Copyright-Kritik: Lange Schutzfrist lässt Bücher sterben

DPAEin überaus restriktives Urheberrecht schadet der Verfügbarkeit von Büchern: US-Forscher kritisieren schädliche Folgen langer Schutzfristen, deutsche Bibliotheken beklagen, dass sie fast vergessene Werke kaum digitalisieren dürfen. So verschwinden Bücher, womöglich für immer.

http://www.spiegel.de/netzwelt/netzp...829393,00.html
  1. #20

    2 dinge ...

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Soll man jetzt hingehen und regelmäßig eine "Hausdurchsuchung" bei denen machen? Findet man unveröffentlichte Werke, werden die zum Wohle der Allgemeinheit veröffentlicht?
    erste frage: nein, selbstverständlich nicht!
    zweite frage: warum nicht? (ich hätte nix dagegen) problem dabei ist, sie werden keinen verlag finden, der ein buch für lau produziert. selbst als e-book "kostet" es speicherplatz.egal wie billig RAM ist. was man(n) da tun könnte, wäre eine DRM-freie version einmal in umlauf zu bringen. das würde genügend leute (privat und bei verlagen) motivieren, die minimalen kosten des speicherplatzes zu investieren und das nachgelassene werk im internet wiederauffindbar zu verbreiten ....
    bei dieser variante schauen dann die "erben" in die röhre. mich würde es also nicht wundern, wenn sich bei einem durchsetzen dieser idee ... die anzahl an nachlasswerken (erstmal) deutlich reduzieren würde.weil die es dann als "eigenes" machwerk anbieten würden ... (natürlich nur die geldgeilen)
  2. #21

    Zitat von mister_coconut Beitrag anzeigen
    Zitat hansulrich47: "Schreibe ich ein popeliges Gedicht, darf das selbst nach meinem Tod 70 Jahre keiner drucken. Was für ein unverständlicher Irrsinn."

    Diese Behauptung ist schlicht und einfach falsch. Sie dürfen dieses Gedicht ...
    Aus dem Kontext gerissen ist alles falsch. Es ging hier um die massive Unsymmetrie zwischen fachlich geprüften geistigen Leistungen (Patenten) und "beliebigen" geistigen Leistungen wie Gedichte oder Lieder, die im Prizip von fast jedem ohne allzu großen Aufwand erstellt werden können. (Dass der Schutz bei letzteren natürlich sinnlos ist, weil das niemand drucken oder aufführen will, spielt hier keine Rolle).

    Stellen Sie sich folgendes vor: soweit mir bekannt ist, gelten auch Kompositionen, die ein von mir entwickeltes Programm erstellt hat, als mein geistiges Eigentum und sind urheberrechtlich geschützt. Nun ist es nicht schwierig, ein Programm zu erstellen, welches einfach "alle möglichen Melodien" auswirft. Das mögen viele Fantastilliarden sein, aber Plattenplatz und Rechenzeit sind ja billig. Und dann prüfe ich einfach jeden neu auf den Markt kommenden Song gegen meine Datenbank, finde weitgehende Übereinstimmung und verklage den Komponisten...

    Zitat von mister_coconut Beitrag anzeigen
    Ganz im Ernst, wer hat in der Realität schonmal selbst ein Buch verlegt bzw. gedruckt? Also bitte, Bälle flachhalten..
    In Zeiten, da das teuer war, kaum jemand. Aber schauen Sie sich doch mal die vielen kostenlosen oder exrem preisgünstigen eBook-Fassungen gemeinfreier Werke bei Amazon an. Da sehen sie, dass es durchaus Enthusiasten gibt, die ohne eigene finanzielle Interessen solche Werke zugänglich machen wollen.
  3. #22

