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Chai Time: Leben zum Spartarif

Wer genug hat von der Finanzkrise, sollte auswandern: Pakistan zum Beispiel ist eine erfreulich unkapitalistische Gesellschaft. Ein gutes Gespräch und eine Tasse Tee sind den meisten Geschäftsleuten wichtiger als ein dicker Gewinn. Doch irgendetwas in diesem Wirtschaftssystem ist gewaltig deformiert.

http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,662806,00.html
  1. #1

    ...

    Irgendetwas in unserem Wirtschaftssystem ist gewaltig deformiert. Und das wirkt bis nach Pakistan.
  2. #2

    Yo

    Zitat von sysop Beitrag anzeigen
    Wer genug hat von der Finanzkrise, sollte auswandern: Pakistan zum Beispiel ist eine erfreulich unkapitalistische Gesellschaft. Ein gutes Gespräch und eine Tasse Tee sind den meisten Geschäftsleuten wichtiger als ein dicker Gewinn. Doch irgendetwas in diesem Wirtschaftssystem ist gewaltig deformiert.

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,662806,00.html
    wandern wir hierhin aus:

    http://en.wikipedia.org/wiki/File:Indus_river.svg

    Wundererschöne Gegend beiderseits der "LOC". Viele Chaikhanas dort und dort, als Geschäftsleute werden wir dann Lapislazulischmuggler (aus Afghanistan) oder Waffenhändler. Ne Kalaschnikow (Marke Eigenbau) kostet dort nur ca. 100 Dollar. Sportlich betätigen wir uns am Polospiel, welches dort ein beliebter Volkssport ist und man muss da nicht britischer Thronfolger sein oder sonstige (Geld-)Adelsprädikate besitzen.
    Im Ernst, ich war dort mal zu "besseren" Zeiten und finde die heutige Situation dort nur noch zum Heulen. The "Great Game", wie zu Kiplings Zeiten, ist leider zurückgekehrt.
    Schade um das "Verlorene Paradies".

    Gruß aus Berlin ;(
  3. #3

    d'accord

    Zitat von Thomas Oberländer Beitrag anzeigen
    Irgendetwas in unserem Wirtschaftssystem ist gewaltig deformiert. Und das wirkt bis nach Pakistan.
    So sehe ich das auch. Wie man sieht, kann man auch leben, ohne daß sich alles um Profit dreht. Es widert mich an, daß hierzulande Job, Geld und Karriere Priorität vor allem anderen haben oder sogar haben müssen...
  4. #4

    Andere Länder - andere Sitten ...

    Wohlstand (und Freiheit ebenso) in der westlichen Welt ist eben ein Luxus, an den wir uns gewöhnt haben, den wir uns aber auch über einen jahrhundertewährenden Prozess bitter erarbeitet haben, weil wir es so wollten. Und dass wir uns dieses wohlstandsproduzierende System erhalten, liegt daran, dass sich die meisten von uns an Regeln und Werte halten: z.B. Verlässlichkeit, Gleichheitsgedanke, Verteilungsbereitschaft. Solche Werte garantieren uns den Fortbestand und die Weiterentwicklung unsere Gesellschaft, egal wie oft sie schon totgesagt oder ihr Untergang prophezeit wurde. Nach wie vor genießt eine überwältigende Mehrheit der westlichen Hemisphäre Freiheit, Wohlstand, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten usw.
    Andere Gesellschaften (z.B. die pakistanische) legen ihre Prioritäten eben anders und das Ergebnis ist dementsprechend: täglich brutale, entfesselte Gewalt durch religiöse Fanatiker, bizarre Gegensätze von bitterer Armut und groteskem Reichtum usw. Da verzichte ich gern auf solche pittoresken Begebenheiten, die der Autor so sympathieheischend zum Besten gibt. Auch ich habe oft liebreizende Plaudereien in kleinen Geschäften mit Verkäufern - und dennoch bezahle ich meine Ware.
    Mich ärgert dieses ewige Gegeneinanderausspielen der angeblich so viel fröhlicheren, netteren und freigiebigeren Menschen in fernen Ländern mit unseren in Europa lebenden, angeblich nur noch graugesichtigen und kalten Individuen, die ausschließlich ihrem Eigenvorteil hinterher hetzen.
    Ich möchte mit Pakistan nicht tauschen, bestenfalls deren wärmere Witterung, aber die haben sie sich dort auch nicht erarbeitet. Die Menschen, denen ich täglich hier in Deutschland begegne und mit denen ich zu tun habe, sind mehrheitlich freundlich, hilfsbereit, umgänglich, liebenswürdig, ehrlich, verlässlich usw. Und denen geht es auch nicht immer gut. Dennoch genieße ich in voller Dankbarkeit und Demut täglich die ungeheure Lebensqualität in unseren Breitengraden.
    Und auf die verbreitete Dämonisierungshysterie gegen "Bankster", böse Kapitalisten oder fiese Politiker lasse ich mich schon gar nicht ein. Dieses hilflose Verteufelungskrampfen entlarvt nur die eigene Untätigkeit und Bereitschaft, unsere Gesellschaft konstruktiv mitzuverbessern, wozu es alle Freiheiten und Möglichkeiten gibt.
    Welche der verglichenen Gesellschaftssysteme und Wertewelten nun "mehr deformiert ist", kann ja gern jeder für sich selbst entscheiden, eine allgemeingültige Deutungshoheit darüber steht letztlich niemandem zu.
  5. #5

