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Datenschutz-Debatte: Überwachung total - ein Morgen im Leben des Herrn L.
Das automatische Erfassen von Autokennzeichen durch die Polizei hat das Verfassungsgericht vorerst gekippt. Überwacht werden wir trotzdem - ständig und bei nahezu jeder Gelegenheit. Das fiktive Protokoll eines normalen Morgens im Jahr 2009 zeigt, wie gläsern der Mensch von heute ist.
http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/...540768,00.html
- #30 12.03.2008 08:53 von
Herr L lebt überwachter als jeder DDR Bürger
Schön, nun haben wir also gelernt. Die regierenden in diesem Land auf jeden Fall von der DDR und Ihrem Nachrichtendienst.
Mir wird angst wenn ich sehe was Sch. und Co in diesem Land dürfen ohne dass jemand etwas dagegen tun kann.
Toll diese Demokratie. Da hätte ich auch DDR Bürger bleiben können und währe nur halb so viel ausgespäht und manipuliert worden - #31 12.03.2008 10:29 von
Hinkender Vergleich
Hier gibt es einige ganz wichtige Unterschiede zur DDR Stasi: Zum einen wird ein nicht unbedeutender Teil der Daten, die im Artikel genannt werden, vom Herrn L. freiwillig herausgegeben. Niemand zwingt ihn z.B. sein Kaufverhalten über Rabattkarten (die eh nur minimale Rabatte bringen) preis zu geben, oder an der Tanke mit Kreditkarte statt mit Bargeld zu bezahlen. Selbst beim Handy ist nicht vorgeschreiben, das einzuschalten. Und zum anderen bedeutet die Speicherung von Verbindungsdaten nicht automatisch, dass da jeder beliebig drauf zugreifen kann - auch wenn es zur Panikmache häufig implizit so dargestellt wird. Und zu guter letzt ist noch die entscheidende Frage, welches Strafmaß sich aus den Daten ergeben kann. Man schaue sich nur mal die Beiträge im SPON Forum an: Manche dort gemachte Aussage über die deutschen Politiker oder Parteien hätte bei einem Regime wie in der DDR zurfolge, dass der Autor des jeweiligen Postings empfindliche Strafen befürchten müsste - das ist hier zum Glück nicht der Fall.
- #32 12.03.2008 14:59 von Arion's Voice
fehlt die Hälfte
pffff... da fehlt ja die Hälfte.
Kein Wort über RFIDs, kein Wort über Protokollierung des Navis im Auto, kein Wort über Videokameras (die möglicherweise bald Gesichter erkennen können), über ausgeliehene Bücher, Flugzeugdaten, Codes auf Laserdruckerausdrucken, ...
da war Panopti ein bisschen umfangreicher. Da ging es auch um einen komplett Unschuldigen. - #33 12.03.2008 15:24 von
Unschuldig?
Momentmal, wieso behaupten Sie, dass es hier um einen komplett Unschuldigen gehe? Das Herunterladen von Filmen aus dem Internet ist z.B. nun mal illegal, da kann man also nicht von unschuldig sprechen. Ebensowenig ist jemand, der beim Auto Fahren telefoniert oder sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen hält, völlig unschuldig. Man könnte zwar argumentieren, dass das keine Straftaten, sondern Ordnungswidrigkeiten sind, aber dementsprechend weniger hat Herr L. ja auch von den gespeicherten Daten zu fürchten. Und was den Ehebruch angeht: Der ist zwar keine Straftat gegenüber dem Gesetzgeber, aber gegenüber seiner Ehefrau verhält er sich nicht gerade unschuldig. Und nur von der hätte er in diesem Zusammenhang etwas zu befürchten, nicht von der Polizei oder anderen Staatsgewalten. Denen ist z.B. die SMS an die Geliebte ziemlich egal. Und die Ehefrau wird auch kaum Möglichkeiten haben, die Verbindungsdaten vom Mobilfunkprovider ihres Mannes zu erfragen. Da ist die Gefahr, dass sie die beiden inflagranti erwischt, wahrscheinlich größer, als ihm über die gespeicherten Verbindungsdaten etwas nachzuweisen. Und würden sich Herr L. und seine Geliebte nicht per e-mail / SMS, sondern über "klassische" Briefe austauschen, könnten diese ebenfalls von der Ehefrau gefunden werden. Wer also mit solchen Argumenten die Datenspeicherung ableht, müsste auch das Schreiben von Briefen verbieten... ;-)
Zur Klarstellung: Ich will hier nicht alle Möglichkeiten der Speicherung von Daten und jede Form der Überwachung gut heißen, aber durch Panikmache mit konstruierten Fällen erreicht man auch nicht wirklich viel, sondern lenkt nur von wirklichen Problemen ab. - #34 12.03.2008 15:44 von Arion's Voice
- #35 12.03.2008 15:47 von Arion's Voice
Zusammenhänge begreifen
Es gibt sehr viele Konkrete Beispiele von Datenmissbrauch und von mangelnder Datensicherheit. Jedes System ist nur so gut, wie die Benutzer, die es bedienen.