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Bei manchen fehlt einfach das Grundverständnis! Es ist doch ein Witz.
    Ich weiß, wenn man jetzt fragt, werden einem gleich zig Märchen hier präsentiert. Aber sind wir ehrlich, hatte jemals jemand ein Problem ein Buch zu bekommen?
    ja, ich. Sogar mehrfach.
    Der Großteil der Leute liest ja eh nur triviale Literatur der Gegenwart. Und die Bücher aus der Spiegle Liste bekommen doch die ganzen Leser problemlos!
    das ist nicht das Thema.
    Wie gesagt und weiterhin fehlt es doch vielen einfach am Grundverständnis. Wenn jemand ein Patent anmeldet und einfach niemand erlaubt es zu nutzten, kann man nichts machen. Wenn jemand eine Maschine baut und nicht produziert, dann kann man nichts machen. Und wenn jemand ein Buch schreibt und sich nicht um die "Vermarktung" kümmert, dann kann man eben nichts machen.
    auch nicht das Thema.
    Es ist ja nicht so, dass sich hier Literaturexperten "aufregen" und "hochwertige" Literatur in Gefahr sehen. Da verschwindet ja nicht hochwertige Literatur für Jahrzehnte im Niemandsland.
    Und selbst wenn, dann würde ich sagen, da hat man einfach Pech gehabt.
    Belletristik ist das eine, Fachliteratur das andere. Im übrigen: würde es für Sie einen Unterschied machen, wenn sich "Literaturexperten" aufregen anstelle von Bibiotheken und Forschungseinrichtungen?
    PS: Für alle die sich so gerne an den geistigen Eigentum anderer bedienen... Es ist ja bekannt, dass unzählige Autoren Werke bei sich zu Hause haben, die oft erst nach ihrem Tot veröffentlicht werden. Einfach nur, weil der Autor es eben vorher nicht veröffentlicht. Soll man jetzt hingehen und regelmäßig eine "Hausdurchsuchung" bei denen machen? Findet man unveröffentlichte Werke, werden die zum Wohle der Allgemeinheit veröffentlicht?
    Bleiben Sie doch einfach beim Thema. Es geht nicht um Rechte an bislang nicht verlegten Werken, sondern der Klärung der Rechteinhaberschaft bei solchen Veröffentlichungen, deren derzeitige Inhaberschaft ungeklärt ist.
  4. #23

    Was in der Diskussion auch völlig unterschlagen wird, auch mit Urheberfreien Bücher wird Geld verdient. Es wird ja immer so getan, als ob ein nicht vorhandener Schutz, Bücher oder CD quasi kostenlos macht. Wenn dem so wäre, würde kein Verlag Goethe oder Schiller drucken.

    Aber natürlich ist ein Lebenslanges + 70 Jahre Monpol Lukrativer und so notwendig damit die "geistige Arbeit" auch gerecht entlonht werden kann und die vielen Romanautoren (bzw. die Nachkommen solcher) hier, keine Brötchen beim Bäcker klauen müssen.
  5. #24

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Aber sind wir ehrlich, hatte jemals jemand ein Problem ein Buch zu bekommen?
    Ich habe zur Zeit eine "Wunschliste" mit ca. 30 Büchern, die entweder nicht mehr oder nur zu weit überhöhten Preisen (5-8facher Neupreis) antiquarisch erhältlich sind. Gut, es handelt sich hier ausschließlich um spezielle Fachliteratur, aber die erhält ja den gleichen Schutz. Bei 6 (in Worten: sechs) dieser Bücher ist es mir inzwischen gelungen, den Rechteinhaber herauszufinden. Die sind erfahrungsgemäß sehr kulant was die Kopiererlaubnis betrifft. Dann brauche ich "nur noch" eine Kopiervorlage...

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Wie gesagt und weiterhin fehlt es doch vielen einfach am Grundverständnis. Wenn jemand ein Patent anmeldet und einfach niemand erlaubt es zu nutzten, kann man nichts machen.
    Nicht ganz. Als Privatperson darf ich ein Patent jederzeit nutzen, ohne den Inhaber zu fragen. Ansonsten muss ich bis 20 Jahre nach der Anmeldung warten.

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Wenn jemand eine Maschine baut und nicht produziert, dann kann man nichts machen.
    Nun, wenn die Maschine nicht durch Patente oder Muster geschützt ist, kann ich sie selbst produzieren. Da kann der ursprüngliche Erbauer nichts machen.