    Jaja, arm aber glücklich, so unendlich glücklich

    Soifz - Eine schöne Geschichte, glaubt die auch jemand?
  6. #6

    Klima in Pakistan

    Schöner Beitrag, nur:

    Zitat von baninchenrenner Beitrag anzeigen
    ...bestenfalls deren wärmere Witterung, aber die haben sie sich dort auch nicht erarbeitet...
    Sindh-Province im August 1989: Bis 50°C mittags, bei 90% Luftfeuchte, jedoch wolkenlos weil die benachbarte Thar-Wüste alle Monsunwolken frisst. Daher findet das Leben dann nachts statt, bei "nur" ca. 35°C. Das geht ähnlch weiter in der Tiefebene bis hinter Lahore (Punjab). Nur dort ists "etwas" kühler, und es kann heftigst regnen. Bis die Kanäle voll- und überlaufen. lol. Nur in den Bergen ist das Klima für uns Europäer dann wirklich erträglich.
  7. #7

    xy

    Schon wieder ein persönlicher Erlebnisbericht eines Newcomers aus Asien. Für einen Menschen wie mich, der 13 Jahre in Asien gelebt hat, kommt ein derart oberflächlicher Bericht ziemlich überflüssig vor.

    Was die Stromrechnung betrifft, so verhält sich der Energiekonzern Vattenfall nicht anders, wird die monatliche Abschlagszahlung trotz Abwesenheit nicht ohne Weiteres senken sondern berechnet weiterhin den gewohnten Betrag. Ein ganz normaler Vorgang, der in Deutchland also nicht anders abläuft. Warum soll es in Pakistan anders sein? Warum soll sich der pakistanische Stromlieferant für das Versäumnis des Autors entschuldigen?

    Gibt es keine erfahrenen Auslandskorrespondenten mehr, die fundierte, wirklich interessante Beiträge schreiben, die mehr in die Tiefe gehen?
  8. #8

    Auf Beitrag antworten

    Zitat von baninchenrenner Beitrag anzeigen
    Wohlstand (und Freiheit ebenso) in der westlichen Welt ist eben ein Luxus, an den wir uns gewöhnt haben, den wir uns aber auch über einen jahrhundertewährenden Prozess bitter erarbeitet haben, weil wir es so wollten.
    Sagen wir es doch, wie es wirklich ist: Diesen Wohlstand haben wir uns zusammengestohlen, überall auf der Welt. Und die sogenannte Freiheit ist auch größtenteils nur noch die Freiheit,zwischen acht verschiedenen Waschmitteln und sieben verschiedenen genmanipulierten Tomatensorten zu wählen. Ein selbstbestimmtes Leben ist unter dem Ökonomisierungszwang des Kapitalismus jedoch nur möglich, wenn man sich vorauseilend gehorsam anpasst und "Werte" wie Geld, Aktien und Statussymbole zu eigen macht.

