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Comic-Branche: Der Kampf der schwulen Superhelden

AP Photo/ DC EntertainmentStark! Männlich! Potent! Und verknallt in einen Kerl? Der Comicverlag DC wagt sich mit dem schwulen Superhelden Green Lantern nach vorn. Doch insgesamt tut sich die US-Branche mit Homosexualität schwer, denn konservative Lobbyisten machen Druck - und die Leser schätzen eher echte Machos.

http://www.spiegel.de/kultur/gesells...836799,00.html
  1. #20

    Zitat von Zephira Beitrag anzeigen
    Das Schöne ist ja, dass man sich bei der Superheldenvielfalt diejenigen aussuchen kann (und sogar muss), die man mag. Anders als etwas die Einführung eines Charakters in eine TV-Serie kann man also die Helden, die einem nicht zusagen, links liegen lassen. Dass Fans etablierter Geschichten sich diese nicht verbiegen lassen wollen ist nachvollziehbar, aber IMHO spricht gar nichts dagegen, neue Helden einzuführen. Von mir aus auch schwanger, polyamorös oder was weiß ich. Wem es nicht schmeckt, der kauft die Reihe dann halt nicht.
    "Zwanghaft" war blöde formuliert - von mir aus sollen Superhelden "schwanger, polamorös oder was auch immer" sein. Nur wenn diese Dinge quasi als Selbstzweck der einzige Grund für die Existenz des Helden sind ist es für mich (und man kann da selbstverständlich anderer Meinung sein) überflüssig. Wenn man eine Eigenschaft des Helden so sehr hervorheben will dann wenigstens richtig (so à la "Madam Pregnancy rettet die Welt").
    So wie es momentan im Fall von Homosexualität gemacht wird ist es einfach eine Art Klischee-beladene "Schaut mal wie tolerant wir sind"-Homestory (alleine die Texte im zweiten Bild der Fotostrecke... *schauder*) mit ein bisschen Weltretten drumherum um die Seiten zu füllen.
    Das ganze wird aufgrund von PC-Zwängen einfach viel zu verkrampft umgesetzt. Marvel/DC würden, wenn sie es ernst meinen, mehr erreichen wenn das ganze Thema quasi als Selbstverständlichkeit behandelt wird (Von wegen "Hier kommt die supermegatolle neue coole Sau von Superheld der mit dem kleinen Finger die Welt rettet während er morgens noch seinen Kaffee schlürft! Und, ach ja, schwul ist er auch"). Die heterosexualität der "alten" Superhelden war auch nie das zentrale Thema weils einfach keinen interessiert hat....
  2. #21

    Na Leser161, noch kürzer denken wär schon echt schwer, was?

    Zitat von Leser161 Beitrag anzeigen
    ...Und homosexuelle Figuren in Comics deren Leser einfach nur Ihre heterosexuellen Fantasien ausleben wollen sind nun mal eine Einschränkung...
    Blödsinn. Das ist in etwa so plausibel wie: Superhelden, die fliegen können, sind eine Einschränkung für Leser, die nicht fliegen können...
    Bei diesem Verständnis über das Funktionieren von Geschichten können sie sich wahrscheinlich auch nicht vorstellen, dass die (teilweise schon deftig expliziten) Comics des schwulen Comickünstlers Ralf König auch bei Hetero-Lesern höchst beliebt sind, nicht zuletzt bei Leserinnen. Angeblich sollen auch Heteros schon Tod in Venedig gelesen haben...
  3. #22

    Zitat von saarstudentin Beitrag anzeigen
    Dann sollten Sie mal ein Superheldencomic lesen. Das ist nicht nur Krach-Bum, sondern beinhaltet auch viel Zwischenmenschliches - schon ewig. Fast jeder Held hat seine Lois Lane. Und deren Hochzeit mit Clark Kent war ein riesiges Ereignis in den Comics der 90ern.
    Okay fairer Punkt. Aber auf diese Hochzeit wurde Jahrzehnte hingearbeitet und das war schon etwas anderes.
    Ich muss zugeben, ich lese seit Jahren schon keine Comics mehr, aber früher war es zumindest so dass es zwar gemenschelt hat, dass es Beziehungen gab die auch wirklich elementar für die Story waren, aber es wurde damit eher eine schon bestehende Geschichte bzw ein Charakter abgerundet und es war nicht der alles bestimmende Inhalt.