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    PS: Für alle die sich so gerne an den geistigen Eigentum anderer bedienen...
    Und Sie bedienen sich nicht am geistigen Eigentum Anderer? Im Gegensatz zu Autoren und Komponisten sind nämlich die meisten anderen Erbringer geistiger Leistungen gezwungen, diese völlig kostenlos abzugeben.
  6. #25

    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Wie gesagt und weiterhin fehlt es doch vielen einfach am Grundverständnis.
    Das scheint mir in der Tat der Fall zu sein.
    Zitat von n.holgerson Beitrag anzeigen
    Wenn jemand ein Patent anmeldet und einfach niemand erlaubt es zu nutzten, kann man nichts machen. Wenn jemand eine Maschine baut und nicht produziert, dann kann man nichts machen. Und wenn jemand ein Buch schreibt und sich nicht um die "Vermarktung" kümmert, dann kann man eben nichts machen.
    Nur dass ein Patent nach 20 Jahren von jedem nachgebaut werden darf. Bei einem Buch musst du warten bis der autor gestroben ist und dann nochmal 70 Jahre.

    Merkst du das grundsätzliche Verstädnisproblem, was viele damit haben?
  7. #26

    Zitat von Altschneider Beitrag anzeigen
    Die Frist für Patente ist deswegen relativ kurz, weil Technologien sich weiterentwickeln sollen - was bei einem Buch ja nicht der Fall ist.
    und das haben die Urheber vor drei Jahren gemerkt, als sie ishc mal schnell die Schutzfristen von 50 auf 70 Jahre erweitert wurde?

    Auch wenn es absurd erscheint, aber dadurch werden alle Werke geschützt von Autoren die nach 1940 gestorben(!) sind. Das bedeutet, dass nahezu für das komplette Repertoire des 20 Jahrhundert noch mal 20 Jahre länger kassiert werden kann. Wir reden also nicht von Goethe oder Schiller (zu deren Zeiten es noch kein Urheberrecht in D gab), sondern von allem was Warner, Disney, Bertelsman, usw. sich gesichert haben. also von Trivialliteratur (wenn man bei Comics überhaupt von Literatur sprechen kann).

    Letztlich führt das dazu, dass "anspruchsvolle" Literatur kaum oder gar nicht mehr nachgedruckt wird, weil es sich oftmals nicht lohnt, nur damit die Gewinne an Trivialen Inhalten länger geschützt bleiben.
  8. #27

    Natürlich ist ein Urheberrechtsschutz mit 70 Jahren nach dem Ableben des Autors nicht nachvollziehbar. zumndest nicht für den Konsumenten. bedenkt man aber mal die Sache aus der Sicht eines Verlages ist die Investition in einen Autor nur dann lohnenswert, wenn dafür vond en anderen, bekanntere (und oft schon toten Autoren ein Scherflein mit beigetragen wird. verlagswesen ist, nicht nur in diesem Punkt eine Mischkalkulation.
    Allerdings muss man auch sagen das die Realität fürdie Verlage in dieser Form nicht mehr lange rosig sein wird. Das Geschäftsmodell das so lange funktioniert hat, greift nicht mehr so lange. Immermehr greifen zu eBooks und das nicht nur aus den Regalen der Anbieter.. Anzudenken wäre das Bücher die ohnehin wie Blei in den Lagern liegen, als Ebook zu einem deutlich niedrigeren Preis als eBook erscheinen könnten um vielleicht so die Klientel nochmal zu erreichen die noch keinen Wert auf eLesen hat. Und die Kasse klingelt auch bei 1.- € pro Buch wenn genug davon unters Volk kommen. Ein verlag macht nämlich vom Verkaufpresi gerade mal 20% oder weniger.
    Den rest bekommen Aquisiteure, Buchhändler, die Druckerei und und und...
  9. #28

