganzem Herzen
    Als liebe(nde)r Mensch
    Der jemand wie ich so angeblich irgendwo doch gar nicht sein könnte…
  2. #641

    Globalisierung, Privatisierung, Liberalisierung

    Dazu möchte ich noch etwas schreiben:
    Zitat von stefan1904 Beitrag anzeigen
    Ist es “Egoismus”, “Kapitalismus” ... wenn man so (weiter) leben möchte wie man lebt? .... Liberalität muss so offenbar überhaupt erst gelernt ...
    Niemand kann beurteilen, wer dieser Forist ist, wie er lebt,was er kann. Der im f. verlinkte Exclusiv-Bericht dargestellte Mensch, Herr Heinig, möchte auch weiter so leben. Er wird Angst davor haben, sein Einkommen könne sich mindern und favorisiert den Liberalismus. Natürlich fühlt er sich unverstanden, ungerecht beurteilt und geht davon aus, dass die Akzeptanz in Form von re-erlernter Liberalität erneuert werden muss. "In Bangladesh ... verglichen damit ...". Und lieben kann er bestimmt auch:

    http://www.youtube.com/watch?v=n6T7j...eature=related

    Höchstwahrscheinlich nicht vergleichbar, Unterstellung liegt mir fern. Nur scheint sich der Forist, wie viele, durch den Artikel beleidigt zu fühlen, solidarisiert sich mit dem dort angeprangerten.

    Sollte der Schuh nicht passen, viele haben es vll. gar nicht bemerkt. Insoweit projiziert man den Inhalt als Unverschämtheit gegen sich selbst. Aus welchen Gründen? (rhet.)

    Und das ist das, was Kopfschütteln verursacht, in dieser sozialen Auseinandersetzung, die stattfindet, nicht nur in Bangladesh, nicht nur hier, sondern rund um den Erdball, genannt "Globalisierung", "Privatisierung" und "Liberalisierung".

    Wenn man davon berührt wird, ist es nicht das Entsetzen über die vielen Schattenseiten der GlobPrivLiberalisierung - die wir als Exportweltmeister steigend zu spüren bekommen - sondern es ist der Ekel, Angst und Abneigung, die Vorrang vor einer intensiven Beschäftigung (und sei es nur: könnte etwas daran sein ...) hat und damit sämtliche Warnungen in den Wind schlägt. Denkansatzvermeidungsstrategie mit der Begründung: "Ich will so bleiben wie ich bin - ich will so leben wie ich lebe" - alles soll so bleiben wie es ist". Dass nichts so bleibt, wie es ist, wird stets ausgeblendet, aber surrealerweise gerade von jenen gepredigt, die sich das Mehr an GlobPrivLiberalisierung wünschen. Globalisiert haben wir fast vollständig, bleibt noch mehr PrivLiberalisierung. Dass es sich dabei ebenfalls um massive Veränderungen handelt, wird schlichtweg verdrängt. Bzw. jene, die dadurch zunehmend benachteiligt werden, haben dies für sich zu supprimieren, damit die Anderen das beruhigende Gefühl behalten können, es bliebe, wie es ist und das bitteschön in einer Form, auf dass das Gewissen Reinheit behalte, selbst dann, wenn man außerhalb der Verursacher rangiert, dann quasi prophylaktisch.

    Tja, wie kann man etwas anprangern, wenn sich ein solch großer Bevölkerungsteil davon zu Unrecht angesprochen fühlt? Entweder man zieht sich ständig Schuhe an, die nicht passen oder ist schlichtweg zu oberflächlich um die Tiefe zu begreifen, die mit dem Artikel (nicht nur mit dem Artikel ...) wohl berührt werden sollte. Ganz davon abgesehen, dass ganz öffentlich (auch hier im Forum) Zustände wie in Bangladesh als Erfüllung so mancher f... Träume nahezu herbeigesehnt werden.

