Chai Time: "Wie, Sie haben keine Kinder?!"

Die Bevölkerung Südasiens wächst nicht - sie explodiert. Kein Wunder, hier herrscht eine wahre Kinderobsession, Paare ohne Nachwuchs müssen sich Fragen nach ihrer Fruchtbarkeit gefallen lassen. SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim weiß es aus eigener leidvoller Erfahrung.

http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,698198,00.html
  1. #10

    Zeit ist Geld

    Zitat von buzzi Beitrag anzeigen
    Kinder brauchen genau 3 Dinge: Liebe, Fürsorge, Bildung. In der Regel kostet das erstmal nichts.
    Natürlich kostet das, und zwar eine Menge. Zeit ist Geld.
    "Liebe, Fürsorge, Bildung" kostet viel Zeit, die dann nicht mehr zum Geldverdienen zur Verfügung steht. D.h., dass auch diejenige, die "Liebe, Fürsorge, Bildung" liefert, von jemand anders Geld benötigt für sich und das Kind.
    Da es heutzutage jedoch verpönt ist, als Frau vom Geld anderer zu leben, man dafür diffamiert wird, ist doch völlig klar, was damit gemeint ist, wenn man davon spricht, sich Kinder nicht leisten zu können bzw. erst darauf hinzuarbeiten:
    mit einer guten Ausbildung und Gehaltsaussichten bekommt man es uU hin, auch mit einer Halbtagsstelle sich und das Kind über dem Existenzminimum zu erhalten.
  2. #11

    Zurück fragen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim weiß es aus eigener leidvoller Erfahrung.
    Hasnain, frag' doch mal zurück: "Wie gedenkt ihr hier mit der Überbevölkerung umzugehen? Was für einen Plan habt ihr dafür? Wie soll das weitergehen? Wo sollen die Menschenmassen leben? Was sollen sie essen? Schon mal Gedanken gemacht?"

    Ich wette, da kommt keine gute Antwort.
  3. #12

    Kinder, Küche, Kirche...

    Zitat von heitzig-j Beitrag anzeigen
    Darum: Kinderlosigkeit ist nichts peinliches, sondern Ausdruck von globalem Verantwortungsbewusstsein!
    So würde ich es zwar nicht ausdrücken - denn es gilt nach wie vor der Spruch "ob Kinder oder keine, entscheiden wir alleine" - sprich: Kinder sind Privatsache. Die wenigsten machen sich bei entsprechenden (produktiven oder eben präventiven) Handlungen Gedanken über die Globalisierung ;)

    Aber sonst gebe ich Ihnen uneingeschränkt Recht: seit Jahrzehnten das gleiche Geheule, von wegen "wir sterben aus" - dabei wird dreierlei vergessen oder tunlichst unter den Teppich gekehrt:
    1. es werden heutzutage in Europa zwar weniger Kinder geboren als früher™ oder als woanders ® - die meisten Neuggeborenen überleben aber. Hygiene und Medizin sei Dank ist die Kindersterblichkeit so gering wie nie und wie nirgendwo sonst.
    2. es gibt weitaus weniger Kriege mit deutlich weniger Opfern. In Europa schon sowieso nicht mehr. Und es ist gut so.

    3. Die Ängste, dass die Bevölkerung anderer Kontinente/Kulturen schneller wächst als die europäische, halte ich persönlich ganz einfach für Neorassismus. Punkt.
  4. #13

    .

