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DDR-Flucht-Film: Und die Stasi schippert immer mit
Wild Bunch Germany Freundschaft und Verrat, Freiheit und Unterdrückung: Der Stasi-Film "Wir wollten aufs Meer" nimmt sich die ganz großen Themen vor - und scheitert schon an den ganz kleinen historischen Details. Das plumpe Politmelodram zeigt eine DDR, in der nicht einmal die Sonne scheinen darf.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,854957,00.html
- #1 15.09.2012 12:59 von
VEB Titelwerk
Nö, sowas geht echt nicht - ein Film ohne relativistische Ostalgie und zumindest auf der Meta-Ebene die (primär von Westlern aus dem Akademikermilieu geprägte) linksromantische Andeutung, dass DDR und Co eigentlich ganz tolle Gesellschaftsexperimente waren, die leider schief gingen. Achja und was für Probleme der Autor mit "Tschechei" hat...ein Begriff dem man selbstredend in Österreich und der Schweiz umganssprachlich seit Jahrzehnten verwendet...
- #2 15.09.2012 14:42 von
Glaubwürdigkeit und Selbstgerechtigkeit widersprechen einander
Da ich diese Woche dankenswerte Weise einer Einladung des Bundespresseamtes zu einem dreitägigen Studienaufenthalt in Berlin folgen und neben dem Haus der Wannseekonferenz auch das Stasi-Gefängnis in Potsdam und den Tränenpalast kennen lernen konnte, kommt mir der Inhalt dieser Filmkritik bekannt vor.
Was mir an beiden Tatorten - und so wurden sie dargestellt - auffiel, das war der agitatorische Charakter der Führungen. Diese Verteufelungsstrategie ist anscheinend auch der Vorwurf an den hier besprochenen Stasi-Film, und ich fragte mich schon in Berlin, wie man die "DDR-Vergangenheit" aufarbeiten kann, ohne in den Fehler der Gleichsetzung von DDR-Alltagsleben mit dem Wirken der "Staatssicherheit" zu verfallen, also das Alltagsleben so darzustellen, als sei es von morgens bis abends um Bespitzelung gegangen.
Was verspricht man sich von Seiten der politischen Elite eigentlich von diesem Blick in die Folterkammern, der von einem Tatbestand abstrahiert, ohne den die Unterdrückungsmaschinerie nur als verabscheuungswürdige Tat von psychisch kranken Typen verstanden werden kann: von der Tatsache, dass in den Aufbau- und Konsolidierungsjahren der DDR gegen das erste Modell eines Arbeiter- und Bauernstaates ein Wirtschaftskrieg geführt wurde, dem das Modell letztlich auch erlegen ist.
Vor diesem Hintergrund der aktiven Kriegsführung sind die Flucht von über zwei Millionen Bürgern und die Maßnahmen zu ihrer Verhinderung zu verstehen, die allerdings weder die Modernisierung der Infrastruktur und der anderen Produktionsfaktoren noch den Demokratisierungsprozess der gesellschaftlichen und staatlichen Organe befördern konnten, da das westliche Finanzkapital durch die massive Entwertung der Ost-Währung per Wechselkurs den Außenhandel zum Erliegen brachte.
Wenn man dann darüber informiert wird, dass im Bahnhof Friedrichstraße "mehr als 200 Personen - also mehr, als an der Mauer - gestorben" sein sollen, nicht aber, dass nach dem Passierscheinabkommen pro Jahr hunderttausende die Passkontrollen unbehelligt passiert haben, dann kann man der Bundesregierung den Vorwurf der Agitation nicht ersparen.
Und auch die Info, dass in Stasi-Gefängnissen "Unschuldige" eingesessen haben, muss damit relativiert werden, dass zur gleichen Zeit die "Organe der Adenauerregierung" mit Anhängern der verbotenen KPD auch nicht gerade zimperlich umgegangen sind - und dass Demonstranten gegen die "Wiederbewaffung" und die "Spaltung" Deutschlands diesen Protest mit ihrem Tod durch Erschießen bezahlt haben.
Gefängnisse sind nirgendwo auf der Welt Apartmentwohnungen (gewesen) und wenn der Russe das Waterboarding 1953 eingestellt haben soll, dann sollte man den Ami nicht vergessen, der das heute noch für eine adäquate Methode der Gewinnung von Geständnissen und Informationen ansieht
Immerhin war der Ami seit 1945 in weit über 100 (Bürger)Kriege involviert, während von russischem Boden nur vier (Bürger)Kriegszüge ausgegangen sind. Also: weniger Selbstgerechtigkeit erhöht die Glaubwürdigkeit der berechtigten Kritik an anderen Staatsführungen. - #3 15.09.2012 17:28 von
Na, etwas vergaloppiert, Genosse?
Was ist denn das für eine lächerliche Argumentation:
Der "Ami" war in 100 Kriege und der "Russe" nur in 4 Kriegen involviert - Da haben Sie aber fein mitgezählt - Nur leider falsch! Denn erstens sagt die Anzahl der Kriege in der man involviert ist nichts dazu aus wer der Aggressor und wer der Verteidiger ist ... und zweitens, wenn Sie schon gegeneinander aufrechnen: Durch den (Sowjet)-Kommunismus sind nachweislich mehrere Mio. Menschen ermordet worden (Zwangskollektivierung, Schauprozesse, Gulag etc....).
Lieber Gerd Weghorn, was Sie dann losgelassen haben (die "angeblich Unschuldigen" in Stasigefängnissen) ist so primitiv, dass die Gegenargumentation nicht lohnt.
Sie haben natürlich das Recht die DDR und die Stasi zu verteidigen - ein Recht was Ihre Genossen in der Deutschen Demokratischen Republik ihren Kritikern nicht zugestanden haben.