    PS: ... Persönliche Angriffe auf meine Person, Geisteszustand, Finanzielles, politische Ausrichtung, Glauben ... stehen nicht zur Diskussion. Erfahrungsgemäß die einzige Form der "Gegenargumentation" ... keinerlei Beachtung ... mein Beitrag ist ausschließlich als Denkanstoß (o. nicht) zu verstehen
  3. #642

    Zitat von rosiweissnix Beitrag anzeigen
    (...)Tja, wie kann man etwas anprangern, wenn sich ein solch großer Bevölkerungsteil davon zu Unrecht angesprochen fühlt? Entweder man zieht sich ständig Schuhe an, die nicht....
    Wieder einmal danke Rosi für diesen Beitrag. Musste leider kürzen, da sonst zu lang ;-)
    Ich sehe die Demokratie, die Staatsform, die wir uns hart erkämpft haben, in höchstem Maße gefährdet, hatte ich ja schon des Öfteren in den diversen Threads hier thematisiert.
    Es ist das hier, was sich abspielt in den Köpfen der Menschen:
    Ich zitiere aus „Einfach abgehängt“ von Nadja Klinger / Jens König:

    Die Mitte der Gesellschaft, die Abermillionen von <<normalen>> Arbeitnehmern, von Facharbeitern und Akademikern, hat ihren sozialen Aufstieg dem Ausbau des Sozialstaates zu verdanken.
    Sie ist bis heute der größte Profiteur .....
  4. #643

    Zitat von rosiweissnix Beitrag anzeigen
    (...)Tja, wie kann man etwas anprangern, wenn sich ein solch großer Bevölkerungsteil davon zu Unrecht angesprochen fühlt? Entweder man zieht sich ständig Schuhe an, die nicht passen oder ist schlichtweg zu oberflächlich um die Tiefe zu begreifen, die mit dem Artikel (nicht nur mit dem Artikel ...) wohl berührt werden sollte. Ganz davon abgesehen, dass ganz öffentlich (auch hier im Forum) Zustände wie in Bangladesh als Erfüllung so mancher f... Träume nahezu herbeigesehnt werden.

    PS: ... Persönliche Angriffe auf meine Person, Geisteszustand, Finanzielles, politische Ausrichtung, Glauben ... stehen nicht zur Diskussion. Erfahrungsgemäß die einzige Form der "Gegenargumentation" ... keinerlei Beachtung ... mein Beitrag ist ausschließlich als Denkanstoß (o. nicht) zu verstehen
    Wieder einmal danke Rosi für diesen Beitrag. Musste leider kürzen, da sonst zu lang ;-)

    Ich sehe die Demokratie, die Staatsform, die wir uns hart erkämpft haben, in höchstem Maße gefährdet, hatte ich ja schon des Öfteren in den diversen Threads hier thematisiert.

    Es ist das hier, was sich abspielt in den Köpfen der Menschen:

    Ich zitiere aus „Einfach abgehängt“ von Nadja Klinger / Jens König:

    [QUOTE]Die Mitte der Gesellschaft, die Abermillionen von <<normalen>> Arbeitnehmern, von Facharbeitern und Akademikern, hat ihren sozialen Aufstieg dem Ausbau des Sozialstaates zu verdanken.
    Sie ist bis heute der größte Profiteur dieses sozialen Systems. Gerade Aufsteiger neigen jedoch fast immer dazu, sich nach unten abzuschotten, weil sie dorthin, wo sie herkommen, nie wieder zurückfallen wollen. Also verteidigt die Mittelschicht die Privilegien, die ihr dieser Wohlfahrtsstaat gebracht hat – vom Ehegattensplitting im Steuerrecht über die Eigenheimzulage bis hin zum kostenlosen Studium – bis zum äußersten.
    Und tappt dabei in die Distinktionsfalle. Ihre Geringschätzung und Abwertung trifft all jene, denen sie sich überlegen fühlt. Das hat gravierende politische Folgen. <<Die stabile Mitte wird feindseliger >> stellt Wilhelm Heitmeyer fest.
    Der angesehen Bielefelder Soziologe erforscht in einer Langzeituntersuchung mit der er 2002 begann, die Ursachen für <<gruppenbezogene Menschenfeindlichkdeit>> in der bundesdeutschen Gesellschaft. Dabei nimmt er die politische Mitte, die mit der sozialen Mitte, also der Mittelschicht identisch sein dürfte, gesondert in den Blick.
    In der 2006 erschienen Folge 4 der <<Deutschen Zustände>> bilanzieren Heitmeyer und sein Team für die Befragten der <<stabilen Mitte>> , also derjenigen, die sich in den zurückligenden Jahren durchgängig als Mitte positioniert haben: Ihre Fremdenfeindlichkeit, ihr Antisemitismus, ihre Islamophobie, die Abwertung von Obdachlosen und die Befürwortung von Etabliertenrechten steigen signifikant; tendenziell auch der Rassismus. Als Ursachen für dieses Anwachsen nennt der Soziologe drei Gründe: Das Gefühl sozialer Bedrohtheit, die Wahrnehmung eigener politischer Machtlosigkeit,
  5. #644

