"Costa Concordia": Chaos an Bord führte zu Schiffsuntergang

APDer Kapitän, die Crew und die Reederei tragen nach Überzeugung von Experten die Schuld am Untergang der "Costa Concordia". Eine Kette von Mängeln, Missverständnissen und Unterlassungen habe zum Kentern des Kreuzfahrtschiffes geführt. Die Reederei weist die Vorwürfe zurück.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,855675,00.html
  1. #1

    Mediterrane Nautiker

    Während meiner Seemannszeit in den 60er Jahren rieten mir erfahrene Seeleute: Geh nie auf ein italienisches, griechisches oder spanisches Schiff. Das habe ich bis heute so gehalten. Und das leichtsinnig provozierte Unglück der Costa Concordia lieferte eine weitere Begründung.
  2. #2

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Kapitän, die Crew und die Reederei tragen nach Überzeugung von Experten die Schuld am Untergang der "Costa Concordia". Eine Kette von Mängeln, Missverständnissen und Unterlassungen habe zum Kentern des Kreuzfahrtschiffes geführt. Die Reederei weist die Vorwürfe zurück.

    "Costa Concordia": Kapitän, Crew und Reederei tragen Schuld an Havarie - SPIEGEL ONLINE
    So richtig was neues steht in dem Artikel aber auch nicht. Das es an Bord ein Chaos gab, war ja nun schon länger bekannt.
  3. #3

    Untergang?

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Der Kapitän, die Crew und die Reederei tragen nach Überzeugung von Experten die Schuld am Untergang der "Costa Concordia". Eine Kette von Mängeln, Missverständnissen und Unterlassungen habe zum Kentern des Kreuzfahrtschiffes geführt. Die Reederei weist die Vorwürfe zurück.

    "Costa Concordia": Kapitän, Crew und Reederei tragen Schuld an Havarie - SPIEGEL ONLINE
    Also so schlecht kann mein Verstaendnis der deutschen Sprache noch nicht geworden sein.

    Das Schiff ist nicht untergegangen, ein Grossteil ragt ja noch aus dem Wasser raus.

    Und , rein theoretisch, koennte das Schiff auch noch gerettet werden.

    bei einem Untergang haette es wegen der katastrophalen Verhaeltnisse an Bord noch weit mehr Tote gegeben.
  4. #4

    Der Kapitän hat eine angeberische Route gewählt

    und die Reederei hat die Mannschaft nicht ausreichend auf Gefahrensituationen hingewiesen/vorbereitet, das schließt den leichtfertigen und feigen Kapitän mit ein, der ja dann "aus Versehen" auch noch in ein Rettungsboot gefallen ist. Andererseits muss auch jedem Passagier auf einem Schiff klar sein, dass was passieren kann und jeder muss sein eigenes Risiko abschätzen - also keine Kreuzfahrt gebucht = kein Risiko, unterzugehen.
  5. #5

    Zitat von Ontologix II Beitrag anzeigen
    Während meiner Seemannszeit in den 60er Jahren rieten mir erfahrene Seeleute: Geh nie auf ein italienisches, griechisches oder spanisches Schiff. Das habe ich bis heute so gehalten. Und das leichtsinnig provozierte Unglück der Costa Concordia lieferte eine weitere Begründung.
    Das sagen die erfahrenen italienischen, griechischen und spanischen Seeleute uebrigens auch von deutschen Schiffen. Im Fazit aller erfahrenen Seeleute also: Geh nie auf ein Schiff! Und so habe ich es bis heute auch gehalten.
  6. #6

    Was soll der Blödsinn ?

    Ich bin schon als Kind auf uralten italienischen Schiffen zu den Inseln geschippert, als Jugendlicher zwischen den griechischen Inseln auf Pötten, die wenigstens fünfzig Jahre alt waren. 18,6 % des weltweiten Schiffsverkehrs werden von griechischen Schiffen bewerkstelligt, es dürfte nach wie vor die größte Seefahrnation der Welt sein. Der Kapitän und der Navigator können Griechen sein, der Rest sind Philipinos oder andere Billigkräfte. Und das ist auf deutschen Schiffen genauso. Auf Kreuzfahrtschiffen sind die einfachen und technischen Jobs allesamt genauso besetzt, nur beim Service mit Passagierkontakt dürften Muttersprachler eingesetzt werden, die sicher nicht fürstlich bezahlt werden. Es geht nur um die Kosten.

    Entschieden dürfte das von einem Seegerichtshof werden, der völlig anders funktioniert als ein normales Gericht, und in dem ausschließlich Fachleute über die Faktenlage urteilen. Ganz sicher wird nicht der Kapitän als billiges Opfer alleinschuldig sein, obwohl man der Reederei nur bedingt nachweisen können dürfte, daß sie diese sensationellen Fahrten in Küstennähe angeordnet hat. Und zwar deswegen, weil der Kapitän schweigen wird. Es geht nicht um Schuld, sondern um einige hundert Millionen Versicherungssumme, um Renommee, also ums Geschäft.