    Zitat von buzzi Beitrag anzeigen
    Ohjeohje, dann können wir uns ja in 50-100 Jahren auf eine neue Völkerwanderung einstellen. Leere, fruchtbare Räume im Westen für verarmte Volksmassen aus Asien.
    Mir ist mal so aufgefallen: Je weniger materielle .....
    Nicht ganz. Gerade der letzte Abschnitt des Artikels macht dies deutlich: Die Kinder, die auf der Strasse irgendwie zum Einkommen der Familie beitragen, haben zwar moeglicherweise noch Liebe und Fuersorge der Eltern (aber schon mal nicht zu der Zeit, in der sie auf der Strasse arbeiten), aber sicher keine Bildung. Ein Kind, das zunaechst zu klein zum arbeiten ist, dann in den Kindergarten geht und dann noch bis zu 13 Jahre in die Schule, kostet einfach jede Menge Geld, und wenns nur fuer Ernaehrung, Kleidung und Unterkunft ist. Ein Kind, dass ab dem Alter von 5-6 Jahren zum Familieneinkommen beitragen kann, kostet netto weniger. Selbst wenn also nur finanzielle Ueberlegungen eine Rolle spielten, haetten wir in Europa deutlich weniger Kinder als in Indien. Jetzt Recht auf freie Bildung, Schulpflicht oder Verbot der Kinderarbeit aus familienpolitischen Gruenden abzuschaffen, halte ich aber fuer Unsinn ...
  5. #14

    .

    Zitat von buzzi Beitrag anzeigen
    Ohjeohje, dann können wir uns ja in 50-100 Jahren auf eine neue Völkerwanderung einstellen. Leere, fruchtbare Räume im Westen für verarmte Volksmassen aus Asien.

    Mir ist mal so aufgefallen: Je weniger materielle .....
    Uebrigens, in China ist ein Grossteil der Bevoelkerung auch arm, aber die Kinderzahl ist trotzdem niedrig. Und das liegt inzwischen nicht mehr nur an der 1-Kind-Politik. Inzwischen wollen auch Eltern aus der unteren Mittelklasse ihrem Kind eine gute Bildung ermoeglichen, und das kostet Geld. Deshalb koennen sie sich nur eins erlauben. Die Alternative, die man manchmal sieht, ist, dass ein Kind (der aelteste oder der begabteste) an eine Schule geschickt wird, und die ganze Familie, Brueder und Schwestern inklusive, arbeiten, um ihm das zu ermoeglichen, damit es wenigstens einer aus der Familie "schafft".
  6. #15

    Zuflucht zu großen Zeiträumen

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Bevölkerung Südasiens wächst nicht - sie explodiert.
    Man kann angesichts dessen nur Zuflucht zu großen Zeiträumen nehmen, nur ein weiter Vorgriff in die Zukunft kann noch trösten. Irgendwann, nachdem aus unserem eigenen Staub schon ein paar Mal wieder neues Leben erwachsen sein wird, wird sich die Zahl der menschlichen Erdbewohner auf ein stabiles Maß einpendeln - aber das geschieht nicht von selbst: Die ferne Zukunft liegt in einer vom Menschen geplanten und gesteuerten Weltbevölkerung.

    Was auf dem Weg dorthin passiert, und wie lang der Weg ist, das weiß niemand. Wahrscheinlich sind massive Aderlässe in Form von globalen Seuchen, Hungerkatastrophen oder durch Kriege - hoffentlich bleibt die Erde überhaupt für eine nennenswerte Zahl von Menschen bewohnbar. Nennenswert? Heute sind wir nichts mehr wert, weil wir viel zu viele sind. Obwohl natürlich jedes Individuum für sich vom Gegenteil überzeugt ist, denn es schleppt sein Universum mit sich herum. Bald kommen jedenfalls die Zeiten, in denen sich zwangsweise alles um die Selbstreduktionsfähigkeit der Menschen drehen wird, und nicht mehr um ihre Reproduktionsfähigkeit. Die Diskussion über die Bevölkerungsexplosion wird schon 50 Jahre lang eher lustlos geführt, mal verebbt sie, mal schwappt sie wieder hoch - sie hat aber weder Ergebnisse noch die Einsicht gebracht, dringend Konsequenzen zu ziehen.
  7. #16

