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DDR-Film "Sushi in Suhl": Der Osten macht den Mund auf
MovienetDen Schnaps gab's aus Eierbechern, die Kimonos waren aus Küchenschürzen und vor dem Essen zogen sich alle aus: Der sympathisch ehrliche Film "Sushi in Suhl" erzählt die wahre Geschichte eines Mannes, der in der tristen DDR-Provinz für seinen großen Traum kämpfte - ein japanisches Restaurant.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/de...-a-861667.html
- #1 20.10.2012 07:45 von
Super
Irgendwie war sie doch super, die DDR. Oder was sonst soll die Botschaft des Films sein?
- #2 20.10.2012 08:11 von
"Auch die Sprache passt nicht zum Setting - statt mit thüringischem Dialekt reden die Akteure mit sächsischem Einschlag."
Das ist mir auch aufgefallen. Aber sprachmäßig hat es der Film sehr schwer. Besonders da Uwe Steimle als Dresdner Original natürlich Dresdener Sächsisch spricht und kein Thüringisch. Wobei Thüringisch und Obersächsisch zum selben Dialektraum gehören, bzw. der ganze Dialekt (von Eisenach bis Hoyerswerda) eigentlich Thüringisch heißt. Und es ist halt viel schwieriger von einem Unterdialekt in den Anderen zu wechseln, als in einen komplett anderen Dialekt.
Außerdem liegt Suhl südlich des Rennsteigs und dort werden eigentlich fränkische Dialekte gesprochen.
Am Besten wäre es wohl gewesen einfach hochdeutsch zu reden. damit wäre man dem Dialekt-Wirrwarr aus dem Weg gegangen. Aber mit einem Steimle natürlich nicht zu machen... :-). - #3 20.10.2012 08:15 von
bin gespannt
Als kenner dieses japan-restaurants, bin ich wirklich gespannt wie man es im film unsetzte. Nö, gast war ich dort nie, zumal man sich jahre vorher anmelden musste. Ich war mit einer mitarbeiterin dieses japan-restaurants zusammen und weiß daher einige details.
Sogenanntes füsseln z.b., das man sich (mann-frau) zuvor im wasser gegenüber saß, so gemischt das es wohl nie die eigene frau war, die man dann füsselte.
Teuer war es nur für ddr-verhältnisse, aber wie gesagt, fast unmöglich dort zu reservieren. - #4 20.10.2012 08:33 von
umdenken
Ja, ja, das Grau-Grau des DDR-Alltags. Totaler Unsinn!
Wissen wir jetzt noch mehr, wo wir sehen, was der Westen bedeutet:
hässliche Plakatwände überall, bunt und oft überfrachtet und immer die Botschaft: Du musst kaufen, kaufen, kaufen. Sei ein Konsument, nimm unser Produkt. Der ewige Marktschreier. Spam überall.
Der Alltag in der DDR war nicht grau, die Leute haben miteinander Zeit verbracht, man hat sich durchaus beschäftigt. Im Übrigen oft mit klügeren Dingen als es heute der Fall ist. - #5 20.10.2012 09:00 von
Suhl
ist zwar thüringische Provinz, gehört aber vom Dialekt her eher zu Franken. Deshalb gabs ja das gerollte R auch in der DDR ;)
- #6 20.10.2012 09:13 von
es gab schöne Seiten, klar
Ja zum Beispiel mit sich-gegenseitig-bespitzeln. Den Nachbarn, Bekannten usw. wg. eines obrigkeitsfeindlichen Witzes zu verraten. Oder wg. aus Freude am Phantasieren geäußerten West-Flucht-Plänen.
Man konnte sich nie sicher sein, ob "Horch und Guck" nicht irgendwo lauerten. Und ob der langjährige beste Freund nicht am Ende doch ein IM gewesen ist, eine dicke Akte über einen existiert und er einen verpfeift.
Überhaupt diese Gesellschaft mit zu vielen "Roten Socken" und "100%igen". Eine Gesellschaft, in der viel zu viele dran Freude hatten, anderen etwas vorzuschreiben. Wie sie zu leben haben, zu denken, zu sprechen. Das war harte political correctness von ganz oben her.
Im Osten ging eine Diktatur nahtlos in die andere über. Das darf man nicht vergessen, wenn man "früher war nicht alles schlecht" denkt. Sicherlich, im Klein-Klein, im Verein, beim Fußball, auf der Grill-Party usw. war es fast ein normaler Staat, mit dem man sich arrangiert hat.
Aber, um den unvermeidlichen Nazivergleich zu bemühen: die Deutschen haben sich auch kurz vorher mit denen arrangiert. Im Klein-Klein war es theoretisch auch ein normales Leben. Aber was bedeutet das schon? Wer einfach gestrickt ist, braucht nicht mehr, klar. Aber der soll das nicht von anderen verlangen.
Ich stamme aus der DDR, mein Vater ist "sogar noch" Ungar, also nochmehr Sozialismus-sozialisiert. - #7 20.10.2012 09:15 von
Pardon?
Wie bitte? Um Hoyerswerda sächselt/ thüringelt niemand von den Einheimischen. Entweder spricht man hier Sorbisch mit den entsprechenden lokalen Dialekten.
Oder man spricht den lausitzer Dialekt, der sich hauptsächlich aus schlesischen und hochdeutschen Einflüssen speist. Die Dialektgrenze des Sächsischen liegt knapp östlich von Dresden bei Radeberg und Meißen. - #8 20.10.2012 09:26 von
Botschaft
Ich denke, die Botschaft der Filmes sollte eher lauten, dass man mit Beharrlichkeit und Improvisationstalent durchaus etwas erreichen konnte. Auch in der damaligen DDR. Es geht um jemanden, der seinen Beruf zur Berufung gemacht hat, die ihm über alles stand, und mit der er erfolgreich wurde. Sie brachte ihm zwar keinen größeren Wohlstand und schon gar keinen Reichtum in jener Zeit, dafür aber eine Erfüllung als Gastronom.
Endlich mal ein unaufgeregter Film, fernab jeglicher Klischees und Ideologien, der das Leben einfacher Menschen in der ehemaligen DDR reflektiert. Mehr davon! - #9 20.10.2012 09:26 von
immer die gleiche Arroganz des Westens
Mal wieder ist dieser typische herablassende Unterton im Artikel zu bemerken, nach dem Motto: Die armen Schweine in der DDR hatten nichts zu lachen und alles war grauer Alltag. - So ein Blödsinn! Wer sowas schreibt, war wahrscheinlich nie in der DDR. Natürlich waren die meisten Altbauten sehr heruntergekommen. Aber deswegen war unser Alltag nicht "grau". Die hin und wieder auftretenden Plakatlosungen für Frieden und Sozialismus empfand ich jedenfalls nicht so schlimm wie jetzt diese ständige Bombardierung mit Werbung und Aufforderung zum Konsum. Man wird als Mensch nur noch als "Verbraucher" im Sinne der kapitalistischen Grundordnung gesehen, der den Konzernen den Profit zu liefern hat. Die bittere Pille hat eine süße Umhüllung. Die sogenannte Freiheit ist immer geldabhängig! Wire leben in einer genauso verlogenen Gesellschaft wie es der DDR Sozialismus war.
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