In diesem Sonne: Rot Front Genosse! - #4 15.09.2012 18:07 von
Zone statt "ddr"
Mich verwundert auch immer wieder, wie wenig sich die Drehbuchautoren mit den Zuständen in der einstigen Zone befassen, vor allem,was die Wortwahl damals angeht.
So hat niemals ein Zonen-Leibeigener, der den Dreckstaat verlassen wollte, im Freundeskreis das Zonenkürzel "ddr" in den Mund genommen. Grundsätzlich haben diese Leute die korrekte Bezeichnung "Ostzone", kurz "Zone" in den Mund genommen! - #5 15.09.2012 19:31 von
Auch wenn ich den Film wahrscheinlich als unerträglich und historisch falsch ansehen werde:
Die Tschecheslowakische Sozialistische Republik war für uns immer die Tschechei. Dass der Begriff aus der Nazizeit stammt, habe ich erst nach der Wende erfahren (War zur Wende 19 Jahre alt).
Zumindest das ist korrekt. - #6 15.09.2012 19:37 von
plumpes Politmelodram
Der Autor empfindet den Film als plumpes Politmelodram und begründet das unter anderem damit dass jemand im Film seiner Meinung nach Okay nicht der Zeit entsprechend ausspricht. Anscheinend wird Ihm die DDR auch nicht freundlich genug dargestellt, für denjenigen der wegen Republikflucht im Knast sass war die DDR aber eben nicht besonders lustig und bunt und zu den anderen Relativisten hier: Die Mauer wurde nicht von der BRD errichtet um die zahlreichen Fans daran zu hindern in die bunte, sonnige DDR einzureisen.
- #7 15.09.2012 21:27 von
West Regisseur zeigt DDR = Kalter Krieg
Schöning erinnert sich wie wir in den 80ern im Westen „Okay“ betont haben, und in einem Film über die DDR wird „Okay“ von einem Westler nicht richtig betont. Toll, so ein Gedächtnis, vielleicht bin ich mit Ende 60 doch schon dement wenn ich mich nicht mehr so genau erinnere: Haben wir im Westen damals alle gleich gesprochen? Für Schöning jedenfalls der schlagende Beweis, der Film ist historisch nicht korrekt, dämonisiere die DDR und erinnere an den Kalten Krieg. Okay, kann man da nur sagen - freilich mit der richtigen Betonung -, über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten. Und Schöning gefallen DDR-Nostalgiestreifen wie Sonnenallee oder Good bye Lenin, vielleicht besser. Die Beweisführung finde ich ein wenig dürftig, aber geradezu grotesk wird sie, wenn Schöning unterstellt, jemand der sein Filmhandwerk in Ba-Wü gelernt habe könne keine Filme über die DDR machen. Klar, insofern konnte Kubrick, weil Brite, keinen Vietnam-Film drehen. Und Fassbinder keinen über Nazi-Deutschland. Oder doch und die Kritik ist einfach Unsinn?
- #8 15.09.2012 21:34 von
Das ist auch so eine plumpe – und daher letztendlich falsche – Verallgemeinerung. Ausreisewillige Ossis waren fast so divers wie die DDR insgesamt. Selbstverständlich haben viele auch die – tatsächlich korrekte und in der DDR selbst keineswegs ideologisch wertende – Bezeichnung DDR verwendet.
Ach ja: die Kinderfrisur in Bild Nr. 8 gab es nun wirklich nicht! - #9 15.09.2012 21:57 von
Und ewig siegt der Sozialismus . . . .
An Gerd Weghorn: Es klingt vielleicht etwas abgedroschen, aber ich möchte Sie höflichst daran erinnern, dass die von Ihnen euphemisch erwähnten „Maßnahmen zur Verhinderung der Flucht“ zu einer exklusiven und bis heute noch nicht im Detail bezifferten Anzahl von Toten führten. Im Nachtrag, nun, da uns mehr Informationen zugänglich sind, als jeder Generation zuvor, solch milde Worte für den Staat zu finden, welcher alles ermöglichte, lässt mich, verzeihen Sie mir, ausspucken.
Aber die DDR hat es doch soooo schwer gehabt! Und wenn der böse Westen mit seinen fiesen und freiheitsgelenkten Wettbewerbsgedanken dem ersten Arbeiter –und Bauernstaat nicht so gemein in die Parade gefahren wäre, dann . . ja dann . . . . – Ich kann diesen Schwachsinn nur noch schwer ertragen. Egal welcher sozialistische Staat, alle wurden an die Wand gefahren oder stehen kurz davor. Aber Leninismus-Marxismusphile wie Sie finden immer eine passende Erklärung für das Scheitern. Nur am angestrebten System der Gleichmacherei liegt es nie. Wie könnte auch Marx irren? Man wird Sie wohl nie von Ihrem kindlich naiven Glauben abbringen können, dass der Sozialismus nicht an seiner fehlerhaften Grundkonzeption scheitert, sondern nur, weil irgendein ein böswilliger Konterrevolutionär aus purem Eigennutz von hinten den Dolch in die brave, werktätige Bevölkerung rammt. Das ist wahrscheinlich Ihre eigene verdrehte Novemberlegende. Der Sozialismus – IM FELDE UNBESIEGT ! ! !
Ach übrigens: Das KPD – Verbot war kein willkürlicher Akt der, im übrigen demokratisch gewählten, „Organe der Adenauerregierung“. Es dauerte lange bis es durch war. Da wurde abgewogen, angehört und schließlich durch unabhängige Gerichte abgestimmt. Sie können das mit Ihrem sozialistisch-zentralistisch geprägten Geist vielleicht nicht begreifen, aber so läuft das nun mal in einer Demokratie.
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