    Zitat von linx Beitrag anzeigen
    Was in der Diskussion auch völlig unterschlagen wird, auch mit Urheberfreien Bücher wird Geld verdient. Es wird ja immer so getan, als ob ein nicht vorhandener Schutz, Bücher oder CD quasi kostenlos macht. Wenn dem so wäre, würde kein Verlag Goethe oder Schiller drucken.
    richtig. Aber die Tätigkeit des Verlages erzeugt auch Kosten und damit einen Preis, sogar den Großteil daran.
    Aber natürlich ist ein Lebenslanges + 70 Jahre Monpol Lukrativer und so notwendig damit die "geistige Arbeit" auch gerecht entlonht werden kann und die vielen Romanautoren (bzw. die Nachkommen solcher) hier, keine Brötchen beim Bäcker klauen müssen.
    Es geht um kein "Monopol", sondern Verwertungsrechte, geregelt durch Verträge, und das ist eine komplizierte Materie. Im übrigen geht es ja nicht darum, den Druck durch Dritte zu verhindern, sondern über Lizenzen zu regeln, das ist im Verlagsgeschäft gang und gäbe, beispielsweise bei übersetzten Werken, die in anderen Ländern erscheinen und dortigen Verlagen herausgegeben werden.

    Unser Urheberrecht geht davon aus, daß es "ausgeübt" wird. Was hier zur Debatte steht ist der Fall, wo dies nicht oder nicht eindeutig zu klären ist. Die Verlage, die innerhalb der Schutzfrist Neuauflagen herausgeben wollen und nicht können, haben ja gar kein Interesse, das hinsichtlich potentiell anfallender Lizenzgebühren für "lau" zu machen.
  10. #29

    Meiner Meinung nach wird die Debatte über das Urheberrecht in diesen "piratigen" Zeiten immer befremdlicher.

    Selbstverständlich wäre es für den interessierten Leser am besten, ein Autor schriebe ein tolles Buch - umsonst, ohne jegliche Leistungsschutzrechte.

    Die Sachlage dürfte nur sein: Das wird kaum jemand tun, es sei denn, er hätte schon einen anderweitig gut bezahlten Job (in dem er überdies nicht wirklich arbeiten müsste, sonst bliebe zum Bücherschreiben ja nicht viel Zeit).

    Realistisch betrachtet: Autor X schreibt einen Roman. Findet er dafür einen Verleger (die Zahl abgelehnter Manuskripte ist groß), kann er vielleicht auf einen Vertrag hoffen, der ihm 5 bis 8% vom Nettopreis des Buches als Tantieme einräumt.

    Verkauft unser X dann sogar im Laufe der Jahre 10.000 Bücher, wäre er recht erfolgreich, und auch der Verleger macht einen Profit.

    Die meisten Bücher dringen in solche Bereiche allerdings nie vor. Und versteuern muss unser armer X seine Erlöse ja auch noch...

    Klar, also weg mit den lästigen Leistungsschutzrechten (vielleicht die einzige Hoffnung manches Schaffenden - wenigstens den Erben etwas zu hinterlassen). Allerdings frage ich mich, wer dann noch Bücher schreiben wird.

    Beziehungsweise - was müssten ein Buch wohl kosten, damit der Autor innerhalb, sagen wir mal, 25 Jahren (ab Publikation?) wenigstens auf seine Gestehungskosten käme?

    Diejenigen, die eine Analogie zum Patent befürworten, mögen das bitte einmal kurz durchrechnen. Oder wer wäre bereit, für einen einfachen Roman um die 100 EUR auszugeben, damit der Urheber in kurzer Zeit halbwegs anständig bezahlt wird?

    Und wenn ein Verleger später ein Buch neu auflegen möchte (vermutlich, weil er sich davon einen Profit verspricht), aber den Rechteinhaber nicht finden kann... nun, man kann ja auch nicht in ein leer stehendes Haus einziehen, bloß weil der Eigentümer nicht auffindbar ist. Da könnte man vielleicht eher über eine Art "Grundbuch" für Urheberrechte nachdenken.

    Freiwillig kann ein Autor sich übrigens seiner Rechte durchaus begeben. Wenn er das nicht macht, wird er vermutlich seine Gründe haben.

    Aber vielleicht denken viele heute ja: "Bücher schreiben die Leute immer..."