Forum: Blogs
Crowdfunding für "Stromberg": Der Klobrillen-Bart kommt ins Kino
Wir sind Stromberg! Per Online-Spende dürfen sich die Fans des Serien-Tyranns an der Finanzierung eines Kinofilms beteiligen. Autor Ralf Husmann verspricht, dass man auf allen Blockbuster-Schnickschnack verzichte und den Antihelden in seiner ganzen Abgründigkeit zeigen werde.
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,803922,00.html
- #10 15.12.2011 19:56 von
bleibt zu hoffen:
das es sich hierbei um wirkliches Crowdfunding handeln wird.
Beim erwähnten "Hotel Desire" gab es gerade mal 15.000 Euro, die wirklich per Crowdfunding reingekommen sind. Da war das Projekt bei Inkubato "bar25-Der Film" deutlich erfolgreicher: Bar25 - Der Film , hier kamen richtige 27.000 Euro zusammen.
Für die Vermarktung des "PorNeos" hat Erwähnung der Finanzierungsform sicher großen Sinn gemacht und wird es auch bei "Stromberg" machen.
Schade ist allerdings, das die Filmproduzenten weder eine der sehr aktiven deutschen Plattformen für die Vorstellung des Projektes gewählt haben noch sie sich von den dort vorhandenen Experten beraten lassen.
Wieder eine Chance vertan, das Konzept Crowdfunding für große UND kleine Projekte gemeinsam in die Zukunft zu bringen. - #11 15.12.2011 22:00 von
Ist das wirklich echtes Crowdfunding? (Teil I)
Ich finde generell Crowdfunding eine gute Sache, vor allem für Künstler und Sozialprojekte ist dieses Social Web 2.0 Instrument ein gutes Finanzierungsinstrument. Wenn nun aber etablierte Medienunternehmen, die zudem sehr gutes Geld verdienen, in die Sache einsteigen, kommen mir einige Bedenken. Daher habe ich mir den Nutzen dann mal genauer angesehen, den man als Crowdfunder denn so von der Sache hat.
Man gibt also Geld, egal wie viel, und bekommt auch Geld zurück. Schöne Sache, schaut auf den ersten Blick gut aus. Ist es das aber auch oder sieht es nur gut aus?
Wenn ich angenommen 50 EUR gebe, dann bekomme ich bei mind. 1 Mio. verkaufter Tickets meine 50 EUR zurück, wenn nur 500.000 Tickets verkauft werden, bekomme ich nur 25 EUR zurück. Meine Einlage von 50 EUR bekomme jedenfalls nicht zurück. Sondern ich erwerbe mit den 50 EUR das Recht, an den Einnahmen beteiligt zu sein. Liest man sich mal die Teilnahmebedingungen durch - welche für mich merkwürdigerweise in englisch sind (wer sich schon mit juristendeutsch probleme hat, wird es mit juristenenglisch noch schwerer haben) - stellt man zudem fest: es geht nur um die Kinoverkäufe der ersten 12 Monate, keine TV Rechteeinnahmen etc. sind hier mi drin. Zudem gilt: wird der Film nicht produziert bzw. das nötige Million nicht zusammengebracht, wird das Geld zurückgezahlt "without any deductions" (ohne Abzüge) except for management fees (ausser einer Management Fee, welche nicht genau beziffert wird und theoretisch unendlich gross sein könnte).
Also, als reines Geld Investment taugt das also nix und ist vergleichbar mit den üblichen windigen Graumarkt-Investment-"Chancen", aber der eine oder andere "ahnungslose Fan" hat sicher in blinden Faneifer nur die Dollarzeichen gesehen...(mich würde mal interessieren, wann hier Anwälte und Staatsanwälte sich mal einschalten und ermitteln wg. evt. Anlagebetrug...)
Was hab ich sonst davon?
Nun gut, der Stromberg kommt in´s Kino und ich helfe dabei mit - ich kann also als Fan mir den Stromberg also 90 Minuten und auf Riesenleinwand anschauen. Das mag für wahre Fans ja ne echte Nummer sein, aber ich bin sicher, Brainpool hätte den Film so oder so produziert und die Herren hinter Brainpool (u.a. Stefan Raab) haben eh so viel Geld, dass sie das locker hätten mal als unternehmerisches Risiko tragen können. Freikarte für´s Kino? Fehlanzeige, die bekomme erst dann, wenn ich 1000 EUR zahle. Und sonst? Eine Urkunde, man kann sich im Web was anschauen in einer "VIP Lounge", welche sicher nur die übliche Werbung enthält und das was man bei DVDs dann Bonusmaterial, Making of etc. nennt. Ach ja, ab 100 EUR werde ich im Abspann gezeigt. - #12 15.12.2011 22:01 von
Ist das wirklich echtes Crowdfunding? (Teil II)
Die etablierten Crowdfunding Projekte für Künstler im Web haben als Minimum Prämie meist ein signiertes Album oder ähnliches. Das finde ich fairer, denn es ist sowas wie ein Vorverkauf zur Finanzierung und der Fan auch wirklich was davon.