Das große große Problem bei fehlendem Datenschutz ist, dass Sie nicht wissen wer welche Daten von Ihnen hat, und dass Sie deshalb nichts richtigstellen können, was vielleicht falsch ist oder in einem unglücklichen Zusammenhang steht. - #36 12.03.2008 16:01 von
falscher ansatz
Das will ich ja auch gar nicht bestreiten. Aber genau hier liegt der Schwachpunkt von Artikeln wie der zum Leben des Herrn L.: Da steckt viel Polemik drin, viel unnötige Panikmache, und - wie in diesem Thread auch schon aufgeführt - sogar einige falsche Beispiele. Damit kann man m.E. nicht viel erreichen, außer vielleicht eine generelle Stimmung schüren. Sinnvoller wäre ein Artikel, der nicht alles vermischt, sondern klar trennt, welche Daten man unfreiwillig produziert, und welche Daten man freiwillig preis gibt und leicht vermeiden kann (z.B. durch Verzicht auf Rabattkarten, durch die man ohnehin kaum etwas spart und, wenn man sich ein wenig ungeschickt anstellt, sogar noch draufzahlt). Und der Fälle zeigt, bei denen ein wirklich Unschuldiger durch gesammelte Daten in Probleme kommt (z.B. bzgl. des "Kreditscores" bei Banken).
- #37 12.03.2008 18:38 von
Rationale Kritik statt blinder Paranoia
Man muss csrss' "Vision" nicht teilen, man muss Unmoral nicht verbrecherisch finden. Das Argument ist aber grundsätzlich valide, daran kann auch Ohrenzuhalten nichts ändern. Einige von Herrn L.s Handlungen waren kriminell. Man mag zwar das Telefonieren am Steuer als Bagatelldelikt abtun, aber das ist ähnlich berechtigt wie Alkohol am Steuer zu verharmlosen: Solange nichts passiert ist es sicherlich eine Lappalie und die Verfolgung und Bestrafung dessen eine Tyrannei sondergleichen. Aber wenn es dann doch mal schiefgeht ist der (Menschen)Schaden groß.
Die Geschichte schildert diese Gesetzesverstöße geradezu im Sinne von "Das macht doch jeder mal und schadet keinem, und jetzt wollen diese Blockwarte uns selbst dieses winzige Rest Freiheit rauben!". Ein solches Recht auf die unnötige, tödliche Gefährdung anderer existiert aber schlichtweg nicht.
Nein, da muss ich tl-hd zustimmen: Der Beitrag ist gut für Leute, die sich um jeden Preis in der bequemen Opferrolle sehen möchten. Wer aber nüchtern und mit politischem Niveau an die Sache herangeht, fühlt sich von diesem plump-emotionalen Manipulationsversuch eher abgestoßen. Wenn solche Untertöne die Debatte dominieren, erweckt das den Eindruck, als gäbe es keinen Anlass für richtige Kritik. Sachdienlich ist das also nicht. - #38 12.03.2008 19:53 von
...
Die Aussage "Da ging es auch um einen komplett Unschuldigen" implizierte, dass es in beiden Fällen um einen Unschuldigen gehe. Ich hatte erst jetzt Zeit, mir den Panopti-Beitrag in Ruhe anzusehen. Was mir daran übrigens gut gefallen hat, ist der Hinweis, dass es ohne Überwachung zur Anarchie kommt, und dass deshalb ein guter Mittelweg gefunden werden muss. Das ist nämlich ein Punkt, der von Datenschützern gerne übersehen wird.
Generell denke ich, dass nicht die Datenspeicherung als solche ein Problem ist, sondern die Kontrolle, wer auf welche Daten Zugriff hat. Da liegt, wie gesagt, auch ein Schwachpunkt des Spiegel-Artikels, der z.B. suggeriert, dass die Ehefrau über den Mobilfunkanbieter des Mannes Informationen über die verschickten SMS-Nachrichten an die Geliebte bekommen könne.
Solange sicher gestellt ist, dass die Daten nur auf richterliche Anordnung abgefragt werden können, und die Richter, die die Anordnungen ausstellen, ausreichend Zeit haben, die Fälle zu bewerten, habe ich keine Probleme mit der Speicherung von Verbindungsdaten. Haftstrafen für Kriminelle sieht ja z.B. auch kaum jemand als ein Problem an, solange der Staat nicht einfach willkürlich jeden wegsperren kann. - #39 17.03.2008 04:08 von
Teufelskreis
D'accord.
Ich finde es auch nicht so schlimm, dass meine Bank weiss, wann ich wo meine Broetchen kaufe.
Ich finde es aber schlimm, dass hier ohne mein Wissen Rückverfolgungen getätigt werden können.
Auch ein Mailsystemadministrator könnte alle Mails seiner Mitarbeiter lesen - darf er aber nicht. Nicht, ohne triftigen Grund.
Warum kann man das nicht auch hier einführen?
Datenspeicherung an sich - ja.
Aber Rückverfolgung ohne triftigen Grund (Wie begründeter Verdacht auf ein Verbrechen) sollten definitiv über die einzig authorisierte Person gehen: nämlich mich.
Allerdings halte ich es fuer naiv, eine ungläserne Welt als Anarchie zu bezeichnen. Es kann sehr wohl eine Herrschaft geben, die NICHT weiss, wo das Volk die Brötchen kauft..
In diesem Sinne..
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