Verblödung überall!
In der ZDF-Castingshow "Ich kann Kanzler" wurden thematisch heiße Eisen wie Bildung und Krippenversorgung diskutiert. Die waren so mehrheitsfähig wie Schokoladenpudding. Das Spektakel fand vor einer Jury statt, die aus gütiger Verständnis-Schmunzelei kaum herauskam.
http://www.spiegel.de/kultur/gesells...631537,00.html
Verblödung überall!
Was hat man sich denn erwartet? Mehr als die Vorstellung einer Jugendtheatergruppe konnte das Ganze doch nicht sein.
Der Abend brachte eine andere Erkenntnis: Matthias Matussek ist zuzustimmen, was den Moderator Steffen Seibert angeht. "Er hat dieses Format mit erstaunlicher Sicherheit gemeistert. Er fand tröstende Worte für die Verlierer, fasste die Positionen der Diskutanten präzise zusammen, oft genauer als diese selber, und empfiehlt sich ab sofort für größere Aufgaben - es müssen keine Kochshows sein."
Ich kann ihm nur beipflichten.
Huuuuuuuurrrrrrz!
Politische Diskussionsrunden - total ok
aber sowas?
oh mann :(
Man fragt sich, wie schlimm es um unsere Politik und Parteien (und den entsprechenden Partizipationsmöglichkeiten für Jugendliche) bestellt sein muss, wenn so etwas nur noch für Selbstvermarktungscastings und Phrasendreschereishows taugt?!
Letztendlich spiegelt es jedoch nur die Medialisierung unserer Politik, die Ausrichtung der politischen Debatte an Medienlogiken, der Trend zur Symbolischen Politik und die Emotionalisierung und Entsachlichung von Politik wieder - erschreckend, wie neoliberale Selbstvermarktungslogiken und mediale Laufsteg- und Aufmerksamkeitsökonomie jetzt auch auf die letzte Bastion, das Politiksystem übertragen werden.
Außer hohlen Phrasen und guten Aussehen (ja, Philip Kalisch sieht gut aus) kam nicht viel - und man wagt zu bezweifeln, ob man durch solche angelsächsisch importierte Reality-TV-Formate wirklich Jugendliche für Politik zu begeistern sind.
Denn was wird hier sozialisiert:
- Politik ist Unterhaltung, nicht inhaltlich fundiert, komplex und muss sachlich gut begründet und diskursiv ausgehandelt werden.
- In der Politik zählt Showtalent und mediale Vermarktbarkeit, nicht Arbeit an der Sache.
- In der Politik kommt es vor allem auf die Verpackung an (siehe "Aufgaben" à la Wahlplakate und so genannter Straßenwahlkampf), und wie es vermitteln werden kann. Duckmäusereitum, Wischiwaschi-Politik und hohle Claimorientierung fällt das nur in die Hände.
Dass das so rein gar nichts mit echter Politik zu tun haben sollte, weiß jeder, der sich politisch engagiert.
Es ist erschreckend, wie Medien- und Politiksystem immer mehr zu Gunsten des Ersteren verschmelzen und das Politische nur noch auf seine mediale Vermarktbarkeit selektiert wird.
Wo ist die Substanz in der Politik?
Gute Nacht, Deutschland.
Der Kübel Häme, die nun SPON und Kommentatoren über die Sendung auskippen, war vorhersehbar. Wir sind Weltmeister... im Fingerzeigen und Niedermachen von allem und jedem.
Natürlich war die Sendung oft harmloser als man es sich wünscht und es wurden Politikersprüche der Kandidaten genauso akzeptiert wie bei den grossen Vorbildern. Aber manchen Jugendlichen hat es sicher ermutigt, politisch aktiv zu werden und in der Hoffnung bestärkt, dass seine Generation kreativ und engagiert etwas zur Gestaltung des Gemeinwesens beitragen kann.
Also: warum nicht mal etwas positive Kritik in der Hoffnung, dass es beim nächsten Mal etwas schärfer zur Sache geht und damit interessanter wird?
Und wenn ich mir überlege, was die gestandenen Journalisten, ob Presse oder GEZ-finanziert, unseren Damen und Herren Politikern alles an Floskeln und leeren Worten durchgehen lassen, ohne eine einzige scharfe Gegenfrage zu riskieren, dann ist es wohlfeil, das jetzt im Umgang mit jugendlichen Kandidaten zu fordern.
naja, laut Münte ist es ja schon Steinmeier der "Kanzler kann".
Im Übrigen war es eine Vorführung junger Streber, deren Ansichten rundgelutscht dem Mainstream entsprachen. Albern und überflüssig.