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Cop-Thriller "Tropa de Elite": Hier kriegt der Folterknecht Recht
Riefenstahl in Rio? Gesellschaftsanalyse? Der umstrittene Cop-Thriller "Tropa de Elite" zeigt eine knochenharte brasilianische Eliteeinheit, die in den Armenvierteln mal so richtig aufräumt. Ein politisch extrem gefährlicher Slum-Schocker.
http://www.spiegel.de/kultur/kino/0,1518,640250,00.html
- #1 04.08.2009 16:57 von
Man muss in Rio leben, um den Film wirklich zu verstehen
Ich habe fast 5 Jahre in Rio gelebt. Keinen den ich kennen, hat jemals gesagt, "die armen Drogenhändler", oder, ups ein unschuldiger. Ich arbeitet in der Nähe einer Favela: Als ich eines morgens fragte, was fuer ein schwarzer Qualm das da aus der Favela waere, meinte ein Einwohner nur, Mikrowelle "Mensch in Reifen, Alkohol übergossen, und anzünden". Alltag.
Wir haben den Film freunden hier in Europa gezeigt. Keiner konnte wirklich nachvollziehen, was fuer wirkliche Probleme der Film aufzeigt!
Die Einwohner von Rio sehnen sich dass der Drogenkrieg aufhoert, dass den korrupten Polizisten (& Politkern) den Prozess gemacht wird, dass die "reichen" in Rio (und Europa) die Drogen nicht kaufen, und dass "wir" keine Waffen mehr verkaufen.
Die Diskussion of nun zu rechts und zu links, "Protofaschisten", das interessiert in Rio keinem, denn es herrscht wirklich Krieg, jeden Tag, zu fast jeder Stunde! - #2 04.08.2009 17:03 von
Aha
Nun ja, wir sind da in Deutschland etwas hinterher. Wir arbeiten erst noch an der Herstellung wirtschaftlicher Verhältnisse, in denen solche Handlungen überhaupt möglich werden.
Brasilien ist das Labor einer mittelfristigen deutschen Zukunft wenn es in unserer Sozial- und Arbeitsmarktpolitik keine Umkehr gibt. - #3 04.08.2009 17:07 von
martialischer SPON-Titel im Bild-Stil
Was soll dieser reisserische Titel "Hier kriegt der Folterknecht Recht"? Genauso könnte man kontern: SPON stellt sich auf die Seite von folternden Drogenbaronen.
Also liebe Spiegel-Redakteure: Schreibt seriöse Überschriften und versucht nicht das Blatt mit den riesigen Buchstaben zu imitieren. Oder wollt ihr den Spiegel zur Bildzeitung für Intellektuelle machen? - #4 04.08.2009 17:12 von gspotwagner
Grobmotorische Vorwegnahme des westlichen Dilemmas
So kanns gehen wenn man sich den Bürgerkrieg in Süd- und Mittel"arm"erika zum ästhetischen Vorbild nimmt.
Bei uns geht das anders. Bürgerkrieg wird zur mentalen Lifestyle-Auseinandersetzung wieviel und welche Apps man auf dem 8/16/32er iPhone hat.
Wird dennoch erschossen, dann aus romantischen Gründen (www.citizoom.tv)
LG aus Berlin
sieh auch VICE Guide to Berlin - treffender gehts nicht.
Armselig, diese Favela-Routine - #5 04.08.2009 17:31 von
- #6 04.08.2009 17:32 von
Reden wir vom selben Film ?
Ich weiss nicht, welchen Film die Spiegel-Redaktion angesehen hat, aber der Film, den ich als "Tropa de Elite" gesehen habe, war kein Folterfilm.
Tropa de Elite zeigt den Weg des (erfolgreichen) Polizisten Nascimento, der durch die "werdende Vaterschaft" erkennen muss, dass er nicht gleichzeitig ein guter Polizist und ein guter Ehemann/Vater sein kann. Das ist ein klassisches Entwicklungsroman-Thema.
Den Haupt-Handlungsstrang des Filmes bilden nicht irgendwelche Folterszenen, sondern die Ehesituation des Protagonisten, die von "normal" über eine kurze euphorische Phase ("Ich werde Vater") unaufhaltsam auf die Katastrophe zusteuert. - #7 04.08.2009 17:57 von
Ich bin der Meinung, dass man nicht alles in diesem Film verstehen kann wenn man nicht in Brasilien aufgewachsen ist, deswegen kann er auch für viele Zuschauer vielleicht gefährlich wirken. Es ist aber definitiv ein sehr realistischer Film mit dem Wunsch nach einer ehrlichen Plolizei in einem extrem korrupten Land.
- #8 04.08.2009 18:21 von
Typisch Deutsch
Ich stimme der Meinung des Vorposters zu. Zumal gerade Rio selbst für brasilianische Verhältnisse als sehr korrupt gilt.
Jede Polizeieinheit hat in irgendeiner Form faschistoide Züge und da die BOPE auch noch an zwei Fronten zu kämpfen hat ist diese "Wir gegen alle"-Mentalität durchaus verständlich.
Das mit der NGO ist auch logisch, aber der Film zeigt da ein wesentlich breiteres Spektrum auf (naive, aber nicht Drogenkonsumierende Idealistin bis zum Zwischenhändler) als im Artikel angedeutet. Schlechte Arbeit würde ich das mal nennen.
Brasilianische Medien gehen übrigens durchaus auch von einem starken Drogenkonsum der bras. Mittelschicht aus.
Der Autor scheint daher auf einem typisch deutschen Blickwinkel fokussiert zu sein und kann damit auch nicht erwarten für voll genommen zu werden. - #9 04.08.2009 18:22 von Mail4U
Als Dokument einer sich selbst abwickelnden Zivilgesellschaft könnte der im wahrsten Sinne des Wortes paramilitärische Schocker aber keine größere Dringlichkeit aufweisen: Hier führt ein Land gegen sich selbst Krieg.
SPON wird immer mehr zum Wellnessmagazin. Hier darf sich der angeblich mehr wissende Leser über die Schrecklichkeiten eines dritte Welt Landes gänsehäutig gruseln. Spannt die Haut und schont das Hirn. SPON bedient willig und gekonnt die gängigen Klisches.
Wer ein seriöses Porträt der modernen Gesellschaft Brasiliens im Umbruch lesen möchte, greife besser zum Handelsblatt und seiner neunteiligen Doku Serie:
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