    Das hier

    ich zitiere auszugsweise:

    Ist es mit Wahlen alle 4 Jahre getan? In welcher Auswahl werden Bürger zu Parlamentariern? Unter welchen Einflüssen treffen Parlamentarier ihre Entscheidungen? In welcher Qualität können Bürger ihre verfassungsmäßigen Rechte wirklich wahrnehmen? Mit welchen Qualitätsmerkmalen stützt und stabilisiert das Rechtswesen wirklich die demokratische Ordnung? Welche Regeln gewährleisten eine nachhaltig auf das Gemeinwohl orientierte "Kultur des Verwaltens, des Wirtschaftens und der Unternehmensführung"?......
    (...)
    Deutschland: Deutschland versteht sich als ein Musterdemokratieland und läuft Gefahr, als Demokratie zu versagen. Wichtige Prozesse in Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Rechtswesen und Gesundheitsversorgung sind nicht ausreichend "zielführend" auf die Interessen der Bürger gerichtet. Die Defizite gefährden die Demokratie, die Stabilität des Landes -sozial, politisch, wirtschaftlich.
    sagt in Kürze so ziemlich alles.

    und dies hier

    auch wieder auszugsweise:

    Bei beseitigter Massenarbeitslosigkeit und ausreichend Arbeitsangeboten wäre es weder eine Zumutung für die Bürger, für angemessene Löhne 40 Stunden zu arbeiten noch bei erhöhter Lebenserwartung bis zum 67. Lebenjahr zu arbeiten. Die demografische Entwicklung in Deutschland lässt langfristig einen steigenden Arbeitskräfte-Bedarf pro Kopf der Bevölkerung erwarten. Für die heutige Generation wäre bei geringem Arbeitsbedarf von Wirtschaft und Verwaltung die Verteilung der Arbeit durch verkürzte Arbeitszeit eine arbeitsmarktgerechte, ökonomisch sinnvolle und sozial heilende Maßnahme. Ohne diese Maßnahme wird der gesamtgesellschaftlche Schaden um so größer sein, je länger die gegenwärtige Situation politisch untätig ausgesessen bleibt.
    (...)
    Der freien Wirtschaft sollte der Absatzmarkt in Deutschland nicht gleichgültig sein. Eine nachhaltige Unternehmerpolitik auf Bundesebene sollte einen ausgeglichenen Arbeitsmarkt anstreben. Ohne auseichend Kunden gibt es keine Binnenkonjunkturentwicklung.
    (...)
    Maßnahmen wie ABM, Ein-Euro-Jobs und Ich-AGs sind durchaus förderlich, wenn die Arbeitslosigkeit gering ist. Zu Zeiten des massenhaften Mangels von Arbeit sind es Scheinaktivitäten mit riesiger Kostenbelastung für die Steuerzahler. Sobald diese Maßnahmen sinnvolle Arbeit fördern, entziehen sie widersinnigerweise dem ersten Arbeitsmarkt Arbeit, haben folglich eine Störfunktion.
    bringt es genauso auf den Punkt. Alles Dinge, die diverse andere Teilnehmer hier auch schon mehr als einmal angesprochen haben.
    Allerdings ist man in der Hinsicht irgendwie total merkbefreit, blendet diese Tatsachen geflissentlich aus, ist nicht bereit sich direkt und intensiv mit der Problematik auseinanderzusetzen.

    Ach, einen habe ich noch
    Sind wir wirklich so dumm?