MerckDer Pharmakonzern Merck hat sein Krebsmedikament Erbitux bei einer weiteren Behandlung getestet - ohne Erfolg. Darmkrebs-Patienten überlebten mit dem Mittel nicht länger als die, die nur eine Chemotherapie erhielten.
http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...832226,00.html
Wenn Spiegel-Redakteure sich die Mühe machten, die Materie halbwegs zu verstehen, über die sie schreiben, wäre allen geholfen. Aber es ist ja viel einfacher, Klischees zu bedienen; differenziertes Wissen könnte da hinderlich sein. Die von Ihnen zitierten negativen Studien aus dem früheren Artikel sind in der Tat in völlig anderen Behandlungsszenarien gewesen als in den zugelassenen Indikationen. Wenn Sie mal in die sogenannten Fachinformationen schauen, dann sehen Sie, daß es nicht eine Zulassung für Darmkrebs gibt, sondern für verschiedene Behandlungsstadien. Es wird auch unterschieden, ob das Medikament als Einzel- oder Kombinationstherapie zugelassen ist, und der Kombinationspartner ist erwähnt. Die Behörden verlangen berechtigterweise für jede einzelne Zulassung eine neue weitere Zulassungsstudie. Die Richtigkeit dieses Prinzips wird genau durch die von Ihnen zitierten Studien untermauert: nur weil es in einem Krankheitsstadium wirkt in einer bestimmten Kombination wirkt, kann man das nicht auf das gesamte Krankheitsbild übertragen. Nicht mehr und nicht weniger sagen die zitierten negativen Studien aus.
Weil es erstens keine Garantie dafür gibt, daß der Tumor vollständig entfernt wurde; schon wenige entartete Zellen reichen aus, um wieder schnell zu wachsen. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit groß, daß ein Tumor über die Blutbahn Krebszellen streut, die in anderen Organen landen und dort die sogenannten Metastasen bilden. Es gibt viele Beispiele, nicht nur Erbitux, wo für einen fortgeschrittenen metastasierten Tumor ein Medikament wirksam ist, aber nicht zur Verhinderung eines Rückfalls. Die beiden Scenarien sind ganz unterschiedliche Paar Schuhe, daher ist das für Merck zwar bitter, aber es stellt nicht die Ergebnisse aus dem zugelassenen Anwendungsgebiet in Frage. Es gibt fast täglich Nachrichten, daß eine Phase III Studie negativ war - warum der SPIEGEL ausgerechnet bei Erbitux so einen Wirbel macht, wissen wohl nur die Redakteure selbst.
Es gibt nicht das "Allheilmittel" gegen Krebs. Jedes Karzinom ist anders. Was gegen X wirkt, kann gegen Y oft nichts ausrichten, bzw. schadet sogar. Stichwort: Nebenwirkungen, die bei den meisten Krebs-Medikamenten ganz beachtlich sind.
Nur gegen wenige Krebsarten hat man ein "scharfes Schwert", das ausreichend präzise zwischen harmlosen und gefährlichen Zellen unterscheiden kann. Beispiel Leukämie, die häufigste Krebsart bei Kindern: In der Unterform ALL (nicht aber AML) werden inzwischen 80 bis 90% aller Kinder allein durch Chemo-Therapie dauerhaft geheilt. KEINE Operation (man kann ja nicht alle großen Knochen aus dem Körper rausschneiden), KEINE Stammzelltransplantation (die braucht man nur bei der AML, oder den immer selteneren Fällen, wo die ALL wiederkommt), einfach nur Chemo-Therapie. Wichtigstes Medikament, allerdings alleine nicht ausreichend, ist dort die Asparaginase, die die Leukämiezellen verhungern lässt, den anderen Zellen aber nichts tut. Größtes Problem ist, wenn die Asparaginase und auch das seit kurzer Zeit verfügbare Alternativ-Medikament Erwinase nicht vertragen wird, insbesondere, wenn Allergien auftreten. Dann sinken die Chancen der Kinder gleich drastisch.