    Schlimme Überlebensrunden

    In Deutschland reicht ein Einkommen alleine heute oft nicht mehr aus,um über die Runden zu kommen. Schlimm. Wir sollten daher die Inder bitten uns Spenden zukommen zu lassen. Besonders mangelt es uns bei unseren Runden an besonders gutem Essen mindestens zweimal beim Italiener die Woche und einmal ja beim Inder. Dazu können wir uns kaum noch den dritten Urlaub im Jahr überrunden. Und unser Zweitauto ist auch schon mehr als vier Jahre gerundet. Das Einzelkind schimpft über zuwenig aufgerundetes Taschengeld das nicht mehr ausreicht die Edeljeans und den Besuch in der Trenddisco zu finanzieren. Und die Runden beim Reitverein sind schon wieder teurer geworden. Na und weil die Inder einfach nicht genug helfen, muss mein jetziger trendiger Lebensabschnittspartner deswegen auch noch arbeiten. Und weil man darum auch noch ordentlich was verdienen muss kann man sich ja nicht mal richtig im Beruf selbstverwirklichen. Wirklich menschenunwürdig die Runden in Deutschland. Schlimm.
  8. #17

    Freizeit?

    Zitat von country_yokel Beitrag anzeigen
    Auf jeden Fall ist man in Deutschland mit Kindern wesentlich schlechter gestellt. Sozialen Druck, wie in Südasien, gibt es ja bei uns nicht.
    Keiner Kinder haben bedeutet in Deutschland:
    - volle Konzentration auf die Karriere ist möglich
    - es ist viel mehr Geld für die Freizeit zur Verfügung
    - man hat viel mehr Zeit, um das Leben zu genießen
    Aha. Speziell der letzte Satz kommt mir immer in den Sinn, wenn ich von der Mittagspause 20 Minuten zur Bewegung abknappse und sehe im Schloßpark die Kinderwagenburgen, in deren Mitte sich ein Dutzend Mütter samt Kindern tummelt, lacht und scherzt.

    Ist das etwa keine Freizeit?
  9. #18

    Die Taliban und andere

    Zitat von country_yokel Beitrag anzeigen
    Ihr Loblied auf Südasien in allen Ehren, aber die Taliban und andere Radikale sind ebenfalls ein Teil Südasiens. Vielleicht ist die Perspektivlosigkeit junger Männer auch eine Folge der Überbevölkerung.
    Die Taliban sind wohl eher das Resultat fehlender Väter und fehlender Führsorge für die Kinder durch die Mutter. Ähnlich wie bei uns die 68er und vor diesen die Nazis (alles Kinder deren Kleinkindalter im Krieg oder kurz danach lag). Als Ersatz haben sie dann halt eine Religion gesucht und diese extrem radikal interpretiert.
    Interessante Frage für mich, ob wir gerade vielleicht auch auch neue Taliban oder Nazis heranziehen. Hinweise aus rasant steigende Emphatielosigkeit gibt es immerhin schon:
    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32706/1.html
    Fehlende Väter und Mütter die sich nicht mehr aussreichend um ihre Kinder kümmern gibt es heute dank "Gleichberechtigung" und ihren furchtbaren Folgen auch bei uns wieder mehr als genug.
  10. #19

    Rentensystem & Elternquote

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Die Bevölkerung Südasiens wächst nicht - sie explodiert. Kein Wunder, hier herrscht eine wahre Kinderobsession, Paare ohne Nachwuchs müssen sich Fragen nach ihrer Fruchtbarkeit gefallen lassen. SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim weiß es aus eigener leidvoller Erfahrung.

    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,698198,00.html
    Klar bekommen die Menschen Kinder als individuelle Rentenvorsorge. Deshalb wird sich das Problem in Deutschland auch von selbst lösen denn bereits die heutige Generation wird keine Rente mehr bekommen. Seltsamerweise nur glauben manche Menschen wenn Politiker behaupten 'die Renten sind sicher'. Der zweite Punkt ist natürlich das unser Rentensystem vollkommen ungerecht ist - die Kinder der Menschen die auf Karriere verzichten zahlen die horrenden Renten von Politikern mit, ganz egal ob diese selbst Kinder haben?

    Wie wärs denn statt dem angesprochenen Elterngeld mit der Elternquote die Frauenrechtler & Demographen schon seit Jahren vorschlagen. Klar hat die Wirtschaft da was dagegen aber so unabhängig sollte unserer Politik schon sein, oder? Die Welt hatte vor kurzem nen Artikel dazu, hat der Spiegel leider nicht aufgegriffen.