Beim Stromberg-Film-Projekt ist es leider nur Fernsehen auf die Spitze getrieben: Teuer verkauftes Glimmer und Glammer mit ein bisschen Ruhm für die Masse, die immer schon gerne mal im Abspann stehen oder Premierenkarten wollten.
Mein Fazit:
Wir sind eben leider nicht Stromberg, sondern wir (Brainpool) bleiben wir und ihr (Fans) bleibt ihr, aber euer Geld wird unser Geld. Echt clever gemachtes Marketing von Brainpool und dem u.a. dahinterstehendem Stefan Raab (der immer schon einen guten Riecher für´s Geldmachen hatte), um den Leuten ohne eigenes Risiko noch mehr Geld aus der Tasche zu leieren - davor ziehe ich den Hut. Rümpfe aber gleichzeitig die Nase, da ich mehr klare Transparenz in der heutigen Social Web 2.0 Zeit erwarten würde und die Art und Weise, wie Brainpool Crowdfunding nutzt, dieses wirklich sehr gute Instrument ad absurdum führt und in möglichen Verruf bringt. Denn es wird Nachahmer geben und dann finanziert zukünftig das Medienprekariat sein Unterschichtenfernsehen auch noch selber und wird doppelt auf´s Kreuz gelegt.
Mein Rat an alle Stromberg Fans: lasst die Finger weg davon, investiert das Geld lieber in ne Kinokarte, wenn der Film in´s Kino kommt. Das kostet max. 10 EUR und man hat dann noch 40 EUR übrig für Popcorn, Pizza und Kaltgetränk. Und ggf. noch 10 EUR am Schluss übrig für die DVD, die es dann ein 1/2 Jahr später zu kaufen gibt - da ist dann auch das Bonusmaterial aus der VIP Lounge mit drin. Nur die Urkunde und die Nennung im Abspann hat man dann nicht - aber braucht man das wirklich als echter Fan? - #13 15.12.2011 22:13 von
- #14 16.12.2011 07:47 von
Antihelden
In solchen Fällen wird übrigens gerne nicht von einem "Klobrillen - Bart", sondern von einer Gesichtsf*tze gesprochen.
- #15 16.12.2011 08:25 von
Finger weg!
Grundsätlich war ich auch bereit, dort zu investieren aus 2 Gründen.
Einerseits bin ich Fan und fände es einfach "eine gute Sache", einen Kinofilm in dieser Art zu unterstützen. Zum zweiten erwarte ich durchaus eine signifikante Besucherzahl und einen entsprechenden Benefit, der mit mind. das eingezahlte Kapital wieder rein spielt.
Dagegen sprechen aber folgende Punkte:
1) Zwangsregistrierung auf dem Datensammelportal myspass.de (Betreiber Brainpool). Einmal angemeldet, ist es nicht mehr möglich sein Profil so ohne weiteres zu löschen. (Obwohl die FAQ dort was ganz anderes behaupten)
2) Die Gebühren: Fast 51€ an Gebühren werden selbst bei Lastschrift fällig bei einer von mir ins Auge gefassten Investitionssumme von 1000€. Ich frage mich ernsthaft WOFÜR wenn ich schon bereit bin dieses Projekt zu unterstützen?
3) Die mangelnde Datensicherheit: Trotz der Angaben in den AGB's und dem Hinweis während des Zahlungsprozesses auf eine 128-bit AES Verschlüsselung, ist dieser NICHT verschlüsselt. Zumindest wird das zugrunde liegende Zertifikat nicht von den diversen Browsern erkannt. Damit bin ich nicht bereit, meine Zahlungsdaten in Form von Kontonummer oder Kreditkarten zu übermitteln.
Durch diese mehr als unprofessionelle Handhabe der interessierten Investoren, werden sicherlich eine ganze Reihe abgeschreckt. Zumindest war dies bei mir der Fall.
Allein anderen wünsche ich viel Erfolg. - #16 22.12.2011 17:37 von
so was von traurig
es kann ja nicht sein, dass ein etabliertes fernsehprodukt mit etablierten machern (die wirklich geld haben) dieses projekt nicht gebacken bekommen. crowdfunding ist eine gute sache, denn so können filme finanziert werden die gesellschaftlich relevant sind und vielleicht nicht in das "quoten" denken und die fernsehgewöhnten finanzierungsvorstellungen passen. hier kann mal auch wieder gewagt , bzw. themen angesprochen werden, die verleihern oder fernsehmachern vielleicht unangenehm sind.
damit wird ein system vermarktet und verkauft, dass bald dem untergang geweiht ist. (was kommt als nächstes? schlag den raab 90 minuten im kino 3 d?)
Die aktuellen Top-Themen
Antworten / Zitieren