    Zitat von saarstudentin Beitrag anzeigen
    Mich als Fan stören homosexuelle Helden nicht im Geringsten. Allerdings stört mich die Art, wie sie eingeführt werden. Die Figur Alan Scott existiert seit über 70 Jahren, er war verheiratet und hat leibliche Kinder. Es macht schlicht keinen Sinn, dass er jetzt plötzlich schwul sein soll. Ich hoffe, das wird wenigstens ordentlich erklärt, denn nichts hasse ich mehr als die in vielen Slash-Fanfictions herrschende Unsitte des "huch, plötzlich steh ich auf Kerle und weder ich noch mein Umfeld hat damit irgendein Problem".[...]
    Homosexualität ist nun eben immer noch ein Stigma - vor allem in Amerika. Dort werden manche Teenager, die entsprechende Neigungen zeigen, immer noch von ihren Eltern in Umerziehungslager gesteckt, was für mich nichts anderes ist als Kindesmissbrauch. Auch bringen sich leider immer wieder Teenager um, weil sie verzweifelt sind und nicht wissen, wie sie ihre homosexuellen Neigungen mit der Homophobie in der Gesellschaft in Einklang bringen sollen.
    Ein homosexueller Superheld wäre ein kleiner, aber wichtiger Schritt zur Akzeptanz von Homosexualität, der dringend nötig wäre.
    Trotzdem hilft es nicht, wahllos Helden zu Homos zu machen.
    Vollste, umfassende Zustimmung. Es ist nicht der Inhalt, es ist die Umsetzung die hier nicht passt. Auch wenn es wahrlich nicht schlecht wäre wenn man das Thema mal gescheit Umsetzen würde. Um die angesprochenen homosexuellen Teenager (sowie die unter Umständen homophoben Exemplare) mit Comics zu erreichen braucht man allerdings auch einen "Helden", einen Hauptcharakter mit gewisser coolness und das geht den bisherigen Versuchen irgendwie ab....

    Zitat von saarstudentin Beitrag anzeigen
    Ende der 90er hätte DC die Gelegenheit gehabt, einen wichtigen Helden eine homosexuelle Neigung auf den Leib zu schneidern: Über den sexuell sehr schüchternen, da in einem Kloster aufgewachsenen Connor Hawke, alias Green Arrow II, wurde viel in diese Richtung spekuliert. Das hätte gepasst und dass er als Sohn des als Womanizer bekannten Oliver Queen (Green Arrow I) ebenfalls sehr attraktiv für das weibliche Geschlecht war, hätte dem ganzen zusätzliche Würze verliehen - und auch die Chance, recht unverkrampft mit dem Thema umzugehen, vielleicht wären sogar ein paar Witze drin gewesen.

    Aber diese Gelegenheit wurde verpasst. Alan Scott ist dagegen eine offensichtliche Verlegenheitslösung.
    Wie ich schon sagte, mich erinnert das Ganze an das teils sehr verkrampft umgesetzte Blaxploitation-Genre im Film und Fernsehen. Aber dies hat dann letzten Endes nach einigen Jahren zu einem "normalen" Umgang mit Afroamerikanern in diesen Medien geführt - vielleicht kann man also auch hier hoffen? Man wird sehen...
  4. #23

    Zitat von saarstudentin Beitrag anzeigen
    Ende der 90er hätte DC die Gelegenheit gehabt, einen wichtigen Helden eine homosexuelle Neigung auf den Leib zu schneidern: Über den sexuell sehr schüchternen, da in einem Kloster aufgewachsenen Connor Hawke, alias Green Arrow II, wurde viel in diese Richtung spekuliert. Das hätte gepasst und dass er als Sohn des als Womanizer bekannten Oliver Queen (Green Arrow I) ebenfalls sehr attraktiv für das weibliche Geschlecht war, hätte dem ganzen zusätzliche Würze verliehen - und auch die Chance, recht unverkrampft mit dem Thema umzugehen, vielleicht wären sogar ein paar Witze drin gewesen.
    Zumal Oliver Queen im amerikanischen Spektrum als sehr liberal (d.h. links) einzuordnen ist und damit eher wenig Probleme mit einem schwulen Sohn haben dürfte.

    Ich hab erst neulich wieder gelesen, wie sich Leute weigern, gewisse Folgen der Serie Smallville anzusehen, weil dort angeblich ihre Werte von den Autoren verhöhnt werden. Zu Erklärung: In der letzten Staffel hat sich Oliver Queen als Green Arrow geoutet und bei seinem Fernsehinterview dann eben auch darauf Bezug genommen, dass Amerika von den Einwanderen groß gemacht wurde und dass man jetzt versuche, sie per Zaun und Grenzstreifen draußen zu halten. Das war zuviel für einen ordentlichen Republikaner.