    Zitat von baninchenrenner Beitrag anzeigen
    Und dass wir uns dieses wohlstandsproduzierende System erhalten, liegt daran, dass sich die meisten von uns an Regeln und Werte halten: z.B. Verlässlichkeit, Gleichheitsgedanke, Verteilungsbereitschaft. Solche Werte garantieren uns den Fortbestand und die Weiterentwicklung unsere Gesellschaft, egal wie oft sie schon totgesagt oder ihr Untergang prophezeit wurde. Nach wie vor genießt eine überwältigende Mehrheit der westlichen Hemisphäre Freiheit, Wohlstand, Sicherheit, Entwicklungsmöglichkeiten usw.
    Jaja, glückliche Sklaven waren schon immer die erbittersten Feinde der Freiheit. Allerdings nicht die der Warenfreiheit...

    Zitat von baninchenrenner Beitrag anzeigen
    Andere Gesellschaften (z.B. die pakistanische) legen ihre Prioritäten eben anders und das Ergebnis ist dementsprechend: täglich brutale, entfesselte Gewalt durch religiöse Fanatiker, bizarre Gegensätze von bitterer Armut und groteskem Reichtum usw.
    Wie billig. Als ob es im glorreichen Westen keine Gewalt gäbe (Kindstötungen, sog. Amokläufe, Hooligans, Neonazis usw. usf.) - vom Gegensatz reich/arm mal ganz zu schweigen.


    Zitat von baninchenrenner Beitrag anzeigen
    Mich ärgert dieses ewige Gegeneinanderausspielen der angeblich so viel fröhlicheren, netteren und freigiebigeren Menschen in fernen Ländern mit unseren in Europa lebenden, angeblich nur noch graugesichtigen und kalten Individuen, die ausschließlich ihrem Eigenvorteil hinterher hetzen.
    Warum ärgert Sie das denn? Vielleicht, weil es gar nicht mal so falsch ist, wie Sie es gerne hätten?


    Zitat von baninchenrenner Beitrag anzeigen
    Und auf die verbreitete Dämonisierungshysterie gegen "Bankster", böse Kapitalisten oder fiese Politiker lasse ich mich schon gar nicht ein. Dieses hilflose Verteufelungskrampfen entlarvt nur die eigene Untätigkeit und Bereitschaft, unsere Gesellschaft konstruktiv mitzuverbessern, wozu es alle Freiheiten und Möglichkeiten gibt.
    Genau, die Finanzkrise hätte zum Beispiel der Bäcker an der Ecke verhindern können. Es lebe das Individuum! Als ob das Land der Deutschen Bank gehöre, nein, so etwas glauben nur notorische Nörgler. Ist doch alles super, hey. Mal ehrlich: Was kümmern uns schon die vielen Milliarden, die jedes Jahr an Hunger sterben? Hauptsache, wir haben selbst mehr als genug. Ist schließlich "hart erarbeitet" (das ich nicht lache!).
  9. #9

    Man darf es nicht vergessen ...

    Zitat von der.letzte.dodo Beitrag anzeigen
    Soifz - Eine schöne Geschichte, glaubt die auch jemand?
    Der Journalist ist in Islamabad, weil er es sich selbst ausgesucht hat. Und mit dem deutschen Gehalt eines Journalisten lässt es sich in Pakistan natürlich gutleben.Er hat jederzeit die Möglichkeit das Land zu verlassen, wenn es ihm nicht passt. Noch dazu darf man nicht vergessen, dass er hierzulande aufgewachsen ist und somit dies aus einem völlig anderen Gesichtspunkt betrachtet.

    Die Realität sieht anders aus.
    Natürlich ist hierzulande auch nicht alles besser. Aber ich persönlich würde auch für Pakistan entscheiden, wenn ich die Möglichkeit hätte, jederzeit fliehen zu können ;-))).








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