    Es werden sicher eine Menge Ungereimtheiten aufgedeckt werden, fehlende Koordination ist in jedem Wirtschaftunternehmen eine Hauptursache für Mißerfolge, das Urteil wird ein paar tausend Seiten umfassen, die ganz sicher kein Redakteur lesen geschweige denn verstehen wird, unsereiner ohnehin nicht, es wird auch Konsequenzen geben, aber es wird keinen allein schuldigen Kapitän geben, sondern einen, der seine Karriere erstmal begraben darf, und es wird Kostenträger geben, die das Unheil bezahlen dürfen.

    Wir wissen nichts und wir werden auch nichts wissen. Ich fahre gern auf Schiffen, und untersuche auch heute noch jeden Winkel wie ein Kind, aber mehr als ein Tag läßt die Langeweile grenzenlos wuchern.
  7. #7

    GPS und Karten sind 2 Welten

    Ich bin mal gespannt, ob da nicht ein Paradebeispiel von Rumsfelds "unknown unknowns" rauskommt. Der Pott hat ein GPS-System, das eine Ungenauigkeit im 10m-Bereich haben dürfte. Wenn die besagten Felsen also im GPS-System eingemessen worden wären, und er 100m Abstand hält, passiert bei ruhigem Wetter und ohne Strömung nix. Wenn die im Navi-System des Potts elektronisch gespeicherten Karten allerdings durch Transformation deutscher Admiralitätskarten aus dem II. Weltkrieg, denen das seinerzeit dort verwendete lokale Koordinatensystem zugrunde lag, numerisch ins WGS84 (oder was auch immer) transformiert wurden, dann kann da locker mal ne Abweichung von 100m drin sein. Das erzählt natürlich kein Vertreter der GPS-Systemhersteller, treibt aber jeden Ingenieurvermesser an den Rand des Wahnsinns, wenn er beide Welten zusammenführen soll. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass da eine Differential-GPS-Messkampagne mit Basisstation auf der Hauptinsel und Rover im Motorboot durchgeführt wurde. Sowas haben die maximal mit den Leuchttürmen an der Hafeneinfahrt gemacht, aber nicht mit jedem vorgelagerten Felsen, der womöglich noch unter Wasser liegt.
  8. #8

    Vive la difference

    Ich hatte in Beitrag Nr. 1 geschrieben: Geh nie auf ein italienisches, griechisches oder spanisches Schiff.

    Zitat von .M. Beitrag anzeigen
    Das sagen die erfahrenen italienischen, griechischen und spanischen Seeleute uebrigens auch von deutschen Schiffen.
    Das habe ich zwar noch nicht gehört, glaube es aber sofort. Auf einem deutschen Schiff könnte es ihnen nämlich im Fall einer eventuellen Havarie passieren, dass der Kapitän die Parole ausgibt "Frauen und Kinder zuerst" und dann als letzter von Bord geht.
  9. #9

    .....

    Zitat von in_medias_res Beitrag anzeigen
    Ich bin mal gespannt, ob da nicht ein Paradebeispiel von Rumsfelds "unknown unknowns" rauskommt. Der Pott hat ein GPS-System, das eine Ungenauigkeit im 10m-Bereich haben dürfte. Wenn die besagten Felsen also im GPS-System eingemessen worden wären, und er 100m Abstand hält, passiert bei ruhigem Wetter und ohne Strömung nix. Wenn die im Navi-System des Potts elektronisch gespeicherten Karten allerdings durch Transformation deutscher Admiralitätskarten aus dem II. Weltkrieg, denen das seinerzeit dort verwendete lokale Koordinatensystem zugrunde lag, numerisch ins WGS84 (oder was auch immer) transformiert wurden, dann kann da locker mal ne Abweichung von 100m drin sein. Das erzählt natürlich kein Vertreter der GPS-Systemhersteller, treibt aber jeden Ingenieurvermesser an den Rand des Wahnsinns, wenn er beide Welten zusammenführen soll. Ich kann mir jedenfalls nicht vorstellen, dass da eine Differential-GPS-Messkampagne mit Basisstation auf der Hauptinsel und Rover im Motorboot durchgeführt wurde. Sowas haben die maximal mit den Leuchttürmen an der Hafeneinfahrt gemacht, aber nicht mit jedem vorgelagerten Felsen, der womöglich noch unter Wasser liegt.
    Sie können davon ausgehen, das der Unterwasserfelsen katographisch präzise vermessen ist!
    Die Kollision mit diesem Felsen hätte sich unter Anwendung der einfachsten terrestrischen Mitteln der Navigation vermeiden lassen!
    da muss man halt nur alle 5 Min eine Peilung machen und nicht alle 30 Min. oder sich blind auf die Technik verlassen. Vielleicht hätte die Übertragung der GPS Daten in die Seekarte auch gereicht, dazu eine Kontrollpeilung, das währe es schon gewesen, Man muss nicht nur sein Handwerkszeug beherrschen sondern es auch richtig und zur Zeit anwenden!