    Oliver queen interviewed "Im not alone" - YouTube
  5. #24

    Lehr-Comics

    Es passt, dass die X-Men zu den ersten Comics gehören, die das thematisieren. Das Hauptthema der Serie war schon immer die Toleranz/Diskriminierung-Thematik. Und da dort das ganze in überspitzter Form mit Mensch gegen Mutant dargestellt wird, sollte Homosexualität in der Serie ein genau so kleines Problem darstellen wie die Hautfarben der Menschen.
    Dass es nur einen Neben-Charakter getroffen hat, liegt unter anderem auch daran, dass die meisten Figuren bereits heterosexuelle Beziehungen hatten. So sehr wollte man die Fans nicht vor dem Kopf stossen, nur um ein Zeichen zu setzen.
  6. #25

    Naja das ist schon ein vielfältiges Thema.
    Sind hier manche Comicfans vieleicht bei dem Thema Homosexualität nur so weit tolerant bis es sich auf ihr eigenenes Leben auswirkt ?
    Immerhin sind Comics ja für viele ein elementarer Teil ihrer Freizeigestaltung. Sehr viele Menschen haben auch nur so lange nix gegen Homosexuelle bis sie dann einen oder eine in ihrem Bekanntenkreis oder der Familie haben.
    Auf der anderen Seite weiß ich nicht, ob man die Political Correctness wirklich auf Teufel komm raus überall reinzwingen muss.
    Wenn die Fans das nicht wollen, dann ist das eben so und das muss noch lange nichts mit Homophobie zu tun haben.
    Ich finde z.B. einen schwulen Batman (Bruce Wayne) etwas komisch, allein schon weil er im Verlauf seiner Entwicklung schon Verhältnisse mit mehreren Frauen hatte und Bruce Wayne ja auch kein Kind von Traurigkeit ist. Bei alternativen Handlungen wäre das noch was anderes.
    Ein schwuler Green Lantern funktioniert dagegen ganz gut finde ich.
    Was man aber als passend empfindet ist sicher Geschmackssache.

    Naja und was irgendwelche Zusammenschlüsse von bekloppten und bigoten Spießermuttis davon halten, ist was zum lachen und mehr nicht.
    Denn der Versuch Homosexualität so langsam aber sicher in Comics unterzubringen ist etwas ganz anderes, als mal wieder fremden Leuten vorschreiben zu wollen, was richtig und gut ist bzw. wie sie zu leben haben.
    Nicht ernst nehmen und dann erledigt sich das schon ganz von selbst.
  7. #26

    Immer nur schwul

    Erst mal etwas grundsätzliches: Es gibt einen Unterschied zwischen schwul und homosexuell. Scheint beim Spiegel nicht jeder zu verstehen.

    Und jetzt zum Artikel.
    1. Der neue, schwule Alan Scott lebt auf Earth-2, sowas wie ein Paralleluniversum. Der Alan Scott des Standarduniversums bleibt unangetastet. So gesehen ist es schon eine neue Figur.
    2. Astonishing X-Men erscheint laut Marvel-Homepage am 20.6.2012 und nicht wie im Artikel geschrieben am 27.7.2012.

    Ich finds nicht schlimm, dass die Verlage keine der "grossen" Helden verändern. Die sind halt einfach so seit Jahren. Ich will auch nicht dass Batman auf einmal in weiss rumrennt.

    Ich finds ja schön und gut, dass Sie hier den Verlagen fehlenden Mut vorwerfen, aber haben sie eigentlich schon irgendwann einmal ins Angebot von DC und Marvel geschaut?

    Batwoman ist lesbisch. Sie hat eine eigene Comicserie, die man sogar abonnieren kann.
    Die Teen Titans haben ein neues Mitglied namens "Bunker", ein mexikanischer Teenager. Schwul.
    Das ist DC.

    Bei Marvel gibt es übrigens auch einen bisexuellen Charakter, Daken, der Sohn von Wolverine.

    Nur weil es hier in Deutschland nicht jeder Nicht-Comicleser mitkriegt heisst es nicht, dass es keine homo/bisexuellen Charaktere gibt.

    Warum überlassen sie das Urteilen über Comics nicht einfach jenen, die sich damit auskennen?
  8. #27

    Und was ist mit Batwoman?

    Wirklich traurig an diesem Artikel und der nachfolgenden Diskussion ist doch, wie sehr sich alles um die Phantasien der männlichen Fans dreht - die mit dem ein oder anderen schwulen Superhelden plötzlich vielleicht nicht mehr befriedigt werden könnten.

    Dabei wird dann auch ignoriert, dass es schon längst einen homosexuellen Superhelden mit eigenem Heft unter den DC Comics gibt.
    Nämlich Batwoman. Meiner Meinung nach einer der besten Titel unter den New52. Und das nicht weil Kate Kane offen lesbisch ist - sondern weil ihre Sexualität nur ein Teil ihres Charakters ist und das Heft vor allem durch die erzählerische und zeichnerische Umsetzung besticht.

