Das Werk Andrej Tarkovskijs: Polaroids eines Wahrheitssuchers
Schirmer/ MoselDie größten Regisseure haben ihn verehrt. Ingmar Bergmann und Lars von Trier nannten ihn ihr Vorbild. Für nicht wenige ist er einer der wichtigsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Jetzt erscheint eine große Werkbiografie über Andrej Tarkovskij.
ich kenne und liebe ihn seit ich 16 war und komme, denke ich, bei Stalker und Solaris auch auf meine 20 - 30x
Habe gerade russische Freunde verabschiedet und wir hatten uns letzte Nacht dieses gigantische Land mit Google Maps angesehen - es strahlt eine aehnliche Poesie, Verlorenheit und mystische Unzugaenglichkeit aus wie auch die Filme Tarkowskis.
Danke fuer den Artikel!
Schöner Artikel. Allerdings ist Tarkowski nun wirklich kein Unbekannter. Höchstens bei den weltabgewandten Video-Kids oder Hollister-Jüngern. Der Autor sollte doch aber bitte nicht den Eindruck erwecken, als ob Tarkowski nur eine ganz kleine Randerscheinung der Filmgeschichte wäre.
Andrej Tarkovskij war Mitte der 80er Jahre in Berlin. Er hatte einen Lehrauftrag an der Film- und Fernsehakademie. Ich war dabei, wie er über seine Filme sprach und auch über Filme von anderen Filmemachern. Wir saßen draußen in einem Park mit Bäumen und es schien die Sonne. Er wurde gefragt, wie es dem Filmemacher, ich habe momentan seinen Namen nicht parat, gehen würde, weil der im Gefängnis saß, wegen zu freier Meinungsäußerung in der Sowjetunion.
Tarkovskij antwortete, der sei der freieste Mensch, den er kenne.
Hinterher und untereinander waren die Studenten empört, dass er so etwas gesagt hat. Ich widersprach und diskutierte, dass er die innere Haltung eines Menschen meinte und die sei unabhängig von der Außenwelt. Für mich ist diese Szene der Diskussion mit Tarkovskij in bleibender Erinnerung.
Das ist wirklich ein großartiger Film. Beklemmend und befreiend zugleich. Ich glaube allerdings, dass Tarkowski auch heut kaum ein Chance hätte über die Autorenkino Ebene hinaus zu kommen. So wie der Filmbetrieb organisiert ist und sich selbst organisiert. Ich mag Lars von Trier. Melancholia ist ganz große Klasse. Aber im Unterschied dazu war Tarkowski eben nicht jemand, der seine bereit war seine Neurosen im Dienste seiner Kunst öffentlich zur Schau zu stellen. (Lars von Trier hat ja jetzt auch Konsequenzen gezogen) Die Film Branche lebt, wie jeder andere Zweig populärer Gegenwartskunst auch hauptsächlich von Selbstdarstellung. Das beschränkt die Wahrnehmung der breiten Öffentlichkeit auch der Rezension auf die, die Willens sind, eine Menge Kraft zu investieren um dementsprechend wahrgenommen zu werden. Vielleicht wird man irgendwann auf die aufmerksam werden, die das nicht wollten oder konnten. Die sich nicht zum Opfer einer wohlgefälligen Sozialisation in unsere schöne neue Medienwelt haben machen können. Dazu müsste diese Haus allerdings vermutlich erst einmal abbrennen...
"Natürlich brauchen die Filme Tarkowskis Zeit, sich zu entfalten, drei Stunden Laufzeit sind die Regel. Insofern passen seine Filme hervorragend zu den Entschleunigungsszenarien, die aktuell überall entworfen werden. Lars von Trier behauptet, den "Spiegel" dennoch 30-mal gesehen zu haben.”
Wieso ‘dennoch’? Der Spiegel dauert doch nicht einmal zwei volle Stunden.
Den Regisseur, der die meisten Filme (3) in der wohl bekanntesten Filmliste der Welt, jener vom Sight & Sound Magazin (The Top 50 Greatest Films of All Time | British Film Institute), hat, als ‘unbekannt’ zu bezeichnen, halte ich für schlecht recherchiert. Nur, weil der Autor offenbar niemanden kennt, der sich mit Tarkowskij beschäftigt, und das selbst auch nur äußerst rudimentär getan hat - wieso sonst sollte der Artikel ausschließlich aus Plattitüden bestehen, die jeder Filmwissenschaftsstudierende im zweiten Semester kennt und deshalb nicht mehr verwendet, bestehen -, heißt das nicht, dass niemand ihn kennt.
«Wanderer, deine Spuren sind
der Weg, sonst nichts,
Wanderer, es gibt keinen Weg.
Weg entsteht im Gehen.
Im Gehen entsteht der Weg,
und schaust du zurück,
siehst du den Pfad, den du
nie mehr betreten kannst.
Wanderer, es gibt keinen Weg,
nur eine Kielspur im Meer.»
Nach kurzer Internetrecherche bin ich etwas verunsichert.
Autoren diverser Rezension berichten bei einigen Ausgaben von sehr schlechter Qualität und falschem Format des Bildes. Auch störendes Hintergrundrauschen in den Tonspuren und mangelhafte Untertitel werden immer wieder beschrieben. Besondere Vorsicht scheint bei
den DEFA-Fassungen geboten. Sind hier bestimmte DVD-Einzelausgaben oder -Kollektion zu empfehlen?
Iwans Kindheit - Andrej Rubljow - Solaris - Mirror - Stalker
Wer die Filme nicht kennt - bei youtube sind Ausschnitte zu sehen - oder auch hier (http://wincontact32naturwunder.blogspot.de/2012/10/erinnerung-den-groen-filmemacher-andrei.html). Allein Mirror und Stalker finde ich Wahnsinn - letzterer - was die Bildgewaltigkeit anbelangt - erinnert mich immer etwas an Tschernobyl oder den ehemaligen russischen Truppenübungsplatz zwischen Niemes und Hirschberg im Böhmischen...
Auch ich möchte die DVD-Serie, die man über Amazon beziehen kann, empfehlen. Ist mal was ganz anderes als Hollywood...