dapd"Das ist wilhelminischer Kitsch", sagt Ex-CDU-Generalsekretär Heiner Geißler über die Siegessäule in Berlin. Für ihn steht fest: Das Bauwerk passt nicht mehr in die heutige Zeit - sein Urteil: Die Säule ist "das dümmste Denkmal, das in Deutschland herumsteht".
http://www.spiegel.de/politik/deutsc...839551,00.html
Ohne Geißler wäre mir gar nicht mehr eingefallen, das die "Goldelse" ein militaristisches Symbol ist, aber sicherlich hat er recht, das Militarismus nichts ist, womit sich das aktuelle Deutschland brüsten sollte.
Allerdings glaube ich noch nicht einmal, das die unzähligen, aus den einst überfallenen Ländern stammenden ausländischen Touristen beim Besteigen der "Goldelse" auf solche Gedanken kommen....
Was die Siegessäule nun dümmer macht als jedes andere der mehreren hundert nationalistisch-militaristischen Denkmälern zur Feier dieser drei Siege, wäre interessant zu erfahren. Aber vielleicht ist es mit den Denkmälern wie mit den Büchern, denn mit denen ist es laut Lichtenberg wie mit den Spiegeln: Wenn ein Affe reinschaut, kann kein Apostel heraussschauen.
Das ist inhaltlich schon militaristischer Müll, allerdings hat dieses Denkmal auch eine gewisse Ästhetik und nötigt seine Botschaft dem Betrachtenden nicht unmittelbar auf - wer weiß schon ob der Bedeutung der drei Ringe von Kanonenrohren? Erkennen kann man das aus der Distanz nicht. Und wenn man sich damit befasst, dann kann man das auch historisch-kritisch tun.
Man bedenke, wie viele solcher Denkmäler im zweiten Weltkrieg und in geringerem Maße für die Materialgewinnung sogar schon im ersten Weltkrieg verschwunden sind. Absurd wird es nur, wenn solche verlorenen Denkmäler wiedererrichtet werden sollen. Dann muss man wirklich zweifeln. Muss ein Denkmal für jemanden, der sogar von seinen Zeitgenossen als Kartätschenprinz bezeichnet wurde, im Originalzustand wieder aufgestellt werden? Das ist irregeleiteter Traditionalismus, der sich nur an äußerer Form festmacht. Dasselbe gilt natürlich auch für bestimmte Gebäude, insbesondere wenn sie architektonisch nicht einmal besonders wirken, sondern ihre Bedeutung nur aus den ehemaligen Bewohnern ziehen.
....die Aussage ist richtig - und wichtig. Insbesonders in einer Zeit, da wieder im Ausland für "Ideale" gestorben wird.
Die Folgerung, daß die Säule weg soll, ist allerdings ein NoGo - die sollte stehen bleiben als Mahnmal an das, was wir garantiert nicht mehr brauchen - auch wenn Frau M. und die entsprechenden herrschenden emsig darauf hinsteuern.
Die Säule gehört genausowenig weg wie ein 2.WK-Bunker - und eine Napoleonstautue in Frankreich. Das gehört zur Geschichte eines Volkes dazu.
Pünkltich zum Sommerloch also noch die Äußerung des Herrn Geißler. Sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen, dass Denkmäler oder sonstige Kulturgüter entfernt werden sollten, nur weil sie dem heutigen Zeitgeist nicht mehr entsprechen, halte ich für bedauerlich. Niemand käme auf die Idee, heute ein Kosovo- oder Afghanistan-Denkmal auf einem zentralen Platz hinzustellen. Vor rund hundert Jahren war es aber gang und gäbe, siehe die vielen Wilhelms-Türme in ganz Deutschland, inklusive dem Hermanns-Denkmal in Detmold. Diese Bauwerke sind Teil unserer Geschichte und wenn man so will auch Teil unserer Kultur. Wenn man sich immer duckmäuserisch verhält und bei jedem Quentchen Nationalstolz den Zeigefinger hebt, das mag an richtiger Stelle sinnvoll sein, fängt aber bei ständiger Wiederholung an zu nerven. Reichlich entspannter geht man in Frankreich oder Großbritannien mit dem Thema um. Ich empfehle Herrn Geißler den Besuch des Triumphbogens in Paris. Dort werden offen heroische Schlachten gegen die deutschen Truppen zu Zeiten Napoleons gezeigt. Sagen Sie doch den Franzosen, dass das "napoleonischer Kitsch" sei...