    Eigentlich ist Batwoman der beste Beweis dafür, dass die Sexualität eines Hauptcharas für ein Heft vollkommen egal sein kann. Und wenn DC mehr gute Leute ihr Handwerk machen ließe, wie sie es für richtig halten, dann bräuchten sie sich auch nicht scheuen einen männlichen Superhelden schwul zu machen.

    Viele der weiblichen Fans würde es im übrigen sehr freuen - in deren Fandoms wird wesentlich offener mit Themen wie Homosexualität umgegangen. Aber naja wie Dan Didio ja so gerne erklärt sind DC die weiblichen Fans als Zielgruppe ziemlich egal.
    Und wer es wagt zu fragen, warum denn 99% ihrer Angestellten männlich sind (im Gegensatz zu vorher 88%), wird öffentlich während eines Panels zur Sau gemacht.... Als weiblicher Fan hat man es schon nicht leicht sich (vor allem) zu DC Comics zu bekennen.
  9. #28

    Zitat von TylerD. Beitrag anzeigen
    Sind hier manche Comicfans vieleicht bei dem Thema Homosexualität nur so weit tolerant bis es sich auf ihr eigenenes Leben auswirkt ?
    Also ich hab schon einige Schwule kennengelernt. Über das ganze Spektrum hinweg: Von "der kann doch gar nichts anderes als schwul sein" bis hin zu "ich kenn den seit drei Jahren und hab nur zufällig mitbekommen, dass er auf Männer steht".

    Gerade letzteren Typus vermisst man leider oft in der fiktionalen Darstellung. Es scheint, als sei man im Fernsehen kein ordentlicher schwuler, wenn man nicht sämtliche Klischees auf der Strichliste erfüllt.
  10. #29

    DC und die Frauen

    Zitat von dars_white Beitrag anzeigen
    Wirklich traurig an diesem Artikel und der nachfolgenden Diskussion ist doch, wie sehr sich alles um die Phantasien der männlichen Fans dreht - die mit dem ein oder anderen schwulen Superhelden plötzlich vielleicht nicht mehr befriedigt werden könnten.
    Nun ja, DC Comics sind halt auf die männlichen Fans ausgerichtet, man schaue sich nur das Kostüm von z.B. Powergirl an, das ist Fan Service pur.
    Es gibt aber auch andere Beipiele, z.B. überragt Wonder Woman in 'The New Frontier' von Darwyn Cooke den nicht ganz so muskulösen Superman um ein paar Zentimeter: 'There's the door, space man!' Starke Frau.

    Dabei wird dann auch ignoriert, dass es schon längst einen homosexuellen Superhelden mit eigenem Heft unter den DC Comics gibt.
    Nämlich Batwoman. Meiner Meinung nach einer der besten Titel unter den New52. Und das nicht weil Kate Kane offen lesbisch ist - sondern weil ihre Sexualität nur ein Teil ihres Charakters ist und das Heft vor allem durch die erzählerische und zeichnerische Umsetzung besticht.
    Stimmt, besonders interessant fand ich diesem Zusammenhang die Entwicklung von Renee Montoya, die ja auch in diesem Comic auftaucht. Zunächst ist die Polizistin nur eine Nebenfigur in der Batmanserie, dann wird sie als Lesbe geoutet (Gotham Central), ihr Leben gerät aus den Fugen und schließlich wird sie die Nachfolgerin von 'The Question'. Der Zeichenstil von Batwoman ist wirklich gut, trifft aber nicht ganz meinen Geschmack.

    Eigentlich ist Batwoman der beste Beweis dafür, dass die Sexualität eines Hauptcharas für ein Heft vollkommen egal sein kann. Und wenn DC mehr gute Leute ihr Handwerk machen ließe, wie sie es für richtig halten, dann bräuchten sie sich auch nicht scheuen einen männlichen Superhelden schwul zu machen.
    Die Japaner gehen damit ja viel lockerer um. Den Manga MW von Osamu Tezuka habe ich ja schon in einem anderen Post erwähnt. Auch in anderen Geschichten (shonen-ai klammere ich jetzt mal aus) tauchen homosexuelle Charaktere auf, z.B. der Polizist Daley Wong in Bubblegum Crisis, und niemanden stört es. Aufgrund des Comic Codes war das Thema in den amerikanischen Comics halt lange tabu.

    Viele der weiblichen Fans würde es im übrigen sehr freuen - in deren Fandoms wird wesentlich offener mit Themen wie Homosexualität umgegangen.
    Als männlicher Fan würde ich mich freuen wenn mit dem Thema unverkrampft umgegangen wird. Mal sehn, wie sich die Geschichte entwickelt. Leider habe ich den Verdacht, dass es sich nur um eine Kombination aus PC und Werbegag handelt. Warten wir es ab.

    Schöne Grüße








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